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Chaosleben, weiß nicht weiter..

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Gast

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Hallo zusammen,

im Moment geht es mir zwar etwas besser als in den letzten Monaten, aber es ist trotzdem noch immer eine unhaltbare Situation, über die ich schreiben und mir eure Ratschläge einholen will.

Ich bin 25 und im Moment total perspektiv- und orientierungslos, habe eigentlich Angst vor allem, was mit Beruf zu tun hat und traue mir null zu.

Nach meinem guten Realschulabschluss wusste ich schon nicht, was ich werden wollte. Da ich mich für irgendetwas entscheiden musste, habe ich den Weg der Erzieherin gewählt. Ich habe stets sehr gute Zensuren gehabt in der Theorie, in der Praxis solala. Ich habe schon während der Ausbildung gemerkt, dass ich zwar Kinder mag, mir die tägliche Arbeit aber nicht wirklich liegt – habe mich immer fehl am Platz gefühlt... Im Heim war ich auch, aber das war noch schlimmer.. da kamen dann noch andere Probleme hinzu, ständige Begegnung mit Drogen und Polizei, psychische Probleme der Jugendlichen, die nicht wirklich imstande waren, Hilfe anzunehmen.

Ich habe die Ausbildung durchgezogen, wollte aber unbedingt etwas anderes machen. Nur was? Verschiedene Praktika folgten in Fotostudio, Werbeagentur, ich konnte es zwar nicht, aber es war sehr interessant.

Dann habe ich Fachhochschulreife nachgeholt, denn ich habe ein Design-Studium fest in meinem Zielen verankert. Fachhochschulreife ziemlich gut abgeschlossen, an harten Aufnahmekriterien teilgenommen für das oben beschriebene Studium. Erst hat es nicht geklappt, aber ein Jahr später (immer gejobbt zwischendurch..) hat es dann geklappt.

Mich haben die Inhalte alle total interessiert, ich war froh, ENDLICH "meinen" Weg gefunden zu haben, Eltern und Freunde waren stolz.

Dass ich mit dem kreativen Studium aber schnell an meine Grenzen kam, wollte ich lange nicht wahrhaben... Mir fielen die einfachsten Übungen zunehmend schwer, was andere mit einem Klacks erledigten. Irgendwann hatte ich überhaupt keine Ideen mehr, ständige Blockaden, konnte unter Druck nichts originelles zustande bringen, Frust.

Darüber hinaus hatte ich starke Heimweh – Probleme, musste für das Studium weit weg ziehen und kam mit dieser Situation von Anfang an nicht recht klar... wollte es mir aber erst nicht eingestehen.

Dazu kamen noch die mageren Berufsaussichten im kreativen Bereich, auch nach einem Studium, noch dazu wenn man doch eigentlich gerne ortsgebunden bliebe...

Nach und nach zerplatzte meine Seifenblase, endlich meinen Weg gefunden zu haben. Ich bekam eine mittelschwere Depression, stand nicht mehr auf, habe kaum noch gegessen, bin vor Scham vor Familie und Freunden fast im Boden versunken. Ich hatte nur noch Heulkrämpfe und konnte nichts mehr leisten, so etwas habe ich in der Vergangenheit von mir nicht gekannt.. Ich war/bin so enttäuscht von mir, dabei wollte ich doch nur einen ganz normalen Job finden, der zu mir passt..

Nach zig Gesprächen habe ich das Studium aufgegeben, mit einem schlechten Gefühl dabei, einen schweren Fehler zu begehen. Ich nehme Antidepressiva und bin bald bei einem Psychologen. Seitdem denken alle, jetzt müsste es mir doch langsam besser gehen, schließlich wäre ich jetzt wieder in der Heimat. Aber natürlich ist nichts besser, denn ich habe jede Perspektive auf einen Beruf verloren.

Natürlich ist es mit 25 noch nicht zu spät, eine neue Ausbildung zu finden – das habe ich auch vor, vom Verdienst her wäre es machbar.

Das große Problem ist, dass ich mich so auf die Grafikschiene versteift habe, dass mir nichts anderes auf die Schnelle einfällt – und wenn doch, habe ich Angst, zu schlecht dafür zu sein. Und die Zeit rennt mir davon... jetzt wird es bereits schwer, überhaupt noch eine Ausbildungsstelle zu finden. Der ganze Druck wird mir viel zu viel, ich bin nur noch am Weinen und Verzweifeln und hasse mich gleichzeitig selbst für mein Selbstmitleid und Versagen.

Jeder um mich herum hat seinen Beruf und geht mehr oder gern darin arbeiten – und jeder fragt mich "Du weißt immernoch nicht, was du lernen willst?! Das gibts nicht!!"

Ich habe Angst vor "exotischen" Ausbildungen, die mich interessieren – wie zb. Buchhändler, Medienkaufmann oder auch Tierpfleger – Tierheim, da mir jeder davon abrät, weils einfach keine Stellen danach gibt. Ich habe aber auch Angst, zb. Industriekauffrau zu erlernen, weil Mathe eine Schwäche von mir ist. Und so finde ich für alles negative Seiten, aber die positiven Seiten schaffen es gar nicht mehr bis zu meinem Gehirn – ich bin nur noch verängstigt, kennt das jemand?

Ich traue mich nicht mal, pro forma ein Bewerbungsanschreiben zu verfassen, weil ich beim besten Willen nicht weiß, wie ich dieses Berufschaos in der Vergangenheit positiv ins Licht rücken soll.

Ich will wirklich nicht dastehen wie eine arbeitsscheue Faulenzerin.. ganz im Gegenteil, ich habe eigentlich mein ganzes Leben viel zu sehr auf Erfolg im Beruf gekoppelt und habe jetzt die Quittung dafür...

Hat noch jemand Probleme die in diese Richtung gehen oder kann mich jemand verstehen?
 
Also ich kann dich beruhigen das Gefühl wenn man denkt man kann nichts, kenne ich auch. Es lag wohl daran, daß ich egal wie erfolgreich zb in der Schule, ich nie Anerkennung bekommen habe, von den Eltern etwa. Und so drängte sich das Gefühl auf, einfach nie gut genug zu sein. Würde ich behaupten, das überwunden zu haben, es wäre sicherlich gelogen 😉

Ich denke auch manchmal es wird nichts mehr mit einem Beruf, aber ich bin schon 34 und so drängt die Zeit etwas mehr. Gerade studiere ich zum zweiten Mal aber gerade heute habe ich zwei Bewerbungen an Finanzämter in die Post geworfen weil irgendwann die Sicherheit doch wichtiger wird.

Hast du schonmal an eine Ausbildung im öffentlichen Dienst oder eine Beamtenlaufbahn gedacht? Auch da kann man anschließend spannende Arbeitsfelder haben und man hat schon ab Einstellung quasi die Sicherheit, nachher auch übernommen zu werden. Es gibt da doch ein ganz breites Spektrum an möglichen Tätigkeiten, da müßte doch auch was für dich dabei sein?

Jeder kann etwas, da bin ich mir sicher. Wenn man sich irgendwie unfähig fühlt hat man vielleicht einfach noch nicht das Richtige gefunden, sondern bisher nur Dinge probiert, die einem dann doch nicht richtig liegen. Aber bei der wahnsinnigen Masse an Berufen ist bestimmt etwas dabei, wo man sich richtig wohlfühlt und darin ist man dann auch gut!
 
Hallo Chaosleben,

ich weiß genau wie Du Dich fühlst; wenn ich das sage bin ich vielleicht anmaßend, denn ich halte mich nicht für depressiv und nehme auch keine Medikamente.
Hier, was ich erlebt habe:
Nach meiner kaufm. Ausbildung, die mir gar nicht lag, hatte ich eine Weile großen Mut, mein Hobby zum Beruf zu machen: Schreiben. Nach einigen fehlgeschlagenen Anläufen anderswo konnte ich sehr gute Fortbildung zum Drehbuchautor machen. Ich habe mich dort etwas allein gefühlt, weil meine Lernkollegen 🙂 bereits alle als Journalisten oder ähnliches gearbeitet hatten. Anders als Du konnte ich da aber mithalten und meine Ideen in der Gruppenarbeit wurden manchmal vor allen anderen sogar bevorzugt. Bitte lies weiter, wir ähneln uns trotzdem. Für das Drehbuch das ich in der Fortbildung entwickelt hatte, fand ich danach sofort eine Produktionsfirma. Ich hatte mein Ziel erreicht und erwartete nun, dass ich glücklich, zumindest gelassen und fröhlich sein müßte. Aber diese Gefühle kamen einfach nicht. Statt der Gefühle drängte sich mir nur eine nüchterne Feststellung auf: "Ich habe es geschafft. Ich bin Drehbuchautor - wars das jetzt?" Und "wars das jetzt" bedeutete "ist da nicht mehr? da muß doch noch mehr kommen. Wieso fühle ich mich denn jetzt nicht glücklich? Wieso fühle mich nicht einmal unglücklich?" Ich weiß bis heute nicht was dieses "mehr" jenseits von "wars das jetzt" sein soll.
Ich wurde damals nun nicht gerade aus der Bahn geworfen. Es war ein langsames, fortschreitendes, Jahre langes aus der Spur gleiten. Ich glaube ein Trauma kann man leichter beheben. Ein einziges Ereignis kann man festnageln. Das Abdriften, dass bekommt man einfach nicht zu fassen. Es ist zu diffus, es hat zuviele Anlässe, es hat zuviele Erscheinungsformen. Beim Adriften hat man noch Inseln zum Verweilen und obwohl es stromabwärts geht, fällt es einem nicht so auf.
Innerhalb eines halben Jahres plötzlich brach mein Leben abrupt zusammen. Irgendwie war ich lethargisch und kraftlos verloren, mir fehlte das Geld, mein noch angefangenes Universitätsstudium zu bezahlen, mir fehlte das Geld für die Krankenversicherung, mir fehlte das Geld für die Wohnung. Ich hatte vorher schon den Drehbuchautor irgendwann nicht mehr weiterverfolgt und stattdessen ein geisteswissenschaftliches Studium fortgesetzt, aber jetzt verlor ich alles. Ich bin seitdem in Hartz IV.
Ich habe ab und zu versucht, wieder mit dem Schreiben anzufangen, aber mir gelang einfach nichts.
Plötzlich, seit Januar und ohne das ich was dazu hätte tun können, kann ich wieder schreiben. Es ist ein tolles Gefühl, ich fühle wieder stärkere Selbstwertgefühle.
Aber jetzt nagt in mir wieder die Angst: Ich werde mich leer fühle. Es wird mich nicht glücklich machen. Es wird alles wieder von vorne losgehen. Je klarer diese Gefühle werden, desto mehr sehe ich wieder aus der Spur geraten, nachdem ich dass Drehbuch fertig geschrieben und vielleicht wieder einen Produzenten gefunden habe und diesmal vielleicht sogar verfilmt werde. Es wird mir nichts nutzen.
Ich finde meine Erlösung nicht.

Ich weiß nicht, was meine Erlösung sein könnte. Die Mehrheit scheint sie zu suchen und auch zu finden. Für mich ist es ein Irrgarten. Vielleicht erwarte ich zuviel vom Leben? Ich kann das aber nicht glauben! Es muß auch für mich die Erlösung geben. Den Weg den die anderen gehen, habe ich versucht, aber er ist es nicht. Was ist der Weg? Was ist der verd*mmte Weg?! Der ganz stinknormale Weg, sich mit irgendeiner Arbeit zufrieden zu geben, die nicht meinen Neigungen entspricht ist es nicht. Der macht zuverlässig absolut unglücklich, so unglücklich das es kaum (kaum nicht "nicht"!) zu leben lohnt. Das Schreiben entspricht meinen Neigungen. Aber auch dieser Weg macht mich nicht glücklich. Das Schreiben selbst, ja, das ist gut. Im Schreiben bin ich aus-der-Welt. In-der-Welt ... ist alles nur Leere.

Kannst Du mir bitte auch antworten? Ich weiß nämlich auch nicht weiter. Empfindest Du ähnlich?
 
Danke liebe Yukumaus, dein Beitrag hat mir etwas geholfen. An eine Beamtenlaufbahn habe ich auch schon gedacht, klar. Aber ne Ausbildung zur Verwaltungsfachangestellten kann ich vergessen, da sind die ganzen Fristen schon längst abgelaufen 🙁 Zumal es danach auch eher schlecht mit den Stellen aussieht, ein Freund hier hat über 200 Bewerbungen geschrieben und nur in der Zeitarbeit gelandet.. :/
Was studierst du denn jetzt?

Hallo lieber Gast,
deinen Beitrag habe ich kurz vorm Zubettgehen gestern noch gelesen und länger darüber nachgedacht.
Ich glaube, wir haben da wirklich Parallelen in unseren Gedanken. Wo du das Schreiben hast war es für mich kreatives Gestalten. Ich wurde auch ständig hochgelobt, wie gut ich zeichnen und fotografieren könne. Ich mache das auch schon seit Kindesalter. Ich weiß auch selbst, das ich es gut kann. Aber das reichte eben nicht aus für ein Designstudium, was eine total extrovertierte Persönlichkeit braucht, der es egal ist, wie oft sie umzieht und sich über jede Erfahrung in einer coolen, hippen Agentur freut. So war ich einfach nicht. Ich bin ein überaus bodenständiger Mensch und habe dennoch immer diesen Wunsch gehabt. Wollte ich aus meinem früheren Ich entfliehen? Wohl kaum, früher war ich glücklicher.. Ich kam also wirklich an meine Grenzen und konnte es nicht fassen...
Der EINZIGE Berufsweg den ich mir vorstellen konnte, der kreative Bereich, stellt sich als Niete heraus. Das ist das beschissenste Gefühl, das ich jemals hatte, wenn man dann darüber nachdenkt, in einem völlig anderen Bereich eine Ausbildung zu machen und nichts zu finden, was einen wirklich noch interessiert.. Es tut richtig weh. Schließlich schafft es doch jeder irgendwie, das zu finden, was ihm gefällt, oder zumindest etwas Artverwandtes.
Macht man doch etwas anderes und gewährt sich Einblick habe ich das gleiche Gefühl, was du hast, wenn du etwas zu Ende geschrieben hast. Dieses "Wars das jetzt etwa schon"- Gefühl. Bei mir sträubt sich innerlich alles gegen einen anderen Berufszweig, weil ich mich jahrelang so auf dieses Design-Bla verkrampft hab. Alles andere fühlt sich auf der Stelle falsch an, ich habe sofort einen dicken Kloß im Hals.. was wohl auch von der Depression kommt.
Aber was soll ich machen, was sollen wir tun? Wie alt bist du?
Ich bin 25 und werde vielleicht gar keinen Ausbildungsplatz mehr finden. Eigentlich dürfte ich mir nichtmal erlauben, irgendwelche Ansprüche zu erstellen, sollte die nächstbeste Ausbildung schnappen die ich kriegen kann, EGAL in welchem Bereich. Aber davor hab ich viel zu viel Panik... Wieder etwas total falsches zu machen, keine Möglichkeit mehr auf einen Abbruch zu haben und dann passiert vielleicht Schlimmeres...

Meine Erlösung wäre wirklich... einen Job zu haben, der mir wenigstens im Ansatz Spaß macht.. es muss nicht viel Geld sein, es muss keine großen Aufstiegsmöglichkeiten haben.. einfach einen Job mit dem ich zufrieden sein kann.. zufrieden nach Hause gehe.. und einigermaßen Jobchancen nach der AUsbildung habe..
Ob das mit mir jemals noch was wird? Ich verzweifle..
 
Hallo Gast,


ich kann deine Ängste voll und ganz nachvollziehen. Allerdings würde ich nicht zu negativ denken, nur weil du bisher keinen Weg raus siehst.
Ich habe mit 29 Jahren noch eine Ausbildung im öffentlichen Dienst bekommen, obwohl mein Lebenslauf sehr wechselhaft aussah. Ich war eben positiv und bin auf die Menschen zugegangen. Das einzigste was du in den Griff bekommen musst, ist der ständige Teufelskreis - versagt zu haben, sich mit Bekannten und Freunden zu vergleichen, Perfektionsgedanken.
Nun du bist hingefallen, aber hinfallen ist keine Schande nur liegen bleiben.

Du hast schon sovieles mit Beharrlichkeit und Ausdauer erreicht, glaub einfach wieder an dich. Auch andere Menschen in Personalbüros werden dir deinen Lebenslauf nicht negativ auslegen, wenn Sie nur einen Funken " gesunden Menschenverstand" haben.

Erwarte nicht den perfekten, alles erfüllenden Beruf, den gibt es nicht und wird es nie geben. Alles hat doch zwei Seiten. Der Beruf sollte halt eben nur ansatzweise Spass machen und den Neigungen und Talenten förderlich sein.

Bodenständig bist du - ich denke du magst Sicherheit und Routine lieber als dauernde Abwechslung? Da gibt es viele Berufe, aber lege die Ansprüche etwas niedriger.

Noch was, du bist der einzigste Mensch der seine eigenen Erwartungen erfüllen muss, du bist für dein Leben und deinen Fahrplan niemanden Rechenschaft schuldig. Es geht alleinig darum, dass du glücklich bist, egal was der Rest denkt.

Klar will jeder Erfolg und Anerkennung und zugleich ein Gehalt von dem er seine Freizeit gut gestalten kann. Aber dafür muss man auch seine Denkeinstellung ändern.

Versuche ein wenig mehr dein Leben zu genießen und nicht das Hauptgewicht auf den Beruf zu legen, sonst kommst du aus dem Gleichgewicht und alles andere wird nebensächlich. Versuche das rechte Maß zu halten und Ängste abzubauen, indem du an dich selbst glaubst und dich nochmehr hinterfragst, wo liegen meine Talente, meine Neigungen, was will ich.

Alles Liebe
Gast
 
Ich studier Geologie @ Gast 😉
Zuvor war es Biologie, das kann man beides gut kombinieren, wenn man zb in den Umweltschutz geht, und so etwas gibt es in der öffentlichen Verwaltung ja.
Die Fristen sind noch nicht abgelaufen fürs Finanzamt, die suchen noch für diesen August, und ab April fängt dann die Bewerbungsrunde 2012 für den Zoll an.
Gib einfach mal "Beamter" in die Suchmaske der Jobbörse der Arbeitsagentur ein 😉 (Aber mit "suche Ausbildung").
Man kann da ja auch in die Öffentlichkeitsarbeit gehen. Irgendwer muß ja die ganzen Flyer und Prospekte der Stadt herstellen. Das ist sicher auch ein bißchen was kreatives.
Ich glaube die Möglichkeiten sind da ganz umfangreich!
 
Ich fühle mich selbst gleich viel besser, dass Du mich verstehst 🙂 Ich bin nun schon 40 aber weil ich so ein Kindskopf bin fühl ich mich nicht älter als so 28 und seh auch noch so aus, yeah! Das mein damaliges "War-das-jetzt"-Gefühl etwas mit dem (vorläufigen) Abschluss meines Drehbuchs oder Lebensabschnitt zu tun haben kann ... wow, das kann stimmen. Ich hatte immer geglaubt, das ich mich damals so gefühlt habe, OBWOHL ich endlich "angekommen" war und Du meinst nun es war, weil etwas "zuende" gegangen ist. Du löst da grade ein paar Knoten in mir, mit der Entdeckung, ich kann mir noch keinen Reim darauf machen, ich muß noch etwas darüber nachdenken.
NUN ENDLICH ZU DIR, ich hatte hier unglaublich viel geschrieben, aber alles auf Grundlage von Annahmen. Sowas ist keine Hilfe. Zuerst einmal: Du bist 25 Jahre alt.
Ich bin 40. Manchmal fühl ich mich alt. Aber wenn ich in die Zukunft blicke, wow,
da hab ich vermutlich immer noch vierzig Jahre vor mir. Ich kann mir gar nicht ausmalen was in dieser wahnsinnig langen Zeit noch alles vor mir liegt. Manchmal fühl ich mich, als hätte ich alles verspielt und keine Zeit mehr, dann sehe ich diese weiteren vierzig Jahre uns sehe, wie bescheuert das ist. Deine Generation wird vermutlich so ungefähr 100 im Durschnitt. Das sind 75 (!) Jahre. Das hört sich jetzt alles vielleicht etwas mathematisch an, es ist aber nicht so gemeint. Du sollst es fühlen. Atme das mal ein: 75 Jahre. Wow! All die tollen Erfahrungen, die auf Dich warten. Hör doch auf Dir Druck zu machen. Sei doch mal entspannt. Mach ein paar Fehler zwischendurch. Mach eine Menge Fehler. Von Fehlern, die Du ändern kannst, verabschiedest Du Dich wieder. Ich habe am Montag einen Job als "Werbetexter" ausgeschlagen. Als Hartz-IV-Empfänger war das eine Unverschämtheit. Die Firma und meine zukünftige Chefin waren aber ganz außergewöhnlich schlimm - alles Psychologen, die mich in drei (!) Vorstellungsgesprächen mit bewunderswert profihaften Konfrontationstechiken im dritten Gespräch endlich sämtlier Kraft, sämtlichen Selbstbewußtseins, Energie und Gegenwehr beraubt haben. Die Kritik an meinen Probe-Texten war super und hat mich weitergebracht. Aber sie haben meine Persönlichkeit aufgebohrt, so wie es Scientology gemacht hätte - und ich übertreibe nicht, ich habe schon viele konfrontative Vorstellungsgespräche hinter mir, einen solchen Psychoterror habe ich noch nicht erlebt. Das waren Monster. Und selbst wenn das alles nur Technik und Test war und ich das vielleicht nicht hätte zu ernst nehmen müssen, haben sie eines vergessen. Ich hätte DIREKT mit meiner kreativen Arbeit zu tun gehabt, jeden Tag und auf der Arbeit braucht mein Vertrauensverhältnis zu seinen Kollegen und das haben sie in dem Fall zerstört. Ich habe nicht die Absicht auf der Arbeit Angst haben zu müssen. Ich will Leistung bringen, gerne, sehr gerne, es ist schön etwas zu schaffen, aber dafür muß man sich zu allerst mal wohl fühlen auf der Arbeit. Ich hätte mich um den Job weiter bemühen können, aber die Leute haben mich ja schon VOR arbeitsantritt angegekotzt. Ich hätte da vielleicht eine Woche überlebt. Ich habe nicht vor, meine Psyche noch mehr beschädigen zu lassen. Ich habe gleich darauf einen 1-Euro-Job beantragt, mal sehen was die ARGE da zu bieten hat.

Jetzt habe ich schon wieder so viel über mich geschrieben! Okay, hier die Frage, die ich Dir stellen wollte, um besser durchzublicken: Du sagtest ja, Du wärst im Studium nicht so gut gewesen wie die anderen. Das ist zumindest Dein Gesameindruck. So und hier kommt eine Frage: Was glaubst Du, hat Deine Kreativität damals eingeschränkt? Warst Du generell schlecht, Deiner Ansicht nach, oder bist Du nur schlechter geworden? Was waren Deine Maßstäbe dabei? Hast Du Dich mit den anderen verglichen oder mit dem was Du früher geschafft hast?
Wenn Du etwas in Dir verloren hast, kannst Du es wiedergewinnen, das habe ich gerade selbst erfahren. Du gewinnst es von ganz alleine wieder. Deine Fähigkeiten holen Dich wieder ein, ob Du willst oder nicht. Die Zwischenzeit ist nur die nötige Erholungspause - sie fühlt sich nach dem Gegenteil an, ist schon klar, aber lass Dich davon nicht zu sehr beeindrucken, was die Zukunft angeht. Die Zukunft ist weder dunkel noch hell, sie ist lediglich ungewiß.

Beantworte doch bitte meine Fragen, sonst mache ich mir falsche Vorstellungen.

Frische erholsame Luft für die Zwischenzeit,

Dein Gast 🙂
 
entschuldigt, dass ich erst jetzt zum Schreiben komme.

Eure Beiträge haben mir sehr, sehr gut getan. Vielen Dank dafür. Zum ersten Gast: Find ich wirklich ganz toll, dass du mit 29 noch eine Ausbildung im öffentlichen Dienst bekommen hast, gerade da dachte ich, dass das schier unmöglich sei. Würdest du mir verraten, als was genau?
Ich bin jetzt langsam auch dabei, diesen Druck von außen abzulegen. Ist nur leider wirklich nicht einfach, weil man mindestens 2 mal am Tag von Freunden hört: "Und was machst du jetzt? Nichts? Ja wo bewirbst du dich? Noch nirgends? Du musst dich beeilen!!" Vor einer Woche hab ich bei diesen Herzrasen und Panik bekommen, aber mittlerweile weiß ich, dass es auch nichts bringt, sich einfach blind überall zu bewerben, ohne sicher zu sein, das auch machen zu wollen.

Diese Woche konnte ich einen Einblick als Industriekauffrau bekommen, nächste Woche ein paar Wochen lang Praktikum in der Altenpflege. In den Buchhandel wollte ich eigentlich auch noch gerne Einblick bekommen, aber da schlägt mein Sicherheitsbedürfnis aus, das sagt, dass es hinterher keine Jobs geben würde.
Was ich auch interessant fände, aber ich müsste es mir erst auch genauer ansehen, wäre Kauffrau im Gesundheitswesen. Da wäre man in einer Klinik oder Krankenkasse und hat viel mit den Patienten zu tun. Das würde mir eher gefallen als eine Industriekauffrau. Aber wie da die Stellensituation hinterher sein wird.. wage ich auch zu bezweifeln.

An Gast 2:
Du hast mich gefragt, warum ich denke, meine Kreativität verloren zu haben.
Nun... es ist nicht einfach zu beantworten. Aber ich glaube, es liegt daran, dass ich ein "Plan-Mensch" bin. Ich zeichne viel und ich zeichne gut, ich fotografiere viel und gut, aber das ist alles nichts Spontanes, "Kritzeliges". Alles muss stimmen im Bild und die Idee dafür muss ich schon genau im Voraus haben. Und das ist das Problem in einem Studium, in dem es drum geht, anzufangen ohne eine Idee zu haben, die Idee aus dem Tun entwickeln zu lassen.
Ich habe mich auch viel mit anderen verglichen, ja. Wir hatten jede Woche Aufgaben bekommen, die wir eine Woche später vor allen präsentieren sollten. Ich habe es gehasst, weil es mich dermaßen unter Druck gesetzt hat und die Aufgaben nicht gerade einfach waren. Ich tat mich sehr schwer, überhaupt eine Idee für eine Aufgabe zu finden, die originell genug war, sich aber auch noch umsetzen ließ. Der Druck, dass alle anderen sich weniger schwer tun und eine Woche später etwas geiles, designtes auf den Tisch bringen, hat mich noch mehr nach unten gedrückt.
Ja, ich denke, so ist das zu erklären. Fertigkeiten sind zwar gut, aber wenn die Kreativität im Kopf fehlt - das kann man nicht erlernen. Entweder man hat die Fähigkeit, so zu denken oder nicht.
Es war zum Beispiel auch oft so: Wenn ich absolut keine Zeit in einer Woche hatte und nur "irgendnen Scheiß" schnell gemacht habe, kam das besser an,
als wenn ich mich mit sehr viel Zeit und Ausdauer und Überzeugung an etwas saß und die anderen es dann nicht so toll fanden. Das ist auch das Problem an Kunst, Design, auch der Schriftstellerei. Man kann noch so sehr von dem überzeugt sein, was man geleistet hat. Ein Anderer kann es einfach so in der Luft zerreißen. Das hat mich sehr gestört, man hat keine Anhaltspunkte zu "Richtig" und "Falsch", wie man sie zB hat, wenn man Mathe oder irgendein anderes beliebiges Fach studiert.

So, jetzt genieße ich mein Wochenende und ich hoffe, ihr auch 🙂
 

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