Hallo Michael,
Zuerst einmal tut mir sehr leid, dass du gerade das alles durchmachst. Ich kann es sehr gut verstehen, dass es dich fertig macht und du sehr drunter leidest.
Ich bin selber Borderliner und habe am Anfang meiner Beziehung auch so getickt wie deine Ex Freundin.
Ich versuche jetzt meine Ansicht dazu zu äußern so sachlich wie möglich und sei gewiss dass ich keineswegs dich oder deine Freundin verurteilen möchte, auch wenn es so rüberkommen könnte. Ich will ja nur helfen.
Ich sehe du hast ja selber vieles in deiner Kindheit erlebt und daraus ist ein Anteil an dir gewachsen, der als Helfersyndrom bezeichnet werden könnte. Dir ging es so schlecht, dass du aus meiner Sicht versuchst jetzt anderen Leid zu ersparen. Dieser Anteil ist so ausgeprägt, dass du sogar selber über deine Grenzen gehst und dich leider selbst zerstörst. Typisch für solche Menschen ist auch, dass sie sich für alles verantwortlich und schuldig fühlen. Deswegen siehst du als deine Aufgabe zu verhindern, dass sich deine Freundin etwas antut.
Aus diesem Grund würde ich als allererstes einen Therapeuten suchen, um diese Sachen zu verarbeiten. Grenzen sind sehr wichtig. In der Lage sein auch nein sagen zu dürfen. Es wirkt auch sehr befreiend glaub mir. Zu lernen dass du für solche Schicksale überhaupt nicht verantwortlich bist. Du hast ein sehr großes Herz aber etwas Egoismus an den Tag zu legen ist gesund.
Zu deiner Freundin. Borderline ist wirklich kein Zuckerschlecken. Es ist eine sehr schwere Krankheit. Man hat ständig Probleme mit Nähe und Distanz. Nach dem Motto ich hasse dich, Verlass mich nicht. Und das mehrmals am Tag. Aber auch hier sehe ich, dass der erste Schritt muss von deiner Freundin kommen. Niemand kann so etwas erzwingen. Sie muss von selber darauf kommen, sich professionelle Hilfe zu holen. Weil solange sie das nicht macht, wird sich bei ihr nichts ändern und du wirst an den Folgen in der Psychiatrie landen.
In meiner Beziehung hat es bislang funktioniert weil ich mir einerseits Hilfe gesucht habe (bin immer noch in Therapie seit 6 Jahren) und weil meine Freundin sehr klar Grenzen gezeigt hat. Es war nicht leicht weil ich auch sehr viel manipuliert habe, mit Selbstmord gedroht habe, sie angeschrien habe und als der letzte Dreck behandelt habe, mit ihr alle 5 Tage Schluss gemacht habe, etc, etc. Keine Ahnung warum sie immer noch bei mir ist. (Weil ich jetzt denke, keiner ist gezwungen, sich so was gefallen zu lassen) aber wichtig war ihr zu sehen, ich arbeite dran und hole mir Hilfe.
Ich denke Menschen brauchen erstmal sehr viel Schmerz zu spüren, um etwas verändern zu wollen. Deine Freundin weisst wahrscheinlich, dass sie dich manipulieren kann und du immer da bist und deswegen verlässt sie nicht die Komfort-Zone. Sie braucht mit Sicherheit erstmal eine klare Kante von dir. Leider ist es keine Garantie, dass sie das überlebt (entweder ändert ein Borderliner seine Situation oder versucht es oder nimmt den leichten Ausweg in Form von Suizid) aber auch da hast du wirklich keinerlei Einfluss darauf. Und vor allem gar keine Verantwortung für das was passieren könnte.
Hört sich leichter gesagt als getan aber auch da würde dir eine Begleitung in Form von Therapeuten helfen so etwas zu verarbeiten.
Also. Zusammengefasst. Was ich machen würde an deiner Stelle wäre mich in Therapie zu begeben um vor allem an dem "Helfersyndrom" zu arbeiten u.A. lernen, sich abzugrenzen. An deiner psychischen Stabilität zu arbeiten (an deinem eigenen Glück). Dann würde ich im Gespräch mit deiner Freundin ganz klar sagen, dass solange sie sich nicht ernsthaft Hilfe holt, machst du nicht mehr mit (Abgrenzen!!!). Vielleicht wäre es aus meiner Sicht gesund den Kontakt vorübergehend abzubrechen, bis du etwas stabiler geworden bist und deine Freundin sich Hilfe gesucht hat. Sollte sich nichts ändern und du weiterhin sehr unter diesem Hin und Her leiden, würde ich im schlimmsten Fall sogar über einen Umzug und endgültigen Kontaktabbruch nachdenken. Deinem Glück und Gesundheit zu liebe.
Ich drücke dir ganz fest die Daumen
David