Es ist bestimmt nicht nur eine Frage des Willens, die Grundlagen der Mathematik zu verstehen.
Es gibt natürlich Leute mit entsprechenden Behinderungen, die es gar nicht lernen können.
Aber die Grundlagen, die sind für Normalbegabte durchaus erlernbar.
So weiß ich zum Beispiel nicht, ob du 0,2*0,3 noch im Kopf ausrechnen kannst (ein typischer heutiger Realschulabsolvent aus Nordrhein-Westfalen kann es nicht). Aber wenn ich dir als vielleicht 16-Jähriger sage, dass du einfach 2*3 rechnen musst (also 6) und dann gucken, wie viele Nachkommastellen die beiden Faktoren zusammen haben, denn das Ergebnis hat genauso viele Nachkommastellen wie beide Faktoren zusammen (0,2 hat eine Nachkommastelle, 0,3 ebenso, zusammen zwei Nachkommastellen, Ergebnis also 0,06), und wenn ich dir dazu dann noch ein paar Übungsaufgaben gebe, die du bis morgen rechnen und mit dem Taschenrechner kontrollieren sollst, dann gibt es nur zwei Möglichkeiten: Du kannst es morgen oder du willst es offenbar nicht lernen.
Denn das ist so einfach, da bist du mit Sicherheit nicht zu doof für.
Meine Schüler sind da auch nicht zu doof für, aber sie wollen offenbar nicht.
Ich habe eher das Gefühl, dass einem die Grundlagen in der Schule gar nicht wirklich bzw. nicht sorgfältig genug beigebracht werden. Darum habe ich im Gymnasium trotz Nachhilfe und Lernens irgendwann in Mathe auch gar nichts mehr verstanden.
Sowas scheitert im Allgemeinen tatsächlich an den Grundlagen. Wenn du die nicht hast, verstehst du irgendwann gar nichts mehr.
Man kann die Grundlagen aber erlernen.
Die meisten Schüler, die schlecht in Mathe sind, sind nicht einfach faul, dumm und unaufmerksam, das kann ich dir versichern.
Das sind die, denen die Grundlagen fehlen. Und die diese Lücken leider nicht aufarbeiten. Und dann werden die Lücken größer, größer und größer, bis die Schüler (fälschlich) meinen, das könnten sie nie wieder aufholen.
Bis zu einem gewissen Grad ist es sicher auch eine Frage der Veranlagung. Manche Leute sind sprachbegabt, andere verstehen mathematische Prinzipien ohne große Mühe.
Wie gesagt, es gibt geistig Behinderte, da geht gar nichts, klar. Aber die Grundlagen können Normalbegabte erlernen.
Besondere mathematische Begabung macht nachher den Unterschied, ob man auch besonders schwierige Dinge schnell begreift, bzw. ob man sie überhaupt begreift. Aber die fehlende Begabung ist keine sinnvolle Ausrede, wenn es um die Grundlagen geht.
Bitte verwechsle nicht Österreich mit Nordrhein-Westfalen, wo ich lebe. Ich hoffe, dass bei euch die Schulen noch funktionieren und in Mathematik noch was gefordert wird. Und dann kann ich verstehen, wenn dir das schwer fällt.
Aber hier bei uns ist das Schulsystem komplett zusammengebrochen, zumindest was die mathematischen Fähigkeiten angeht, die den Schülern noch vermittelt werden. Wenn ich jemand frag, was 3 % von 200 sind, oder was die Hälfte von 2/5 ist, oder wie viel Meter as 240 cm sind, dann kommt da trotz mittlerem Schulabschluss (und teilweise sogar trotz Abitur) nur heiße Luft.
Ich hoffe, das kannst du dir als Österreicherin gar nicht vorstellen, wie schlimm das hier bei uns aussieht.
(Das können nicht einmal die erwachsenen Nordrhein-Westfalen glauben.)