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Depressionen durch Beruf?

Morenita

Neues Mitglied
Ich bin 22, glücklich verheiratet (das einzig Schöne), habe im Sommer 2005 meine Ausbildung zur Industriekauffrau angefangen und wurde zunehmend depressiver.
Alles hat mich null interessiert und in der Firma und Berufsschule war es einfach Horror - ich war immer öfter krank.
Ich habe mich durchquälen müssen und habe öfters Weinkrämpfe gehabt zuhause, kam morgens kaum aus dem Bett und hatte mega schlechte Laune. Oft habe ich Wehwehchen erfunden, um krankgeschrieben zu werden.
Trotzdem habe ich meine Ausbildung leider Gottes durchgezogen, ich wollte Geld verdienen, um aus meinem nicht so tollen Elternhaus (Vater Alkoholiker) rauszukommen.
Ich hätte mit 16 nie gedacht, dass es einen so fertig machen kann, wenn man den falschen Beruf wählt.

Nach der Ausbildung (Sommer 2008) habe ich einen Job bei einer Versicherung gekriegt, dort stand ich unter großem Druck und saß natürlich weiter im Büro, es war eigentlich ein Call Center.
Wurde auch teilweise gemobbt, bis ich dann einen Nervenzusammenbruch hatte und seitdem mit Depressionen und einer begleitenden Essstörung kämpfe.
Zu der Essstörung sei gesagt, dass ich ein normales Gewicht habe, BMI von 20.8, also das ist soweit ok.
Nur muss ich mich eben zwanghaft wiegen und kontrolliere mein Essen, zähle stark Kalorien, habe oft schlimme Gewissensbisse, wenn das Gewicht nicht stimmt (also ein paar hundert Gramm mehr), ist das der Horror, etc.

Ich war im Frühjahr / Sommer 2009 mehrere Wochen stationär in Behandlung, habe aber abgebrochen, weil es mir nichts gebracht hat.
Ich war ab März 2009 krankgeschrieben, bin dann im Dezember 2009 von der Versicherung gekündigt worden (war mir auch egal) und war seitdem zuhause, halb arbeitslos, halb krank.
Ich wollte eigentlich eine Ausbildung zur Ergotherapeutin anfangen, hatte auch einen Ausbildungsvertrag, habe mich aber umentschieden, weil die Ausbildung so teuer ist, also habe ich erstmal wieder einen Bürojob gesucht.
In den letzten Monaten, Oktober, November ging es mir richtig gut, ich war total motiviert und wollte auch wieder arbeiten.

Ich bin jetzt seit 22. November bei den Stadtwerken hier angestellt (über Zeitarbeit) und seit ein paar Tagen vor Weihnachten sind die Depressionen wieder da.
Ich war letzte Woche erkältet und daher zuhause, und wenn ich an morgen denke, schaffe ich es kaum, auf die Arbeit zu gehen.
Vermutlich werde ich daheim bleiben, weil es mir morgen Früh so schlecht gehen wird.

Ich würde im Herbst gerne eine Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin anfangen, habe auch schon eine Bewerbung geschrieben.
Denn im Büro schaffe ich das nicht länger.
Ich werde in den nächsten Wochen Praktika machen und mich dann bewerben.

Ich habe eine riesen Angst, keine Ausbildung zu kriegen - was mache ich dann?
Und was soll ich in der Zeit bis Herbst machen?
Mein Mann ist Rettungssanitäter und sagte, ich solle erstmal Praktika machen und könnte dann in seinem Verein (Johanniter) bis dahin Krankentransport fahren.
Das würde ich eventuell auch machen.
Ich schaff es nur nicht mehr im Büro, es ist so furchtbar.

Denkt ihr, ein Beruf kann einen so leiden lassen, dass man dadurch depressiv wird?
Ich komme mir vor wie ein Versager - Lücken im Lebenslauf, 22 und sich noch nicht im Berufsleben eingefunden.
Ich weiß nicht, aber so kann es nicht weitergehen, meine Berufsprobleme überschatten mein ganzes Leben. 🙁

Bitte sagt mir was dazu und helft mir.
 
hey

oh man, das hört sich wirklich schlimm an.
ich glaube schon, dass einen der beruf depressiv machen kann. manche leute sind halt für bürojobs geschaffen, manche für soziale berufe, manche werden künstler. ich glaube, du bist mit 22 schon weiter als manch anderer. schließlich hast du erkannt, dass das nichts für dich ist. ich würde an deiner stelle auch praktika machen, um zu sehen, was dir spaß macht.
ich habe mit ende 20 gemerkt, dass ich nicht den richtigen beruf gewählt habe - siehste, da biste schon einen schritt weiter. von helfenden berufen (krankenpfleger, sozialarbeiter etc.) würde ich dir abraten, wenn du zu depressionen neigst. solche berufe sind psychisch sehr belastend.
schonmal an hotelfachfrau gedacht? das würde ich machen, wenn ich noch einmal die wahl hätte.

speziell bei depressionen hilft es, wenn man sich auch zu sachen zwingt, die man nicht mag (arbeit, haushalt). mir hilft ein genauer tagesplan.

ich wünsche dir viel glück. du schaffst das schon!!!!
 
Hallo Morenita,

meine Erfahrung hat mir bis heute gezeigt sich nicht abhängig von einer ungeliebten Arbeibsstelle zu machen. Es leidet alles darunter.
Du bist noch jung und hast das Leben vor dir und hoffentlich einen Mann der zu Dir steht. Mach Dich nicht vom Geld abhängig, sondern mach das was Dir im Job Spaß macht. Profitieren dann alle davon auch Dein neuer Arbeitgeber.

Liebe Grüße
 
hallo morenita,

also erstmal: "JA!" eine arbeit bzw die falsche kann einen schon depressiv machen! wobei im regelfall schon etwas mehr vorfällt, als dass einem der beruf einfach keinen spaß macht!

was mich wundert ist, dass du schon zweimal gewechselt hast....
und immer wieder diese symptome auftreten!

depressiv durch die arbeit wird man eigl meißt wenn auch das ganze umfeld (also kollegen, arbeitszeiten, gehalt, die behandlung durch vorgesetzte, etc....) nicht stimmt!

ansonsten macht man die arbeit halt einfach und das wars!
die meißten leute machen eine arbeit, die ihnen eigl keinen großen spaß macht, um halt geld zuverdienen!

wenn es wirklich so schlimm ist, mußt du eine umschulung machen. dies dürfte doch kein problem sein da du ja verheiratet und dadurch evtl finanziel etwas besser abgesichert bist!

entschuldige wenn ich das jetzt sage, aber ich finde deine reaktion ein bisschen übertrieben! evtl misst du dem job zuviel bedeutung bei! eine arbeit muß nicht gleich eine berufung sein und wie gesagt machen viele leute ihre arbeit hauptsächlich fürs geld!
ganz nachdem motto: " ich arbeite um zuleben und nicht umgekehrt!"

arbeit ist arbeit und spaß ist spaß, da würde ich mal versuchen nicht ganz so empfindlich zusein oder mich weniger reinsteigern!
und ansonsten, wie gesagt, mache eine umschulung oder gehe auf teilzeit!

lg, kena
 
Morenita - ja man kann durch die Wahl des falschen Berufs krank werden, Depressionen bekommen. Leider sind selbst die Therapeuten oft noch nicht so weit "lösungsorientiert" Menschen zu begleiten.
Ich habe eine Ausbildung zur Bankkauffrau gemacht und habe mich durchgequält bis zum Studium, danach Trainee Programm Vermögensmanagement, weil ich dachte die Welt ist eben so bis ich anfing nach mir selbst zu suchen. Ganz verkehrt an sich war ich nicht, denn mich hat der Mensch interessiert, nur das Thema war vollkommen verkehrt, es hat meine Seele nicht genährt. Ich machte viele Wochen immer wieder krank und kam mir schuldig vor. Aber sich mit Lustlosigkeit, Depression ins Büro zu schleppen ist pure Qual - ich denke das kann man nur nach empfinden, wenn man es selbst erlebt hat.

Ich bin 31 Jahre und habe endlich auch geschafft "NEIN" zu sagen zu dem was bisher war um noch einmal ganz neu zu beginnen. Ich denke Deine neue Berufsvorstellung im Bereich Gesundheit wird ein guter Weg sein und Deine vergangenen Erfahrungen werden Dir helfen wenn Du andere Menschen unterstützt, Du hast dadurch gute Sensibilitäten entwickeln um hinter Krankheiten zu schauen.
Ich möchte im Bereich Berufsberatung / Talent Management hineinwachsen. Oft braucht es eine innere Seelenvision, dass wir uns trauen neue Wege zu gehen - da bahnt sich auf jeden Fall ein Weg raus aus vergangenen Leiden / Depressionen.
Ich dachte eine Zeit lang: Depressionen / Essstörungen haben nichts mit dem aktuellen Leben zu tun - die Schulpsychologie findet natürlich immer die Erklärungen in der Kindheit, was auch seine Berechtigung hat - allerdings haben wir alle Menschen mehr oder minder ungelöste Konflikte in uns. Aber man muss die Mensch als Ganzes betrachten: fühlt man sich mit dem was man tut stimmig, angesprochen. Ich beschäftige mich zusätzlich viel mit dem Körper / Energiesystem im Menschen und hatte selbst Essstörungen - blockierte Energie im Solar Plexus und in der Bank hatte ich nie die motivation zu verkaufen zum Beispiel. Man sagte mir ich kann so was nicht. Dann wechselte ich die Branche - das Thema interessierte mich viel mehr, da es emotionaler war und sehr überrascht hatte ich richtig gute Akquisitionserfolge. Seelisch fühlte ich mich damit zwar auch noch nicht stimmig, aber es zeigte mir: wir richten unsere Energie schon nach außen, wenn wir uns für etwas begeistern, dann werden wir aktiv. Das was Dich nicht interessiert - vergiss es, es quält.
Viel Erfolg bei Deinem neuen Weg - lass die Vergangenheit hinter Dir. Man darf jeden Tag "neu" beginnen und suchen bis man etwas findet was einem Freude macht und interessiert.
 
Also zu einer Ausbildung zur Krankenschwester würde ich mich erst nach längerem Praktikum entscheiden, damit du ein Gefühl dafür kriegst, welchen Belastungen eine Krankenschwester ausgesetzt ist.

Ich kann dir nur erzählen, wie für ich die Ausbildung zum Krankenpfleger und die kurze Zeit die ich nach meiner Ausbildung gearbeitet habe.

Für mich war es Stress pur. Man wird in der Ausbildung regelrecht verschürt, weil die examnierten Pflegekräfte ihre Aufgaben kaum schaffen aus Zeitmangel und Personalmangel. Wirklich Zeit für Anleitung ist leider auch viel zu wenig.
Und dann wenn die Ausbildung geschafft ist, sollst du auf einmal alles können und musst dafür die Verantwortung nehmen.
Arbeitsklima war auf Station in den meisten Fällen auch schlecht. Die Pflegekräfte sind überfordert, ausgelaugt und frustriert. Außer wenige, die wohl wirklich klar kommen, wirken zufrieden in dem Beruf.
Aber wirklich jeder der in dem Beruf arbeitet, weiß viele Dinge die schlecht laufen in Krankenhäusern und Heimen.

Ich denke, dass meine Depressionen durch die Arbeit entstanden sind. Für mich ist es eine Horrorvorstellung zum Beispiel allein auf einer Station Nachtdienst machen zu müssen. Das ist mir zuviel Verantwortung für zuviel Arbeit in zuwenig Zeit.

Respekt vor jedem der klar kommt in dem Beruf und noch mensch bleibt.

Ich habe wirklich wenige Leute kennengelernt, die menschlich super waren und in dem Beruf klar kamen.

Viele Leute die sich aufopfern und wirklich alles für die Patienten tun wollen, gehen daran kaputt.

Und dann gibt es noch die Leute, die völlig abgestumpft sind, die nur möglichst schnell die Arbeit machen und denen die Arbeitsqualität nicht mehr wichtig ist. Das ist dann aber auch kein Vorbild für mich.....


Vielleicht ist es für dich genau das richtige. Muss man durch ein Praktikum wirklich erstmal prüfen.

Ich würde nie mehr diesen Beruf erlernen!
 

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