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Depression und Selbstaufgabe ... ich kämpfe um alltägliches tun gegen mich

Wuschel004

Mitglied
Das im Leben nicht alles glatt läuft sollte jedem klar sein und mir ohnehin. Schließlich kommt der Satz ja von mir.
Ich eigentlich ein ganz normaler Mann mit Sehnsüchten, Gefühlen und voller Emotionen und Tatendrang. Anfang der Vierziger und längst nicht bereit zum alten Eisen zu gehen oder gar ins Sterbeheim. – das nur mal fix für die unter 20 Jährigen ) –
Wie zu bemerken bin ich eigentlich ein recht offener und lustiger Mensch. Ich geh gern mal mit Freunden, Bekannten oder verwanden weg, lass auch nicht unbedingt was anbrennen, man lebt ja schließlich nur einmal ...

Hier nun das Problemchen ... nja eigentlich mehr als das. Denn es frisst mich auf.
Vor vielen Wochen kam irgendwie wieder die Eine in mein Leben gestrauchelt. Nja sowas sollte mich nicht vom Hocker werfen ... dachte das Thema SIE ist abgeharkt und ich steh drüber. Falsch gedacht. Es kam die Neugier, dann das wieder entdecken und am ende brannte es lichterloh ... bei mir!!!!
Nach mehreren Unterhaltungen, gemeinsamen Aktionen und logisch auch Spaß der zum größten Teil auch von ihr aus ging bin ich jetzt an einem Punkt wo ich mich echt für meine momentane Situation schäme. Die Küche sieht aus wie Bombe, Wäsche stapelt sich, Staub in der ganzen Wohnung und Post bleibt ungeöffnet liegen.
Hinzu kommt, ich komm früh um sechs von der Arbeit, Theoretisch würde ich super zu den Kollegen vor dem Rewe passen die sich sobald der Laden auf macht das erste Bier in den Hals stecken ... den seit etwa zwei Wochen tu ich es auch. Ich bin Kurierfahrer. Und dort kommt das nächste Problem.
Nachts auf der Autobahn ... LKW´s , Felswände .... alles scheint mir irgendwie geeignet um dem Elend das ich im Moment hab ein Ende zu setzen. Das ich es noch nicht getan hab ist allein meinem Ego zu verdanken, der Tatsache das ich mir noch alles irgendwie schön rede.
Seit dem klar ist das Sie nichts wirkliches will ist es bei mir als ob jeder Tag in grauen dicken Wolken liegt, bekleidet von Orkanen. Mich regt auf wenn der vor mir nur nicht schnell genug von der Kreuzung fährt, meine Katze mal wieder fusselt was sie eigentlich ständig tut und all solche kleinen Banalitäten. Inzwischen bekomm ich Probleme wegen der nicht geöffneten Briefe, Rechnungen, Termine usw.
Jetzt könnte man sagen selbst schuld, doch dem ist nicht so. ich sitz vor dem Zeug, finde keinen Anfang. Jeder Handgriff wird zur qual. Schlafen ... funktioniert nicht wirklich. Entweder ich wach durch irgendwelche Träume auf die sich um Sie drehen, und das sind keine romantischen Strandclips mit Spaß und Glückseeligkeit sondern echte bösartige Albträume wo sie ständig drin vor kommt und mich ganz übel vorführt oder aber ich komm erst gar nicht zum schlafen weil mein Kopf nicht abschalten kann.
Konzentrationsschwäche, Schreckhaftigkeit usw sind logischerweise die Folgen. Und ja, bereits der Weg ins Bad, für mich im Normalfall kein Problem, wird zum Kampf gegen mich selbst. Ich hab zu nichts mehr Power, Essen ... Fehlanzeige, Zigaretten, Kaffee und vielleicht mal eine Scheibe Wurst wenn sie mich anlächelt wenn ich nach der Arbeit ein Bier aus dem Kühli hole. Das was mich am meisten erschreckt, ich weis wenn ich nichts unternehme ist der Job weg, die Wohnung und alles andere auch. Ich sehe die Konsequenzen, weiß was passieren wird wenn es weiter so läuft. Ich komm mir vor wie ein Hellseher der sein eigenes grausames Ende sieht und nicht in der Lage ist etwas dagegen zu unternehmen. Mehrmals stand ich letzte Woche vor der Tür zu einem Psychologen. Nein ich bin nicht hinein gegangen. Ich trau diesen Menschen nicht. Klingt vielleicht alles einfach, ist es aber nicht. Das einzige was mir wirklich noch spaß macht ist mein Job. Nachts die Ruhe, die Einsamkeit auf den Straßen und teilweise das Tempo wenn es möglich ist. Wobei ich selbst bemerke - allerdings erst hinterher – das ich seit einigen Tagen wirklich sehr riskant fahr. Deshalb hab ich mein Navi bereits sensibilisiert damit es mich bei zu schnellem Fahren in Ortschaften drauf aufmerksam macht. Mir ist wichtig nicht unbedingt andere zu Schaden zu bringen auch wenn ich mir Wünsche einen tötlichen Unfall zu haben.
Dieses Problem besteht eigentlich seit vielen Jahren als ich meine damalige Firma verloren hab. Ich hab es irgendwie weg gesteckt. Versucht mich wieder irgendwie auf zu rappeln. Nichts was wirklich funktioniert hatte ... seit damals fühl ich mich wirtschaftlich vom Pech verfolgt und jeder weis, weg gehen kosten ein paar Münzen. Ich geh nicht in Discotheken oder in Glasbiergeschäfte. Aber Bowling etc mit Freunden z.B. kostet auch. Man arrangiert sich mit der Zeit. Nur das ich immer mehr den Wunsch nach einem Ende hab, mir schon selbst vorstelle in dem Moment wo ich eine potenzielle Möglichkeit seh wie es sein wird wenn es erfolgreich war ... es macht mir angst und ich weiß nicht wie lang ich das so noch auf die Reihe bekomme. Denn ich seh immer mehr alles negativ. Alles ist für mich nur noch zu meinem nachteil ... persönlich gefühlt. Es gibt einfach nichts mehr was ich positiv sehen kann.
 
Hallo Wuschel,

ich weiß nicht ob ich in meinem Alter etwas raten könnte was dir und deiner Lebenserfahrung helfen könnte...

Allerdings fand ich es wichtig dass du weisst, dass ich diese Gefühle und diesen täglichen Kampf in einer Depression kenne.
Das man nicht schlafen kann, aber das wach sein einen auch quält, zumal man völlig entkräftet ist. Und sobald man sich hinlegt, rattert der Kopf los, das Herz klopft, man will am liebsten wieder aufspringen.
Dass das anziehen und ins Bad gehen eine Tagesetappe für sich ist. Gegessen hab ich auch kaum noch und sowieso erschien mir alles vollkommen sinnlos. Wozu essen? Wozu aufstehen? Wozu überhaupt noch was tun. Schnell saß ich auch im Gerümpel. Und geschämt hab ich ich mich auch ohne Ende, aber wo damit anfangen? Außenstehende sagen dann "Zieh dich doch einfach an und geh raus, einkaufen, ess was." Aber das erscheint einem unmöglich. Es geht ganz einfach nicht

Gott sei Dank liegt diese Zeit hinter mir. Ich habe mir Anti-Depressiva verschreiben lassen weil ich zu dem Schluss kam "So gehts nicht weiter!". Ich wollte unbedingt was ändern und dazu brauchte ich Hilfe. Hat lange gedauert bis ich das akzeptiert habe (immerhin kriegt man doch sonst auch alles alleine hin 😉 ). Heute geht es mir wieder wundervoll!

Wenn du so weiter machst Wuschel, sinkst du nur immer tiefer in dein Loch. Du musst da raus. Und du wirst wohl einsehen dass du momentan einfach nicht die Kraft hast, alleine da raus zu kommen. Und je mehr du aleine vor dich hingrübelst, desto dichter wird der Nebel um dich, oder? Du musst selbst zu dem Schluss kommen "Stop, Ende, ich will das so nicht mehr!", dann raff die Röcke und los! Du brachst Hilfe von außerhalb, die dich erstmal da rauszieht. Alleine kannst du das nicht, auch wenn das Ego da noch so schreit (wie damals bei mir). Rette erstmal dich.
Die Küche putzen kannst du später immernoch....

Hör zunächst mal auf gleich morgens Bier zu trinken, dass tut dem Körper in so einer Verfassung gar nicht gut, wirklich. Quäle deinen Körper nicht zusätzlich zu der Depression, die für einen Körper auch Stress genug ist. Achte darauf DIR ZU LIEBE etwas zu essen, auch wenn es Überwindung kostet und du gar keinen Hunger hast.
Ein Motor ohne Öl kann nicht laufen.
Und dann wende dich an jemanden, den Hausarzt, einen Psyschologen... eigentlich ganz egal an wen. Wichtig ist erstmal, DASS jemand davon erfährt und DIR sagen kann, was du tun kannst. Das sollte dein nächster Schritt sein.
Nochmal: Alleine kommst du da nicht raus. Man denkt man wäre stark und das ganze doch nicht so wild. Aber eine Depression hat einen fest in der Hand, es fehlt einem ganz einfach die Kraft und daran ist auch nichts verwehrfliches. Du bist krank. Keiner würde von einem mit Grippe und Fieber erwarten seine eigene Suppe kochen zu können, wieso solltest du es dann können? Und ja, der Vergleich ist durchaus angemessen!

Ich wünsche dir ganz viel Kraft! Du schaffst das! 🙂
 

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