Ich muss mal erzählen, dass mir von meinen Kommilitonnen gewaltig auf den Senkel geht.
Wir kennen uns jetzt 3 Wochen durch die Erstsemesterwoche.
Am Anfang ging es nur ums saufen und man hat sich in der WhatsApp-Gruppe ständig dazu irgendwo verabredet.
Ich habe das einfach ignoriert.
Diese Gruppe wurde aber eigentlich dazu gegründet, sich mit dem Studiumsthema Jura zu befassen.
Oh je, der Beginn des selbstständigen Lebens ist bei dir ja mal gehörig schief gelaufen und den ersten Kontakt zu Kommilitonen hast du dir hiermit auch verbaut durch Desinteresse.
Nun dachte ich, wenn man in der Gruppe nach Parties und Sauftouren fragen kann, dann kann man ja auch mal fragen,
ob jemand weiß, wo man Nebenjobs bekommt, warum meine Adresse noch nicht anerkannt worden ist und ob sich jemand mit dem Bafög auskennt.
Das gehört schließlich auch zum Studieren und auch teilweise zu Jura, je nach Themenschwerpunkt.
Dann musste ich mir aber anhören, dass seien meine privaten Probleme und ich soll das alleine lösen, weil das keinen interessiere.
Weißt du, ich hatte am Anfang meines Studiums in den ersten Wochen einfach andere Probleme, als mich um das Anliegen anderer zu kümmern.
Deine Fragen zeugen auch von hoher Unselbstständigkeit. "Wo finde ich Nebenjobs"... hast du zuvor nie gearbeitet? Wo findet man wohl Stellenanzeigen?
"Warum wurde meine Adresse nicht anerkannt". An den Hochschulen/Unis gibt es extra dafür eingerichtete Infozentren. Auch das zeigt, dass du etwas unbeholfen bist.
Für Bafög gibt es auch Anlaufstellen an den Unis; wenn man sich mal ein bisschen mit der Homepage des Uni beschäftigt, dann findet man auch Ansprechpartner.
Was denkst du denn wo du bist? Noch in der Schule, wo dir deine Klässler sagen, was du wie wo machen musst? Du musst unbedingt erwachsener werden, denn im Studium kannst du nich einfach blind herumlaufen und dich auf die Infos anderer verlassen.
Da ist mir einfach der Kragen geplatzt und ich habe in mehr oder weniger ähnlichen Worten geschrieben,
dass ich mich nur für meine Behinderung (Autismus) entschuldigen kann (was ich laut Etikette nicht mal müsste).
Ich habe erklärt, dass ich manche Sachen nicht wahrnehme, aber das ist ja laut denen schließlich mein Problem, deshalb bin ich darauf nicht weiter eingegangen, weil es eh keinen Zweck hätte.
Das einzig harte, was ich wirklich geschrieben habe, war, dass ich keine Lust mehr habe mit Nichtautisten zu arbeiten, weil es immer dieselbe Aussage ist:"Das ist dein Problem."
(Ja, mit psychisch Behinderten kann man so ja umgehen. Wenn jemand im Rolli sitzt, ist das aber politisch inkorrekt.)
Oh, das ist wirklich ganz ganz schlecht. Sich bei einem Problem mit Mitleid wären wollen! Schmeiß bitte nie Krankheitsbilder um dich, das kommt nicht gut.
Deine Kommilitonen können nichts dafür, dass du Autist bist und sie sind auch nicht dazu verpflichtet, Rücksicht darauf zu nehmen.
Und bitte lass einfach dieses nervige Juristengetue ("Ich habe kein Bock mich mit Nichtautisten abzugeben")... das wirkt sehr sehr arrogant und unsympathisch.
Also mit Freunden bzw. Lerngruppen hast du es dir mit diesem Kommentar ordentlich versaut. Schade.
Dann habe ich noch geschrieben, dass BaföG kein persönliches Problem ist, sondern eigentlich ein Gesetz, dass Jurastudenten kennen sollten, weshalb eine Fallübung mal nicht schlecht wäre.
Bafög ist dein persönliches Problem und im Grunde nur Bürokratie. Da muss man sich rechtzeitig vorher drum kümmern, aber wie's scheint hast du dich darüber halt gar nicht informiert.
Nach 3 Wochen willst du das in Angriff nehmen.
Zum Schluss habe ich noch geschrieben, dass jemand ganz schön schwach sein muss, wenn er einen behinderten Komilitonnen niedermachen kann, aber sich von ihm die Studienverordnung vorlesen lassen muss, in der es um manche interessante Aspekte ging und dieser behinderte Kommiliton extra 5 Jahre auf Alkohol verzichtet hat und mit Drogensüchtigen in einen Becher gepinkelt hat, um nicht in eine Behindertenwerkstatt abgeschoben zu werden, weil er sich seinen Traum auf ein Studium und ein normales Leben nicht kaputt machen lässt.
Aber als Nichtbehinderter dann dies nicht schaffen beweist eigentlich nur, dass eher der andere ein Problem hat.
Weißt du, im Campus ist es ganz einfach: die Leute müssen sich nicht mit dir abgeben. Das ist keine Schule. Man kann gehen, kommen wann man will. Man kann sich in Vorlesungen reinsetzen, Prüfungen schreiben, die nicht für dieses Semester vorgesehen sind.
Kein Mensch muss mit dir reden. Du hast es dir leider grade richtig verbaut. Sowas spricht sich schnell rum.
Du hast dich schon zum Außenseiter gemacht, bevor das Studium angefangen hat.
Jetzt heißt es nur noch "Das is' der Autist"...
Zum Abschluss blieb mir leider nur noch zu sagen, dass ich den Damen und Herren mit meiner Behinderung nicht die Saufabende vermiesen möchte, weil einige Personen wohl eher ohne Menschen mit Behinderung besser gesellig trinken könnten. Sowas ist ja schließlich normal und damit menschlich korrekt.
Du wirst dich wundern, aber bei diesen Saufrunden geht's gar nicht wirklich ums Saufen sondern eher ums Kennenlernen von Leuten aus höheren Semestern. Ich habe da auch nicht lange mitgemacht, aber ich war dabei und habe mit vielen gesprochen, die mir bei späteren Problemen viel geholfen haben. Studium heißt Kontakte knüpfen.
Als angehender Jurist solltest du vielleicht noch wissen, dass soziale Kompetenzen sehr wichtig sind... nicht nur Bücher lesen.
Dann habe ich die Gruppe verlassen, weil ich den typischen Verlauf eines solchen Mobbinganfangs zu genüge kenne.
Bei etwaigen Fragen zum Studium wende ich mich nun an das Prüfungsamt, da diese Gruppe ihren Zweck m.E. verloren hat, wenn man darin keine Fragen bezüglich des Bafög stellen darf, wenn doch das Saufen interessanter ist.
Prüfungsamt? Was haben die denn mit Bafög zu tun?
Du gehst bitte zum Studiencenter oder wie das bei euch heißt...
Nicht falsch verstehen: Es geht nicht darum, sich nicht verabreden zu dürfen, es geht darum wichtige Themen zu unterdrücken, die alle betreffen könnten. Bafög kriegen bestimmt fast alle, Wohnungswechsel haben auch 90% mitgemacht und ob jemand irgendwo Stellen kennt.
Bafög kriegen fast alle? Du hast dich wirklich gar nicht informiert.
Bafög ist ein Studentenkredit, den man nur unter strengen Bedingungen bekommt deshalb dauert so ein Antrag auch oft lange und wehe es verändern sich Einkommensverhältnis ein bisschen, dann hast du gleich "zu viel" und bist raus.
Da gibts keine Garantie.
Ich habe mir mein Abi hart erkämpft
Du gehörst wohl auch zu den Leuten, die denken, Abitur sei eine Glanzleistung. Wenn das schon schwer für dich gefallen ist, dann viel Spaß im Studium.
Ich sage nicht, dass du das Studium nicht schaffst, aber du hast es dir schon ziemlich schwer gemacht und Studieren ohne Kontakte... das ist echt hart.
PS: Sorry für kleine Schreibpatzer. Bin seit über fast 24 Stunden wach, weil ich wegen der Jobsuche um 4:30 Uhr aufstehen musste (schlechte Zugverbindung) und jetzt wieder nicht schlafen kann.
Mitleid, Mitleid, Mitleid.
Der Arme muss sich einen Nebenjob suchen, ist seit 24 Stunden wach. Ach du meine Güte... schlechte Zugverbindung, auch das noch.
Viel Spaß dir bei deinen bevorstehenden Hausarbeiten... Da kannst du ja dann auch zum Prof gehen und mit deinem Autismus kommen.
Das wird noch richtig hart für dich.