Hi!
INTERESSANTES THEMA!
Für mich nicht vorstellbar. Für mich sind Aufenthalte von mehr als 3 Tagen bei meinen Eltern unangenehm. Ich fühle mich dann zunehmend beobachtet, in mein Kind-Ich gedrängt, voreingenommen kritisiert,...
Ein ganz extremer Punkt z.B.:
Meine Eltern mögen keine kontroversen Diskussionen führen. Auf den Tod nicht. Weil sie spätestens nach 5 Minuten hart emotionalisiert und alles-persönlich-nehmend werden. Bis hin zu Hasstiraden.
Das kenne ich auch von anderen Leuten in meinem Alter - aber meine Eltern gehen wirklich ab dann. Besonders wenn sie einen schlechten Tag haben. Sie empfinden mich dann als Besserwisser (als Kind schon) oder fühlen sich tatsächlich geistig unterlegen und wollen sofort raus aus der Diskussion. Sie hassen es besonders, wenn ich ohne große Einleitung kurzzeitig Meinungen anderer beleuchte und vertrete, um andere Perspektiven aufzuzeigen.
Aber ohne Streitgespräche ist das Leben für mich langwelig und ich brauche sie für meinen Seelenfrieden. Diese Harmoniesucht betrifft weitere Bereiche und ist nur bezeichnend. Jedenfalls muss ich an vielen Ecken vorsichtig sein und das nervt bzw. kostet Energie.
Seit Jahren "verschone" ich meine Eltern, bzw. gebe nur dosiert an den richtigen Stellen meine Meinung oder füge mich ihren Gepflogenheiten, um mich in anderen Bereichen - halt wo es nötiger ist - umso mehr zu behaupten und abzugrenzen.
Damit kommen sie zurecht, solange ich nur für ein paar Tage da bin. Danach wird ihnen die kognitive Dissonanz (Kind, dass man für sie noch ist vs. eigenes Weltbild) gefühlt zu anstrengend. Aber das sagen sie dann natürlich nicht, genau wie sie vieles andere under den Teppich kehren in ihrer Harmoniesucht...🙂 Egal.
Anderer Problembereich: Wenn unsere Tochter bei meinen Eltern war, hatte sie häufig die gleichen Probleme wie ich als Kind: Sie hatte das Gefühl, das sie nicht als geistig vollwertiger Mensch genommen wurde, dass sie in ihren Ideen und Vorschlägen respektlos übergebügelt wurde, dass sie zu funktionieren hatte, etc. Sie wurde gemaßregelt, wenn sie widersprach oder sich nicht so verhielt, wie sich meine Eltern Kinder idealisiert vorstellten.
So fühlte ich mich als Kind laufend und ich konnte das meiner Tochter kaum mehr als 24 Stunden zumuten, da sie ähnlich introvertiert ist wie ich und sich nicht dagegen wehrt sondern sich anpasst aber dann nicht das nötige dicke Fell hat.
Ich war daher bei Besuchen nie lange mit Freunden unterwegs, wenn meine Tochter allein bei meinen Eltern blieb. Hinterher brach sie nämlich oft in Tränen aus wenn sie beim Ins-Bett-Bringen von negativen Erfahrungen berichtete - Erfahrungen, die von der Beschreibung ähnlich an emotionalen Mißbrauch grenzend wirkten, wie ich bestimmte Umgangsformen und Verhaltensweisen meiner Eltern mir gegenüber in meiner Erinnung als Kind wahrnahm...
Resultat jedenfalls: Wir wollten neben meinen Eltern wohnen, aber das wäre zu nahe dran.
30 km Abstand sind gesünder. 🙂
Ich kenne Leute, die zu ihren Eltern gezogen sind und dann voll in ihre Depris/Suchtprobleme katapultiert wurden - was ich gut nachvollziehen kann. (Nur verstehe ich natürich nicht, dass sie sich nicht losgemacht haben.)
Auch krass: bei meinen Schwiegereltern handelt es sich um ähnlich schwierige Exemplare. Genau wie meine Eltern eigentlich (muss ich fairerweise für alle Großeltern dazusagen) herzensgute Leute aber äußerst anders drauf als ich bzw. auch anders als meine Frau. Und äußerst unsensibel in vielen Bereichen.
Emotional und geistig inkompatibel, würde ich sagen. Ich denke, das liegt aber zum großen Teil auch am Generationenunterschied, z.T. an unverarbeiteten Kindheitstraumata, anderem Reflexionsvermögen, etc.
Wobei ich noch dazu sagen muss, dass ich (vlt abgehärtet genau durch meine Erfahrungen?) mit anderen alten Menschen im Allgemeinen äußerst gut zurecht komme.
Und ich habe auch Freunde, die mit ihren Eltern schon immer gut klarkommen. Das war z.T. freundschaftlich und ich habe sie als Kind immer wehmütig beneidet....
Heute habe ich einen guten Draht zu meiner Tochter und hoffe, dass der nie reißt und gesund mitwächst und sie nicht irgendwann ähnliche krasse Selbstschutzdistanzen in bestimmten Bereichen zu mir entwickeln muss.
Dies so als meine Gedanken zur späten Stunde. Tat gut das mal aufzuschreiben und vlt. hilft es ja indirekt weiter.
LG
Wolf