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Der ''schöne Zeiten'' Tread ist eröffnet!!!

Na das will ich doch nicht hoffen, Lipi..bleib mal schön bei uns und stoppe deinen Lachanfall rechtzeitig...*lächel

Luiserl, immer wieder schön, hier auch mal lachen zu können - vielen dank für ein paar freudige Minuten im grauen Alltag!

*Parzi
 
Also was soll ich Euch erzählen? Luiserl hat immerhin einiges vorgelegt *fg*

Ich erzähl euch von meiner Reise nach Spanien.

Mein Bruder hat dort für 4 1/2 Jahre gearbeitet. Gerald ist 8 Jahre älter als ich und wollte deswegen das Nesthääckchen mal einladen zu ihm zu kommen.

Soweit so gut. Ich hab also alle Fluglinien abgeklappert um nach Pamplona zu kommen, ohne Erfolg, alles ausgebucht. Zumindest die billigen Flüge und 1.000 Mark hatte ich nicht, was also tun..........
Nachdem mein Auto auch schon mehr Rost als Auto war und mit Mautgebühren, Benzin und llem drum herum, dachte ich Zugfahren ist super, ganz toll! also fuhr ich nach Salzburg, um mir ein Ticket zu kaufen.
Es kostete 3.500 Schilling, also 500 Mark, also ca. 250€ (ist ja nur nebensächlich *fg*)
Am nächsten Tag gings also los!
Ich heim, Reisetasche gepackt, voller Erwartung.
Meine Mutter fragte noch ob ich alle Währungen habe, ich meinte nur ach wo, krieg ich alles bei der Wechselstube, hahaha weiss doch wo ich hingehen muss!

Ich kam nach Salzburg; der Zug hatte Verspätung. Ich stadn an der Wechselstube, eine ganze Reihe Menschen vor mir.
Ich wartete, sah mal kurz auf die Uhr Schei..e in 5 Minuten fährt der Zug und ich dachte nur, ach egal ich kann ja bestimmt noch im Zug Geld umtauschen! Großer Fehler!

Ich fuhr also quer durch Deutschland, da war das Ganze noch kein Problem! Immerhin zahlte ich mit Schilling und bekam dafür Mark.
Stunden vergingen. In der Zwischenzeit lernte ich einen sehr lieben Mann und seine Frau kennen, die eine Paragleitschule in Gmunden haben, zu denen ich später mal fuhr, aber zum Fallschirmmspringen und ich hätte es auch getan, wäre das ganze nicht so teuer!!!

Neun Stunden später stand ich also in Paris, keine Franch in der Tasche! Ich sollte den Bahnhof wechseln, um den Anschlusszug nach Îrun zu bekommen.
Aber wie sollte ich mir eine U-Bahn karte kaufen? Also irrte ich mitten in Paris umher, ärgerte mich grün und blau und schliesslich begann ich richtig zu bitzln (wie heisst das auf Hochdeutsch: motzen, nicht ganz spinnen - bitzln eben *fg*)
und schliesslich heulte ich wie ein Schlosshund. Das gute war: Ein Tourist hatte Mitleid mit mir und schenkte mir seine U-Bahn Karte, damit ich zum richtigen Bahnhof komme.
So, also ich hin und: Der Zug war weg! Ich dachte ich dreh durch.
Da stand ich nun, mit meiner Tasche unter lauter französische Obdachlose, die mich ansahen, als würden sie mich gleich überfallen.
Einer kam jedoch auf mich zu und fragte, ob ich denn eine Ziggarrete hätte, ob ich Französisch kann? Zu der Zeit keine Spur aber :"une Cigarette" ist leicht zu übersetzten. Ich hatte noch 10 Stück in meiner alten Packung und schenkte ihm die Ganze. Dafür passte er ohne etwas zu sagen auf mich auf!
Sobald ein anderer kam, zerrte er ihn weg und erklärte ihm glaub ich, dass ich seine Wohltäterin wäre nicht für jedermann *fg*
So, der Bahnhof schloss dann zu und um geputzt zu werden. Ist voll witzig, ich hab niergends so saubere Bahnhöfe, als wie in Paris oder Spanien gesehn!! Der, der die Putzmaschine fuhr lud mich später dann zu einem Kaffee ein und sprach wie ein Wasserfall, bis er erkannte, dass ich kein französisch kann, schliesslich war er weg.

Der Bahnhof sperrte wieder auf und ich suchte gleich, wann der nächste Zug kommen würde. Plötzlich stand ein junge Mann neben mir, fragte mich um eine Cigarette, ich antwortete auf englisch, dass ich meine letzten dem Obdachlosen geschenckt habe. Er ging. Minuten später kam er wieder um die Ecke eine Zigarette für ihn und eine für mich. er hiess Wilfried (ungewöhnlich oder? Besonders für einen schwarzen, finde ich), wir unterhielten uns sehr lange hatten riesen Spaß, er wollte unbedingt, dass ich zumindest einen Satz auf Französisch sage. Er brachte mich zur Wechselstube, Hurra ich hatte endlich Franch!!!!!!!! Und dannach zur Information, um sich für mich zu erkundigen, wann und wo der nächste Zug nach Spanien abfährt.
Wir verabschiedeten uns, er sagte er wolle mal nach Österreich kommen, gekommen ist er leider nie. Also ich endlich das richtige Geld ab zur U-Bahn und zum richtigen Bahnhof. 1 Std später Abfahrt, ich hätte es fast verschlafen, weil ich immerhin durchgemacht hab! Ich wollte aber die Platzgebühr nicht bezahlen und hab mich des wegen bei der Ausgangstür auf meine Tasche gesetzt. Als wir in Lyon waren, beutede die Kontrolleurin jedoch, ich solle mich auf einen Platz setzten, ohne zahlen zu müssen, dass hatte ich jedoch einem junger Mann zu verdanken, der in den Zug einstieg. Er hatte einen ganzen haufen Verwandtschaft am Bahnhof stehen. Er erzählte mir, dass seine Familie wollte, dass er seine Heimat besucht, damit er etwas für die Zukunft lernt. Seine Heimat war Senegal. Wir unterhielten uns zwischen Deutsch,Französisch und englisch, Hände und Füße, aber wir verstanden uns *fg* Ich schlief mit einem Gute-Nacht-Kuss auf seinem Schoß ein. In Îrun trenten sich unsere Wege. Endlich in Spanien!
An der Grenze wechselte ich auf Peseten um, setzte mich in den Zug und freute mich schon darauf meinen Bruder zu sehen! Aber ich musste ja wieder einschlafen und stieg statt in Pamplona in Victoria aus! shit!
Also wartete ich 1 Std. um einen Zug nach Pamplona zu bekommen und musste am Bahnhof von Pamplona 2 Std. warten bis mich mein Bruder abholte!!
Die 2 Wochen waren dafür irrsinnig schön. Nicht wegen der Stierkämpfe die gerade waren, aber das Ganze rundherum, war Atemberaubend! Das San-Fermin-Fest bei dem jeder Weiss-Rot gekleidet ist und das Feuerwerk jeden Abend, für jeden einzelnen Stier. Die Altstadt, die Parks und die ganzen Geschäfte, die Menschen, das Leben dort, es hat mir dort sehr gut gefallen.

Dann kam die Rückreise. Ich stand am Bahnhof, sah auf den Bildschirm und dort stand Ankunftszeit: Zug nachÎrun 15:30 Zug nach Barcelona 15:31 also machte ich was jeder normale Menschtun würde, ich stieg in den ersten Zug ein, tja pech gehabt, der ging nach Barcelona. Beim nächsten Bahnhof also wieder raus, wieder geweint, diesmal konnt aber einer von den Wächtern, sehr gut englisch und ich erklärte ihm, dass mir das jetzt zum 2ten mal passiert und ich mir schon so vorkomme, als wäre ich zum reien einfach zu blöd!!!
Er brachten den Kontrolleur dazu, dass ich ihm Franch geben durfte bis nach Îrun. Im Zug quer durch Frankreich (immerhin 11 Std.) hatte ich noch genug um zu zahlen. Aber dann kam Paris. Was mach ich bloss? Wie soll ich nur ohne Franch mit der U-Bahn zum nächsten Bahnhof kommen?
Ich dachte nur: So Gott, ich hab jetzt dich nie um einen gefallen gebeten, die ganze Reise lang, jetzt könntest du mir bitte helfen, bitte!

Ich kam zur Stiege zur U-Bahn und sah einen ganzen Haufen von den Karten, die am Boden lagen ich hob also zwei auf.
Jeder der in mal in Paris oder London war, weiss, dass hinter den Schranken, wo man durch muss nachdem man die Karte reingeschoben hat, Sicherheitesleute und Aufpasser stehen, also ich voll das mullmige Gefühl, schieb die Karte rein und.............
Grünes Licht, die Leute sahen mich ganz verdutzt an, weil ich so erleichtert und dankend in den Himmel aussah, ich war in der U-Bahn, nun konnte nix mehr schief gehen und so war es dann auch. Ich kam bis nach Hause. Meine Mutter möchte mich am liebsten heute noch schimpfen, doch ich weiss, dass ich die Ganze Zeit von oben behütet wurde und wie in meinen Spuren im Sand, getragen wurde! Vielleicht bin ich aus Gründen wie diesen zum Christen geworden? Keine Ahnung, aber es hat sicher dazu beigetragen und eines kann ich sagen, trotz all dem Ganzen, es war eine schöne Reise!!

Und ich bin verdammt froh, dass es den Euro heute gibt!!!!!
 
War doch auch mein erster Gedanke, als Du auf der Rückfahrt in Paris mit Gott ein Geschäft aushandeln wolltest. Er schickt Dir wähhrend der ganzen Reise immer wieder einen Schutzengel zu Seite und Du stehst in Paris und sagst: Jetzt hab ich dich die ganze Zeit um nichts gebeten, jetzt könntest Du mir eigentlich mal helfen.

Köstlich, ich dachte ich schnapp über, so musst ich lachen. Auch ne tolle Geschichte.
Leutz, hier kommt ein richtig spannender Kurzgeschichtenband heraus. Bin schon auf die nächsten Geschichten gespannt.

Ich glaube ich werd's nie schaffen, vor 4 Uhr ins Bett zu kommen.

Ich versuchs nochmal, mal sehen wir weit ich komm. Wahrscheinlich bis zu meiner E-mail und dann les ich mich da wieder fest, da sind dann die ganzen Beiträge der einzelnen Threads drin, die heute geschrieben wurden, und die man ja gar nicht alle im Laufe eines Tages lesen kann, wenn man auch noch antworten will.

Tschüss ihr Zauberer.
Euer Luiserl
 
Nachdem ich mich jetzt seit langem mal wieder vor Lachen schütteln musste, hier eine kleine Kurzgeschichte:

Die christliche Seefahrt

Viele Jahre fuhren wir mit dem gesammten Clan in den Urlaub.

Wie immer sollte unser Ziel Wangerooge sein und wieder wurde geplant, gepackt und es machte sich wie immer unsere typisch "sympatische" Stimmung breit.

Schon beim Übersetzen vom Festland auf die Insel, wurde meine Schwester leicht unmutig.
Um es mal so auszudrücken. Die einzige Chance für meine Schwester mit Wasser in Verbindung zu kommen, und sich dabei wohl zu fühlen ist und war die Badewanne oder das Spülen. Ansonsten hasste meine Schwester Wasser in jeglicher Form.

Auf Wangerroge angekommen, sahen wir gleich nach, wann das nächste Butterschiff nach Helgoland ablegte.

Alle freuten sich auf die Kaffeefahrt, ausser Claudia.
Aber wie meine "Mutter" so ist, sie führt das Regiment und so hatte Claudia nicht wirklich die Wahl.

Ein neuer Tag brach an, der Tag DER FAHRT. Es war wunderbares Wetter, die Sonne lachte und wir freuten uns alle riesig, ausser Claudia.

Die ganze Meute saß am Frühstückstisch und jeder erzählte was er sehen oder einkaufen wollte.
Da wir auf der Insel schon bekannt waren wie bunte Hunde, kamen auch Insolaner und baten uns Butter oder Kaffee mitzubringen.

Mit der Bimmelbahn ging es dann an den Anleger.
Claudia stand nur da und fand zur Abwechslung tatsächlich mal keine Worte mehr. Es sollte genau der gleiche "Kutter" sein, der uns einige Tage von Harlesiel nach Wangerooge übergesetzt hatte. OHWEH............es war die gleiche Nussschale.

Alle ströhmten an Bord. Schulklassen bündelten sich an verschiedenen Stellen im Schiff und auch der Clan fand ein Plätzchen.
Und so ging die Reise los. Kaum hatte das Schiff abgelegt, entschloss sich meine Schwester "und jetzt wird mir schlecht".
Zunächst war eine Bombenstimmung an Bord. Es wurde gelacht und gesungen. Alles zum Leidwesen meiner Schwester. Je mehr gesungen wurde "eine Seefahrt die ist lustig..." um so übler gelaunt wurde meine Schwester und je mehr gelacht wurde umso schneller wurde sie Seekrank.

Ich stand an Deck, trug eine riesige Kugel vor mir her. Mein erstes Herbstkätzchen sollte bald das Licht der Welt erblicken. Ich war im 8ten Monat schwanger und fühlte mich so richtig wohl. Je höher die Wellen gegen das Schiff schlugen, umso wohler fühlte ich mich. (Mein Kleiner wurde in der Tat, auch genauso eine Wasserratte wie ich.)

Claudia und Fredy saßen, mit einem Beutel bewaffnet, auf einer Bank an Deck.

Nun sollte man an dieser Stelle vielleicht erwähnen, das wenn es meiner Schwester schlecht wurde, gefälligst alle mit zu leiden hatten. Ich kann Euch garnicht sagen wie sie dann unterwegs war. Natürlich ist es immer schlimm wenn einem übel wird und ich weiß zwar nicht wie es ist Seekrank zu sein, aber ich kann mir durchaus vorstellen, das es wirklich schlimm ist. Meine Schwester war bei all Euren Fantasien, noch einen Tick schlimmer.

Jedenfalls saßen die Beiden nun da oben an Deck. Fredy hielt meiner Schwester einen 120l (ja, richtig gelesen 120l) Müllbeutel vor. Meine Schwester mittler Weile absolut unausstehlich, schubste die Tüte immer wieder zu Seite, kein Trost, keine beruhigenden Worte konnten helfen.
Und so kam es wie es kommen mußte, und Alles landete natürlich neben der Tüte auf den Boden.
Fredy wär am liebsten im Erdboden versunken (auf einem Schiff nicht ganz so ideal)
Mittler Weile wurde auf diesem Schiff so ziemlich jeder Seekrank. Wir hatten so Windstärke 7-8. Außer einigen hart Gesottenen und mir ging es wirklich allen nicht so gut.

Es verstummten die Gesänge.

Zwei "Überlebende" gingen an Deck, an meiner Schwester und Fredy, der immernoch hartnäckig versuchte meine Schwester von den Vorteilen des Müllbeutels zu überzeugen, vorbei und.............wie sollte es auch anders sein, eine von ihnen landete mit einem Fuß direkt in den Überresten auf dem Boden. Denn dieser Müllbeutel kam nie zum Einsatz. Sie stand da und schaute nach unten.
Leicht angewiedert fragte sie "ieh,.... was ist denn das?"
Worauf hin meine Schwester, mehr als trocken bemerkte:

"Zwei Nutellabrötchen und eine Tasse Kaffee"

Seit dem hat meine Schwester nur noch ein oder zweimal ein Schiff betreten, und das aber auch nur in Notwehr.
 
Schön, Gismo,
Du hast auch eine sehr humorvolle Art zu schreiben, macht Spaß zu lesen. "Christliche Seefahrt", welch herrlich passender Titel.

Macht weiter so, Leutz, es wird ein schöner Sammelband.

Her mit der nächsten Geschichte, bin schon ganz "gibberig".
Luiserl
 
Noch was zum Schunzeln gefällig?

So höret denn die Geschichte von einem kleinen Mädchen und den fliegenden Ochsen.

Es geschah in einem Sommer in Österreich auf der Lieblingsalm der Eltern, der Hanslhütte.
Dort verbrachten das 6-jährige Luiserl, der 8-jährige Roland, ihr Bruder, und der 9-jährige Patenbruder Rüdiger mit Luiserls und Rolands Eltern, wovon die Mutter die Patentante von Rüdiger war, die Sommerferien.

So, bisher noch alles verständlich und überblickbar.

Wie es halt auf so einer Alm ist, die Kinder schlafen im Heu über dem Kuhstall, die Eltern...? Keine Ahnung, wo die geschlafen haben.
Es ist eine ganz hundsgemeine Sache als 6-jähriges Mädchen mit zwei älteren "Brüdern" das Heu zu teilen, unter sich die Kuhglocken, über sich die Scheunenbalken und zwischen drin, durch kleine Luken im Scheunendach, immer wieder ein kleines Sternchen, das schön hell auf Luiserl herabblinkte.

Doch plötzlich verwandelte sich dieses kleine Sternchen in eine ekelhafte Fratze, rotleuchtend mit lauter blauen Fäden drin. Und dieses Licht bewegt sich auf dem Scheunenbalken immer näher auf Luiserl zu, und ihr wird immer ängstlicher und ängstlicher zumute, vor lauter Angst sucht sie wimmernd nach der Hand des großen Bruders, aber da war keiner mehr neben ihr im Heu. Dafür aber jetzt noch eine 2. Fratze, die in der Dunkelheit über ihr schwebte. Und bevor Luiserl, irgendo ein Loch gefunden hatte, in das sie sich hätte verkriechen können in ihrer Angst, fielen beide Fratzen mit einem ekelhaften Geheul auf sie zu. Luiserl schrie so laut, dass die Kühe unten drunter vor Schreck das Kauen vergassen, ja für einen Moment hörte man keine Glocke mehr und auch kein Platsch, Platsch der Kuhfladen.
Während Luiserl noch am Schreien war, und sich gar nicht beruhigen konnte, sondern die Augen fest zusammengekniffen hatte in der Hoffnung, dass die beiden Gespenster sie dann nicht sehen, hockten, im hellen Licht von 2 Taschenlampen zwei sich vor Lachen fast überschlagende Lümmel und versuchten dann, das Luiserl zu beruhigen, die partout nicht mehr da schlafen wollte. Erst als ihr Bruder ihr zeigte, das das Gespenst nur er selbst, mit in den Mund gesteckter, leuchtender Taschenlampe war, die beim Aufblähen der Backen die Gesichtshaut mit den Äderchen ganz durchsichtig und rot erscheinen ließ, beruhigte sich Luiserl. Plötzlich gar nicht mehr ängstlich, sondern sehr, sehr wütend, sprang es auf, und zwar so schnell, dass die beiden Buben den 2 schallenden Ohrfeigen einer kleinen Mädchenhand nicht mehr ausweichen konnten.

Naja, irgendwann kehrte endlich Ruhe ein, denn am nächsten Tag sollte eine Wanderung zu irgendeinem Gipfel gemacht werden.

Doch wie sollte es anders sein, der nächste Morgen zeigte sich sehr unbeständig und regnerisch, also wurde die Tour verschoben. Da aber so eine Hütte, ganz schön langweilig sein kann, wenn's draußen nieselt, fragten die Buben und Luiserl um Erlaubnis, mit dem Senner die Kühe heimtreiben zu dürfen. Ich geh mal stark davon aus, dass die Eltern nicht undankbar waren, die 3 lautstarken Racker mal abgenommen zu bekommen, jedenfalls gaben sie sehr schnell und spontan die Erlaubnis.

Glaubt nur ja nicht, das Erlebnis der letzten Nacht, sei schlimm gewesen. Beileibe nicht, Luiserls Schichsalsstunde sollte noch ganz andere Prüfungen für sie bereit halten.

Hab ich schon erzählt, dass der Senner stocktaub, oder wenigstens fast stocktaub war, und die Magd a bißerl bleed. Aber des war überhaupt nicht wichtig, auf dem Weg zur Kuhweide, mussten wirsie durch einen Wald, über ein Bächlein springen, an elektrischen Zäunen vorbei, bis sie am Ziel waren. Dort wurde erstmal ne deftige Brotzeit abgehalten und dann mit einem Riesenspaß die Kühe zusammengetrieben. Währenddessen hatte sich unbemerkt der Himmel dunkel bezogen und der erste Blitz mit nachfolgendem Donner öffnete die Schleusen des Himmels - schien Luiserl eher wie die Hölle - und Petrus muss das ganze Wasser, das die Engel doch trinken sollten, auf die Erde geschüttet haben, aber so richtig mit Schmackes und PLatsch, wie wenn man den Inhalt einer Spülschüssel so richtig über den Hof klatschen lässt. Verständigung untereinander war nur noch mit Handzeichen und brüllend möglich, weil inzwischen das jüngste Gericht über alle herniederbrach. Die bleede Magd rannte schreiend davon, ein Teil der Kühe und die Buben, die das Luiserl völlig vergessen hatten, hinterdrein.
Komisch, noch hatte Luiserl keine Angst, denn sie liebte Gewitter. Also fragte sie ganz mutig den Senner, ob sie die restlichen Kühe zusammentreiben soll, er könne ja schon vorgehen, sie käme dann mit den 3 fehlenden Kühen nach. Wie gesagt, Luiserl fragte nicht nur, sie brüllte die Frage dem Senner entgegen, musste ja sein, erstens wegen dem Gewitter und zweitens wegen dem, weil der Senner ja stocktaub war, oder fast stocktaub. Sie vergewisserte sich noch mal, ob das Nicken mit dem Kopf eine Bejahung war, und wieder erhielt sie ein Kopfnicken und ein lapidares "Jo, Jo". Und Luiserl sprang, davon, die 3 Kühe zu suchen, und hatte vor lauter Regen, den Senner und die anderen Kühe aus den Augen verloren.

Die Schleusen der Hölle waren weiter geöffnet, denn jetzt drohte die Erde sich langsam in einen flachen See zu verwandeln.
Und Luiserl suchte die verdammten 3 Kühe und konnte sie nicht finden.
Inzwischen war die Dämmerung heraufgezogen, der Regen hatte sich abgeschwächt und war nahe dran, sich ganz zu verziehen, nur in der Ferne war noch das Grollen und Wetterleuchten zu hören und zu sehen. Vor unserem Luiserl, dass klugerweise die Suche endlich aufgab, obwohl ich glaub das war nicht aus Klugheit, sondern sie war einfach stinkemüde, und ganz, ganz, alleine akm der Wald in Sicht. Kühe weg, Senner weg, Brüder weg und bleede Magd weg, um sie herum der inzwischen schon kohlrabenschwarze Wald, der nur den plötzlich erscheinenden Sternenhimmel durch die Baumspitzen scheinen ließ und Gott sei Dank, wagte sich auch ein kugelrunder, ganz heller Vollmond mit seinem Licht durch die Baumwipfel, und leuchtete Luiserl..... tja ich hätte ja gerne heim gesagt, aber da kam das Luiserl doch plötzlich an einen breiten, ziemlich reissenden Bach, der auf dem Herweg nicht dagewesen war. Also das war nicht der richtige Weg. Und so kam, was kommen mußte, unser Luiserl bewegte sich im Kreis, immer wieder traf sie auf den Bach, und suchte doch das kleine Rinnsal, über das man auf dem Herweg so schön drüberspringen konnte.
Irgendwann, nach einigen verzweifelten und sehr, sehr ängstlichen, flehenden Gebeten zum lieben Gott, der ja da - ach auf ihn ist halt Verlass - mit seinem großen leuchtenden runden Gesicht aufs Luiserl runterschaute, so dass sie schließlich ihren ganzen Mut zusammennahm und mit einem olympiareifen anlauf zum Sprung über den bösen, reissenden, breiten Bach ansetzte. Sie landete natürlich mitten drin, aber jetzt kam ihre Kämpfernatur durch. Laut, so laut sie konnte, sang sie, immer wieder beschwörend zum Vollmondgott aufblickend: Du kriegst mich nicht Beltzebub, ich schaff das, du kriegst mich nicht Belzebub, ich schaff das.

Und sie schaffte es tatsächlich. Klitschenass, kroch sie die kleine Böschung hinauf, und sah, trotz der Dunkelheit in einiger Entfernung tröstliche Licher durch die Nacht schimmern, die sich bewegten und von lauten Rufen nach ihr begleitet wurden. Ach endlich, nun dauerte es nicht mehr lang und sie konnte ins Warme, einen heissen Apelwein, mit reichlich Wasser vermischt, der so gut nach Nelken und Zimt roch mit den klammen Händchen umfassen, und die nasse Kleidung ausziehen. Und der Papi, ihr geliebter Papi wird sie in die Arme schließen, ihr ein dickes Bussi geben, und sie wird sein ganzes geli btes Gesicht mit den gütigen Augen mit Busserl übersäen, und die Hütte kam immer näher, und die müden Beinchen wurden wieder richtig munter, und sie stürmt in die hütte rein: "Papi, Papiii" und........?
kriegt die Ohrfeige ihres Lebens. Sie steht da, wie vom Donner gerührt, guckt ihren Papi aus riesengroßen Augen verständnislos an und versteht weder ihre Welt noch die der unbegreiflichen Erwachsenen mehr. Der Papi nimmt sie nicht in den Arm, er tröstet sie nicht, er gibt ihr kein dickes Bussi,.....? Was hat sie denn nur verbrochen. Und der Papi dreht sich um, und sie sieht nicht, wie ihm die Tränen übers Gesicht laufen (und der Erzählerin in der Erinnerung auch), und sie rennt in die Scheune und schmiegt sich Trost suchend an die große Kuh mit der Glocke um den Hals. Und es war so schön warm im Kuhstall, und die Kuh hat gar nicht gestunken, sondern angenehm gerochen.
Und während ihr die Tränen übers Gesicht laufen, war sie kein mutiges kleines Mädchen mehr, sondern nur noch ein Häufchen Elend, dass die Welt nicht mehr verstand.

Wie sollte sie denn auch wissen, dass die Eltern voller Sorge immer wieder den alten Senner nach ihr fragten und er immer wieder beteuerte sie sei davon gelaufen ohne etwas zu sagen. Und die Eltern hatten ihr doch vorher so eingebleut, sie muss dem Senner gehorchen.
Und der Vater sorgte sich immer mehr um sein Kind, und die Zeit verging und sein Luiserl kam nicht, und das Gewitter und der Wald, und der Donner und die Blitze, und der Suchtrupp ist schon so lange unterwegs.....
und dann springt dieses kleine Etwas trotz aller Strapatzen fröhlich zur Tür herein, und er fühlt sich verhöhnt in seiner Angst um sie, nicht etwa, dass er in dem Moment zu klaren Gedanken fähig gewesen wäre, er fühlte nur die entsetzliche Angst um sein Kind, und da hüpft sie, frech wie immer zu Tür herein...... und da plötzlich, er weiß selber nicht wie ihm geschieht, bricht seine ganze Angst und der Zorn, dass sie ihm soviel Angst gemacht hat, nur weil sie wieder mal nicht folgen konnte - der Arme, er wusste es ja nicht besser - blöde Schwerhörigkeit von dem stock-, na ja, fast stocktauben Senner - na ja in dem Moment entlädt sich alles, was an Gefühl in ihm war, und vor lauter Erleichterung, Zorn, Angst, was weiß ich, was da in einem Vaterherz vor sich geht, rutscht ihm die Hand aus und er schlägt das kleine, trotz aller Strapatzen fröhliche Luiserlmitten auf die kleine Wange, mit einer Hand, die größer war als ihr Gessicht. Im nächsten Augenblick als er merkte, was er getan hatte, schämte er sich so sehr, und war mindestens ebenso unglücklich und traurig, wie sein Luiserl.
Aber da er ein sehr gerechter, aber auch sehr konsequenter Papi war, folgte er seinem Luiserl in den Kuhstall, und jetzt endlich durfte sie in seinen Armen, an seiner großen, starken Schulter, sich ausweinen, und er bat sie immer wieder um Verzeihung, dass er so reagiert hatte. Dem Luiserl war das doch so schnurz, wie nur was, hauptsache er hat ihr verziehn, denn irgendwas muss sie ja falsch gemacht haben, weil sie immer nur ne Watschn oder den Tepichklopfer...., quatsch, der kam ja erst mit 8 Jahren ins Spiel, bekam, wenn sie was Böses angestellt hatte, und sie war absolut kein Engelchen, da hatten sich schon so manche kleine Teufeleien in ihre 6 Jahre eingeschlichen, und ne Watschn mit Papis Wagenrad von Hand, war ihr eigentlich auch schon vertraut. Wie es, Gott sei Dank immer ist, wenn man liebt, die Wogen glätteten sich, Luiserl bekam nun doch was zu essen, und über den Ungehorsam dem Senner gegenüber, sollte am nächsten Tag gesprochen werden. Und da das Wetter schön zu werden versprach, wurden schon die Rucksäcke für den nächsten Tag gepackt, aber Luiserls Rucksack nicht. Aber sie war so selig, dass Papi nicht mehr bös und Mami nicht mehr traurig war, dass ihr das alles im Moment egal war, sie wollte jetzt nur noch schlafen.

Am nächsten Morgen um 5 Uhr standen alle auf, backten ihre Brotzeit ein, und da Luiserls Rucksack nicht gepackt wurde, musste sie ja fragen, den Bruder, weil vorm Papi, der machte so ein strenges Gesicht, hielt man sich wohlweislich erst mal ein bißchen in Abstand. Und der Bruder erzählte ganz stolz, ja sie würden nun einen ganz großen Gipfel besteigen und dafür sei das Luiserl noch zu klein und außerdem, wenn sie nicht folgen kann, sondern einfach wegläüft kann man sie ja auf den Berg auch nicht mitnehmen. Aber die Mama blieb ja auch da, und überhaupt, der Ausflug war nur was für Männer. Na gut, nachdem man ihr noch versprochen hatte, ihr ein großes Eis mitzubringen, war Luiserl besänftigt, außerdem hat ihr die Sennerin versprochen, sie dürfte auch mal versuchen eine Kuh zu melken, wer so tapfer alleine durch die Nacht läuft, der ist groß genug dafür, und beim Butter machen durfte sie zusehen und die Eier alleine aus dem Hühnerstall holen, und dann stand noch ein Spaziergang mit Mamma und dem Sennhund in die Pilze aus.
Also eigentlich war der Tag prall voll mit Abenteuern. Kuh melken, war das größte, ....dachte Luiserl. Aber nachdem sie 2 mal vom Dreifußschenel im Dreck, und der Kuhschwanz dreimal in ihrem Gesicht gelandet war, fand sie Kuhmelken gar nicht mehr so prickelnd. Es wurde trotzdem ein wunderschöner Tag und als sie gegen Abend einen lauten Jodler von draußen hörte, da erinnerte sie sich an das Eis-Versprechen und sauste zur Tür raus. Müde, aber fröhlich kamen der große und die 2 kleinen Männer von ihrer Tour zurück. Und es dauerte nicht lang, da kam es zu dem folgenschweren Dialog zwischen Luiserl und ihrem Bruder, der sie noch verfolgen sollte, als sie zum ersten mal ihre Jugendliebe zuhause vorstellte (10 Jahre später, aber Brüder sind unbarmherzig, besonders ältere).
Vorausschicken sollte ich wohl noch, das in Luiserls Augen eie Berggipfel immer noch so ein spitzes Dreieck war.
"Wo ist denn mein Eis"
"Ham mer keins, wär doch geschmolzen bis hierher, aber ich hab Dir ne Zeichnung gemacht, wo wir waren", und schon hatte Luiserl ein Blatt Papier mit so einem spitzen Dreieck drauf in der Hand,
"Aber wir ham Eis gegessen"
"Is ja gar net war, Du lügst"
"Nein ehrlich war unheimlich lecker".
"wo willst des denn hergehabt habm"
Und der Bruder nahm die Zeichnung, deutete auf die Spitze des Dreiecks und erklärte ganz geduldig dem begriffstutzigen Luiserl:
"Schau her Luiserl, da oben auf dem Gipfel, da steht der Eiskiosk"
"Du lügst doch schon wieder, der würd ja runterfalln"
"Ach Luiserl, was bist Du doch dumm, der ist doch ganz fest mit ganz dicken Drahtseilen festgemacht"
"Ach soo" also das konnte sich Luiserl vorstellen. Der viereckige Kiosk war oben auf der Spitze von dem Dreieck festgezurrt, wie halt Seilbahnen auch, mit so dicken Seilen, aber eins war ihr noch unklar:
"Du, Roland, sag mal, wie kommt eigentlich das Eis da rauf"
"Ach, das ist kein Probelm, das machen die fliegenden Ochsen"
"Du spinnst doch, fliegende Ochsen gibts ja gar net, die ham doch überhaupt keine Flügel"
"Mei Luiserl, bist Du dumm, die machens wie ein Flugzeug. Der Schwanz dreht sich so schnell wie ein Propeller und die Ohren werden zur Seite ausgestreckt, wie die Tragflächen von einem Flugzeug, kapierst es jetzt, Du Doofe?"

Na aber jetzt, doof war Luiserl ganz bestimmt net, also nickte sie eifrig mit dem Kopf "ach so, ja dann! Ja was habt ihr mir denn jetzt mitgebracht?"
Frag'n Papi, der hats eingesteckt, ich glaub Schokolad". DAS ließ Luiserls sich nicht 2x sagen, die fliegenden Ochsen waren vergessen, jetzt war nur noch die Schokolade wichtig.

Ja, Ja, Luiserl ein kleines Mädchen vergisst schnell, aber ein älterer Bruder.......?
 
Ein Märchen ...

... für die selbstbewusste Frau des 21. Jahrhundert: (übernommen von Lisa aus "Herz entzweit")

Es war einmal in einem Land ganz weit weg, eine wunderschöne, unabhängige, selbstbewusste Prinzessin.
Sie betrachtete einen Frosch in einem Biotop in ihrer Ökowiese unweit ihres Schlosses.
Der Frosch hüpft in ihren Schoß: "Elegante Lady, einstmals war ich ein hübscher Prinz – bis mich eine böse Hexe verzaubert und mit einem Fluch belegt hat.
Ein Kuss von dir und ich werde wieder der schmucke junge Prinz, der ich einmal war.
Dann, Süße, können wir heiraten, einen Haushalt im Schloss meiner Mutter führen, wo du meine Mahlzeiten kochen kannst, meine Wäsche wäscht und bügelst, meine Kinder gebährst und großziehst und damit glücklich bist für den Rest deines Lebens."


An diesem Abend lächelt sie leise vor sich hin –
bei einem Glas duftenden Chardonnay
und leckeren Froschschenkeln in einer leichten
Zwiebel-Weißwein-Sauce.
 
Weltweiter Wohlstand in Harmonie mit der Natur

Die Begegnung
Der Erzähler trifft bei einem Spaziergang auf Very Goodfriend, einen Bewohner des Planeten Freegaia, auf dem die natürliche Ökonomie des neuen Zeitalters bereits mit Erfolg etabliert ist. Gemeinsam fliegen die beiden auf den Planeten, und Very beschreibt das Prinzip des frei schenkenden Staates, in dem es keine Steuern, Versicherungen und Sozialabgaben mehr gibt und alle Menschen im Wohlstand leben.

... Very macht der Menschheit ein Geschenk ...



Joytopia


Neulich hatte ich einen Traum, besser gesagt einen Tagtraum. Ich ging allein im Wald spazieren und erfreute mich an der Natur. Auf einmal bemerkte ich, wie jemand leichten Fußes neben mir einherschritt. Er war etwa zwei Meter groß, von dunkler Hautfarbe und hatte einen athletischen Körperbau. Bekleidet war er mit einer Art goldfarbenen Jogging-Anzug. Obwohl er aussah, wie ein Mensch, schien er nicht von dieser Welt zu sein. Er hatte ein so freudiges, ja fast schon lustiges Strahlen in seinem Gesicht, das man auf unserer Erde nur sehr selten findet. Als ich ihn ansah mußte ich spontan lachen. Es war ein herzhaftes, fröhliches Lachen, pure Freude über den Anblick dieses freundlichen Begleiters.

"Entschuldigen Sie bitte, ich wollte Sie nicht auslachen," erklärte ich, als ich mich wieder gefangen hatte.
"Ich bin nur überrascht von Ihrem plötzlichen Erscheinen."
"Das geht vielen so auf diesem Planeten," erwiderte er freundlich.
"Die meisten Erdenbürger reagieren so wie Sie, nur einige wenige laufen erschreckt davon oder werden agressiv."
"Dann sind Sie nicht von hier?" fragte ich verunsichert.
" Ich komme von Joytopia, einem Staat auf dem Planeten Freegaia am Rande der Galaxis. Durch einen Sprung im Raum-Zeit-Kontinuum bin ich hier hingelangt. Mein Name ist Goodfriend, Very Goodfriend."
"Wie haben Sie so schnell unsere Sprache gelernt?"
"Wir telepathieren gerade miteinander. Wir senden uns unsere Gedanken und unser Gehirn übersetzt sie in unsere Sprache. Das funktioniert genauso mit Bildern, Tönen, Gerüchen und Gefühlen. Sehen Sie...."

Ich sah gar nichts! Er war verschwunden. Verwundert und tief bewegt ging ich weiter. Hatte ich mir das eben nur eingebildet? Sollte ich vielleicht mal zum Arzt gehen? Am Besten ich erzähle niemanden etwas und vergesse diesen Vorfall so schnell wie möglich.

" Ich habe Ihnen etwas mitgebracht, ein Geschenk!" hörte ich Very sagen.
"Wo waren Sie denn so plötzlich?"
"Ich war kurz zu Hause um etwas für Sie zu holen."
"Dauert sowas nicht Jahre? Ich meine die höchste erreichbare Geschwindigkeit...."
"Wir reisen in Gedanken. Gedanken sind bekanntlich frei. Raum- und Zeit-Grenzen gibt es nur, wenn man sie vorher erdacht hat. Wir hatten uns früher auch viele Grenzen ausgedacht. Unser begrenztes Denken hatte unseren Planeten etwa so geformt, wie Ihr jetzt Euren Planeten formt. Versuche es selbst" – er war inzwischen zum Du übergegangen –
"Du siehst mich, weil du denkst, daß du mich siehst."

Während er das sagte, kam uns ein Radfahrer entgegen. Er grüßte knapp und fuhr mitten durch Very durch.

"Verstehst du jetzt?" fragte Very.
"Ja."
"Ich habe dir etwas mitgebracht, einen Gedanken."
"Was für einen Gedanken?"
"Der Gedanke, daß alles möglich ist, was du dir vorstellen kannst. Alles, was du denken kannst wird Realität! Alles was du dir wünschst, wird eintreten, wenn du dir es vorstellen kannst."
"Dann wünsche ich mir 10 Millionen Mark!"
"Gut"
"Wie? Gut? Das soll funktionieren? Das kann ich mir nicht vorstellen!"
"Eben!"
Ich war beschämt.
"Andere konnten sich das vorstellen und sind Millionäre geworden. Aber vielleicht ist es ja gar nicht dein Wunsch, Millionär zu werden. Was wünschst du dir denn am sehnlichsten?"

"Am liebsten wäre es mir, wenn alle Menschen reich wären und jeder das machen könnte, was er will, ohne anderen dabei zu schaden."
"Ich schlage Dir eine Reise vor. Auf unserem Planeten Freegaia haben wir dieses Ziel bereits erreicht. Du brauchst es dir nur abzuschauen und auf der Erde zu verbreiten. Das ist unser Geschenk an euch Menschen."

"Wie kann ich denn durch das Raum-Zeit-Dingsbums..."
"Stell es dir einfach vor, ich begleite dich."

Es war eigenartig. Es schien mir, als ob ich an zwei Orten gleichzeitig war. Während ein Teil von mir weiterhin im Wald spazierenging, flog der andere mit Very durchs Universum.




Freegaia

Wir näherten uns einem Sonnensystem und bald schon schwebte sie vor uns: Freegaia, ein wunderschöner blauer Planet, ganz ähnlich unserer Erde. Sanft tauchten wir in die Atmosphäre ein und landeten mitten in einen wunderschönen Park, ähnlich einem riesigen englischen Garten. Unbeschreiblich schöner Duft wurde von den Pflanzen ausgeströmt. Ab und zu huschte fast lautlos ein kleines Luftfahrzeug über unsere Köpfe. Doch da, inmitten der Pflanzen, standen Häuser. Sie sahen nicht aus wie unsere Häuser, sie fügten sich so in die Natur ein, dass man sie von weitem gar nicht als Häuser erkannte. Die Menschen, die uns begegneten, grüssten alle freundlich. Sie schienen glücklich zu sein. Mensch und Natur lebten in Harmonie zusammen.

".Wie habt ihr das alles so hingekriegt? Kannst du mir etwas über eure Technologie sagen?"
"Technologie war noch nie ein Problem," sagte Very,
"Das Problem, das es zu lösen galt, lag im Denken der Bewohner und in der Wirtschaft. Durch Mangeldenken hatten unsere Vorfahren sich ein Wirtschaftssystem erdacht, das von Konkurrenzkampf geprägt war. Inzwischen ist unser Zusammenleben und damit unsere Wirtschaft geprägt von Überfluß, Reichtum und Liebe zur Natur und allem was existiert."

Very gab mir einen kurzen Abriß über die Geschichte auf seinem Planeten.

Vor geraumer Zeit hatten sich einige raubende, mordende Fleischfresser (Ramofl) immer mehr an die Macht gebracht, indem sie Kraft ihrer kriegerischen Überlegenheit schwächere Menschen ermordet und ihrer Lebensgrundlage beraubt hatten. Damit sich die Ramofl nicht selbst auffraßen, wurden mächtige Gesetzbücher geschrieben, in denen jegliche Kleinigkeit geregelt wurde. Denn Verstand und Ethik der Ramofl reichten für ein friedliches Miteinander nicht aus. In diesen Gesetzbüchern standen aber auch so sinnvolle Anweisungen, wie "Du sollst nicht töten". Das mußte den Ramofl ausdrücklich gesagt werden! Während den Raubzügen der Ramofl wurden diese Gesetze entweder außer Kraft gesetzt, oder man definierte die Gegner als "Wilde", die es zu missionieren oder auszurotten galt. Nach den Raubzügen führten dann "humanistische" Ramofl gleiches Ramofl-Gesetz für alle ein. Damit wurde Stabilität erzeugt und die neuen Machtverhältnisse einzementiert.

Die Hauptillusion der Ramofl war das Mangeldenken. Es war scheinbar nicht genug für alle da. Ihre Lieblingsbeschäftigung war deshalb der Kampf bzw. Konkurrenzkampf. Es mußte Sieger und Verlierer geben. Da Töten verboten war und die meisten Wilden sowieso schon ermordet oder missioniert waren, verlagerten ehrgeizige Ramofl ihre Aktivitäten auf andere Gebiete, nämlich Wirtschaft, Sport und Spiel. In Sport und Spiel konnten sie auf relativ ungefährliche Weise ihren Konkurrenzkampf ausleben. In der Wirtschaft hingegen führte der Ramoflismus zu immer mehr sozialer Ungerechtigkeit. Die Kluft zwischen Armen und Reichen wurde immer größer.

Auf Freegaia gab es immer schon Leute, die die Natur beobachteten und ihre Gesetze zu ergründen suchten. In früheren Zeiten hatte man sie als Ketzer verbrannt. Als sich aber später ihre Erkenntnisse militärisch nutzen ließen, wurden sie zu Wissenschaftlern ernannt. Naturbeobachter, die keine militärisch nutzbaren Entdeckungen brachten, nannte man Scharlatane und gab sie der Lächerlichkeit preis. Mit der Zeit wurde das Klima liberaler und immer mehr Staaten konvertierten zu Demokratien. Kurz vor dem Neuen Zeitalter begannen sich die Beobachtungen der Wissenschaftler und der Scharlatane immer mehr zu decken. Man fand Entsprechungen zwischen den Naturwissenschaften, der Philosophie und den Religionen und begann sie auf Politik und Wirtschaftslehre zu übertragen.

Man verglich die Wirtschaft mit der Natur: Die Natur produziert Nahrung aus sich selbst heraus und schenkt sie ihren Lebewesen. Wenn die Natur in Ordnung ist, herrscht Überfluß, d.h. es ist mehr Nahrung da, als gebraucht wird. Die Nahrung ist verderblich und kann nur eine bestimmte Zeit gelagert werden. Und es gibt keine Zinswirtschaft. Deshalb kommen Pflanzen und Tiere nicht auf die Idee, mehr zu horten, als sie brauchen. Dadurch gibt es keine "reichen" und "armen" Tiere oder Pflanzen. Und noch etwas: ob und wie hart Tiere für ihre Nahrung arbeiten, ist von Lebensform zu Lebensform sehr verschieden. Jedes freilebende Tier verhält sich seinem Wesen entsprechend. Will man ein Tier in Gefangenschaft zur Arbeit bringen, muß man es ständig dazu antreiben. Kein Tier würde für ein "Recht auf Arbeit" kämpfen.



Das Wirtschaftsmodell

Die Nahrung in der Wirtschaft ist das Geld. In der damaligen Zeit schenkte der Staat seinen Bürgern noch kein Geld. Im Gegenteil, er forderte sogar noch Steuern von ihnen. Es herrschte kein Überfluß an Geld, sondern der Mangel war so groß, daß sich die Staaten jedes Jahr aufs Neue verschulden mußten. Man achtete peinlich auf die Stabilität des Geldes, damit es seinen Wert auch noch nach langen Zeiträumen behielt. Es gab Zinswirtschaft, d.h. sowohl die Guthaben, als auch die Schulden wurden immer höher. Die Bürger, setzten alles daran, Geld zu horten und anzuhäufen. Die Reichen wurden immer reicher und die Armen wurden immer ärmer.

Und was die Arbeit betraf: Die meisten Bürger verrichteten ähnliche Arbeiten, die selten ihrem Wesen entsprachen. Obwohl sie diese wesensfremden Arbeiten nicht gerne taten, hatten sie sich das Recht auf Arbeit zuvor hart erkämpft. Trotz dieses Rechtes waren große Teile der Weltbevölkerung arbeitslos. Auf der anderen Seite herrschte ein Überfluß an Waren- und Dienstleistungsangeboten.

Die Wirtschaft verhielt sich damals also genau entgegengesetzt zur Natur. Wir mußten nur unsere wirtschaftlichen Gepflogenheiten umpolen und in Einklang mit der Natur bringen. Diese Erkenntnis war der Schlüssel zum Neuen Zeitalter!

So entwickelten wir unser neues Wirtschaftsmodell, das noch heute auf dem gesamten Planeten praktiziert wird und allen Beteiligten Reichtum und Glück beschert, den FREI SCHENKENDEN STAAT.

Joytopia hat wie jeder Staat auf Freegaia die Geldhoheit. Jeder Staat produziert sein Geld aus sich heraus und schenkt es seinen Bürgern. Zunächst hatten Joytopia und die anderen Staaten einen General-Schuldenerlaß beschlossen. Um niemand zu schädigen, überwiesen die Staaten den Gläubigern das ihnen zustehende Geld. Danach wurde die Zinswirtschaft abgeschafft. Seitdem haben wir eine "vergängliche" Währung. Es macht also keinen Sinn, Geld über längere Zeit zu horten, da es rapide an Wert verliert.

"Vergängliche Währung? Bei uns nennen wir das Inflation!"
"Das Wort Inflation stammt aus dem Sprachgebrauch des alten Wirtschaftssystems und trifft den Sinn nicht. Wir sprechen von NATÜRLICHER ÖKONOMIE, d.h. dem natürlichen Kreislauf von Werden und Vergehen."

"Wie hoch ist die "Vergänglichkeitsrate" auf Freegaia?"
"Anfänglich hatten wir etwas herumexperimentiert. Inzwischen haben sich alle Staaten auf 100 % pro Jahr geeinigt. Das heißt, nach einem Jahr hat das Geld nur noch die Hälfte seines ursprünglichen Wertes."

"Das heißt, wenn dieses Jahr eine Brezel eine Mark kostet, kostet sie in drei Jahren 8 Mark?"
"Wir unterscheiden zwischen Bewertung und Bezahlung. Die Bewertung erfolgt in Punkten und bleibt konstant. Die Brezel mit dem Wert von 1 Punkt hat nach 3 Jahren immer noch den Wert von einem Punkt. Unser Zahlungsmittel heißt FREE, das bedeutet "Freie Energie-Einheit". Der FREE wird gekennzeichnet mit der Jahreszahl. Beispielsweise "FREE 2000". Der Wert des Zahlungsmittels FREE wird vierteljährlich verändert: Im 1. Quartal ist ein 1 Punkt = 1FREE, im 2. Quartal 1,25 FREE, im 3. Quartal 1,5 FREE und im 4. Quartal 1,75 FREE. Anfang 2001 ist ein Punkt = 2 FREE 2000 bzw. 1 FREE 2001. In der Übergangszeit zwischen den Jahren werden die Konten in alter und neuer Währung parallel geführt, ähnlich, wie Ihr das jetzt mit DM und Euro macht. Die Umrechnungsfaktoren sind kinderleicht zu merken. Sie stehen im Einklang mit den vier Jahreszeiten und mit der Musik."

"Mit der Musik?" "Ja, sie entsprechen der natürlichen Obertonreihe, auf der das gesamte Universum aufgebaut ist. Es sind nämlich Grundton, Terz, Quint und kleine Septime."
"Müsst Ihr dann jedes Jahr neues Geld drucken?"
"Ja, Bargeld wird jährlich neu gedruckt. Das alte Geld kann im Folgejahr im Kurs von zwei zu eins umgetauscht werden. Da gibt es kein Problem."

"Wie funktioniert das nun im täglichen Leben?"
"Der Staat schenkt jedem Bürger – gleich welchen Alters – einen monatlichen Grundbetrag von 1000 Punkten, der die Lebenshaltungskosten deckt. Eine Mutter mit zwei Kindern erhält also einen Betrag im Wert von 3000 Punkten monatlich. Dadurch sind Familien oder Alleinerziehende gegenüber Singles nicht mehr benachteiligt."

"Gibt es denn noch Warenkataloge? Die müßten ja jeden Monat neu gedruckt werden!"
"In den Katalogen ist immer der Punktwert angegeben. Der bleibt stabil."

"Dann muss ich den Preis immer ausrechnen?"
"Nun, das ist ganz einfach: Wie schon gesagt, haben wir nach einem viertel Jahr den Kurs eineinviertel, nach einem halben Jahr eineinhalb und nach dreiviertel Jahr eindreiviertel. Das klingt für euch vielleicht etwas ungewohnt, aber bedenke, was alles dafür wegfällt: Steuern, Krankenkasse, Rentenversicherung..."

"Wieso das denn?"
"Da der Staat sein Geld selbst erzeugt, braucht er keine Steuern einzutreiben. Das bedeutet: keine Finanzämter, keine Buchaltung, keine Schwarzarbeit und viel weniger Verwaltung. Der Staat finanziert soziale Leistungen, wie Gesundheitswesen, Pflege, Renten, Notfallhilfe usw. Versicherungen und Sozialabgaben sind überflüssig geworden."



Umweltschutz

"Wer arbeitet dann denn überhaupt noch?"
"Es ist wie in der Natur: Jeder beschäftigt sich seinem Wesen entsprechend. Wer gerne Brot bäckt, bäckt Brot, wer gerne musiziert, macht Musik. Manche Bürger üben mehrere Berufe aus, weil es ihnen Spaß macht, vielseitig zu sein. Andere legen sich eine Zeit lang auf die faule Haut. Aufgrund der Vergänglichkeit des Geldes will jeder sein Geld schnell ausgeben und sich dafür irgendeinen Luxus leisten. Die Wirtschaft - insbesondere Kleingewerbe, Dienstleistungen und Kunst - floriert bei uns wie noch nie. Andererseits arbeitet jeder nur soviel, wie es ihm Spaß macht, deshalb gibt es keine Überproduktion, die die Umwelt unnötig belastet."

"Wie haltet ihr es mit dem Umweltschutz?"
"Der Staat finanziert Projekte zum Umweltschutz. Je nach Umweltfreundlichkeit werden Industriezweige subventioniert. Die Erforschung alternativer Energien wird ebenfalls vorangetrieben. Außerdem wurde das Urheberrecht abgeschafft."

"Was hat das mit Umweltschutz zu tun?"
"Nun, alle neuen Ideen und Erfindungen gehören der Allgemeinheit. Stell dir vor, wir hatten über 100 Jahre damit vergeudet, unsere Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren anzutreiben. Entsetzlicher Gestank hatte sich über den Planeten ausgebreitet. In manchen Großstädten wurden Sauerstoffautomaten angebracht, wo die Leute gegen Geld frische Luft tanken konnten! Jede Fahrzeug-Fabrik beschäftigte damals ihr eigenes Forschungs- und Entwicklungsteam, das seine Ergebnisse geheimhielt oder patentieren ließ. Am Ende ließ man fast jede einzelne Schraube patentieren. Kein Wunder, daß die Entwicklung nicht voranging. Nachdem das Urheberrecht abgeschafft war und jeder seine Ideen und Erfindungen frei verschenkte, entwickelten wir in wenigen Monaten den Null-Energie-Antrieb! Wie bei einem großen Puzzlespiel brachte jeder Erfinder und Entwickler seinen Stein an die richtige Stelle."



Freies Schenken

"Du verwendest oft den Begriff "Freies Schenken". Was meinst du genau damit?"
"Freies Schenken ist ein wesentlicher Bestandteil unseres Wirtschaftssystems. Während es früher darauf ankam, möglichst hohe Gewinne zu erzielen, gilt es beim Freien Schenken mit möglichst wenig Aufwand sich selbst und anderen möglichst großen Nutzen oder möglichst große Freude zu bereiten. Dabei ist eine direkte Gegenleistung nicht erforderlich, weil Nutzen und Freude von selbst auf den Frei Schenkenden mehrfach zurückfallen. Ein gutes Beispiel ist der Frei Schenkende Staat: Er braucht lediglich die Bank-Computer zu veranlassen, Geld auf die Konten der Bürger zu überweisen, und schon gibt es keine Armut mehr. Der allgemeine Reichtum der Bürger fällt automatisch auf den Staat zurück. Der Staat und seine Bürger sind ohnehin ein und das selbe. Ein anderes Beispiel ist das, was ihr Nachbarschaftshilfe nennt: Ein Freund hilft dem anderen auf dem Gebiet, was er am besten kann, und was dieser gerade braucht. Oder man hat einen bestimmten Gegenstand übrig, den ein anderer gebrauchen kann. Wenn man ihn verschenkt, hat man selbst wieder Platz, und der andere hat den begehrten Gegenstand. Da Geld sowieso im Überfluß vorhanden ist, hat es an Wichtigkeit verloren. Wir alle sind freigiebiger geworden und haben einen riesigen Spaß am Schenken!"

"Wer macht bei Euch die Dreckarbeit?"
"Durch die rasante technologische Entwicklung haben Dreckarbeiten stark abgenommen. Unsere Häuser sind mit Kompost-Toiletten ausgestattet, die absolut geruchsfrei sind. Alles Verpackungsmaterial und die meisten Gebrauchsgegenstände sind kompostierbar. Unsere Häuser werden im Baukastensystem gebaut, das aus natürlichen Materialien besteht. Schwere und unbeliebte Arbeiten werden von Maschinen erledigt. Die verbleibenden unangenehmen Arbeiten werden entweder aufgeteilt oder entsprechend hoch bezahlt. Schon mancher hat sich mit ein bißchen Drecksarbeit einen wundervollen Urlaub finanziert."



Finanzierungen

"Apropos finanzieren – wie könnt ihr große Beträge finanzieren, wenn das Geld ständig an Wert verliert?"
"Kredite werden in Punkten vergeben.Der Punktwert bleibt stabil und wird nicht verzinst. Da die Staaten nicht mehr verschuldet sind und die Steuern wegfallen, ist der Bedarf an Krediten drastisch zurückgegangen."

"Gibt es noch so etwas, wie Geldanlagen?"
"Ja, einmal kann man sein Geld verleihen, also Privatkredite vergeben, zum anderen kann man sich finanziell an Projekten beteiligen, so ähnlich wie bei Euch mit Aktien. In beiden Fällen wird nach Punktwert abgerechnet. Allerdings ist auch der Bedarf an Geldanlagen zurückgegangen. Schliesslich ist jeder jederzeit versorgt. Man muss also kein Geld mehr anhäufen um schlechten Zeiten vorzubeugen. Die Angst vor dem Nichtversorgtsein hat sich aufgelöst. Wir leben alle viel mehr im Hier und Jetzt. Und im Hier und Jetzt sind wir versorgt. Oft verschenken wir auch einen Teil unseres überschüssigen Geldes"

"Wirklich?"
"Ja, wenn jemand ein Projekt plant und noch Geld dazu braucht, schreibt er einen Rundbrief an seine Freunde. Diejenigen, denen das Projekt gefällt, unterstützen ihn und schicken den Rundbrief wieder an ihre Freunde. So kann es sein, dass er reichliche Unterstützung von Leuten bekommt, die er vorher noch nicht kannte.Wir nennen das auch Here and Now-Finanzierung, Finanzierung im Hier und Jetzt."

"Und das funktioniert?"
"Kommt auf den Menschen und auf das Projekt an. Egotrips lassen sich so nicht finanzieren. Ihr kennt dies Prinzip als Spenden. Meist spendet ihr für einen sogenannten guten Zweck, um z.B. Menschen in Not zu helfen. Bei uns gibt es keine Not mehr, aber es gibt mehr oder weniger gute Zwecke."

"Und Ihr seid wirklich so freigiebig?"
"Einige mehr, andere weniger. Jeder nach seinem Willen. Bedenke, wir haben das Geld sowieso im Überfluss. Wenn wir es behalten, verliert es an Wert. Und wir bekommen immer mehr neue Freunde, dadurch dass wir einander helfen. Wenn wir mal was brauchen, wird uns auch geholfen."

"Die Sache erinnert mich etwas an Kettenbriefe und Schneeballprinzip," bemerkte ich,
"ich weiß nicht, ob das bei uns erlaubt ist. Jedenfalls hat es einen schlechten Ruf."

"Warum hat es bei euch einen so schlechten Ruf?"
"Weil einige wenige Leute auf Kosten vieler anderer reich werden."

"Gilt das nicht für eure ganze Wirtschaft?"
"Doch!"
"Das Schneeballprinzip entlarvt euer gesamtes Wirtschaftssystem! Wir benützen das Schneeballprinzip vor allem um Informationen zu verbreiten. Es ist die einfachste und schnellste Methode, neue Informationen unter die Leute zu bringen. Wenn jeder die Information an durchschnittlich vier Freunde weitergibt, ist nach 16-17 Weitergabe-Generationen eure gesamte Menschheit informiert. Verstehst du, warum man das Schneeballprinzip in Verruf gebracht hat?"

"Ich glaube, mir dämmert`s langsam!"
"Ausserdem hat es noch einen Vorteil: Jeder gibt nur die Informationen weiter, von deren Richtigkeit und Wichtigkeit er überzeugt ist. Eure Massenmedien können Euch alles erzählen, was ein paar Entscheidungsträger bestimmen."

"Es können aber auch Gerüchte entstehen. Das ist wie bei dem Spiel "Stille Post", wo einer dem anderen etwas ins Ohr flüstert und am Ende etwas ganz anderes herauskommt."
"Das stimmt. Deshalb ist es wichtig, immer auf die Quelle, also den Urheber zu verweisen. So kann jeder sich bei der Quelle informieren und dann entscheiden, ob er die Information weitergibt."

"Wie soll das gehen?"
"Auf eurer Erde habt Ihr das Internet. Ist es nicht jetzt schon so, dass jeder, der etwas bekanntgeben will, seine Homepage hat? Es kann also jeder beim Urheber nachlesen."

"Aber was ist bei eurer Here and Now - Finanzierung denn anders als bei unserem verpönten Schneeballprinzip?"
"Es ist die Einstellung zum Mitmenschen und zum Geld. Bei uns geht es um Freies Schenken. Wir machen anderen ein Geschenk, das helfen soll, ihre Wünsche und Projekte zu realisieren. Da jeder Geld im Überfluß hat, das außerdem schnell seinen Wert verliert, fällt das Schenken leicht. Dazu kommt das Glücksgefühl, anderen geholfen zu haben. Freust du dich nicht auch, wenn du anderen helfen kannst?"

"Ja, wenn ich es ganz freiwillig tue, ganz gleich ob es jemand von mir erwartet oder nicht, dann fühle ich mich wohl dabei."
"So ist das beim Freien Schenken. Es ist absolut freiwillig und macht Spaß."

"Ich möchte noch etwas über die Here and Now Finanzierung wissen. Theoretisch könnte jeder ein oder mehrere solche Here and Now-Finanzierungen anleiern. In der Summe müßte sich das dann ausgleichen."
"Einmal muss der Zweck für die anderen plausibel sein. Ausserdem hat nicht jeder zur selben Zeit ein grosses Projekt, für das er viel Geld benötigt. Im Neuen Zeitalter betrachten wir das Geld nicht mehr statisch, das heißt, wir fragen nicht mehr danach, wer wieviel Geld hat. Das statische Geld verliert seinen Wert sehr schnell. Im Neuen Zeitalter regiert das dynamische Prinzip. Jetzt geht es darum, möglichst viel Geld möglichst schnell zu bewegen. Durch die Bewegung entsteht Wertschöpfung (Ein Haus, ein Auto oder was auch immer). Außerdem ist nach der Ausgabe das Geld nicht weg. Es hat nur jemand anders, der es auch wieder so schnell wie möglich ausgeben will. Dadurch entsteht wieder Wertschöpfung und so weiter. Wir betrachten das ganze sowieso mehr als Spiel."

"Als Spiel??"
"Ja, das Geld hat längst nicht mehr den Stellenwert, wie bei Euch. Da jeder genug Geld hat, kann man niemanden mehr mit Geld zwingen. Geld ist nur noch ein Motivationsmittel, kein Machtmittel. Alles ist spielerisch geworden. Arbeit ist Spiel, Handel ist Spiel. Wer nicht mitspielen will, hat halt etwas weniger Geld zur Verfügung, aber immer noch mehr als genug zum Leben."

"Gibt es dann noch so was wie Konkurrenzkampf?"
"Im spielerischen Sinne ja. Sicher sind manche "Spiele" erfolgreicher als andere. Aber: Es kann keine wirklichen Verlierer geben."

"Werden die "Spiele" vom Staat kontrolliert?"
"Da der Frei Schenkende Staat keine Steuern kennt, besteht kein Grund dazu. Überhaupt sieht sich der Staat nicht mehr als Kontrollorgan, sondern als die Gesamtheit seiner Bürger. Staat und Bürger sind eins. Insofern hat der Staat nur ein Interesse: die Interessen seiner Bürger zu fördern."



Der Übergang

"Jetzt bewegt mich noch eine wichtige Frage: Wie habt ihr den Übergang vom alten zum Neuen Zeitalter bewerkstelligt? Wie habt ihr "Joytopia" geschaffen? Hat es Widerstände gegeben? War der Übergang gewaltfrei möglich?"
"Du erinnerst dich, daß kurz vor dem Übergang die meisten Staaten schon Demokratien waren. Das war sehr gut so. In einer Demokratie kann man alles ändern, wenn man die nötige Mehrheit hat. Weißt du noch, wie auf deinem Planeten sogar in Diktaturen friedliche Veränderungen vollbracht wurden? Ich denke an Indien oder an die Wiedervereinigung Deutschlands. In Demokratien ist das noch viel leichter. Es begann damit, daß auf Freegaia einige Bürger die neuen Gesetzmäßigkeiten entdeckten und zu einem Staatsmodell formten. Dieses Modell des FREI SCHENKENDEN STAATES nannten sie "Joytopia" und verbreiteten es nach dem Scheeballprinzip. Sie schrieben ein Papier und gaben es an Freunde weiter. Diese gaben Kopien des Papiers an ihre Freunde und so weiter. Andere verbreiteten den Text in Computernetzwerken. Das ging dann noch schneller. Der Text wurde in viele Sprachen übersetzt und in alle Länder verteilt. Nach ca 16 Weitergabe-Generationen war die gesamte Bevölkerung informiert. Parallel dazu begannen Freundeskreise und Vereine die natürliche Ökonomie zu erproben. In Tauschkreisen, die damals eine Art Ersatzwährung hatten, begannen sie den FREI SCHENKENDEN Staat zu simulieren. Andere erprobten die Here and Now - Finanzierung und das FREIE SCHENKEN im Geschäfts- und im Privatleben. Die Ergebnisse wurden zusammengetragen und das Modell wurde immer mehr verfeinert. Als es perfekt war, wurden weltweit Wahlen veranstaltet. Das Ergebnis war überragend: Der weitaus größte Teil der planetarischen Bevölkerung entschied sich für das neue Modell der natürlichen Ökonomie."

"Gab es auch Widerstände?"
"Ja! Anfänglich hatten viele Leute Angst um ihren Besitz. Die planetarischen Banken, die die Staatsverschuldung mitverursacht hatten, versuchten zu sabottieren, wo sie nur konnten. Die weltweite Aufklärung, die sich vollzog und die Bevölkerung des ganzen Planeten zum Erwachen brachte, brachte dann auch den Umschwung: Es begannen selbst Mitglieder der planetarischen Banken, sich für die natürliche Ökonomie auszusprechen. So löste sich der anfängliche Widerstand in Frieden und Wohlgefallen auf."

"Ging nach der erfolgreichen Wahl dann alles glatt?"
"Natürlich gab es Anfangsschwierigkeiten. Die standen aber in keinem Verhältnis zu den Problemen des alten Zeitalters."

"Lieber Very, guter Freund! Ich danke Dir von Herzen für diese Informationen! Eine letzte Frage habe ich noch, bevor ich zurückgehe: Wo genau liegt Freegaia?"

"Eben war es noch auf einem anderen Stern. Jetzt ist es tief in deinem Herzen. Viel Glück!"


Kopie aus "Willkommen in der neuen Welt" von ananda
 
Auch wenn mein Leben im Moment (einem langen Moment 😱() nicht ganz so rosig läuft, gibt es doch immer wieder Geschichten, die mich wenn auch nur für kurze Zeit ablenken und zum Lachen bringen.

So zum Beispiel:

Die Sache mit den Doughnuts *gg*

Und wieder hatte ich die Kiddis endlich wieder bei mir. Wir feierten Halloween bis in die Morgenstunden, setzten zwischenzeitlich fast das Haus in Brand und hatten noch ganz viele weitere heitere Momnete "auweia".

Alle hatten am Sonntag dann so richtig ausgeschlafen ;o/
Frankfurt Marathon war angesagt. Steven als DJ, Mitchell als kleine Unterhaltungseinlage mit der Tanzgruppe und ich mit gaaaanz viel Kaffee. Jason war der Schlaueste von uns. Er hat schön bis um halb zwei geschlafen, sich dann dirket vom Bett auf die Couch gepellt und hat so richtig gegammelt.
Jason hatte mir Samstags irgendetwas von Russischbrot erzählt. Er hatte die Zutaten bei einer Sendung im Fernsehen aufgeschnappt, aber leider versäumt die Mengenangaben mit zu notieren.
Da er aber gerne etwas mit mir machen wollte, bat ich ihn das große, ultradicke Kochbuch meiner Oma auszukramen. Gesagt, getan und wir wälzten. Bis wir auf Doughnuts stießen, und alle entschlossen, das machen wir.
Ich hatte keine Sahne (hm... also nehmen wir Quark....) Der Teig konnte einfach nicht zu dem werden was er eigentlich werden sollte. Wir machten verschiedene Testläufe. Dann kamen Jason und Mitchell auf die tolle Idee, naja, geht doch bestimmt noch viel besser, wenn wir Kakao dazumengen. Ich hatte keine Ahnung wie viel Kakao in dieser Masse landete, aber es war kohlrabenschwarz. Noch etwas mehr Mehl. Und noch etwas mehr Mehl und ach was soll´s noch n bisschen mehr. Wieder ein Testlauf *stöhn* sah garnicht gut aus. Also....Hefe....*wenn ich das gewußt hätte ;O))))*
Jason knetete was das Zeug hielt. Im wahrsten Sinne des Wortes, es hielt.*lauthals loslach* Mitchell war zwischendurch damit beschäftigt den Teig der noch übgrig war (ohne Kakao, Mehl und Hefe) zu naschen. Jason knetete und knetete und dann..........er kam mit seinen Händen einfach nicht mehr aus der Schüssel. Nein, ich hatte nicht heimlich Beton dazu gemengt, aber Beton hält auch nicht so gut wie der SpezialJasonMitchellMamiTeig.
Wir lachten und Jason steckte in der Schüssel fest. Wie ich ihn da am Ende herausgekratzt habe, weiß ich auch nicht mehr so genau, wir wahren einfach alle zu sehr damit beschäftigt zu lachen.
Gott sei Dank hatten wir ja noch etwas "Teig" und so konnte sich Jason dann mit den Resten des ursprünglichen Teigs austoben und am Ende hatten wir alle einen dicken Ranzen und wahren glücklich.
 
Danke für die Story, Gismo.

Ging mir mit meiner Lütten ähnlich. Bisquitteig war in Schüssel und wurde verarbeitet. Aber schüssel hatte ja noch Reste. Aöso Michi sitzt auf der Terrasse, prbiert erst mit Finger, dann mit Hand und zum Schluss steckte der ganze Kopf in der Schüssel weils doch viel einfacher war, gleich mit der Zunge auszulecken.
War auch ein Akt, Kopf aus Schüssel zu kriegen.

Da fällt mir noch so was zu meiner Lütten ein:
Erster Zahnarztbesuch von Marion (ältere). Michi und ich haben Sie begleitet. Muss vorher noch bemerken, dass ich meine Kinder immer so zu erziehen versuchte, dass sie sich fair verhalten.

Also Marion sitzt auf Zahnarztstuhl, sowohl Zahnarzt als auch Zahnarzthelferin machen sich an Marion zu schaffen. Michi steht neben mir an der Wand und schaut mitleidig auf ihre große Schwester. Ich hatte sie an der Hand.
Sie reißt sich los, läuft zur Herlferin und schubst sie von Marion weg. Die Tränen laufen ihr übers Gesicht und ganz vorwurfsvoll sieht sie mich an: Mami, Du hast doch gesagt, 2 gegen 1 ist unfair.
Selbst Marion musste trotz Zungenklemme lachen und die Schmerzen waren vergessen.
 

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