Kleiner Funfact am Rande zu unserem ausgezeichneten Bildungssystem. Sinngemäß hat uns ein Referendar während meinem Abitur Folgendes gesagt:
Lehrer müssen einen gewissen Schnitt erfüllen. Ihr seid eine gute Klasse. Hätte ich diese Ex in meiner anderen Klasse geschrieben bin ich mir sehr sicher, dass sie deutlich schlechter ausgefallen wäre. Der Schnitt von 1,x ist aber dennoch viel zu gut, ich muss die Benotung etwas abändern.
Um es auf den Punkt zu bringen: Die Noten orientieren sich an der Dummheit deiner Mitschüler. Bist du von Idioten umzingelt bekommst du gute Noten, während du in einer anderen Klasse eventuell mittelmäßige bis schlechte Noten bekommen würdest.
Klingt fair, oder? 🙄
Jepp,genauso isses. Du bist als Lehrer "angehalten", eine gewisse Notenverteilung zu erfüllen: Du darfst am Schluss weder zu gute noch zu schlechte Notenverteilungen haben: hast Du eine total begabte Klasse- pech für die! Hast Du eine Klasse mit lauter Nieten: Glück gehabt: Am Ende bekommen bei in etwa die gleichen Noten. Noten bilden NIE die Leistung ab sondern sie bilden den Unterschied zwischen dir und Deinen Mitschülern ab: Das macht so richtig Lust auf Leistung, nicht wahr? Es gibt nur sehr wenige Direktoren, die es ehrlich durchziehen und konsequent sind (auch gegen den Widerstand der Eltern)
Und dem Ermessensspielraum bei Benotungen sind Grenzen gesetzt, denn in einer simplen Rechnung gibt es eigentlich nur zwei mögliche Ergebnisse, nämlich entweder ist das Endergebnis richtig, oder es ist falsch.
😉 Träum weiter. Klar denkt man das rein aus der Logik, so müsste es laufen, aber so läuft es NICHT! Vielleicht gerade noch in Mathe, aber alle anderen Fächer: Nimm mal Deutsch, oder so ein Fach: da gibt es so eine Eindeutigkeit schon per se nicht.
Und selbst in mathe: Du musst den Schnitt halten: Wenn Deine Ex zu schlecht ausfällt, wirst Du im ungünstigen Fall zum Fachbetreuer bestellt, und der kassiert die Arbeit dann ein...und du darfst eine neue schreiben lassen: Die dann so leicht sein muss, dass Du den Schnitt irgendwie herkriegst. Oder Du hebst halt den Fehlerschlüssel so an, bis es passt.
Die Aufgaben und Lösungen sind ja nicht zentral gestellt (nur im Abi), dh als Lehrer schraubst Du das schon so hin, dass der Schnitt passt- musst Du ja. Wenn die Klasse zu gut ist, machst Du das ganze umgekehrt und schraubst das Niveau eben so hoch, dass Du auch Leuten, die eigentlich eine 1 verdienen würden eine 3 geben kannst, wenn es sein muss.
Besonders interessant ist das, wenn Lehrer an mehreren Schulen unterrichten- also Paralellklassen an mehreren Schulen haben: Da sollte man ja meinen, die könnten ihr Material in beiden Klassen verwenden:lautlachen:.
Das klappt aber meist garnicht: Eine arbeit die Du auf einer Schule als viel zu schwer runterschrauben muss, kann in der anderen Schule zu leicht sein.
Reale Leistungen werden also so NIE abgebildet.
ich hatte zB mal einen Schüler (hin und wieder helfe ich ja in der Schule aus), dem musste ich in einer Arbeit in Musik eine 6 geben: Da war einfach NICHTS zu machen. Der hatte keine Frage beantwortet und ein fast leeres Blatt abgegeben. Dafür musste ICH mich dann verantworten, denn es kann ja nicht sein, dass ein Schüler in MUSIK eine 6 kriegt (anscheinend darf man in diesem Fach keine schlechten Noten geben) Ich habe dann die Arbeit des Jungen vorgezeigt und der Klassenbetreuer hat es eingesehen, mich aber gebeten, die mündlichen Noten des jungen so hinzubiegen, dass er mindestens eine 4 bekommt (nicht einfach bei einem Typen, der NIE auch nur ein Wort sagt- warum soll ich dem ne gute Mündliche Note geben). Aber mir wurde klar gemacht, dass die Schule es nicht halten wird, wenn dieser Schüler wegen Musik durchfliegt- er darf machen was er will und auch wenn er kein einziges mal den Mund aufmacht und nur leere Blätter abgibt, kriegt er ne 4. Und dafür sollte ich sorgen.
Toll oder? Da fühlt man sich gleich motiviert und wertgeschätzt und das ist auch ein tolles Signal für die anderen Schüler, die sich anstrengen.
SO läuft dads leider: Der Dumme oder Faule gewinnt leider immer!