Mit den "Geschenken Gottes" (bzw. des Lebens) sollte man vorsichtig argumentieren, denn jahrhundertelang wurde genauso argumentiert, daß Krankheiten aller Art (Pest, Cholera, Blinddarmdurchbruch... einschließlich ungewollte Kinderlosigkeit), von machtgierigen Fürsten angezettelte Dauerkriege, Hungersnöte, Armut und gesellschaftliche Ungerechtigkeiten "Strafen Gottes" seien, die deshalb klaglos und unhinterfragt hingenommen werden müßten. Ich denke, aus diesen Zeiten haben wir uns inzwischen herausentwickelt...
Hier werden Äpfel mit Birnen verglichen. Was hat das eine mit dem anderen zu tun? Kinderlosigkeit ist keine Krankheit, schon gar keine lebensbedrohliche. Nicht alles, was technisch oder medizinisch machbar ist, ist auch ethisch vertretbar. Ich halte überhaupt nichts davon, der Natur um jeden Preis ins Handwerk zu pfuschen, nur weil ich mir einbilde, zu meinem Glück unbedingt ein "eigenes" Kind zu benötigen. Was ist denn der nächste Schritt, wenn das herbeigezwungene Kind meine Vorstellungen nicht entspricht? Tausche ich es dann um? Ist mein Leben nur lebenswert, wenn alle meine Herzenswünsche in Erfüllung gehen? Denke ich dabei nur an mich oder auch an das Kind? Wie ist es z.B. bei einer anonymen Samenspende, wenn mein Kind mich hinterher fragt, wer sein Vater ist bzw. warum es ohne Vater aufwachsen muss? Was nützt eine durch riskante Hormonbehandlungen herbeigeführte Schwangerschaft, wenn sich dadurch wenige Jahre später das signifikant erhöhte Krebsrisiko realisiert und meine Kinder vielleicht schon im Schul- oder gar Vorschulalter ihre Mutter verlieren? Ich kenne einen Fall, der so tragisch ausgehen könnte und bei dem ich den eben beschriebenen Hintergrund vermute.
Siehe auch:
http://www.faz.net/aktuell/wissen/m...sfalle-unerfuellter-kinderwunsch-1464013.html
Auch wenn sich viele damit nicht abfinden wollen: Es ist nun mal nicht alles im Leben "machbar", zumindest ist nicht alles Machbare bei näherer Betrachtung wirklich wünschenswert.
Dieser Artikel spricht mir aus der Seele:
http://www.zeit.de/wissen/2013-04/ungewollt-kinderlos-giovanni-maio
Das gezielte Heranzüchten von Föten bis zur Geburtsreife in künstlichen Gebärmüttern - für Frauen, die sich Kinder wünschen, aber beispielsweise aufgrund fehlender Gebärmutter steril sind und sich auch keine einpflanzen lassen wollen oder können (letzteres vor kurzem erfolgreich praktiziert) - beispielsweise funktioniert bisher noch nicht. Aber kommen tut´s bestimmt, irgendwann, irgendwo. Würdest Du das machen lassen, sobald es ginge, um doch noch an ein eigenes Kind zu kommen -
Nein, das würde ich nicht machen lassen. Das halte ich für menschenunwürdig. Es erinnert mich an einen Brutautomaten, der für bestimmte Vögel (die als Nutztiere gezüchtet werden) geeignet sein mag. Dies ist auch nicht mit einem Brutkasten zu vergleichen, in den Frühchen kommen, die wenigstens bis dahin so lange wie irgend möglich als Föten im Mutterleib über die Nabelschnur Kontakt zu ihrer Mutter hatten.
Vor allem aber halte ich es für durchaus zumutbar, ein erfülltes Leben auch ohne erfüllten Kinderwunsch zu führen. Es müssen nicht alle meine Wünsche in Erfüllung gehen. Man reift auch daran, wenn es im Leben anders kommt als geplant und erhofft.
Wenn ich wirklich sooo kinderlieb bin, dann kann ich mich auch um Kinder anderer Leute kümmern und muss nicht auf fragwürdige Methoden zurückgreifen, um dem Schicksal ein "eigenes" Kind regelrecht abzutrotzen. Und wenn ich so extrem unter meiner Kinderlosigkeit leide, dass mir mein Leben ohne Kind nicht mehr lebenswert erscheint, dann muss kein "eigenes" Kind her, sondern ein erfahrener Psychotherapeut.