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Das toxische Verhalten meines Vaters (Teil 1)

LostScout23

Mitglied
Viele Menschen erleben in ihrer Kindheit oder Jugend Situationen, in denen Eltern ihre Macht über Kinder ausüben, ohne dass dies bewusst als Gewalt oder Kontrolle wahrgenommen wird. Ich möchte hier meine Erfahrungen teilen, um zu zeigen, wie subtil und gleichzeitig schädlich solche Muster sein können – und wie man als Erwachsener beginnt, sich davon zu lösen.




1. Schmarotzen / Aneignung von Ressourcen​


  • Als Kind wurde ich gezielt dazu genutzt, Dinge mit meinem Vater zu teilen, während mein Bruder nie aufgefordert wurde.
  • Er nahm sich Dinge aus meiner Tasche, von meinem Teller, aus meinem Besitz, oft ohne zu fragen.
  • Diese Handlungen wurden zunehmend selbstverständlich für ihn, während ich mich verletzt und kontrolliert fühlte.
  • Auch im Erwachsenenalter wiederholten sich diese Muster bei materiellen Dingen: Aufgaben, „Belohnungen“ oder Ressourcen wurden mir gegen meinen Willen zugeschoben.

Psychologischer Kern:


Es geht nicht um Gegenstände, sondern um Machtausübung und Kontrolle. Kinder lernen, dass „Nein“ nicht akzeptiert wird, und entwickeln unbewusst Anpassungsstrategien, um Konflikte zu vermeiden.



2. Frustentladung​


  • Mein Vater nutzte mich als Ventil für seine Launen.
  • Er nannte mich explizit „das schwächste Glied“ und gestand offen: „Du bist derjenige, der sich nicht wehren kann.“
  • Ausflüge, Freizeit und kleine Freuden wurden kurzfristig verboten, um seine Launen zu befriedigen.
  • Erst als ich später, als Jugendlicher/Erwachsener, klar und entschlossen Grenzen setzte, änderte sich dieses Verhalten.

Psychologischer Kern:


Kinder dienen als emotionale Puffer. Ihre Bedürfnisse werden zugunsten der Kontrolle zurückgestellt.



3. Kontrolle durch Arbeit​


  • Unangenehme oder wiederkehrende Aufgaben wurden auf mich abgewälzt – sei es Geschirr spülen, Unkraut zupfen oder alte Autos in der Scheune bearbeiten.
  • Begründungen wechselten ständig („die Maschine macht nicht sauber“, „das muss erledigt werden“, „deine Mutter sagt…“) und hatten nur eine Funktion: mich beschäftigt und kontrolliert zu halten.
  • Seine eigenen Arbeiten ließ er liegen, um sie mir aufzuerlegen.
  • Diskussionen waren sinnlos, da es nicht um Lösung, sondern um Durchsetzung ging.

Psychologischer Kern:


Arbeit wird zum Machtinstrument. Wer diskutiert oder nachfragt, verliert – das Kind lernt, dass Eigenständigkeit und Nein-Sagen oft nicht erlaubt sind.



4. Rationalisierung durch die Mutter​


  • Gehässigkeit wurde verharmlost: „Ist doch nur ein Scherz.“
  • Arbeit wurde als sinnvoll dargestellt: „Du brauchst auch eine Aufgabe.“
  • Launen wurden entschuldigt: „Es ist Vollmond.“

Psychologischer Kern:


Rationalisierungen oder „Schutzbehauptungen“ von anderen Familienmitgliedern verstärken die Botschaft: Die eigenen Gefühle sind weniger wichtig.



Fazit Teil 1:
Diese Muster – Schmarotzen, Frustentladung, Kontrolle über Arbeit, Rationalisierung – erzeugen unsichtbare, aber spürbare Machtungleichgewichte, die Kinder tief prägen. Sie lernen Anpassung, Vorsicht und Zurückhaltung – und nicht, dass ihre eigenen Grenzen respektiert werden.
 
Im zweiten Teil geht es um körperliche und emotionale Grenzüberschreitungen, die besonders subtil und nachhaltig wirken.




1. Abfällige und sexualisierte Kommentare​


  • Mein Vater machte Kommentare über meinen Körper, die beschämend, sexualisiert oder abwertend waren.
  • Diese Angriffe betrafen sowohl mein Gewicht als Kind/Jugendlicher als auch körperliche Veränderungen in der Pubertät (Gynäkomastie, Lipomastie).
  • Die Wirkung war langfristig: Ich hatte Schwierigkeiten, ein gesundes Körpergefühl und Selbstwertgefühl zu entwickeln.

Psychologischer Kern:


Solche Kommentare dienen der Entwertung, Machtausübung und dem Angriff auf die Identität des Kindes. Sie sind niemals harmlos.



2. Stress und Bewältigungsstrategien​


  • Stress kam nicht nur aus den familiären Konflikten, sondern auch aus Unfällen und Verletzungen (Knochenbrüche in der Kindheit).
  • Rückzug in Fantasiewelten und emotionales Essen waren Strategien, um den Stress zu regulieren.
  • Diese Anpassungen führten zu Übergewicht und begünstigten körperliche Probleme, die wiederum Ziel von gehässigen Kommentaren wurden.



3. Selbstschutz und Resilienz​


  • Trotz der Belastungen habe ich gesunde Strategien entwickelt, die mir heute helfen:
    • Kampfsport: Körperkontrolle, Selbstwirksamkeit, Respekt
    • klare Grenzen setzen, auch in belastenden Situationen
    • Analyse und Reflektion von Flashbacks
    • sachliche Abgrenzung gegenüber toxischen Verhaltensmustern

Fazit Teil 2:


Resilienz entsteht nicht trotz, sondern mit diesen Erfahrungen – durch Bewusstsein, Selbstschutz, Grenzen und die Suche nach gesunden Ausdrucksformen für Körper, Geist und Emotionen.



Abschließende Botschaft für Leser:innen


  • Toxische Muster in der Familie sind komplex, subtil und schwer zu benennen.
  • Wer als Kind Grenzverletzungen erfährt, kann später gesunde Grenzen lernen und Selbstwert aufbauen.
  • Strategien wie Selbstschutz, sachliche Abgrenzung, körperliche Selbstwirksamkeit und Reflektion sind Schlüssel für Heilung.
  • Niemand ist „zu spät“: Auch verspätete Resilienz und Identitätsstärkung sind möglich.
 
@LostScout23 Ich habe beide Teile in diesem Thread zusammengefügt. Bitte verfasse die Teile nicht als einzelne Themen, da es sonst zu unübersichtlich wird. Alle weiteren Beiträge bitte hier einstellen.
 
Hallo LostScout,

erstmal ein großes Kompliment an dich für die übersichtliche und detaillierte Aufbereitung und gute Lesbarkeit. Man sieht dass du dich damit beschäftigt hast und strukturiert darüber nachdenkst.
Ebenfalls danke, dass du dies teilst, da ich glaube, dass viele Andere Menschen ähnliche (wenngleich die wenigsten so drastische) Erfahrungen gemacht haben wie du.

Meine Geschichte ist eine ganz andere, aber letztlich auch sehr geprägt davon, dass es mir schwer fiel ein selbstbewusster Erwachsener zu werden. Ganz kurz: Mein Vater hat meine Mutter schwanger verlassen, meine Mutter ist dann zu ihren Eltern (also meinen Großeltern) und hat mich dann nach einigen Jahren auch dort allein gelassen. Im Gegensatz zur dir hatte ich bei meinen Großeltern zwar durchaus eine liebevolle Kindheit aber das Verhalten meiner Eltern hat mich lebenslang getriggert. Insbesondere das Verhalten meiner Mutter, die damals manchmal zu besuch kam empfand ich extrem toxisch, angefangen von Kommentaren mich besser hätte abtreiben zu lassen bis dazu mich und meine Großmutter als Ventil für ihre Launen zu benutzen und rumzuschreien.

Ich erkenne mich bei dir darin wieder wenn du von Grenzen sprichst. Ich vermute, es ist für dich schwer und kräftezehrend Menschen Grenzen zu setzen, weil du als Kind erfahren hast, dass du darin nicht akzeptiert wirst. Vielen Menschen fällt "Nein" Sagen schwer, aber besonders Menschen wir dir, deren Grenzen immer wieder ignoriert wurden.

Entschuldige, ich will nicht zu viel hinein intepretieren und bitte sag mir wenn ich etwas unpassendes schreibe. (Ich lösche auch meinen Beitrag falls dies eher ein Tagebuch für dich selber sein soll).
Es teilt sich aber halt vieles mit meinem Erfahrungen. Während das negative Verhalten Anderer (als von deinem Vater) verharmlost und entschuldigt wird, wurde von dir erwartet all dieses toxische Verhalten zu tolerieren. Ich kenne die Sprüche. Wenn meine Mutter mich angeschriehen hat, sagte meine Oma "Die ist halt so" oder "sie hatte einen schweren Tag". Man zweifelt irgendwann an sich selber und dir wird eingeredet, dass du der böse Mensch seist, der nicht einfühlsam und tolerant gegenüber Vater/Mutter/sonstwem bist.

Ich kann dir nur eines sagen: Du bist nicht weniger wert als jemand Anderes. Du hast genau wie Andere das Recht Grenzen zu stecken und musst nicht alles still einstecken. Und ich hoffe dir geht es nicht wie mir teilweise früher, dass ich die Schuld bei mir selber gesucht habe. Tatsächlich war ein großes Problem in meinem Leben, dass ich auch in der Schule und später auf der Arbeit ein "Ja-Sager" war und mich viel zu viel habe fremdsteuern lassen.

Ich wünsche dir alles Gute!
 
Was ihr schreibt, ist wohl eher ein Generationskonskonflikt, in den ich mich einreihen kann.
Meine Eltern haben mir auch in ihrer veralterten Denkweise so einiges zugemutet, dass heute undenkbar wäre.
Und das war zT echt krass....
Wir machen heute andere Fehler, die uns unsere Kinder ankreiden.
Und das wird generationsbedingt immer so bleiben.
 
Das sieht mir aus, wie von ChatGPT zusammengestellt.
Hab ich auch gedacht. Wie ein Fachartikel in "Psychologie heute". Mir fehlen Beispiele und Gefühle. Es wirkt so unpersönlich und distanziert, als ob das Allgemeingültigkeit haben würde.

Mein Vater hat auch gesagt: "Du ziehst dich an wie eine Schlampe." Dass alle Teenies sich so anzogen, so mit Hüfthose, Designerstrings und Arschgeweih war nebensächlich. Bei @LostScout23 hätte das vermutlich ein Trauma ausgelöst, ich nahm es als Kompliment und habe am nächsten Tag zusätzlich noch ein knappes Top angezogen nur um ihn zu ärgern.

Was Eltern tun oder sagen ist das eine, wie das Kind damit umgeht das andere. Aber Allgemeingültigkeit hat es nicht.
 
Ungeachtet ob ChatGPT-Text oder nicht, erkenne ich mich teils auch in dieser Ausführung wieder. Bei mir war es meine Mutter. Ihr ganzes Verhalten mir gegenüber war darauf ausgelegt, mich zu kontrollieren. Ich konnte ihr nie etwas recht machen. Und wenn es mal ein "Kompliment" gab, dann wurde es Stunden oder gar Tage später revidiert, mit der Begründung: "Ich wollte keinen Streit anfangen". Das und noch viele weitere Dinge, die hier aber zu einem riesen Text führen würden.
Das Ende vom Lied ist, dass mich selbst das gesprochene Wort "Mutter" so hart triggert, dass ich es sogar körperlich spüre, wie sehr ich dieses Wort verachte und hasse! Weil ich mit diesem Wort nicht dasselbe assoziiere, wie normale, gesunde Menschen.
Ich bin eine psychisch zerrissene Persönlichkeit, mit extremen Problemen, überhaupt an irgendetwas länger Freude zu empfinden, oder Projekte durchzuziehen, weil ich irgendwann immer wieder die Stimme meiner Alten im Kopf höre, die sagt: "Lass das sein, das kannst du nicht". ...
 
Ungeachtet ob ChatGPT-Text oder nicht, erkenne ich mich teils auch in dieser Ausführung wieder. Bei mir war es meine Mutter. Ihr ganzes Verhalten mir gegenüber war darauf ausgelegt, mich zu kontrollieren. Ich konnte ihr nie etwas recht machen. Und wenn es mal ein "Kompliment" gab, dann wurde es Stunden oder gar Tage später revidiert, mit der Begründung: "Ich wollte keinen Streit anfangen". Das und noch viele weitere Dinge, die hier aber zu einem riesen Text führen würden.
Das Ende vom Lied ist, dass mich selbst das gesprochene Wort "Mutter" so hart triggert, dass ich es sogar körperlich spüre, wie sehr ich dieses Wort verachte und hasse! Weil ich mit diesem Wort nicht dasselbe assoziiere, wie normale, gesunde Menschen.
Ich bin eine psychisch zerrissene Persönlichkeit, mit extremen Problemen, überhaupt an irgendetwas länger Freude zu empfinden, oder Projekte durchzuziehen, weil ich irgendwann immer wieder die Stimme meiner Alten im Kopf höre, die sagt: "Lass das sein, das kannst du nicht". ...
Da erkenne ich mich wieder ^^
Ein Freund schaute mal auf mein Smartphone und meinte "Du hast deine Mutter mit Mutter abgespeichert und nicht mit Mama!?" Ich spreche meine Mutter nur mit "Mutter" an und selbst das Wort löst bei mir Triggergefühle aus.

Der perfide ist, dass man erstmal überhaupt merken muss, wie einem die eigene Mutter oder Vater manipuliert und mit einem spielt. Ich habe Ende letzten Jahres meine Mutter besucht und konnte aus dem Auto sehen wie sie Müll rausbrachte, forschen Schrittes. Nachdem ich geparkt hatte und sie mich erblickt fing sie plötzlich an zu humpeln und erzählte mir dann während meines Besuches ständig wie schlecht es ihr ginge und wie gut ich es hätte.

Es ist nicht das gleiche wie bei dir aber die Taktik zielt auch bei meiner Mutter auf Kontrolle, erzwungene Nähe und emotionale Abhängigkeit ab. Sei es dass sie mir mit Suizid droht oder plötzlich nach 3 Tagen nichts mehr von dem weiß was sie vorher gesagt hat.

Du schreibst von Komplimente, die revidiert werden. Komplimente macht meine Mutter mir, aber
immer nur mit der Relativierung, dass ich das von ihr geerbt hätte. So dass sie mir subversiv immer klar macht: "Deine Erfolge hast du dir nicht selbst verdient, sondern du hast alles mir zu verdanken"

Meine Mutter ist auch der Typ, der immer mir sagt "Du kannst das nicht" oder "es ist zu gefährlich". Ich hatte allerdings das Glück eine Großmutter zu haben, die an mich geglaubt hat und auch teilweise gute Lehrer, die sich z.B. aktiv dafür eingesetzt haben, dass ich damals auf ein gutes Gymnasium gegangen bin. Gerade als junger Mensch braucht man andere Menschen du an einen glauben.

Das schlimme ist aber wie gesagt, es überhaupt zu merken, weil diese Mütter und Väter es immer gut verpacken. Ob ChatGPT oder nicht, im Eingangsbeitrag steht sehr passend "Toxische Muster in der Familie sind komplex, subtil und schwer zu benennen". Vor allem als Kind bist du dabei immer in der schwächsten Position. Und wenn du irgendwann alt genug wirst und lernst dich zu wehren, nehmen diese Menschen dann eine Opferhaltung ein und haben keinerlei Selbstreflexion.

Toxische Eltern geben oft vor ihre Kinder zu lieben, aber im Vordergrund steht ihre eigenen Bedürfnisse und ihr Wunsch nach Anerkennung. Aus dieser Brille heraus betrachtet bist du eher ein brauchbares Subjekt und nicht ein Mensch. Hast du Erfolg, hast du das ihnen zu verdanken. Hast du Misserfolg, bist du selber Schuld. Sie erzählen dir, wie schwer es war dich groß zu ziehen und dass du ihre Berufschancen zerstört hast. Es sind kleine stichelnde Sätze, abwertende Bemerkungen, alles immer schön subtil.

Als meine Großmutter verstarb, kümmerte ich mich um alles von Bestattung bis Erbe. Meine Mutter behauptet dann irgendwann ich hätte ihr ein Teil des Erbes unterschlagen, weil angeblich im Bankschließfach noch Goldschmuck gewesen sei. Obwohl ich belegen konnte, dass dem nicht so war, stichelte sie noch Jahre weiter, dass man "mir ja auch nicht so ganz vertrauen könne". Heute weiß sie angeblich davon nichts mehr, so wie sie alles vergisst, was sie mal Anderen Unrecht getan hat.

Erst viel später habe ich mich psychologisch damit beschäftigt und erkannt, dass dieses "Vergessen" genau wie das "strategische Komplimente machen und/oder Zurückziehen" absolut manipulativ und toxisch ist. Stichwort "Negging". Dieses Hin- und Her ist eine Machtdynamik, das Hinhalten der Karotte, die man dann wieder wegzieht oder plötzlich "vergisst" dass man jemandem eine Karotte versprochen hat.
 
(...) und erzählte mir dann während meines Besuches ständig wie schlecht es ihr ginge und wie gut ich es hätte (...)
Das Muster erkenne ich ebenso bei meiner Alten. Sie hatte es zwar nicht nötig zu humpeln, oder so zu tun als ob es ihr dreckig ginge, weil ihr Körper langsam aber sichtbar kaputt ging (und weil ich eh 36 Jahre meines Lebens in ihrer Nähe verbringen musste und das mit ansah), aber dass sie ständig nur ein, maximal zwei Themen hatte, nämlich dass es permanent irgendwo irgendwie mit irgendwem Ärger geben würde. Überhaupt bestand der Hauptteil des Tages (im Jahres-Durchschnitt könnte man von etwa 80 Prozent ausgehen) daraus, dass ihr irgendetwas missfallen würde. Und nur der kleinste Trigger meinerseits reichte, um ihre Wut gegen mich zu richten. Und das schlimme war, wenn sie erst einmal anfing, dann redete sie sich oft in Rage, bis sie einen Level erreichte, bei dem sie imstande war, ihrem erwachsenen Sohn (über 30) zur "Strafe"(!!) das wegzunehmen, von dem sie dachte, es würde mich emotional treffen.
Erst wenn es ihr WIRKLICH dreckig ging und sie im Bett liegen musste und Pflege brauchte, war ich der Goldjunge, nicht mit allem Geld auf der Welt aufzuwiegen und überhaupt das Beste, was sie hatte. Doch sobald es ihr wieder einigermaßen ging, war ich wieder das A******* dass nicht das Recht hatte das Maul aufzumachen, weil ich im Leben nichts geschafft hatte. ...

(...) oder plötzlich nach 3 Tagen nichts mehr von dem weiß was sie vorher gesagt hat.
Ja, die Masche erkenne ich auch wieder. Wenn ich sie darauf ansprach, auf Dinge, die mir persönlich immer noch im Magen lagen und die ich aus der Welt geschafft haben wollte, sprach sie davon dass sie das nie gesagt hätte, oder sich nicht erinnern könne. Klassische Taktik, um sich nicht mit ihrem eigenen Fehlverhalten auseinandersetzen zu müssen.

Ich hatte allerdings das Glück eine Großmutter zu haben, die an mich geglaubt hat und auch teilweise gute Lehrer, die sich z.B. aktiv dafür eingesetzt haben (...)
Du hast es in dem Punkt gut. Bei mir hatte es meine Alte geschafft, ihr toxisches Verhalten so gut zu verschleiern, dass alle die mit ihr befreundet waren dachten, dass sie die allseits liebende und aufopferungsvolle Mutter war, die sie nach außen hin vorgab zu sein. Das Umfeld, insbesondere die Lehrer die mich kannten und mochten, sahen nur die Oberfläche, aber nie das, was dahinter lag.

"Toxische Muster in der Familie sind komplex, subtil und schwer zu benennen". Vor allem als Kind bist du dabei immer in der schwächsten Position.
Ja, genau. Als Kind hat man gar nicht den ausgereiften Horizont, zu begreifen, was hier überhaupt Phase ist. Es äußert sich subtil und in Dingen (Äußerungen, Verhalten, etc.), die von der Außenwelt vielleicht als seltsam oder "schüchtern und zurückhaltend" interpretiert wird.
Zum Beispiel hatte ich schon sehr früh Depressionen, die sich in Todeswünschen äußerten. Woher die kamen wusste ich damals nicht. Nur, dass ich mehrere Versuche starten wollte. In einem alten Buch, dass ich besaß, hatte ich als Kind (sehr früh als Kind) unter anderem auf den ersten Seiten geschrieben, dass ich die ganze Welt töten wollte/müsste - es gäbe viel zu tun. Die Seiten wurden von meiner Mutter irgendwann später heraus gerissen, was ich vor einigen Jahren erst bemerkte, als ich diese Textstelle suchte. Ebenso wie ich immer mal wieder unkontrollierbare Wutanfälle habe, die ich zum Glück nicht auslebe, die mir aber selbst schon Angst machen.
Das alles, denke ich inzwischen, waren schon damals Zeichen dafür, wie kaputt und toxisch das soziale Umfeld war, dem ich ausgesetzt gewesen bin.

Toxische Eltern geben oft vor ihre Kinder zu lieben, aber im Vordergrund steht ihre eigenen Bedürfnisse und ihr Wunsch nach Anerkennung. Aus dieser Brille heraus betrachtet bist du eher ein brauchbares Subjekt und nicht ein Mensch
Genau das habe ich mit der Zeit auch herausgefunden, als ich mich mit der Frage beschäftigte: "Was bin ich und wo gehöre ich hin?". Mir fiel dabei unter anderem auf, dass ich in den Augen meiner Alten nie ein eigenständiges, atmendes Wesen war, mit eigenen Bedürfnissen und Ansichten. Ich war immer nur ein Teil von ihr, ein Spiegelbild in dem sie sich selbst sah und natürlich nur etwas makelloses erkennen wollte, was nie möglich war.
Das erkannte ich unter anderem an der ständigen Frage: "Was wollen wir essen?". Es hieß nie: "Was möchtest du essen, worauf hast du Lust?". Nein, es hieß immer nur "wir". Und wenn sie einen Vorschlag machte, der mir nicht zusagte, verzichtete sie ebenfalls darauf. So als ob sie nichts essen könne, was ich nicht auch esse.
 

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