AW: Behinderte in unserer Gesellschafft
Das fängt an bei Frühförderung, geht weiter beim Schulsystem und hört dabei auf, wie Familien mit behinderten Kindern unterstützt werden. Also eigentlich so gut wie alles. Meine Erfahrung bisher ist leider, dass oft erst gehandelt wird, wenn vieles schon eskaliert ist oder zu eigentlich zu spät. Den letzten Fall, der eine Mutter-Kind-Kur verschrieben bekommen hat, hat über ein halbes Jahr gedauert, bis der genehmigt wurde und da ging dann kaum noch was, es war so gut wie kein normaler Unterricht mehr möglich und die Mutter ziemlich am Limit.
Noch schlimmer ist es, wenn die Eltern alleinerziehend sind. Das darf man auch nicht vergessen, dass es gar nicht so arg selten vorkommt, dass Partner dann ihre Kinder sitzen lassen und abhauen. Solche Eltern fühlen sich dann oft sehr, sehr allein, wenn da keine Familie da ist, die Rückhalt gibt. Ich finde sowieso, dass es viel mehr Gruppen und Beratungsstellen geben sollte, wo Eltern und Angehörige von Menschen mit Behinderung sich austauschen können. Und dass diese Stellen viel mehr nach außen gehen.
Ganz arg heftig ist es, wenn eine Förderschule in einem sozialen Brennpunkt liegt, mit Integration und anderen kulturellen Hintergründe noch als zusätzliches Hauptthema. Ganz, ganz hartes Setting, das oft sehr schwer auszuhalten ist - nicht mal wegen den Kindern und Familien, sondern weil man einfach sieht, wie wenig solche Kinder Hilfe und Unterstützung bekommen und dass da schon mitschwingt, dass "aussortiert" wurde vom System. Das erschwert so verdammt die Arbeit. Da gibt es Klassen, da ist alles dabei, nämlich hoch- minder und normalbegabte Kinder, Kinder die zum ersten Mal in ihrem Leben Deutsch sprechen, traumatisierte Kinder, Kinder mit Verhaltensstörungen, Kinder mit Angststörungen, Autisten, ADHSler, Kinder mit Autismus UND ADHS, Kinder mit ausgeprägten Bindungsstörungen, körperbehinderte Kinder, Kinder mit Lernschwierigkeiten und jetzt ganz neu: auch "Flüchtlingskinder", die einfach reingesetzt werden in die Klassen und wo man den Lehrern und pädagogischen Betreuern sagt "Macht mal". Und allen diesen Kindern müssen die Lehrer und sonstigen Mitarbeiter gerecht werden. Allen. Neben sozialschwachen Familien und/oder welchen, wo massiv viel Gewalt herrscht und wo die Familien allgemein kaputt sind. (Oder alles zusammen)
Inklusion bedeutet ja Teilhabe - nicht nur für behinderte Menschen, sondern auch für ausländische Mitbürger und Geflüchtete/Refugees. Und ausgeweitet auch für sozial schwache und Kranke.
Alleine an Förderschulen müsste es standardmäßig mindestens zwei Fachkräfte durchgehend in den Klassen geben. Es ist vorgeschrieben, dass X Stunden in der Woche eine zusätzliche Fachkraft anwesend ist, das ist aber oft nicht ausreichend. Fördermaßnahmen müssten viel, viel mehr bezuschusst werden, sehr viel mehr Hilfe für die Familien, sehr viel mehr Frühförderung stattfinden und man sollte nicht alle mögliche Fälle gemeinsam in eine Klasse stopfen mit nur hauptsächlich einem einzigen Lehrer.
Es sollte auch endlich anerkannt werden, dass wenn man gerade Kinder aus sozialschwachen und kriminellen Familien intensiv betreut und fördert, man oft verhindert, dass dann ein paar Jahre später ein zusätzlicher Straftäter bei der Polizei sitzt. Oder ein weiterer Hartzer, der keine Perspektive hat. Und auch wenn das bedeutet, an Kinder mehr Geld zu intevstieren, es langfristig gesehen wiederum Kapazitäten und Geld einspart im Idealfall.
Das Jugendamt und die Landratsämter machen auch gerade wirklich ALLES um den Beruf der "Integrationshilfe" so unattraktiv wie möglich zu machen. Weil es halt ums Sparen geht. Wenn das so weiterläuft, wollen noch weniger den Job machen. Gleichzeitig wird dann von diesen Leuten gejammert, es gibt so einen Mangel an Leuten, die diese Tätigkeit ausüben möchten und man würde gar nicht wissen, wo man die Mitarbeiter herbekommt. Jetzt wird es sogar immer mehr standard, dass eine Integrationshilfe mindestens zwei Kinder zugeteilt bekommt. Tendenz oft eher, dass man damit kokettiert, sogar drei oder vier Kinder zuzuteilen. Bei gleichem Gehalt oder unwesentlich mehr. Auch Erziehungsbeistände arbeiten oft gratis für mehrere Kinder und Jugendliche, weil sie immer mehr und mehr betreuen sollen, aber kein plus auf dem Gehaltszettel dafür sehen. Und dann wundern sich die Ämter, warum so viele hinschmeißen oder richtig gute Leute regelrecht verheizt werden.