Als ich ein Kind war (in den 90igern) da habe ich ständig von irgendwelchen Bekannten meiner Eltern so Storys gehört im Sinne von "Mein Gott, der hat mich am Anfang so genervt und ich habe ihm 20 Körbe gegeben, aber er hat nicht aufgegeben und tja, jetzt sind wir verheiratet und haben 3 Kinder"..
Solche Berichte kenne ich auch noch, allerdings war da nie so ein hier geäußertes Unbehagen dabei.
Ich schreibe jetzt mal kurz ein paar Erfahrungen aus meinem Leben, die mich nachhaltig geprägt haben. Während meines Studiums lernte ich eine Studienkollegin kennen, mit der ich mich auf Anhieb außergewöhnlich gut verstand. Wir wurden sehr gute Freunde und waren, wie man so schön sagt, auf einer Wellenlänge. Da kam es schon vor, dass der eine den Satz des anderen beendete. Ihre Freundinnen rollten dann mit den Augen und mir kam es so vor, dass sie neidisch waren. Ich weiß nicht mehr, ob es nach 1 oder 1 ½ Jahren war, aber bei mir hat es irgendwann einen Schalter umgelegt und ich sah sie in einem komplett anderen Licht, hatte das Gefühl dass sie mich auch mochte. Dann kamen die Semesterferien und danach war alles anders. Sie schaute mich nicht mehr an und drehte immer den Kopf weg, sobald ich versuchte, mit ihr zu reden. Natürlich wollte ich wissen, was los ist, aber da kam nichts mehr. Es wurde unangenehm. Wenn ich morgens die U-Bahn zur Uni nahm, dann traf ich oft auf sie. Sie fühlte sich dann irgendwie verfolgt, auch wenn sie das nicht offen sagte. Ich bin dann bald nur noch zur Uni gelaufen, was eine halbe Stunde Fußmarsch war. In der Uni dasselbe Bild. Sobald ich irgendwo in die Nähe kam, wo sie war, lösten sich die Menschentrauben auf. Über andere Studienkollegen habe ich erfahren, dass sie in den neuen Kursen erzählte, wir würden uns nicht kennen. Ich bin damals in ein tiefes Loch gefallen und habe schließlich die Uni verlassen und bin umgezogen. Ich habe keine Ahnung, warum das so gelaufen ist. Eines ist klar, es ist nicht unbedingt immer so schwarz und weiß, wie man sich das vorstellt. Eine klare Ansage kann viel wert sein, auch wenn es weh tut.
Es ist lange her und damals bin ich zum ersten Mal so richtig gestorben, später noch ein zweites Mal, jetzt sterbe ich nicht mehr...außerdem ist’s lange her! Meine Lieblingsdichterin Mascha Kaléko hat das so unglaublich treffend ausgedrückt:
Das berühmte Gefühl
Als ich zum ersten Male starb,
– Ich weiß noch, wie es war.
Ich starb so ganz für mich und still,
Das war zu Hamburg, im April,
Und ich war achtzehn Jahr.
Und als ich starb zum zweiten Mal,
Das Sterben tat so weh.
Gar wenig hinterließ ich dir:
Mein klopfend Herz vor deiner Tür,
Die Fußspur rot im Schnee.
Doch als ich starb zum dritten Mal,
Da schmerzte es nicht sehr.
So altvertraut wie Bett und Brot
Und Kleid und Schuh war mir der Tod.
Nun sterbe ich nicht mehr.