Und das kann ich anonym machen? Ich hab jetzt einmal quer gegoogelt und gefunden, dass man nur bei Kindeswohlgefährdung einen anonymen Hinweis ans JA geben kann. Das liegt ja hier, glaube ich, nicht vor, denn dem Jungen geht es ja gut, er wird nicht misshandelt, hat Essen, Kleidung usw.
Meine Mutter hat ihm das schon gesagt, dass irgendwann das JA vor der Tür steht und dass der Kleine zur Schule muss. Darauf scheint er nicht zu hören. Das schlimme finde ich ja auch, dass er ihn einfach vor dem TV parkt. Wenn er ihn wenigstens selber unterrichten würde...aber so kann der Junge dann nochmal von vorne anfangen auf einer neuen Schule.
Die Verletzung der Schulpflicht stellt durchaus eine Kindeswohlgefährdung da. Nach § 1666 BGB zählt eben auch eine Nichteinhaltung der Schulpflicht zu den Taten, die das geistige und seelische Wohl des Kindes verletzen. Die unzureichende Förderung und die Uneinsichtigkeit seiner Erkrankungen (so formuliere ich das jetzt einmal, soll nicht abwertend gemeint sein!) kann sogar als Vernachlässigung gezählt werden, was den Handlungsbedarf noch einmal verdringlicht.
Natürlich wird der Familie das Kind nicht sofort weggenommen, sondern es werden erst einmal Hilfen zur Erziehung angeboten. Falls die Eltern aber nicht gewollt sind, sich zu ändern, dann kann das Sorgerecht (in Teilen) entzogen werden und insbesondere das Aufenthaltsbestimmungsrecht. Zudem gibt es ein saftiges Bußgeld, in einigen Bundesländern kann dies bis zu 2500€ betragen.
Vielleicht findest du es feige, dich anonym beim Jugendamt zu melden, aber denk einmal darüber nach: Er wird massiv in seiner Entwicklung beeinträchtigt, ihm werden alle Wege verbaut und du meldest es nicht, weil du das feige fändest? Das ist doch nicht verhältnismäßig. Der Junge kann sich eben nicht selber wehren und wenn sich da nicht schnell eine Lösung findet, wird er sein Leben darunter leiden, dass niemand das Jugendamt eingeschaltet hat.
Ich bin selber so ein Fall, hätte jemand das Jugendamt benachrichtigt, dann wäre mir viel erspart geblieben und ich hätte keinen massiven psychischen Schäden davongetragen. Es hat sich aber niemand getraut, weil sich ja alle mit meiner Mutter so gut verstanden haben und die Freundschaft ja nicht kaputt machen wollen. Wäre ich nicht da von alleine rausgekommen, würde ich heute arbeitsunfähig sein und in einem betreutem Heim wohnen.
Und ich hatte da noch das Glück, dass ich keine tiefgreifende Entwicklungsstörung (dazu zählen Autismusspektrumstörungen nach dem ICD-10) hatte, sondern "nur" eine Persönlichkeitsstörung, die sich erst im Jugendalter richtig gezeigt hat.
Bei meinem Stiefbruder genau dasselbe: Seine Mutter leugnet bis heute seine Lernbehinderung und deshalb sitzt er mit Mitte 20 noch zu Hause, ist arbeitslos und hat keinerlei Perspektiven, weil er nie richtig gefördert wurde und die Tätigkeiten auf dem "normalen" Arbeitsmarkt nicht zu bewältigen sind für ihn.
Was ich dir damit sagen will: Gib dir einen Ruck und informier das Jugendamt, egal welche unangenehmen Konsequenzen das für dich hat. Denn die Konsequenzen, die dein Cousin hat, wenn das ganze Spiel so weitergeht, sind weitaus unangenehmer und werden ihn sein ganzes Leben auf den Schultern lasten. Zudem ist er ein Kind, welches nichts dafür kann, wie er ist und wie mit ihm umgegangen wird, er kann noch gar nicht begreifen, was mit ihm eigentlich geschieht. Du bist aber erwachsen, du bekommst mit, was passiert und du kennst die möglichen Folgen.
Und dabei musst du auch gar keine Details nennen. Dass er nicht zur Schule geht, reicht als Anhaltspunkt.
Würde dein Cousin geschlagen werden, würdest du ja wohl auch kaum sagen "Ich sage es keinem, damit mein gutes Verhältnis zur Tante bestehen bleibt" - nein! Eine gute Beziehung zu Verwandten ist
niemals mehr Wert als eine Kinderseele!!! Erwachsene können ihren Streit untereinander regeln, die Kinder können sich aber eben nicht wehren.