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Berufswahl - Geld oder Spaß

S

Schueler

Gast
Hallo Leute,

Im Moment beschäftigt mich meine Zukunft und ich komme an einen Punkt an, an dem ich darüber nachdenken muss, was ich eigentlich will.

Es geht um eine einfache Berufswahl. Ich bin Abiturient, der nächstes Jahr sein Abitur macht. Ich habe viel Zeit investiert, um ein Duales Studium in Informatik machen zu können. Jetzt wurde ich "endlich" von einer Firma genommen. Aber auch nur, um mir diese Möglichkeit warm zu halten.

Ich sage es mal so: Das duale Studium bietet viel Geld für viel Arbeit. Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob ich wirklich später als Softwareentwickler oder Ähnliches arbeiten will. Ich möchte nicht den ganzen Tag vor dem Bildschirm sitzen etc.
Meine Alternative wäre es, Lehrer zu werden, in den Fächern Mathe und Informatik. Allerdings ist bekannt, dass Lehrer relativ wenig verdienen, und der Arbeitsaufwand ist nicht zu unterschätzen. Allerdings stelle ich mir den Lehrerberuf viel erfüllender vor, abwechslungsreicher, und man hat mehr mit Menschen zu tun. Sollte ich mich für das duale Studium entscheiden, dann wahrscheinlich nur des Geldes wegen.

Ich kann allerdings nicht einschätzen, wie groß sich die Lebensqualität unterscheidet. Ich habe Angst, später meine Entscheidung zu bereuen, wenn ich merke, wie viel meine Schulkollegen verdienen. Ich würde gerne wissen, was ich tun kann, um mir diese Entscheidung zu erleichtern.
Ich habe in diesem Zusammenhang auch schon oft über das Glücklichsein nachgedacht. Was man braucht für das Glück, worauf es ankommt etc.

Ich meine, für mein eigenes Glück brauch ich doch nicht viel Geld? Aber für diesen Satz wurde ich schon von diversen Leuten schief angeguckt. Habe ich eine rosarote Brille auf, was die Einfachheit des Glücks angeht?

Liebe Grüße,
Ein Schüler
 
relativ wenig verdienen

Bevor ich mit Dir in die Diskussion einsteige, könnten wir erstmal klären, was "relativ wenig verdienen" für Dich bedeutet? 😕

Für mich (klein Doofi) nenne bitte auch Bruttoeinkommen, okay? Dann werde ich gerne auf Deine Fragestellung eingehen

w.🙂
 
Bevor ich mit Dir in die Diskussion einsteige, könnten wir erstmal klären, was "relativ wenig verdienen" für Dich bedeutet? 😕

Für mich (klein Doofi) nenne bitte auch Bruttoeinkommen, okay? Dann werde ich gerne auf Deine Fragestellung eingehen

w.🙂

Hey,

also Lehrer müssen nicht hungern, das ist klar. Aber andere Akademikerberufe verdienen etwa doppelt so viel. Man steigt ein mit etwa 1600 netto, schwankend
 
Ich würde dir raten mit Mathe-bzw. Informatiklehrern verschiedener Schulen zu sprechen und diese um eine Einschätzung bitten. Ob sich deren Vorstellungen vom "Lehrersein" erfüllt haben. Allein am Geld würde ich die Berufswahl nicht abhängig machen, aber das hängt auch davon ab, was du dir für deine Zukunft vorstellst.
 
ich war softwareentwickler und bin lehrer für mathematik und informatik.

nun ja, musst du selbst wissen, was du lieber machen willst. ein mathematikstudium ist jedenfalls - auch in der sparversion für lehrämtler - ein paar hausnummern heftiger als so ein duales studium. (oder wolltest du lehrer fuer real- und hauptschulen werden? würd ich nicht empfehlen.)

das mit dem spass vergiß mal ganz schnell, lehrer ist ein ziemlich anstrengender job.

wenn ein bundesland ernsthaft der meinung ist, einen lehrer-berufsanfänger (nach dem referendariat) mit 1600 netto abspeisen zu müssen, dann studiere um himmels willen nicht in diesem bundesland auf lehramt! mach was immer du willst, aber bind dir den lehrerjob nicht für 1600 euro netto ans bein!

ich weiss allerdings nicht, woher du diese zahl hast. ich habe bei weitem mehr, mehr als das doppelte und bin mit meiner bezahlung durchaus zufrieden, das ist ok, was ich bekomme. ich bin allerdings kein berufsanfänger - was man als blutjunger anfänger bekäme, müsste ich erst nachschlagen. das ist aber auch von bundesland zu bundesland verschieden. im osten soll die lehrerbezahlung teils recht gering sein, habe ich gehört, ich weiß aber nicht, ob das stimmt.
 
Die Zahlen schwanken je nach Bundesland und je nachdem, ob man verbeamtet wird oder nicht. 1600 stimmt schon - in Bremen, bei Einstellung als Angestellter, sind's 1500. Dazu muss man aber sagen, dass Bremen zur Zeit WENN sie einstellen auch gern verbeamten. Wie es woanders ist, weiß ich nicht genau. Berlin verbeamtet, glaube ich, gar nicht. Niedersachsen schon. Der Süden zahlt tendenziell mehr als der Norden. Dafür gibt's aber Tabellen im Netz.

Ich möchte dir raten, ein Schulpraktikum zu machen. Eine, zwei oder drei Wochen, in der Schulstufe deiner Wahl. Nichts anderes kann dir auch nur annähernd so gut die Frage beantworten, ob du Lehrer werden willst oder nicht. Und auch im Praktikum muss einem bewusst sein, dass man nur einen Ausschnitt der Realität erfährt. Aber du wirst einen Eindruck erhalten, ob dir die Arbeit mit jüngeren Menschen, die Didaktisierung von Stoff, der für dich längst selbstverständlich geworden ist und die Auseinandersetzung mit den Problemen anderer gefällt.
Eine zweite, wichtige Frage ist auch, ob du dich emotional in der Verfassung fühlst, dich anderthalb/zwei Jahre lang im Referendariat demütigen und verarschen lassen willst. Ich würd's mir kein zweites Mal aussuchen, wenn ich nochmal die Wahl hätte, ganz ehrlich. Aber auch das mag in anderen Bundesländern besser sein.
 
Im Idealfall bietet der Beruf beides - Spaß/Interesse und gutes/ausreichend Geld. Im konkreten Fall würde ich tatsächlich das Gespräch mit Lehrern suchen. Der Beruf kann erfüllend sein - man bereitet junge Menschen auf das Leben vor. Andererseits gibt es nicht umsonst viele Lehrer, die mit Burnout, Depressionen und Co. kämpfen. Der Beruf ist nicht nur dankbar und erfüllend, sondern kann auch sehr (über)fordernd sein...
 
ich habs jetzt mal für NRW nachgeschlagen. wenn man es schafft mit unter 27 schon fertig zu sein, gibt es (falls verbeamtet, ich weiss nicht, wie da die praxis derzeit aussieht) an haupt/real/grundschulen vermutlich A12, das wären dann 2878 euro brutto, minus 540 lohnsteuer und soli, verbleiben ca. 2340. ggf. nochmal 50 euro kirchensteuer runter und die krankenversicherung, das können 300 euro sein, dann bleiben immerhin 2000 ueber. (fuer einen single gerechnet)

besser siehts am gymnasium aus (A13, 350 euro brutto mehr, und da gibts noch ne zulage, deren hoehe ich jetzt nicht weiss (ca 100 euro?)).

das steigt dann aber (zumindest derzeit noch) automatisch mit dem alter, A13 mit 45 jahren sind es dann schon 4178 euro brutto. (plus diese zulage)

nach einer beförderung (A14) und als verheirateter mit steuerklasse 3 habe ich 4646 brutto und 3890 netto (allerdings vor abzug der krankenversicherung). das ist ok, und da träumen einige andere nur von.

aber für 1600 netto? neeeee.... so spassig ist der job echt nicht. da erkundige dich lieber, was süddeutsche länder so zahlen. das hat auch andere vorteile, denn da wird noch richtig gelernt. in der gymnasialen oberstufe leuten differenzieren und integrieren beibringen zu müssen, wenn die noch nicht einmal bruchrechnung können, macht dagegen wenig freude.
 

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