Sehr differenziert. Ich sehe, du bist ein kluger Mensch, aber gucken wir uns das mal an...
Es gibt einige Tierarten, die monogam leben (u.a. auch solche, die komplexere Sozialgesellschaften entwickeln) und die schaffen das ohne Dauerunterhaltung durch Liebeslieder, -filme, -lyrik. Sie kommen auch ganz ohne Selbstmitleid aus, sogar ohne Liebe. Kurz: Sie schaffen es ohne Pathos, daher nehme ich an, dass dieser Pathos nicht notwendige Bedingung für das Leben in Beziehungen ist.
Tatsächlich ist die Liebesheirat bei Menschen zeitgeschichtlich ein relativ modernes Phänomen. Vor nicht allzulanger Zeit hat man sich aus anderen Gründen gebunden, z.B. weil es so arrangiert wurde, wirtschaftliche Vorteile brachte, es also eine gute Partie war usw. .
Richtig. Der Mensch braucht andere Menschen. Und wieder richtig, der Mensch hat einen Sexualtrieb. Beides kann man ausleben ohne in einer Beziehung zu sein. Familiengründung war in 99% der Menschheitsgeschichte nicht verbunden mit der Idee der romantischen Liebe - das ist tatsächlich "neu", wobei ich mir natürlich nicht anmaßen würde zu wissen, was die Menschen vergangener Generationen tatsächlich dachten und wünschten. Es ist jedoch anhand der Literatur von Zeitzeugen anzunehmen, dass vergangene Generationen in den Menschen, mit denen sie ihr Leben verbrachten, nicht all den Kitsch hineininterpretierten. Es war zweckmäßig und es entstand evtl. so etwas wie eine freundschaftliche Partnerschaft, was man auch Liebe nennen kann und manche haben vielleicht auch eine Liebe erlebt, wie wir sie uns vorstellen, aber das Gros der Beziehungen war wohl er das Produkt normativen Denken und Handelns als Liebe. Die Idee, der Partner könnte mehr sein und sowohl Geborgenheit, Sicherheit, Aufregung, Verliebtheit und Erregung in sich vereinen und das ein Leben lang, ist noch nicht so alt.
Also der Versuch ist überhaupt nicht neu. Ich kann es bereits bei Platon nachlesen. Das die Urbanisierung die Anonymisierung fördert, dem stimme ich zu und es war auch ein beliebtes Thema des Expressionismus zu Zeiten der Industralisierung, als die Verstädterung begann, aber es bezog sich eher auf die Gemeinschaft und Intimität, die man im dörflichen Leben genoss, als auf die (Liebes-)Beziehung zwischen zwei Menschen.
Du klingst wie ein Propangandist der gutbürgerlichen Familie als Stützpfeiler unserer Gesellschaft. Ich stimme dir ebenfalls zu, wenn du sagst, dass das Singeldarsein in Großstädten in der heutigen Gesellschaft Ausdruck einer egozentrischen Gesellschaft ist, aber ich glaube nicht, dass es dessen Ursache auch ist. Vielmehr glaube ich, dass es Ursache unseres kapitalistischen Denkens ist. Wir sind Liebesökonomen geworden und das Ziel unseres Wirtschaftens ist das überzogene Ideal der Liebe.
Die traditionelle Familie ist meiner Meinung nach jedoch nicht der Gegenentwurf dazu. Leider setzt du das Singledarsein implizit gleich mit dem Alleinsein, als ob der Single ein Mängelwesen sei, der noch nicht angekommen, noch nicht vervollständigt ist. Es gibt verschiedene Arten zu lieben. Die exklusive romantische Liebe ist davon die egoistischste und hat eine weit weniger egoistische verdrängt - die Nächstenliebe (auch wenn ich das Wort nicht besonders mag, aufgrund seiner christlichen Konnotation). Menschen mit einem stabilen sozialen Umfeld sind nicht einsam, verkriechen sich nicht in ihre Wohnung und könnten, sofern sie sich selbst nicht mehr als dieses Mängelwesen betrachten, das du hier skizzierst, auch ein zufriedenstellendes Leben führen. Ein stabiles soziales Umfeld ist nicht gleichbedeutend mit traditioneller Familie und Familie ist nicht gleichbedeutend mit Geborgenheit.
Und zu guter Letzt habe ich mich nicht gegen Beziehungen geäußert, sondern gegen diese Art von Denken, die du hier so eloquent auf den Punkt gebracht hast.
so long
Nein, es ist völlig normal und es ist schon immer so gewesen, sonst würde keiner in Beziehungen leben.
Es gibt einige Tierarten, die monogam leben (u.a. auch solche, die komplexere Sozialgesellschaften entwickeln) und die schaffen das ohne Dauerunterhaltung durch Liebeslieder, -filme, -lyrik. Sie kommen auch ganz ohne Selbstmitleid aus, sogar ohne Liebe. Kurz: Sie schaffen es ohne Pathos, daher nehme ich an, dass dieser Pathos nicht notwendige Bedingung für das Leben in Beziehungen ist.
Tatsächlich ist die Liebesheirat bei Menschen zeitgeschichtlich ein relativ modernes Phänomen. Vor nicht allzulanger Zeit hat man sich aus anderen Gründen gebunden, z.B. weil es so arrangiert wurde, wirtschaftliche Vorteile brachte, es also eine gute Partie war usw. .
Der Mensch ist ein soziales Tier und der Mensch will sich paaren.
Richtig. Der Mensch braucht andere Menschen. Und wieder richtig, der Mensch hat einen Sexualtrieb. Beides kann man ausleben ohne in einer Beziehung zu sein. Familiengründung war in 99% der Menschheitsgeschichte nicht verbunden mit der Idee der romantischen Liebe - das ist tatsächlich "neu", wobei ich mir natürlich nicht anmaßen würde zu wissen, was die Menschen vergangener Generationen tatsächlich dachten und wünschten. Es ist jedoch anhand der Literatur von Zeitzeugen anzunehmen, dass vergangene Generationen in den Menschen, mit denen sie ihr Leben verbrachten, nicht all den Kitsch hineininterpretierten. Es war zweckmäßig und es entstand evtl. so etwas wie eine freundschaftliche Partnerschaft, was man auch Liebe nennen kann und manche haben vielleicht auch eine Liebe erlebt, wie wir sie uns vorstellen, aber das Gros der Beziehungen war wohl er das Produkt normativen Denken und Handelns als Liebe. Die Idee, der Partner könnte mehr sein und sowohl Geborgenheit, Sicherheit, Aufregung, Verliebtheit und Erregung in sich vereinen und das ein Leben lang, ist noch nicht so alt.
Neu ist eher das, was du schilderst. Der Versuch, das plötzlich alles nicht mehr zu brauchen, mit oder ohne Hilfe von Heilsteinen alleine in seiner Wohnung dahinsiechen und das auch noch gut finden. Selbstverwirklichung bis zum Erbrechen, ohne Rücksicht auf Verluste. Mir das meiste. Immer mehr Versingelung, besonders in den Großstädten. Menschen, die keiner kennt und um die sich keiner schert. Das ist Ausdruck einer egozentrischen Gesellschaft, nicht der Wunsch der Liebe und Beziehung. Den gabs schon bei unseren Vorfahren.
Also der Versuch ist überhaupt nicht neu. Ich kann es bereits bei Platon nachlesen. Das die Urbanisierung die Anonymisierung fördert, dem stimme ich zu und es war auch ein beliebtes Thema des Expressionismus zu Zeiten der Industralisierung, als die Verstädterung begann, aber es bezog sich eher auf die Gemeinschaft und Intimität, die man im dörflichen Leben genoss, als auf die (Liebes-)Beziehung zwischen zwei Menschen.
Du klingst wie ein Propangandist der gutbürgerlichen Familie als Stützpfeiler unserer Gesellschaft. Ich stimme dir ebenfalls zu, wenn du sagst, dass das Singeldarsein in Großstädten in der heutigen Gesellschaft Ausdruck einer egozentrischen Gesellschaft ist, aber ich glaube nicht, dass es dessen Ursache auch ist. Vielmehr glaube ich, dass es Ursache unseres kapitalistischen Denkens ist. Wir sind Liebesökonomen geworden und das Ziel unseres Wirtschaftens ist das überzogene Ideal der Liebe.
Die traditionelle Familie ist meiner Meinung nach jedoch nicht der Gegenentwurf dazu. Leider setzt du das Singledarsein implizit gleich mit dem Alleinsein, als ob der Single ein Mängelwesen sei, der noch nicht angekommen, noch nicht vervollständigt ist. Es gibt verschiedene Arten zu lieben. Die exklusive romantische Liebe ist davon die egoistischste und hat eine weit weniger egoistische verdrängt - die Nächstenliebe (auch wenn ich das Wort nicht besonders mag, aufgrund seiner christlichen Konnotation). Menschen mit einem stabilen sozialen Umfeld sind nicht einsam, verkriechen sich nicht in ihre Wohnung und könnten, sofern sie sich selbst nicht mehr als dieses Mängelwesen betrachten, das du hier skizzierst, auch ein zufriedenstellendes Leben führen. Ein stabiles soziales Umfeld ist nicht gleichbedeutend mit traditioneller Familie und Familie ist nicht gleichbedeutend mit Geborgenheit.
Und zu guter Letzt habe ich mich nicht gegen Beziehungen geäußert, sondern gegen diese Art von Denken, die du hier so eloquent auf den Punkt gebracht hast.
so long
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