Erstmal vielen Dank für eure Antworten und eure aufmunternden Worte! Bitte entschuldigt, dass ich erst jetzt antworte, aber ich hatte in den letzten 2-3 Wochen viel um die Ohren und habe auch einen Kurzurlaub im Ausland gemacht, da ich einfach ein bisschen abschalten wollte.
Ganz ehrlich, Du bist in einem halben Jahr 30 und schätzungsweise bist Du 31 J., wenn Du Deinen Master in der Tasche hast. Das sind 1,5 Jahre.
Grundsätzlich würde ich den Master schon ganz gerne fertigmachen und ich bin mir sicher, dass ich das auch schaffen kann. Ich persönlich fühle mich noch nicht zu alt dafür (auch wenn ich vielleicht nicht mehr der Allerjüngste bin), aber ob mir der Master etwas bringt, weiß ich nicht. Ich glaube nämlich, dass jobmäßig der Zug für mich schon abgefahren ist.
Angenommen, ich schließe tatsächlich in 1,5 Jahren (mit 31) den Master ab und bewerbe mich um eine Stelle: Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass von 100 BewerberInnen ausgerechnet ich die Stelle bekomme? Seid mal ganz ehrlich: Wen würdet ihr lieber einstellen? Einen 25-Jährigen, der sein Studium innerhalb der Mindestzeit (oder 1-2 Semester länger) abgeschlossen und nebenbei Praktika absolviert bzw. facheinschlägige Berufserfahrung gesammelt hat oder einen 31-Jährigen, der bis 23 nicht so recht wusste, was er wollte, danach ewig studiert hat und bis auf ein paar Jobs im Callcenter und Verkauf kaum nennenswerte Berufserfahrung hat. Ich bin keinesfalls ein Pessimist, sondern versuche einfach, realistisch zu denken und mich in die Rolle eines Personalchefs zu versetzen.
Und genau deshalb frage ich mich, ob es in meinem Fall noch sinnvoll ist, den Master fertigzumachen. Wenn ich mit einem abgeschlossenen Masterstudium wieder nur in einem Callcenter oder im Verkauf lande, dann wäre das Masterstudium doch nur Zeitverschwendung.
Und mit jeder Absage wird mein Gefühl, dass ich am Arbeitsmarkt nichts wert bin und auch der Master nichts daran ändern wird, verstärkt.
Nur Studieren sichert einem keine Zukunft. Du musst einschlägige Berufserfahrung nachweisen können bzw. diese sammeln in dem Bereich in dem du tätig sein möchtest.
Nicht böse nehmen aber auch im Bekanntenkreis haben wir viele Leute die Mitte 30 sind und nur Studiert haben und Praktikas machen. Irgendwann ist es auch mal an der Zeit einfach Einzusteigen.
Wie bereits erwähnt, arbeite ich seit mehr als einem Jahr in dem Bereich, in dem ich später mal tätig sein möchte - zumindest theoretisch.
Allerdings bin ich mit dem Job wirklich sehr unglücklich, da ich zu 90% nur irgendwelche langweiligen und anspruchslosen Aufgaben zugeteilt bekomme, die mit ein bisschen Hausverstand auch eine Person, die nicht vom Fach ist, erledigen könnte. Ich sitze den ganzen Tag im Büro, starre auf den Bildschirm und es gibt überhaupt keine zwischenmenschliche Kommunikation. Meine KollegInnen sind sehr distanziert und ignorieren mich mehr oder weniger (und das seit meinem ersten Arbeitstag). Noch dazu ist die Bezahlung unter jeder Kritik und auch der lange Anfahrtsweg (eine Stunde pro Richtung) nervt mich. Ich bin jetzt schon richtig schlecht gelaunt, weil ich morgen Früh wieder in die Arbeit muss.
Es macht für mich einfach keinen Sinn, noch länger in dieser Firma zu bleiben, da mich dieser Job schon psychisch total fertigmacht. Deshalb möchte ich bis Ende dieses Monats kündigen (wobei ich mir das schon seit einem halben Jahr vornehme), aber ich frage mich, wie es dann weitergehen soll. Einen anderen Job in meinem Bereich bekomme ich nicht und wieder im Callcenter oder im Verkauf anzufangen, wäre doch ein beruflicher Abstieg. Und noch länger in der jetzigen Firma zu bleiben und zu hoffen, dass ich vielleicht irgendwann mal etwas Besseres finde, schaffe ich einfach nicht mehr, da ich wirklich schon mit den Nerven komplett am Ende bin.
Ich bin wirklich bereit für eine Veränderung und weiß auch ganz genau, was ich will. Nur bin ich mir nicht sicher, ob ich meine Vorstellungen auch in die Realität umsetzen kann. Wenn ich wüsste, dass ich es könnte, dann würde ich keine Sekunde darüber nachdenken, den Master abzubrechen.
Vorab mal, ich halte dich keineswegs für einen Versager das ist echt weit davon entfernt und weit auslegbar. Mir fällt oft auf das viele Leute viel zu hohe Erwartungen an die Arbeitswelt haben. Das Jemand seinen Traumjob findet bzw. das tut was ihm Spaß macht und dabei noch einen bomben Lohn bekommt ist wirklich selten.
Vom Hilfsarbeiter im Stahl und Baubereich, bis zur Kaufmannsausbildung und heute bin ich Produktionsleiter und Teamleiter für Großprojekte und Rollouts. Alles davon hatte vor und Nachteile.
Ich habe Tage da kotzt mich der ganze Scheiß echt an und dann habe ich Tage wo ich denke "man mir geht es eigentlich echt gut"
Ich weiß schon, dass es nicht einfach ist, einen Job zu finden, wo man ständig nur das macht, was einem Spaß macht und dabei noch sehr gut bezahlt wird. Man wird immer und überall Tätigkeiten machen müssen, die man weniger gerne macht. Und dass es immer wieder Tage gibt, wo einem alles auf die Nerven geht, ist auch ganz normal. Wichtig ist, dass man sich in der Arbeit wohlfühlt und mit der Gesamtsituation zufrieden ist, das ist für mich viel wichtiger als die Bezahlung. Dennoch habe ich es aber einfach satt, ständig nur für einen Mindestlohn arbeiten zu müssen. Ich muss ja nicht im Geld schwimmen, aber ich möchte mir in meinem Leben ein bisschen was leisten können.