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Gast
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Hallo an die interessierten Ratgeber,
ich muss mir mal meine Sorgen von der Seele schreiben, weil ich etwas getan habe, was ich lange lange Zeit für richtig gehalten habe und nun doch zu bereuen mir einbilde.
Ich habe mein erstes Studium vor gut 2 Jahren abgeschlossen und trotz ernsthafter Bemühungen keine Anstellung gefunden und eingesehen, dass es für mich weitergehen musste. Deshalb habe ich mich für eine Ausbildung als Verwaltungsfachangestellte beworben und wurde auch genommen. Bereits vor Beginn der Ausbildung hatte ich etwas bedenken, das ich mir vorstellen konnte, dass mir die stetige PC-Arbeit und der Umgang mit Gesetzen (auch wenn man den irgendwann aus dem FF beherrscht) nur bedingt liegen würde. Das einzige, womit ich mich motivieren konnte, war der alltägliche Kontakt mit dem Bürger. Nun begann ich also vor einem Jahr die Ausbildung und habe bereits nach einem Monat Bedenken bekommen, ob es der passende Weg ist. Nur schwer konnte ich mich motivieren und einen Sinn in den Tätigkeiten erkennen. In Bezug auf meine verständlicherweise nicht, weil der Ball sehr flach gehalten wurde - sprich ein 8 Stundentag bestand durchaus oft daraus, Kleinstaufgaben abzuarbeiten (mit dem Hinweis, sich bitte ausreichend Zeit zu nehmen) oder einfach nur am PC zu sitzen und zu warten... Das erscheint mir einerseits klar, weil man als Azubi natürlich nicht machen kann, was ein Sachbearbeiter macht. Viel mehr habe ich aber auch in den Tätigkeiten genau dieser seltenst mich erkannt. Viel mehr hat mich eine Welle der Resignation der Mitarbeiter erdrückt, vielleicht habe ich diese auch so wahrgenommen, weil es mir selbst so erging. Die ausbleibende Auslastung hat mich oft grübelnd zu Hause sitzen lassen und hoffen, dass ich das aktuelle Amt einfach schnell überstehe - leider traf das Problem für die meisten der Ämter zu, in denen ich im Rahmen der Ausbildung tätig war. Zudem erdrückte mich dann, dass in vielen Ämtern der Bürgerverkehr stetig abnimmt und sehr viele Stellen sich durch eine im Büro abgekapselte Tätigkeit auszeichnen. Das Gefühl, das Arbeitsleben auf diese Weise verbringen zu müssen, machte mich unendlich traurig. Sicherlich gibt es einige wenige Ämter, in denen der Bürgerverkehr besteht, aber wie hoch ist die Chance, dort hinzukommen.
Im Rahmen der Berufsschule habe ich mich unterfordert gefühlt. Das mag daran liegen, dass ich nicht davon ausgehen konnte, alle Azubis hätten den gleichen Stand. Viel schwerer lag für mich, dass ich für die Gesetze und all die rechtlichen/staatspolitischen Themen kein Interesse aufbringen konnte und der Unterricht auch so an mir vorbeizog. Lernen kann man diese Dinge alle auswendig, aber ich war nicht glücklich damit.
Wie nun angedeutet, habe ich lange überlegt, was ich stattdessen tun kann, habe mich dann für ein Zweitstudium beworben, dass ich nun auch begonnen habe. Ich habe die Ausbildung also aufgegeben und während ich in diesem Moment, als ich die Kündigung abgab, glücklich war, schleichen sich aktuell Zweifel ein, ob ich nicht doch zu naiv war. Mein Herz sagt nein, der Verstand sagt wiederum ja, weil jetzt natürlich das Geld als auch die Sicherheit einer späteren Anstellung weg sind. Darüber war ich mir vorher vollkommen im Klaren, aber da eben jetzt der Moment erst gekommen ist, ist er auch jetzt erst mit all seinen Konsequenzen direkt spürbar. Meine Freunde versuchen mich auch, damit wieder aufzubauen, warum ich mich so entschieden habe, aber momentan sehe ich das nicht ganz so klar, wie es die vorherigen Monate war. Es hat nun fast 1 Jahr gedauert, bis ich mich von den Grundideen zu diesem jetzigen Schritt bewegt habe. Aber es scheint, als wären nun alle Probleme nichtig und ich hätte die Ausbildung einfach so grundlos beendet - sprich ich hätte vollkommen übereilt und ohne weiteres Nachdenken gehandelt. Obwohl dem ja gar nicht mal so ist. Das Gewissen und der Verstand tun aber so...
Manche Kollegen haben zu mir gesagt, ich mache das genau richtig so. Sie scheinen teilweise bemerkt zu haben, dass ich mich schwer getan habe. Mit dem letzten Tag wurde mir gesagt, dass ich doch auch die Ausbildung hätte weitermachen sollen, ich hätte mich auch innerhalb der Verwaltung auf die entsprechenden sozialen Stellen orientieren können. Allerdings halte ich das für beschönigt, viel mehr hatte ich stets das Empfinden, wie alle Azubis Spielball zu sein, da die Ausbildung ja nach Bedarf stattfindet. Der Ausbilder entscheidet auch nach Abschluss über den weiteren Einsatz - ohne Bewerbungsphase. Ein Einsatz in den vorher beschriebenen PC-Positionen wie Kommunalwesen, Finanzverwaltung, Personal etc. hätten mich dabei kaputt gemacht. Als einziges interessierte mich eben in Bezug auf die Ausbildung das Jobcenter - da aber der Bereich Fallmanagement/Arbeitsvermittlung. Hierbei sollte man für meinen Geschmack besonders für ersteres doch ein Studium als Sozialpäd. vorweisen können. Genau das hat aber der AG mir am letzten Tag verneint, dem Motto nach, die Ausbildung wäre dabei besser geeignet gewesen. Diese Aussage hat mich erschüttert, obwohl man ja eigentlich später immer noch eine Weiterbildung - sofern nötig - im Verwaltungsbereich absolvieren könnte.
Eigentlich habe ich damals um die Ausbildung mich bemüht, dann habe ich um das Zweitstudium gekämpft. Weil ich mich mit der Ausbildung und auch dem Berufsalltag kaum gefordert oder gefördert fühlte, noch dazu mich 40 Jahre in der Verwaltung sehe, habe ich meinen Weg noch einmal geändert. Eigentlich kenne ich meine Beweggründe - wie gelingt es mir, diese wieder auch in Bezug auf die Schuldzuweisung des Arbeitgebers am letzten Ausbildungstag - wieder in den Vordergrund zu bringen und mich von dem Gedanken, die Ausbildung wäre richtig gewesen, wieder zu lösen?
Blümelein
ich muss mir mal meine Sorgen von der Seele schreiben, weil ich etwas getan habe, was ich lange lange Zeit für richtig gehalten habe und nun doch zu bereuen mir einbilde.
Ich habe mein erstes Studium vor gut 2 Jahren abgeschlossen und trotz ernsthafter Bemühungen keine Anstellung gefunden und eingesehen, dass es für mich weitergehen musste. Deshalb habe ich mich für eine Ausbildung als Verwaltungsfachangestellte beworben und wurde auch genommen. Bereits vor Beginn der Ausbildung hatte ich etwas bedenken, das ich mir vorstellen konnte, dass mir die stetige PC-Arbeit und der Umgang mit Gesetzen (auch wenn man den irgendwann aus dem FF beherrscht) nur bedingt liegen würde. Das einzige, womit ich mich motivieren konnte, war der alltägliche Kontakt mit dem Bürger. Nun begann ich also vor einem Jahr die Ausbildung und habe bereits nach einem Monat Bedenken bekommen, ob es der passende Weg ist. Nur schwer konnte ich mich motivieren und einen Sinn in den Tätigkeiten erkennen. In Bezug auf meine verständlicherweise nicht, weil der Ball sehr flach gehalten wurde - sprich ein 8 Stundentag bestand durchaus oft daraus, Kleinstaufgaben abzuarbeiten (mit dem Hinweis, sich bitte ausreichend Zeit zu nehmen) oder einfach nur am PC zu sitzen und zu warten... Das erscheint mir einerseits klar, weil man als Azubi natürlich nicht machen kann, was ein Sachbearbeiter macht. Viel mehr habe ich aber auch in den Tätigkeiten genau dieser seltenst mich erkannt. Viel mehr hat mich eine Welle der Resignation der Mitarbeiter erdrückt, vielleicht habe ich diese auch so wahrgenommen, weil es mir selbst so erging. Die ausbleibende Auslastung hat mich oft grübelnd zu Hause sitzen lassen und hoffen, dass ich das aktuelle Amt einfach schnell überstehe - leider traf das Problem für die meisten der Ämter zu, in denen ich im Rahmen der Ausbildung tätig war. Zudem erdrückte mich dann, dass in vielen Ämtern der Bürgerverkehr stetig abnimmt und sehr viele Stellen sich durch eine im Büro abgekapselte Tätigkeit auszeichnen. Das Gefühl, das Arbeitsleben auf diese Weise verbringen zu müssen, machte mich unendlich traurig. Sicherlich gibt es einige wenige Ämter, in denen der Bürgerverkehr besteht, aber wie hoch ist die Chance, dort hinzukommen.
Im Rahmen der Berufsschule habe ich mich unterfordert gefühlt. Das mag daran liegen, dass ich nicht davon ausgehen konnte, alle Azubis hätten den gleichen Stand. Viel schwerer lag für mich, dass ich für die Gesetze und all die rechtlichen/staatspolitischen Themen kein Interesse aufbringen konnte und der Unterricht auch so an mir vorbeizog. Lernen kann man diese Dinge alle auswendig, aber ich war nicht glücklich damit.
Wie nun angedeutet, habe ich lange überlegt, was ich stattdessen tun kann, habe mich dann für ein Zweitstudium beworben, dass ich nun auch begonnen habe. Ich habe die Ausbildung also aufgegeben und während ich in diesem Moment, als ich die Kündigung abgab, glücklich war, schleichen sich aktuell Zweifel ein, ob ich nicht doch zu naiv war. Mein Herz sagt nein, der Verstand sagt wiederum ja, weil jetzt natürlich das Geld als auch die Sicherheit einer späteren Anstellung weg sind. Darüber war ich mir vorher vollkommen im Klaren, aber da eben jetzt der Moment erst gekommen ist, ist er auch jetzt erst mit all seinen Konsequenzen direkt spürbar. Meine Freunde versuchen mich auch, damit wieder aufzubauen, warum ich mich so entschieden habe, aber momentan sehe ich das nicht ganz so klar, wie es die vorherigen Monate war. Es hat nun fast 1 Jahr gedauert, bis ich mich von den Grundideen zu diesem jetzigen Schritt bewegt habe. Aber es scheint, als wären nun alle Probleme nichtig und ich hätte die Ausbildung einfach so grundlos beendet - sprich ich hätte vollkommen übereilt und ohne weiteres Nachdenken gehandelt. Obwohl dem ja gar nicht mal so ist. Das Gewissen und der Verstand tun aber so...
Manche Kollegen haben zu mir gesagt, ich mache das genau richtig so. Sie scheinen teilweise bemerkt zu haben, dass ich mich schwer getan habe. Mit dem letzten Tag wurde mir gesagt, dass ich doch auch die Ausbildung hätte weitermachen sollen, ich hätte mich auch innerhalb der Verwaltung auf die entsprechenden sozialen Stellen orientieren können. Allerdings halte ich das für beschönigt, viel mehr hatte ich stets das Empfinden, wie alle Azubis Spielball zu sein, da die Ausbildung ja nach Bedarf stattfindet. Der Ausbilder entscheidet auch nach Abschluss über den weiteren Einsatz - ohne Bewerbungsphase. Ein Einsatz in den vorher beschriebenen PC-Positionen wie Kommunalwesen, Finanzverwaltung, Personal etc. hätten mich dabei kaputt gemacht. Als einziges interessierte mich eben in Bezug auf die Ausbildung das Jobcenter - da aber der Bereich Fallmanagement/Arbeitsvermittlung. Hierbei sollte man für meinen Geschmack besonders für ersteres doch ein Studium als Sozialpäd. vorweisen können. Genau das hat aber der AG mir am letzten Tag verneint, dem Motto nach, die Ausbildung wäre dabei besser geeignet gewesen. Diese Aussage hat mich erschüttert, obwohl man ja eigentlich später immer noch eine Weiterbildung - sofern nötig - im Verwaltungsbereich absolvieren könnte.
Eigentlich habe ich damals um die Ausbildung mich bemüht, dann habe ich um das Zweitstudium gekämpft. Weil ich mich mit der Ausbildung und auch dem Berufsalltag kaum gefordert oder gefördert fühlte, noch dazu mich 40 Jahre in der Verwaltung sehe, habe ich meinen Weg noch einmal geändert. Eigentlich kenne ich meine Beweggründe - wie gelingt es mir, diese wieder auch in Bezug auf die Schuldzuweisung des Arbeitgebers am letzten Ausbildungstag - wieder in den Vordergrund zu bringen und mich von dem Gedanken, die Ausbildung wäre richtig gewesen, wieder zu lösen?
Blümelein