Genau – du bekommst unterschiedliche Rollenangebote vorgesetzt, wenn die Kulturen zu Hause, in der Schule, in der "Gang", im Sportverein etc. nicht identisch sind. Du willst aber überall dazugehören, also entwickelst du ein Repertoire für Situation A, für B, für C usw. – und dann weißt du am Ende nicht mehr, wer du jetzt eigentlich bist (Identität).
Deshalb erscheint es mir wichtig, Kindern zu Hause möglichst viel Freiheit zu geben, sie so zu akzeptieren und zu respektieren, wie sie sich jeweils gerade zeigen. Sie sind ja noch lange nicht "fertig" und suchen nach der für sie selbst passenden Haltung zum Leben. Indem ich da meine Haltung möglichst authentisch lebe, auch erkläre, warum ich etwas tue oder lasse (ohne das als die einzig richtige Verhaltensweise darzustellen), können sie für sich entscheiden, ob sie das auch so versuchen möchten.
Ich hatte das Glück, vier Brüder und in der Kindheit zwei Mütter zu haben – meine richtige und meine Stiefmutter. Auch kannte ich alle vier Großeltern. Und mein Vater starb früh, also war ich auch da gezwungen, mich nach geeigneten Rollenvorbildern umzuschauen. Vermutlich ist da jemand, der alleine und nur mit einem Elternteil aufwächst, nicht so gut dran.