Also für mich war es wirklich ganz arg wichtig zu lernen, wie man in Verbindung mit einem bestimmten Gefühl schauen "muss". Das habe ich auch echt spät gelernt, denn bis in mein frühes Erwachsenenalter war überhaupt sehr wenig über Autismus bekannt und es gab keinerlei Unterstützung. Ich war eben immer der komische Vogel, denn man reagiert mitunter absolut seltsam, wenn man z.B. keine Ironie versteht und die Körpersprache und Mimik seiner Mitmenschen nicht deuten kann.
Einmal z.B. lachte sich jemand im Lehrerzimmer kaputt und hatte regelrecht Tränen in den Augen. Ich war hell entsetzt und reagierte bestützt, da ich einen Nervenzusammenbruch vermutete! Ich verstand nicht, dass der Herr vor lauter Lachen über eine lustige Begebenheit außer sich war sondern dachte, es müsse ihm etwas Schreckliches zugestoßen sein.
Umgekehrt war es auch oft ein Problem, wenn ich ganz ohne äußerliche Gefühlsregung z.B. ernste Kritik vortrug und unbewusst dabei noch ein freundliches Gesicht machte. Das wurde oft als Abgebrühtheit, Schadenfreude oder anderweitig negativ aufgefasst.
So habe ich es erst wiegesagt recht spät erst gelernt, mich in der neurotypischen (= nichtautistischen) Welt zurechtzufinden und mich dort quasi bewegen zu können, ohne negativ aufzufallen. Das ist sehr anstrengend für mich und kostet Kraft. Oft gelingt es mir gut, aber manchmal wird es mir alles zu viel. Mir wurde gesagt, dass meine Mimik bei näherer Betrachtung trotzdem unnatürlich sei. Mein Gesichtsausdruck und meine Körpersprache ist leicht überzeichnet und wirke manchmal gespielt.
Ja, vielleicht weil es auch gespielt IST? Ich gebe mir Mühe und so merkt man es nicht sofort, sondern erst nach längerer Beobachtung.
Vielleicht so ähnlich wie mit einem Beinprothesenträger, sagt meine Frau Das sieht man meist auch nicht sofort. Aber manchmal hinkt die Person dennoch ein bisschen. So ist das auch bei mir. Aber es ist alles nicht schlimm. So haben wir doch alle unsere Macken. Einer mehr, der andere weniger.
LG,
SFX