Ich finde es schon schrecklich, dass wegen eines einzigen psychisch kranken Menschen 149 andere Menschen ihr Leben lassen mussten, noch dazu auf so grausame Weise. Es waren viele junge Menschen darunter, die noch ihr ganzes Leben vor sich hatten. Dennoch muss ich meine Bestürzung nicht nach außen demonstrieren. Einer Schweigeminute, zu der mein Arbeitgeber aufgerufen hatte, habe ich mich auch nicht angeschlossen. Das empfinde ich als Heuchelei. Da geht es nur darum, von anderen gesehen zu werden. Ich kenne ja weder die Opfer noch die Hinterbliebenen. Da müsste ich auch für jeden Verkehrstoten oder jedes Mordopfer, das ich nicht kenne, eine Schweigeminute einlegen.
Würde ich aber jemanden von den Hinterbliebenen kennen, wäre es mir wichtiger, für diese da zu sein und ihnen nicht aus dem Weg zu gehen, wie so viele andere es aus Unsicherheit tun oder weil sie nicht mit dem Leid anderer konfrontiert werden wollen. Krokodilstränen zu heulen über den Tod von Menschen, die man gar nicht kennt, und dann wieder zur Tagesordnung überzugehen, ist natürlich bequemer.