Ich möchte wetten, du hast keine Argumente die für diese ausserordentlich unüberlegte Bemerkung sprechen. Falls doch, ich bin ganz Ohr.
Ich habe noch ein paar Unüberlegungen im Sinne von obigem Zitat:
- Wer arm ist, macht im Regelfall was falsch.
- Wer arbeitslos ist, macht im Regelfall was falsch.
- Wer krank ist, macht im Regelfall was falsch.
🙄
Stimmt ja auch meistens. Mir stößt die Einstellung auf die bei manchen durchscheint, ich bin grundsätzlich an nichts schuld, immer nur andere, Gott und die Welt, die böse Gesellschaft, das böse Geld das nicht vom Himmel fallen will, die böse Verwandtschaft, ein böses Leiden, wer auch immer. (Hab mich immer schon gefragt ob das typische Ost-Sozialisierung ist, wie sich diese Einstellung auf Ossis und Wessis aufteilt. Sollte wohl mal eine Umfrage zum Thema machen um meine Neugier zu befriedigen.)
Ein paar Argumente hast Du inzwischen gelesen, wie Einsamkeit zustandekommt, und daraus die logische Konsequenz, wie man sie beseitigen könnte. Was aber auch bedeuten könnte, daß man sich selbst verändern muß, z. B. Wohnort oder eigene Aktivitäten (Hobby anschaffen), und dazu sind halt viele anscheinend nicht willens oder fähig.
Eng verbunden mit der Überzeugung daß immer nur andere schuld seien, ist übrigens der Glaube, daß andere grundsätzlich riechen oder erraten können müßten wie man sich fühlt. Mit anderen Worten, andere sollen gefälligst Hellseher sein, das ist natürlich nicht der Fall. Um seine Situation und ggf. deren erwünschter Veränderung muß sich schon jeder selbst kümmern, aber siehe oben, nicht jeder ist dazu willens oder fähig. Und andere riechen es nicht, ergo passiert nie was. Eigene Schuld wenn man seine Bedürfnisse nicht kommuniziert.
Oder zwar kommuniziert, aber an die Falschen, denn nicht jeder ist der passende Topf zum Deckel. Manche Menschen nehmen alles was ihnen an Gesellschaft entgegenschneit, aber dann brauchen sie auch keine hohe Qualität erwarten. Andere die zu oft von minderer Qualität (toxisch oder schlicht todlangweilig) enttäuscht wurden, bleiben lieber einsam als erneut enttäuscht zu werden. Oder sich irgendwas einzufangen was sie später bereuen, einen Narzissten der bewunderndes Publikum braucht oder schlimmeres.
Und nicht jeder, mit dem man eigentlich gern möchte, weil Qualität etc. stimmen, hat für sich ein Anhängsel nötig, hat Zeit und Interesse sich mit jemand anderem regelmäßig abzugeben. Topf und Deckel passen nicht zueinander.
Besonders bedroht von Einsamkeit sind Personen, die von vornherein nur einen sehr beschränkten bis nichtvorhandenen Freundeskreis haben, aufgrund toxischer Familie, Umzug oder falschem Wohnort (einsam in der Pampa, nix gut!) oder weil sie sich von vornherein auf eine einzige Person beschränkt haben, bei Erwachsenen ist das in der Regel der Partner, bei Kindern der einzige echte Freund, und wenn diese Person wegfällt, durch Tod, Trennung, Wegzug, Neuorientierung, ist der Sturz ins schwarze Loch fast sicher. Außer man ist fähig, den Verlust bald zu kompensieren, aber das ist ein harter Weg wenn man sich mehr oder weniger vom Partner, Freund, Leben (sonstwas) "betrogen" fühlt. Man verließ sich ja darauf, daß die gute Zeit für immer anhalten wird, daß man nie jemand anderen brauchen wird ...