Vielen Dank für eure ausführlichen Antworten, Tipps und aufmunternden Worte! Danke, dass ihr euch die Zeit genommen habt! Ich habe mir jeden einzelnen Tipp zu Herzen genommen und in Ruhe über alles nachgedacht.
Ich kann jetzt leider nicht auf jeden einzelnen Rat eingehen, da die Antwort sonst unendlich lang ausfallen würde, aber ich werde versuchen, in einem Beitrag alles schön zusammenzufassen. 😉
Ja, also ich werde mit größter Wahrscheinlichkeit im Oktober mit dem Master weitermachen, auch wenn mir momentan für alles die Motivation fehlt. Den Master vorläufig auf Eis zu legen und zu einem späteren Zeitpunkt fortzusetzen, könnte problematisch werden, da wir für das Studium ziemlich viele Computerprogramme beherrschen müssen, mit denen man regelmäßig arbeiten muss um nicht aus der Übung zu kommen.
Wenn ich das mit dem Master aber ernsthaft durchziehen möchte, dann bleibt mir wohl keine andere Wahl als meinen jetzigen Job aufzugeben, da er mir wirklich unglaublich viel Energie raubt. Wenn ich aber vor Beginn des neuen Semesters die Firma verlassen will, dann muss ich spätestens am 31.08. die Kündigung aussprechen. Das ist schon ziemlich bald und ich habe irgendwie richtig Angst davor, das zu tun bzw. bin ich mir noch immer nicht ganz sicher, ob ich wirklich jetzt schon kündigen soll.
Für mich steht fest, dass ich es definitiv bald tun muss, da es überhaupt keinen Sinn hat, noch länger in dieser blöden Firma zu bleiben, da mich der Job wirklich total kaputt macht. Und ich bereue es, dass ich es nicht schon viel früher getan habe. Mittlerweile ist es wirklich schon so schlimm geworden, dass ich mich manchmal in der Früh nach dem Frühstück übergeben muss. Und wenn ich an morgen denke, könnte ich ehrlich gesagt jetzt schon kotzen… ich bin jetzt wirklich an einem Punkt angelangt, wo ich einfach sage: „Ich kann nicht mehr!“
Es geht aber nicht nur darum, dass der Job so langweilig ist, sondern dass die Gesamtsituation einfach nicht passt. Auch die Arbeit im Callcenter war nicht sehr anspruchsvoll (aber auf jeden Fall spannender als der jetzige Job), aber da wir ein gutes Team waren, zusammengehalten haben, unseren Spaß hatten usw., hat die Arbeit trotzdem irgendwie Spaß gemacht, auch wenn die AnruferInnen manchmal vielleicht ein bisschen nervig waren. Und damals war ich nach der Arbeit immer in der Lage, für die Uni zu lernen, meine Hobbys auszuüben und hatte – kurz gesagt – einfach Freude am Leben. Seit ich den jetzigen Job habe, kann ich das leider nicht mehr behaupten.
Ja, es stimmt, ihr habt es richtig erkannt, ich habe wirklich Angst davor, in der Arbeitslosigkeit zu landen. Wenn ich also am 31.08. kündige und bis Ende September keinen neuen Job finde, dann müsste ich mich beim AMS (das ist das österreichische Arbeitsamt/Jobcenter) arbeitslos melden, da ich sonst nicht mehr sozialversichert wäre. Das Problem ist aber, dass mich das AMS jederzeit zu seiner Schulung schicken kann und keine Rücksicht darauf nimmt, ob ich nebenbei studiere (das hat man mir auch extra gesagt). Ich habe das Gefühl, dass ich vor der Wahl zwischen Pest und Cholera stehe.
Ich werde natürlich weiter Bewerbungen schreiben und hoffen, dass ich bis Ende September etwas bekomme. Ja, mein Lebenslauf ist nicht optimal, und klar kommt es auch darauf an, wie gut man sich verkauft. Aber ich fürchte, dass ein Personalchef, der meinen Lebenslauf liest, meine Bewerbung sofort aussortiert, sobald er feststellt, dass ich im Jahr 2006 mein erstes Studium begonnen habe und im Jahr 2017 noch immer auf der Uni sitze und sich meine Bewerbung bzw. meinen CV gar nicht weiter durchliest.
Mittlerweile überlege ich aber auch, mich gar nicht mehr auf klassischem Wege zu bewerben, sondern mich politisch zu engagieren, da mein Fachgebiet ein in der Wiener Stadtpolitik sehr relevantes Thema ist. Ich muss aber sagen, dass es keine politische Partei gibt, mit der ich mich zu 100% identifizieren kann. Ich bin mir aber auch nicht sicher, ob mir das gelingen wird und wenn ja, inwiefern mir das weiterhilft.
Ich habe mich in den Jahren 2014 und 2015 übrigens ehrenamtlich engagiert (allerdings bei unpolitischen Organisationen) und gehofft, so jobrelevante Kontakte zu knüpfen. Doch leider wurde ich „nur“ für meine Kompetenz und mein gutes Fachwissen gelobt, aber mehr kam dabei auch nicht wirklich heraus. Es wurde mir lediglich ein unbezahltes Praktikum angeboten.
Was den Erfolg „der anderen“ betrifft: Ich weiß, man soll sich nicht mit anderen Menschen vergleichen, denn jeder geht seinen Weg. Aber mal ehrlich, tut das nicht jeder von uns ein bisschen?
Es kann schon sein, dass es Leute in meinem Alter gibt, die noch weniger erreicht haben als ich. Aber ich denke, es besteht einfach eine „gesellschaftliche Verpflichtung“ (wenn ich das mal so nennen darf), mit 30 bestimmte „Lebenserfolge“ vorweisen zu können. Und wenn ich mich mit meinem Freundes- und Bekanntenkreis vergleiche, dann glaube ich einfach, dass ich im Vergleich zu ihnen noch sehr, sehr wenig erreicht habe.
Mein Freundeskreis besteht aus ca. 5 Leuten, die meine engsten Freunde sind und ca. 10-15 Bekannten, mit denen ich mich sporadisch treffe. Meine engsten FreundInnen sind alle so um die 30 und meine Bekannten zwischen 20 und 50. Gut, ich kann mich natürlich nicht mit einem 20- oder 50-Jährigen vergleichen, aber von denen, die 30 +/- paar Jahre alt sind, sind so gut wie alle in einer glücklichen Beziehung, haben ihre Studien schon längst abgeschlossen und sind erfolgreich im Berufsleben.
Lediglich ein gleichaltriger Kumpel ist noch Single, aber nachdem er gut aussieht, sehr erfolgreich im Berufsleben ist, äußerst gut verdient, zwei Autos hat, bereits ein Haus baut, sich ständig Urlaube gönnt und regelmäßig Dates hat, ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis auch er eine Freundin hat. (Ich verstehe eigentlich eh nicht, warum er noch Single ist.)
Und eine gleichaltrige Freundin studiert noch, was aber eher - wenn ich ganz ehrlich bin - an ihrer Faulheit liegt. Sie kommt aus einer sehr wohlhabenden Familie, musste neben dem Studium nie arbeiten gehen und kommt trotzdem nur sehr langsam voran. Dennoch hat auch sie seit zwei Jahren einen recht gut bezahlten Job, ist seit fünf Jahren in einer glücklichen Beziehung, möchte nächstes Jahr heiraten (nachdem ich die beiden sehr gut kenne, bin ich sogar als Trauzeuge im Gespräch) und erzählt mir oft, dass die beiden auch bald Kinder haben möchten.
Zwar kenne ich aus meinem Freundeskreis niemanden, der mit 30 schon Kinder hat, aber das Thema Familie bzw. Familiengründung wird in meinem Freundeskreis immer mehr zum Gesprächsthema und die meisten schaffen jetzt dafür die Voraussetzungen. Ich fürchte, spätestens in 2-3 Jahren werden alle glücklich verheiratet sein, Kinder haben und alles was dazugehört - nur ich nicht.
Voriges Jahr hatten wir übrigens ein Klassentreffen zum 10-jährigen Maturajubiläum. Auch dort musste ich mir von allen anhören, was sie in den letzten 10 Jahren nicht so alles geschafft haben, wie glücklich nicht alle sind und was weiß ich. Ich war so fertig, dass ich am liebsten aufgestanden und gegangen wäre.
Nicht, dass ihr mich falsch versteht: Ich brauche keine Luxusvilla, keine Markenklamotten, keinen BMW und auch nicht jedes Jahr das neueste iPhone um glücklich zu sein. Ganz im Gegenteil, ich lebe sehr bescheiden, lege meine Wege fast ausschließlich mit dem Fahrrad zurück und hatte bis vor wenigen Jahren noch ein Tastenhandy, da ich lange Zeit ein Smartphone-Verweigerer war. Jetzt habe ich ein sehr bescheidenes Smartphone, auf dem lediglich WhatsApp installiert ist und mehr brauche ich auch nicht.
Aber ich frage mich, wozu ich studiert habe, wenn ich jetzt noch immer für einen Mindestlohn arbeite. Ich würde gerne ein bisschen für die Zukunft sparen (so wie ich es zu Callcenter-Zeiten gemacht habe), um eines Tages einer Frau bzw. vielleicht auch meinem Kind etwas bieten zu können, aber ich verdiene so schlecht, dass ich mit meinem Lohn gerade noch über die Runden komme. Hätte ich damals zur Callcenter-Zeiten nicht so viel zusammengespart, dann wüsste ich nicht, wie ich jetzt mein Leben finanzieren sollte.
@Soulstorm: Wenn du mir nicht gesagt hättest, dass du 20 bist, hätte ich mir nie gedacht, dass dieser Text von einer 20-Jährigen stammt, ehrlich! Ich muss sagen, dass du für dein Alter einen sehr reifen und intelligenten Eindruck machst.
Übrigens hatte auch ich in deinem Alter eine Sozialphobie. Es war bei mir zwar nicht so extrem, dass ich mich nicht mehr aus dem Haus getraut habe, aber ich war sehr schüchtern, hatte kaum Freunde und habe sehr einsam und zurückgezogen gelebt. Erst als ich mit 22/23 ein neues Leben anfing, änderte sich das schlagartig.
Ich hoffe wirklich sehr für dich, dass du deine Sozialphobie besiegen kannst und wenn du jetzt noch nicht bereit bist, ein Studium anzufangen, dann ist es auch in einem oder sogar zwei Jahren noch nicht zu spät dafür. Und ich bin mir sicher, dass du das schaffen wirst, da du wirklich alleine schon aufgrund deiner Schreibweise und deiner Tipps, sehr intelligent wirkst! Glaub mir, du bist wirklich noch sehr, sehr jung und dir stehen noch alle Möglichkeiten offen!