Nordrheiner
Sehr aktives Mitglied
die Frage ist, ob man den individuellen Sinn sucht oder den globalen Sinn.
Warum gibt es Leben überhaupt? Welchen Sinn hat dies?
Das mit dem Kind finde ich für mich keine zufriedenstellende Antwort
Kolya
Ich denke, hier kommen wir nur weiter, wenn wir uns über den Begriff "Sinn" klar werden.
Wir werden uns nicht über die Bedeutung klar, wenn wir merkwürdige Definitionen lesen, wie z.B. im Buddhismus. Dort heisst es: Sinn des Lebens ist es, dem Kreislauf des Leidens zu entkommen. Lust, Macht und Leben sollen diesen Kreislauf bilden.
Hier wird auffallend nicht aufgeführt, dass es auch - zumindest gedanklich - auch einen Kreislauf des Glücks gibt.
Warum es Leben überhaupt gibt, kann der Buddhist also nicht beantworten.
Peter Ustinov soll gesagt haben: "...jedenfalls macht es keinen Sinn, der reichste Mann auf dem Friedhof zu sein."
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Wenn ich ein Ziel erreichen will, z.B. Strandurlaub an der Nordsee, dann packe ich in meinen Koffer z.B. eine Badehose. Das ist sinnvoll. Sinnvoll ist also jede Tätigkeit, die hilft, ein bestimmtes Ziel zu erreichen. Hat der Mensch kein Ziel, gibt es auch keinen Sinn.
Interessant ist, dass der Mensch nach Sinn fragt. Dies setzt voraus, dass der Mensch zumindest ahnt, dass es auch ein Ziel gibt. Kennen wir unser Ziel nicht, kennen wir auch unseren Sinn des Lebens nicht. Verfolgen wir kein Ziel, gibt es auch keine Erkenntnis über den Sinn. Und umgekehrt natürlich auch.
Menschen setzen sich gerne selbst Ziele. Z.B. "ich will angenehm leben, möglichst wenig Stress haben, am besten in der Hängematte verweilen" oder "ich will mich an den Blumen erfreuen". Wir erkennen, dass durch das Setzen von Zielen auch Prioritäten und damit Fakten geschaffen werden, die in der Folge unserer Zielsetzung entstehen.
So werden der Hängemattenfan wie auch der Blumenliebhaber z.B. Beseitigung eigener oder fremder Lebensprobleme nicht an erster Stelle verfolgen, evt. sogar solchen Aufgaben ausweichen. Die Frage stellt sich: Wollen wir das? Was wollen wir überhaupt?
Wenn wir wissen, was wir wollen, können wir auch erkennen, was dazu passend sinnvoll ist.
Eine andere Herangehensweise:
eine andere Herangehenweise ist es, wenn wir aus der Sicht eines produktiv schaffenden Menschen die Frage nach dem Sinn stellen. Mir kommt das Bild eines Bildhauers in den Sinn. Er meisselt an einem Stein herum, bis er eine Figur geschaffen hat, die das ausdrückt, was der Bildhauer ausdrücken will. Der Bildhauer hat also bei seinem Schaffen auch ein Ziel vor Augen. Es könnte sein, dass der Bildhauer das Phänomen menschlicher Trauer ausdrücken will und dafür eine traurig blickende Figur schafft.
Ein Zuschauer könnte diesen Ausdruck als unvollkommen bezeichnen und sagen, dass mit Malerei oder mit Worten (Gedicht) die Trauer besser ausgedrückt wird. Auch er hat - von seinem Empfinden und Denken her - Recht.
Das Problem des Bildhauers wie auch des Betrachters liegt darin, dass es Seinszustände wie Trauer oder Glück gibt, die zeitlos und grenzenlos sind. Wir werden als Menschen immer nur den uns zugänglichen Teilaspekt wahrnehmen und ausdrücken können. Also können wir auch nur Ziele erkennen, die mit unseren Wahrnehmungsorganen sowie mit unserem Verstand fassbar sind. Ziele, die darüber hinausgehen, können wir bestenfalls ahnen, aber nicht fassen oder ausdrücken. Daraus wird deutlich, dass wir als Menschen auch bestenfalls nur einen Teil-Sinn erkennen können.
Was wir aber können, ist uns dem anzuschließen, der zeit- und grenzenlose Wahrnehmung hat. Und wenn wir IHN befragen, kommen wir dem jedes Leben umfassenden Sinn auf die Spur. Sinnvoll erscheint mir, auf dieser Spur zu leben, mich in diese Richtung zu bewegen. Der grenzenlose Schöpfer definiert den Sinn seiner Schöpfung.
Gibt es diesen Schöpfer nicht, wie Evolutionstheoretiker behaupten, gibt es auch keinen Sinn der Schöpfung. Ziellosigkeit, Zufall.... sind im wahrsten Sinne des Wortes sinnlos. Dann ist Gutsein ebenso sinnlos wie das Leben überhaupt. Der Mensch verzweifelt. Welche Logik soll es haben, zufällig einen Menschen zu schaffen, der nach dem Sinn fragt, wo es doch - aus evolutionärer Sicht - keinen Sinn gibt? Zum Essen, Trinken, Schlafen braucht es keinen dem Leben übergeordneten Sinn.
LG, Nordrheiner