Spielsucht ist eine Sucht wie jede andere auch und braucht kein Mitleid, aber vielleicht etwas Verständnis und Mitgefühl für die schwierigen Situationen, die sich daraus ergeben können. Natürlich hat der TE seine Entscheidungen selbst getroffen, aber das ist ja das vermaledeite an einer Sucht: die Kraft zu widerstehen ist geringer und wenn einem die Trigger an so vielen Stellen auflauern, was dann? Keine Werbung mehr ohne Spielcasinos und dem Versprechen auf das große Glück und dann noch 50,-€ Startguthaben, das man vielleicht gerade auf dem eigenen Konto nicht hat. Als ob das dem Glück auf die Sprünge helfen würde?!
Das ist ähnlich wie an der Ladenkasse im Supermarkt, wenn die Ü-Eier auf der Höhe von Kinderhänden platziert werden und man sich dann wundert, wenn ein Kind zugreift und zum "Dieb" gemacht wird. Ein bisschen weniger "Versuchung" wäre hilfreich, gerade bei solchen Dingen wie Glücksspiel oder Alkohol mit so viel Suchtpotential. Aber darauf zu hoffen ist leider wenig aussichtsreich.
Da wären wir aber wieder bei dem Punkt, was denn erlaubt ist? Wie viel "Versuchung" ist zu viel? Wo soll man den Zensurhammer ansetzen?
Bleiben wir doch mal bei den Überraschungseiern. Mal ganz davon abgesehen, dass es heute quasi in jedem Supermarkt die Süßigkeitsfreien Kassen gibt, ist das Problem doch weniger das "diebische Kind" (es sei denn du hast valide Statistiken über Kinder die klauen wie die Raben weil sie verführt werden) sondern die Quengelei. Solange das Kind ja nur zugreift, ist es ja noch kein Diebstahl. Der ist es erst, wenn es die Ware ohne zu bezahlen an der Kasse vorbei trägt. Da die meisten Kinder keine Meisterdiebe sind würde ich hier durchaus eine Mitschuld der Eltern sehen wenn sie ihrem Kind nicht beibringen was Recht und Unrecht ist und gleichzeitig ihr Kind so unbeaufsichtigt lassen, dass es die Eier nicht nur nehmen kann sondern auch unbemerkt verschwinden lassen kann.
Das Kind greift doch nicht zu, weil es irgendwas greifen will sondern weil es durch Werbung oder das lustige Äußere so auf dieses Ei getriggert ist. Oder meinst du ein leckerer Rettich hätte die selbe Wirkung?
Wenn man also sagt "Ja, Kinderüberraschungen dürfen generell nicht mehr an der Kasse liegen!" dann kommt der nächste, dem das nicht weit genug geht und der sagt "Ja und man darf auch keine Werbung mehr dafür machen." und so weiter und so fort bis es schließlich komplett verboten wird. Und dann noch viele, weitere Produkte.
Und wohlgemerkt, wir reden bei Tipico von einem Produkt dass sich an erwachsene und mündige Bürger richtet das eben mit bestimmten Boni Kunden anlockt. Da könnte man sich auch aufregen, dass Rewe die Leute zum saufen verführt weil der Kasten Bier im Sonderangebot ist. Oder das Internetanbieter mit ihrer Flatrate die Menschen zur Internetsucht verleiten.
Das "ein bisschen weniger Versuchung" ist immer ein ganz heikles Pflaster. Es wird IMMER Leute geben denen es doch zu viel Versuchung ist und die eine weitere Reduktion fordern.
Ganz schlimm hierbei ist eigentlich, dass die Leute die es sich eigentlich leisten können am wenigsten darauf hinein fallen. Ich kenne jemanden der von ALG II lebt und trotzdem jede Woche Lotto spielt. Seiner Aussage nach, ist das für ihn der einzige Ausweg aus der Armut. Mal ganz davon abgesehen, dass die Armut ja nicht soo groß sein kann wenn man jede Woche 15 Euro für Glücksspiel ausgibt, hat er damit (wenn man es hochrechnet) in den letzten 10 Jahren schon über 7.000 Euro ausgegeben (kleine Gewinne die er da mal gemacht hat, bereits mitgerechnet)
Wer mit dieser Einstellung an so etwas geht, hat ein generelles Problem.