Hallo, meine Lieben und Geplagten, kommt her und erholt Euch ein wenig bei den Schönen Zeiten. Auch wenn Ihr Euch vielleicht nicht an schöne Zeiten erinnern könnt, so möchte ich Euch sagen, dass wohl nichts im späteren Leben ein solcher Kraftquell sein kann, wie EIN schönes Erlebnis in Kinder- oder Jugendtagen.
Dann versucht, Euren Kindern ein schönes Erlebnis mit auf den Weg zu geben, aus dem sie später Kraft schöpfen können, wenn es nötig ist.
Jetzt will ichs endlich wahr machen und meinen Senf dazugeben, weiß nur nicht, ob "fliegende Ochsen" oder "Krawutzke".
Ich glaub heute ist mir mehr nach Krawutzke:
Mein 16. Geburtstag stand kurz bevor, Tanzstunde war gerade abgeschlossen, und ich beabsichtigte eine große Geburtstagsfete zu machen. Mein 1,5 Jahre älterer Bruder Roland und ich hatten die Tanzstunde gemeinsam absolviert und dadurch auch zu der Zeit einen gemeinsamen Freundeskreis.
Wir schrieben verkohlte, auf antik gemachte Einladungen "Zum Spukschloss im Eichwäldchen" und bekamen sehr phantasievolle Zusageschreiben zurück. Auch Ritter Graf von und zu ..... wollte mit seinen schnellsten Pferden mit ihro hochwohlgeborenen Jungfer Kunikunde unserem Schloss entgegeneilen.
Eine Woche noch Zeit bis zum großen Ereignis.
Wir gingen mit vereinten Kräften daran, das Elternhaus in ein Gespensterschloss zu verwandeln, denn schließlich war Fasching.
Mein Vater, Elektroing. sorgte im Haus für die entsprechende Beleuchtung, meine Mutter verwandelte die Kinderzimmer und das gesamte obere Stockwerk in verschiedene Schlosskemenaten, und ich dachte, zu einem Spukschloss gehört auch ein Erhängter.
Also bastelte ich einen 1,70 großen Mann, Stiefel Größe 47, Maske vor ein ausgestopftes Strumfgesicht, langer Mantel, Krempenhut mit angeklebten Haaren. So, bitteschön wurde Krawutzke ins Leben gerufen.
Wir hatten beim Hintereingang, der zur Garage und zum Keller führte ein kleines Podest entlang der Treppenstufen, über dem die Kindergardarobe war.
Tja, nun war Krawurzke 2 Tage vor der großen Party fertig, und ich wußte nicht, wohin damit.
Also setzten wir ihn auf das Podest, damit er erstmal aus dem Weg war. Keine gute Idee!!!
Wir hatten nicht daran gedacht, dass Vati oft von der Garage aus den Hintereingang benutzte.
So auch an diesem Abend.
Wie gewohnt, schloss er die Tür auf und warf sie mit gewohntem Schung hinter sich zu. Dieser Luftstoss, war des guten zuviel für Krawutzke, er verneigte sich artig und fiel meinem Vater vor die Füße. Der erschrak dermaßen, dass er den armen Krawutzke am Genick packte, und ihn links und rechts erstmal ohrfeigte. Meine beiden Brüde und ich, die durch die schlagende Kellertür auf Vaters Heimkehr aufmerksam wurden, sahen gerade noch Vatis übertriebene Reaktion und brachen in schallenden Gelächter aus. Irgendwie hatte Vati aber nicht den richtigen Draht zu dieser humoristischen Einlage. Er raunzte nur: macht dass dieses Ungetüm hier wegkommt.
Tja, würden wir ja gern, nur wohin?
Darauf mein 9-jähriger kleiner Bruder: Legt ihn doch auf Muttis Bett.
Was ne Schnapsideee, wenn er doch an der Kellertür schon Unheil anrichtete, wie soll das erst in Muttis Bett werden? Aber O.K. uns fiel nichts anderes ein und wir nahmen uns fest vor, Mutti vor diesem Besuch in ihrem Bett zu warnen.
Aber ihr wißt ja selber wie das ist, wenn man mit einer Mutter kurz vor dem Abendessen sprechen möchte, sie antwortet mit: Ja, ist gut! und hat doch überhaupt nicht zugehört.
Wussten wir aber nicht.
So geschah es, wie es kommen musste: es war Zeit ins Bett zu gehen, wir Kinder lagen längst in unseren Betten, als ein gellender Schrei durchs Haus schrillte: Richard, Richard komm schnell, da liegt ein Mann in meinem Bett.
Diesmal hätte Krawutzke die erneute Schreckattacke beinahe mit dem Leben bezahlt. Klar dass wir 3 bei dem gellenden Schrei sofort aus unseren Zimmern gestürzt kamen, gerade noch rechtzeitig um unseren Krawutzke, dessen Todesstunde ja erst bei der Party sein sollte, wenn er malerisch über das Treppengeländer nach unten hing, aus des Vaters eisernen Fäusten zu befreien. Nachdem wir die wohlverdiente Gardinenpredigt über uns ergehen lassen hatten, krabbelten wir wieder kichernd in unsere Betten.
Mal ehrlich, es hatte sich ja bis jetzt schon gelohnt, Krawutzke ins Leben zu rufen, was da wohl erst am Partyabend los sein sollte?
Je nun, nachdem Krawutzke abwechseln die restlichen 2 Nächte in unseren Kinderzimmern verbrachte, war der Partyabend gekommen.
Die 30 Gäste wurden von den Eltern im Wohnzimmer begrüßt, die Flügeltimmer zum Flur und der Treppe blieben noch geschlossen.
Roland und ich schlichen uns hinaus, jeder zog eine Hexenmaske übers Gesicht und Gummihandschuhe an, die vorher noch gründlich in Wasser eingetauscht wurden. Die Flurbeleuchtung wurde umgestellt auf Vatis schummrige Spukschlossanlage, mein Brüderchen, als Hase verkleidet kam in die große Truhe im Treppenhaus direkt unter Krawutzke, der malerisch vonm Treppengeländer hing. Nun wurde mit entsprechender Geistermusik (der alte Schlager "Morgen, morgen ist die Welt noch....was weiß ich, mein Bruder hatte das Lied rückwärts aufgenommen, so dass es als Negrom, negrom durch den Flur schallte, mit Echoeffekt), also die Flügeltüren wurden geöffnet und unsere Gäste kamen aus dem hell erleuchteten Wohnzimmer in den Treppenflur, der nur ganz schummrig beleuchtet war. Nun kam unser kompensierter Auftritt, Rainer sprang aus der Truhe, Roland umarmte mit glitschigen Gummihänden die erstbesten Mädchen, die in seinen Kreis traten, und drückte Ihnen sein Gummigesicht an die Wangen, während ich dasselbe mit den Jungs machte. Großes Gejohle, mädchenhaftes Igitt- und huch-Geschrei und Flucht auf die Treppe. Jetzt wurde aber Krawutzke in schauerliches Licht getaucht, ummalt von stöhnender Musik. Dieser Schreck ließ sogar die Jungs, die schon mitten auf der Treppe standen, vor Schreck zurückweichen, die daraufhin tapfer den Mädchen den Vortritt ließen, wie sich das für frisch gebackene Tanzstundenkavaliere ja auch gehörte. Aber oh Graus, aus einer Nische im oberen Stockwerk bewegte sich ganz langsam, untermalt von klappertem Knochengeräusch, der in schwarz gekleidete, mit einem phosphorizierendem aufgedruckte Skelett gar ekelhaft anzusehende Freund meines Bruders.
Da war es um die Nerven der Mädchen geschehen, mit Vehemenz drückten sie nach unten, während die Jungs, die in der Treppenkurve standen, das Skelett noch gar nicht sehen konnten, und deshalb nach oben drängten. Es war ein einziges Tohuwabohu im nicht sehr großen Treppenflur, sodass Krawutzkes Seil sich als zu schwach erwies, und er vom Treppengeländer nach unten krachte.
Meine Brüder und ich machten uns vor Lachen und lauter Vergnügen bald in die Hose.
So langsam legte sich die Aufregung, mein Vater schenkte erst einmal Bowle zu Beruhigung aus, meine Mutter reichte die heißen, mit Speck, Tomaten, Paprika und Käse überbackenen WEißbrotscheiben herum, dazu ihr unübertroffener Erbsen-Karotten-Apfelsalat, während mein Bruder und ich den armen am Boden liegenden KrawUtzke aufhoben und auf die Gästetoilette setzten. Da saß er nun, ein Arm aufgestützt auf dem Knie, den Kopf in die Hand gestützt und Gesicht Richtung Spiegel gedreht, der sich gegenüber der Klotür befand, den anderen Arm in die Kloschüssel hängend, mit zwischen die Maskenlippen gesteckter Zigarette und roten pausbäckigen Wangen, die ziemlich denen eines notorischen Säufers glichen.
Endlich konnten wir uns den Gästen widmen. Als der erste Gast nach der Toilette fragte, begleiteten wir ihn höflich nach unten und deuteten auf die entsprechende Tür, innerlich vor Vergnügen kreischend, was jetzt wohl geschieht.
Und es geschah wie nicht anders zu erwarten. Unser Gast öffnete die Toilettentür, schrak zurück und schloss sie schnell wieder mit einem gemurmeltem: Oh, Entschuldigung.
Jetzt waren wir auch noch so gemein, und ließen ihn vor der Tür so lange warten, bis er richtig zappelig wurde, erst dann klärten wir ihn auf und zeigtem ihm das Badezimmer im oberen Stockwerk. Naja, so besetzte Krawutzke noch für viele Gäste an diesem Abend die Toilette, den jeder Gast der ihn erlebt hatte, lotzte den nächsten nach unten, schließlich sollten ja auch andere auf Krawutzke reinfallen.
Was soll ich noch viel erzählen, um Mitternacht wurde eine Polonaise veranstalten, die durch das ganze Haus verlief, auch durch die Küche, wo meine Mutter vor eiem großen Pott Gulaschsuppe stand, um nochmal eine gesunde Unterlage für die Bowle, die es schon ein wenig in sich hatte, zu schaffen.
So gegen 2 Uhr war die Party dann zu Ende. Meine Eltern hatten teilweise Die Eltern der Freunde ebenfalls zu einer Erwachsenenparty eingeladen, allerdings gabs da Alkohol nur für die Väter, die Müttter hatten sich als Fahrdienst zu Verfügung gestellt, sodass auch alle sicher so nach und nach zuhause eintrafen.
Es war mein allerschönster Geburtstag. Jahre später wurde im Freundeskreis immer noch von meiner charmanten Mutter, der Gulaschsuppe, dem Krawutzke und meinem Vater erzählt, der es sich nicht nehmen ließ, die Absolventinnen der Tanzstunden über den Steinfussboden im Flur zu wirbeln, denn mein Vater war ein sagenhafter Tänzer. Bei seinen 1,98 hatte so manches Mädchen es schwer, noch Kontakt zum Fußboden zu haben.
Tja, und was wurde aus Krawutzke, dem wir ein Großteil der wirklich gelungenen Party zu verdanken hatten?
Ehrlich gesagt, ich weiß es gar nicht mehr, irgendwann wurde er wohl zerlegt und dem Müll übergeben.
So meine Lieben, ich hoffe, es ist mir gelungen, Euch einwenig von den traurigen Gedanken abzulenken.
Die anderen kleinen Schmunzelgeschichten werde ich ein andermal zum Besten geben, aber ich hoffe, dass dieser Thread noch viel Zuspruch findet, damit man die schönen Zeiten, die es in jedem Leben gab, oder wieder gibt, nicht ganz vergisst.
Euer Luiserl