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Brauche Rat von normal liebesfähigen Menschen

S

Sunstark

Gast
Hallo,

ich fühle mich gerade wie ein Versager und könnte am liebsten die gane Zeit heulen, weil ich solche Defizite habe.

Heut ist einem Bekannten etwas widerfahren, das für ihn sehr schlimm war. Und ich konnte ihn kaum trösten bzw. mein Mitgefühl oder meine Beleidsbekundung zeigen, weil ich all das nicht oder nur ganz wenig gespürt habe. Ich habe trotzdem ein gesicht gemacht, wie drei Tage Regenwetter, weil ich erstens das zeigen musste und zweitens, weil ich innerlich total verzweifelt war, weil ich es nicht zeigen konnte.

Ich finde es einfach schei**, dass ich scheinbar so unzulänglich bin. Eine andere Bekannte, die dabei war, hat ihn da völlig trösten können, irgendwie hat sie das gekonnt, auch wenn sie es jetzt nicht so sehr gezeigt hat, weil sie sich auch nicht so nahe stehen, aber sie hat es einfach verstanden. Und er hat sich dann bei ihr viel verstandener gefühlt, glaube ich. Und später habe ich dann, als wir nur noch zu zweit waren (ohne den Betroffenen) gesagt, das ist irgendwie krass (also die Tatsache) und sie meinte ganz läppisch, ja klar ist das. Und ich habe es natürlich aus der meiner unangenehmen Gefühlslage heraus fast schon als Floskel geäußert.

Ich konnte es einfach nicht fühlen, und jetzt habe ich Angst, verstoßen zu werden bzw. eine Enttäuschung zu sein. Ich kenne es selber, enttäuscht zu werden, gerade wenn einem etwas auf dem Herzen liegt.

Ich bin einfach echt traurig darüber gerade, weil ich mal wieder meine Defizite sehe und einfach alles wieder zusammenkommt. Deswegen hatte ich wohl auch noch nie einen Freund und ich habe das Gefühl, dass ich wohl auch noch niemanden wirklich geliebt habe, auch nicht meine Eltern (oder vllt. gerade die nicht). Ich glaueb es zumindest. Und es ist einfach scheiße, so ein sozialer Versager zu sein.

Jeder normale Mensch würde das sowas von schlimm finden und ich kann mich einfach nicht in die Lage versetzen, glaube ich. Natürlich ist es so, dass wenn jemand weint, ich das auch furchtbar traurig finde, weil man ja den anderen direkt leiden sieht. Das war er aber nicht so, weil er es gerade erfahren hatte. Aber mein Kopf hat einfach nicht gesagt: das ist furchtbar. Nein, hat er nicht gesagt. Und ich war die ganze Zeit beschäftigt damit, was ich alles tun könnte, um hinreichend zu sein. Und im Endeffekt hab ich nur mal kurz den Arm um ihn gelegt, aber auch erst, als die andere Bekannte es gemacht hatte, dann war ich erst etwas sicherer. Das war dann schon echtes Mitegfühl, aber auch nur, weil er gerade wieder so traurig war.

Was kann ich dagegen tun? Kann ich mein Mitgefühl schulen? Ich habe das Gefühl, ich kann es nur durch Erfahrung an mir selbst, aber das Problem ist bei mir, dass ich ziemlich hinter dem Berg halte, was meine Gefühle betrifft.

Sunstark
 
Ich versuche es kurz zu fassen:

Ich konnte einen Bekannten von mir, der heute vom Tod eines Freundes erfahren hat, nicht trösten. Ich habe das registriert, dass der Freund gestorben ist und mich hat es nicht sehr getroffen. Vielmehr war ich damit beschäftigt, mich dazu zu bringen, auf irgendeine Art und Weise möglichst viel Mitgefühl zum Ausdruck zu bringen. Wenn ich es nicht getan hätte, hätte ich das Gefühl gehabt, dass man mich gleich in die Tonne kippen kann. Meine Freundin, die dabei war, und den Betroffenen genauso kennt wie ich, hat das irgendwie besser geschafft. Sie meinte auch zu mir später: "Natürlich ist das eine krasse Situation", nachdem ich gesagt hatte: "Das ist irgendwie schon krass". Das hatte ich aber auch nur gesagt, um etwas dazu zu sagen und nicht als gefühlskalter Trottel dazustehen.

Ist es jetzt besser verständlich?
 
Hallo,

hört sich fast so an, als würde irgendetwas in dir verhindern, dass du dein Mitgefühl zum Ausdruck bringst. Denn Gefühle hat jeder Mensch. Jeder. Du solltest also nicht nach deinen Gefühlen suchen, sondern danach, was dich daran hindert, sie auch (auch und vor allem vor dir selbst!!) auszusprechen.
Versuche dich doch nochmal daran zu erinnern, was du in dieser Situation genau gedacht hast, was du als "das ist nicht schlimm" beschreibst. Hast du gedacht, der andere hätte doch eigentlich keinen Grund zum Weinen? Wenn dem so ist, hat das einen, wenn man (d.h. du) deine Perpektive kennt, absolut nachvollziehbaren, rationalen und aus deiner Sicht vernünftigen Grund. Oder hast du gedacht, das sei schlimm, aber dir war selbst nicht zum Weinen zumute? So gesehen, was hättest du davon, wenn du auch noch selbst mitleiden müsstest? Dir geht es doch vielmehr darum, die Gefühle des anderen zu verstehen und angemessen darauf zu reagieren. Das kann man sehr leicht lernen, und manche Leute die sich selbst lange für kalt gehalten haben, haben oft enorme Fähigkeiten darin. Das zeigt sich schon mal daran, dass es sie eben nicht kaltlässt sondern sie gerne mehr mitfühlen möchten.
Ein Beispiel: Kannst du mit dem Wort "Empathie" etwas anfangen? Damit meine ich keine Zweizeiler-Definition aus dem Wörterbuch oder von Wikipedia. Dieses Wort beschreibt eigentlich alles, was du tun musst.

Zum Beispiel der Beitrag vor mir, der war nicht sehr empathisch (sorry Rainer)...

Bitte rede dir nicht ein, du seiest ein Sozialversager oder so etwas. Du bist ein ganz normaler Mensch und funktionierst, denkst und fühlst genau so wie alle anderen Menschen auch. Und gerade dass du mit deinen Mitmenschen fühlen möchtest zeigt doch, wie sehr du dich wirklich um sie sorgst. Es gibt einen ganzen Haufen Menschen auf dieser Welt, denen würde sowas einfach an ihrem Gesäß vorbeigehen.
 
Hallo sunstark,

lass Dir nix erzählen.

Auch Dein erster Text war eindeutig.
Da bräuchte man sich nicht mal Mühe geben.

Ich kenne das.
Bin ähnlich.
Vielleicht sind das bei uns nur ähnliche Vorzeichen.
Im Moment geht es mir so gut, dass mich nichts aus
der Bahn werfen kann.
Das mit dem Nicht-Mittrauern-Können habe ich noch
gut in Erinnerung.
Meine Freundin/"Affaire" hatte auch so einen Trauerfall
eines Bekannten.
Es tat mir auch leid, dass sie traurig war, aber ich war
zu diesem Zeitpunkt einfach so glücklich, dass ich das
nicht zeigen konnte.
Sie hat sich dann von mir getrennt, obwohl ich versucht
habe es zu erklären.

Ich an Deiner Stelle würde es aber versuchen.
Erklär demjenigen, dass es Dir auch sehr leidtut und
Du echtes Mitgefühl empfindest, es aber im Moment
nicht so zeigen kannst.
Du wüsstest auch nicht genau warum das so ist.
Versichere noch mehr da zu sein.

Eigentlich sollte es verstanden und akzeptiert werden.

Viel Glück.
 
Du wirkst nicht "liebesunfähig", sondern völlig verkrampft, weil du ständig darüber nachdenkst, wie dein Verhalten wohl bei anderen Menschen ankommt.

Lass das doch mal.

Kein Mensch steht auf emotionale Ausbrüche bei seinem Gegenüber.

Ich finde es ganz sympathisch, wenn sich jemand mit solchen Gefühlsäußerungen zurückhält.
 
Wenn ein Freund von einem Bekannten stirbt ,
warum solltest du mitleidige Gefühle empfinden,zeigen ?

Wer auf solche Situation, als Außenstehender sehr tröstend auftritt,ist oft ein Heuchler.
Heuchelei liegt nicht jedem Menschen.Dir wahrscheinlich auch nicht.
 
Mitgefühl kann in so einer Situation Kraft, Wärme, ja das Gefühl des Gehalten-Werdens vermitteln.
Manchmal reicht da schon eine ehrliche, liebe Geste.

Wenn Du in so einer Situation nichts fühlst, bzw. Du nicht an Deine Gefühle heran kommst, macht das irgendwie auch hilflos. Du könntest dann z.B. sagen was Du beobachtest und was ist:"Du bist jetzt ganz fertig (getroffen oder ähnliches) und ich fühle mich nun etwas hilflos."
Mir geht das manchmal gerade bei Todesnachrichten so, dass ich derart geschockt bin, dass ich spontan keine Worte finde.
Wenn ich genau das sage, sind plötzlich auch andere Worte da. - Eine Art Starre ist dann aufgehoben. Ich bin dann auch wieder bei meinem Gefühl.

Versuch´s `mal. 🙂


Liebe Grüsse!
Landkaffee
 
Wenn ein Freund von einem Bekannten stirbt ,
warum solltest du mitleidige Gefühle empfinden,zeigen ?

Wer auf solche Situation, als Außenstehender sehr tröstend auftritt,ist oft ein Heuchler.
Heuchelei liegt nicht jedem Menschen.Dir wahrscheinlich auch nicht.

Nun, Gast,

es gibt ja auch noch anderes als "sehr tröstend". 😉 Jedenfalls gehe ich davon aus, dass wir Menschen nicht nicht nur schwarz und weiss sondern dazu noch viele Farben auf unserer Gefühlspalette haben.
Und je nachdem, wie wir sie erkennen, können wir sie auch ausdrücken, nutzen.
In einem stimme ich Dir zu: Überschwang wäre in der beschriebenen Situation befremdlich.
 
Nun, ich kenne ähnliche Situationen.
Man sollte bei schlimmen Nachrichteneigentlich betroffen, geschockt oder traurig reagieren, grade wenn esum Personen geht, die man selber sehr gut kennt. Aber irgendwie istda nie was. Ich nehme die schlechten Nachrichten zur Kenntnis, frageauch immer brav nach wie es demjenigen grade geht (z.B. wenn jemandim Krankenhaus liegt), versuche Interesse vorzugaukeln. Auch wennjemand aus der Verwandtschaft oder den Bekanntenkreis stirbt, sollteman doch wenigstens geschockt reagieren...
In solchen Situationen fühlt man sichbeinahe wie ein emotionsloser Roboter.


Tut mir leid, wenn mein Postwahrscheinlich keine große Hilfe sein wird, aber ich wollte nur loswerden, dass du mit dieser Problematik nicht alleine bist.
 

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