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Ausbildung abbrechen - oder nicht?

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Gast

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Hallo,

dies wird eine etwas längere Geschichte - da ich alle Sichtpunkte und Eventualitäten für einen Rat von euch vorab mitteilen möchte.

Ich (22) habe Ende 2010 mein zweijähriges Berufskolleg Technik abgebrochen, da ich mich mathematisch nicht in der Lage dazu sah, die Prüfungen zu bestehen. Daraufhin schrieb ich Bewerbungen um Bewerbungen - ca. 100-200 Stück. Wurde ein mal zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen - bei einem großen Telekommunikationsunternehmen (keine Schleichwerbung). Dort wurde ich aber, obwohl sogar meine Mitbewerber bei den "Gruppenvorstellungsgesprächen" sagten, ich hätte eine Stelle sicher, abgelehnt. Einen Grund dafür bekam ich nach mehrmaligem Nachfragen nicht.

Durch einen Bekannten bekam ich dann Anfang 2011 einen Praktikumsplatz für ein Einstiegsqualifikationspraktikum in einer Werbeagentur. (Ich bin/war zu dem Zeitpunkt schon fit in: HTML, CSS, Joomla, Photoshop und weiteren Sachen).

Die ersten 6 Monate war ich also ein "Praktikant" und dachte mir nichts dabei, nichts zu lernen, "Scheißarbeiten" zu erledigen und so weiter. Im Juli/August 2011 wurde ich aber als Azubi eingestellt - mit wiederholter Probezeit (ist das eigentlich zulässig wenn ich als Praktikant schon eine Probezeit hatte?). Und es ging genauso weiter... ich lernte nichts, durfte Milch kaufen gehen, Kaffee kochen, und alles was meine Arbeit beinhaltete war "Copy & Paste".

Achja, mein Ausbildungsberuf nennt sich "Mediengestalter Digital & Print - Gestaltung und Technik" - in meinem Betrieb lerne ich die "Non-Print"-Variante. Ich arbeite also größtenteils nur an Webseiten.

Meine Arbeit sieht aber eher nach einem "Datenbankbefüller" aus - sollte es sowas geben, denn ich mache nichts Anderes als den ganzen Tag Beiträge, Einträge, Menüpunkte, Module und co. auszufüllen bzw. Inhalte aus einem Word/Editordokument rauszukopieren und in unser CMS einzufügen.

Ich habe seit ich dort arbeite - also seit rund 2 Jahren - NICHTS gelernt. Die Bezahlung als Azubi ist in meinem Betrieb ebenfalls unter aller Sau, alle aus meiner Berufsschulklasse verdienen im Schnitt 100-250€ mehr. Mein Arbeitsplatz ist ebenfalls nicht wirklich der "Beste" - meine USB Ports an meinem Rechner funktionieren nicht mal, der Card-Reader (brauchen wir meistens für SD-Karten aus unseren SLR-Kameras) ist scheinbar nur Attrappe (habe dank meinen Hardwarekenntnissen schon versucht ihn anzuschließen, aber er ist wohl kaputt...) mein Bildschirm lässt sich nicht mehr schwenken, nach oben einstellen oder sonst irgendeine Neigung ausführen. Das heißt ich gucke den ganzen Tag nach unten. Der Stuhl auf dem ich sitze, fällt fast auseinander - ein geläufiger Bürodrehstuhl, aber anlehnen ist nicht, muss den ganzen Tag starr dasitzen, was sich inzwischen auf meinen Rücken auswirkt. Ich darf als Azubi alle 2-4 Wochen das Büro putzen, saugen und ständig den Müll rausbringen - was bringt mir das für meine Ausbildung? Nunja, ich könnte jetzt noch stundenlang über die Zustände weiter reden, aber zu sehr ins Detail möchte ich dann doch nicht gehen, da es sonst noch heißt, ich würde übertreiben, aber eine "Geschichte" muss ich noch erzählen. Im Betrieb trinken genau zwei Leute Milch. Der Chef in seinem Kaffee, und mein "eigentlicher Ausbilder" in seinem Kakao. Wenn Milch abläuft, wird sie sauer - dürfte jedem geläufig sein - wenn Milch dann noch länger rumsteht, wird sie klumpig. Und die beiden kriegen es nicht auf die Reihe abgelaufene Milch einfach weg zu gießen und die Tetra Packs weg zu schmeißen, nein! Sie lassen die abgelaufene Milch einfach in der Nähe der Spüle wochenlang stehen. Und wenn es wieder heiß, dass ich die Küche sauber machen darf, darf ich geschätzte 10-15 Tetra Packs mit klumpiger Milch entsorgen - jedes Mal kommt einem fast die "Kotze" hoch - tut mir leid für das Wort, aber es ist schlichtweg so.

So, das Problem an der ganzen Geschichte ist folgendes:
Menschlich gesehen, ist mein Chef absolut in Ordnung. Sogar vorbildlich, und wahrscheinlich hätte das kein Chef der Welt für mich getan, aber er schon! Er hat mir Geld geliehen, als mein Mitbewohner aus meiner alten Wohnung gezogen ist, und ich keine neue Wohnung fand und die Miete zahlen musste. Er hat mir geholfen eine neue Wohnung zu finden, in der ich nun wohne, und ich habe immer noch Schulden bei ihm! Habe einen Dispokredit mit ca. 1500€ aufgenommen, um meine damalige Wohnung halten zu können, und die Ausbildung fortzusetzen - wäre ich ausgezogen, hätte ich auch die Ausbildung abbrechen müssen, da meine Mutter ca. 3 1/2 Stunden mit dem Zug entfernt wohnt, und mein Vater rund 8 Stunden mit dem Zug entfernt wohnt. Meine Mutter ist erwerbslos, da sie gesundheitlich nicht mehr arbeiten darf, und kann mich daher finanziell nicht unterstützen. Mein Vater ist selbstständig und sein Geschäft läuft seit 4-5 Jahren nicht mehr sonderlich profitabel, weshalb auch er mich nicht finanziell unterstützen kann.

Ich kann daher eigentlich meine Ausbildung nicht abbrechen da ich ca. 2000-2300€ Schulden habe.
1500€ bei der Bank
400€ bei meinem Chef
und noch ca. 230€ Mietschulden bei meiner alten Wohnung.

Jedoch melde ich mich in den letzten 6 Monaten sehr häufig krank, oder nehme mir öfters Urlaub, da es mich mental so sehr belastet so unterfordert zu sein. Mich macht es depressiv im Endeffekt nur zu arbeiten um die Schulden nicht wachsen zu lassen. Die Einzigen die ich derzeit nämlich abarbeite sind meine Mietschulden, da mehr noch nicht möglich ist.

Meine Ausbildung ist in meinen Augen keine Ausbildung, ich werde als billige Arbeitskraft ausgenutzt, und übernehme als Azubi viel zu viel Verantwortung, da ich mit meinem Mit-Azubi alle Web-Projekte leite, ohne "Aufsicht". Nur unser Chef schaut ab und an mal "drüber" um sein "Ok" zu geben, das ist aber auch alles.

Ich habe mir kreative Arbeit anders vorgestellt. Doch ich habe weder Mitspracherecht an Designs, noch werde ich in Kundengespräche involviert. Das Einzige was ich "kreatives" machen darf, ist die Umsetzung einiger Designs - jedoch passiert das natürlich am seltensten, da wir so viele Aufträge nicht haben, dass ich das dauerhaft machen dürfte.

Deswegen sitz ich zu 90% meiner Arbeitszeit da, und mache meine Arbeit mit zwei Tastenkombinationen, wenn ich nicht gerade Milch kaufen bin, Müll rausbringen muss, oder die Küche sauber machen darf.

Bezüglich der finanziellen Lage: Ich bekomme Kindergeld, ich bekomme BAB und mein Gehalt. Jedoch beläuft sich das trotzdem unterhalb der "Armutsgrenze" in Deutschland, also unter 900€.

Wenn es mich nicht so belasten würde die letzten Monate, würde ich sagen - Hey ziehs durch, es sind nur noch 1 1/2 Jahre, aber es belastet mich von Tag zu Tag mehr, weshalb ich inzwischen schon Schlafstörungen habe, und "Angst" vor dem nächsten Tag. Wovor weiß ich nicht genau, aber es fühlt sich einfach so an, als würde ich mein Hirn derart unterfordern, dass es irgendwann anfängt sich "abzubauen" - oder was weiß ich denn... in der Schule komme ich bei allen Fächern in denen ich Vorkentnisse mitgebracht habe super mit und bin überdurchschnittlich gut, in allen Print-Bereichen habe ich jedoch kaum eine Chance mitzukommen, da wir im Blockunterricht meist nicht viel Zeit haben um Themen "groß" anzugehen.


Ich weiß nicht genau was ich machen soll, und wende mich daher an euch.. ich habe schon mit vielen Leuten darüber geredet, aber alles waren Verwandte oder Bekannte, und die erwarten natürlich förmlich von mir, dass ich das durchziehe, weil ich sonst als "Versager" dastehe. Deswegen interessiert mich eine nüchtern betrachte neutrale Meinung.

Achja damit vielleicht wirklich keine weiteren Fragen auftreten:
Ich habe mich ebenfalls schon bei der IHK beschwert, die meinen ich solle kündigen wenn es mir nicht passt - ansonsten kommt da auch nichts. Ausbildungszeitverkürzung gibt es nur mit Zustimmung des Chefs... die ich aber nicht kriegen werde. Und... ja, ich hoffe ich habe alle Fragen schon vorweg beantwortet, wenn nicht, einfach nochmal fragen.
 
Hi Gast,

einfach kündigen solltest du besser nicht. Das sieht auf dem Lebenslauf sehr, sehr schlecht aus. Mein Rat wäre: such dir einen anderen Ausbildungsbetrieb. Ich habe selbst im Bekanntenkreis jemanden, der den Betrieb gewechselt hat, weil er unterfordert war und in einem Jahr so gut wie nichts gelernt hat. Hat ganz unkompliziert geklappt und jetzt ist er super glücklich. Das einzige was ihn geärgert hat war, dass er auf die Idee nicht schon früher kam 😉 Wenn du dir also sicher bist, dass du diese Ausbildung weiter machen willst und dich der Bereich auch interessiert und du nicht nur etwas tust, nur um eine Ausbildung zu haben, dann bewirb dich bei einem anderen Unternehmen. Das ist besser als einen Abschluss in einem Betrieb zu machen, der dich nur die Hälfte, wenn überhaupt, lehrt und du später keine Arbeit findest, weil du deinen Beruf nicht genug beherrscht.

Ansonsten kann ich dir nur sagen, Lehrjahre sind keine Herrenjahre. Dass Azubis öfter mal ungeliebte Arbeiten aufgedrückt bekommen, ist ja nun nicht neu. Da musste jeder mal durch. Chaotische Chefs und Kollegen gibt es überall. Wenn du für die Besorgung der Getränke und Milch zuständig bist, dann besorge doch für deinen Chef diese kleinen Kaffeesahnepäckchen, die man einfach nur aufreißt, ausleert und dann in den Müll schmeißen kann. Die sind auch nicht teurer als Milch, halten sehr lange und vermeiden sauer gewordene große Milchpackungen. Weigere dich, weitere Milchpackungen zu kaufen, bevor die anderen leer sind. Dieses Prozedere solltest du mit deinem Chef besprechen. Ein kleiner Zettel vor dem Kühlschrank wäre auch noch eine Möglichkeit: Bitte erst die Packungen leer machen, dann gibts Nachschub. Oder so ähnlich. Es braucht auch nicht jeder eine eigene Milchpackung.

Was die Arbeitsbedingungen angeht, so scheue dich nicht, dich an den Chef zu wenden. Du brauchst adäquate Ausbildungsausrüstung (Bürostuhl, PC, etc.). Das ist Aufgabe deines Chefs und das solltest du ihm auch sagen. Wenn er dir sogar Geld leiht, sollte er doch ein umgänglicher Typ sein, dem man solche Anliegen vortragen kann, oder?

Viel Erfolg 🙂
 
Hallo Pink_Sweater,

sehe gerade habe vergessen anzumerken, dass ich mich in der Region und auch außerhalb der Region bemüht habe, einen Betrieb zu finden, der mich ins 2. oder 3. Lehrjahr aufnimmt, möchte aber kein Betrieb. Sie bieten mir zwar an, mich für eine Ausbildungsstelle zu bewerben, aber dann vom 1. Lehrjahr aus wieder. Und das will ich eigentlich nicht noch einmal. Bezüglich der Kaffeesahne.. ja.. hab ich schon häufiger versucht, mein Chef besteht aber auf frische Vollmilch. Klingt komisch, ist aber so.

Und mein Chef ist sich keiner Ausrede verlegen, wenn es um neue Beschaffungen geht, ich kann ja an einen anderen PC für USB-Probleme und SD-Karten Probleme gehen, usw... usf... mich macht das alles halt mental einfach so fertig, dass ich Tag für Tag weniger Lust habe dahin zu gehen - und ja das geht!
 
Mir ging es damals auch so und ich denke es liegt an der Branche. Ich hab einen ähnlichen Beruf gelernt und 80% meiner Berufsschulkollegen machten dasselbe durch. So schön dieser Beruf auch sein kann, eine Lehre würde ich nicht nochmals machen..

Meine Ausbildung (in Österreich) hätte 3,5 Jahre gedauert und nach 2 Jahren hab ich das Handtuch geworfen, da ich sowas von unterfordert war und mir das richtig an die Psyche ging. Ich hab die Lehre dann außerordentlich fertig gemacht. Sprich ich hab die Berufsschule besucht und mir selbst bzw. durch das eine oder andere Praktikum die Kenntnisse für die LAP angelernt. Natürlich bin ich bei Vorstellungsgesprächen oft darauf angesprochen worden, da man automatisch in die Zieht-Nichts-Durch oder Zu-Faul-Schublade gesteckt wird. Aber du musst dann einfach zeigen, dass du nicht dazu gemacht bist auf der faulen Haut rumzusitzen und einfach sinnvolle Beschäftigung willst.

Ich würde nur nicht abbrechen ohne etwas neues in der Hand zu haben. Aus eigener Erfahrung ist es ziemlich schwierig einen Ausbildungsbetrieb zu finden, der einen übernehmen will. Vielleicht erkundigst du dich mal ob eine außerordentliche Prüfung für dich möglich wäre? Voraussetzung ist, dass du ehrgeizig genug bist dir für deine Prüfung alles alleine anzueignen oder ein Praktikum zu suchen! Bis zur Prüfung könntest du ja auch irgendwo als Hilfsarbeiter oder beispielsweise an einer Tankstelle jobben, um mehr Geld zu verdienen und deine Schulden abzubauen.

Wenn du deinen Chef noch nicht angesprochen hast, würde ich dies allerdings als erstes versuchen! Sag wie es ist, dass du dir mehr zutraust und unterfordert bist. Klar, den Müll raustragen wird dir nun kein Fachmann abnehmen, das gehört zur Ausbildung dazu. 😉 Aber sprich zuerst mal mit deinem Chef darüber!

LG
 
Guten Abend,

ich komme beruflich aus einer ähnlichen Ecke. Der Medienbereich kann hart sein. Ich kenne auch jemanden, der es in seinem Ausbildungsbetrieb auch nicht mehr ausgehalten hat. Ich würde dir empfehlen, der Gewerkschaft beizutreten. Als Azubi bezahlst du sowieso kaum Mitgliedergebühr. Dann erzählst du dort deine Probleme. Der Vorteil ist, dass du auch soweit ich weiß, rechtlich beraten wirst und dir ein Anwalt (notfalls, wenn alle Stricke reißen) zur Seite gestellt wird. Dass die IHK so reagiert, finde ich ungewöhnlich. Entweder sehen sie da keinen richtigen Leidensdruck, oder du hattest einfach nur Pech. Es ist Fakt, dass du dir durch die IHK einen anderen Ausbildungsbetrieb suchen kannst und dort deine Ausbildung fortsetzen kannst, ohne zeitliche Einbußen zu machen. Es würde sogar in der Endphase sogar theoretisch gehen, dass du nicht mehr im Betrieb bist, aber zur Abschlussprüfung erscheinen darfst. Aber das geht nicht in jedem Fall und ist eigentlich auch nur eine absolute Ausnahmesituation.

Und jetzt mal meine persönliche Meinung dazu: Vieles, was du gerade erlebst, ist der normale Arbeitswahnsinn. Ich kann deinen Leidensdruck verstehen - aber vielleicht solltest du für dich auch mal in einer ruhigen Minute klären, ob du diesen Beruf auch wirklich in Zukunft ausüben möchtest und dein Herz dran hängt. Hast du dir das vielleicht nicht alles anders vorgestellt? Das passiert vielen, gerade im Medienbereich. Ansonsten: Zähne zusammenbeißen. Die Arbeitswelt ist nunmal leider nicht immer einfach. Die Ausbildungszeit ist in den meisten Fällen hart, auf viele verschiedene Arten. Als Azubi bist du nunmal leider oft der Depp vom Dienst. Dabei darf aber das Lernen nicht zu kurz kommen und es sollte auch gute Zeiten geben 😉. Lernen musst du was.

Du musst abwägen, ob das gute Verhalten deines Chefs nicht doch die störenden Kleinigkeiten aufwiegt. Hast du die Missstände auch wirklich mal sachlich und ernsthaft in deiner Arbeit angesprochen? Das habe ich bis jetzt noch nicht rauslesen können. Nur wer spricht, dem kann eventuell geholfen werden. Manche Leute bemerken bestimmte Dinge auch erst, wenn man sie darauf anspricht. Wenn es nicht klappt, kannst du dir zumindest keine Vorwürfe machen. Du musst jetzt die Zähne zusammenbeißen. DU hast deine Zukunft in der Hand. Wenn du hinschmeißt, musst du dir im Klaren darüber sein, dass es sich negativ auswirken kann. Oder, dass du es vielleicht tust, weil du einigen Dingen noch nicht so gewachsen bist und dass auch ein Teilproblem sein könnte.

Jedoch beläuft sich das trotzdem unterhalb der "Armutsgrenze" in Deutschland, also unter 900€.

Okay, ich erzähle dir mal etwas von mir: Ich habe noch weniger Geld zur Verfügung gehabt. Ich musste neben der Ausbildung arbeiten gehen, damit ich überleben konnte. Ich hatte bei weitem nicht mal 200 Euro im Monat für mich zum Leben und "verprassen" - Fahrtkosten zum Pendeln musste ich komplett alleine zahlen, das war meinem Betrieb egal. Aber, ich habe es durchgezogen, weil ich die Ausbildung machen wollte. Und weil mir meine persönliche Freiheit immer wichtiger als alles andere war. Es war eine beschissene Zeit, das gebe ich ganz ehrlich zu, aber es waren auch aus vielerlei Hinsicht wichtige Jahre. Natürlich muss nicht jeder diese Erfahrungen machen - aber wer will, der kann und manchmal muss man eben durch eine harte Phase gehen. Der eine mehr, der andere weniger. Ich will dir das nicht erzählen, um dich runterzumachen oder ähnliches. Sondern, dass es einfach auch schwierig sein kann, man aber dabei viel für sich mitnehmen kann, das aber auch später nur so empfindet, wenn man die Ausbildung auch wirklich machen wollte oder man hinter seinen Entscheidungen gestanden hat.

Ich kenne BAB. Ich weiß nicht deinen genauen Satz, aber es ist "viel". Oder anders gesagt, in Kombination mit einem Ausbildungsgehalt reicht es zum Überleben, wenn man eine kleine und günstigere Wohnung hat. Dass man in der Ausbildung sich nicht viel Luxus leisten kann, sollte klar sein. Da muss man Abstriche machen. Das bedeutet dann mitunter auch wie gesagt eine kleinere Wohnung oder WG. Ich weiß zwar nicht, welche Vorstellungen du vom "gut leben" hast, aber für mich heißt das, sich keine Sorgen um das Essen machen zu müssen, dass die Miete bezahlt ist und man ab und zu mit Freunden einen Trinken oder ins Kino gehen kann.

Ich vermute einfach mal, dass dir einige Teile meiner Antwort etwas sauer aufstoßen werden. Empfinde sie aber nicht als Kritik, sondern als Denkanstoß. Du musst jetzt für dich eine wichtige Entscheidung treffen - und da spielen meiner Meinung nach mehr Faktoren mit, als nur "Der Betrieb ist schlecht" oder "Ich lerne nichts während meiner Ausbildung".


Liebe Grüße

Findefuchs
 
Hallo nochmal,

also, ich habe mit meinem Chef darüber schon geredet, und da kommen halt die ewigen Ausreden wie "Einer muss es ja machen" oder "Das stimmt ja so gar nicht" und bla bla bla.

@Findefuchs:

Also, ich kann mit meinem Geld (es gibt hier keine wirklich "günstigen" Wohnungen - dies ist auch ein Trugschluss des Arbeitsamtes... wenn die Miete unter 170€ beträgt - WO gibts sowas noch?!) nicht wirklich auskommen, muss jeden Euro am Ende des Monats zehnmal umdrehen, um wirklich noch genug Essen zu haben - d.h. irgendwas besonders billiges in Massen kaufen - Kino? Haha, guter Witz. Trinken gehen? Guter Witz. Klamotten leisten? Guter Witz! Ich wünschte es wäre so!.. Aber es ist nicht so, ich lauf immer noch mit den gleichen Klamotten wie vor 5 Jahren rum, weil ich kein Geld für neue habe.
 
Von wie viel Geld reden wir (ungefähr?). "Unter 900 Euro" kann alles bedeuten und liegt im Bereich zwischen 1-900 Euro 😉. Aber ich verstehe schon, dass dir die Gesamtsituation zu schaffen macht und du einen gewissen Leidensdruck hast und um das Geld geht es nicht hauptsächlich. Da scheint dich vieles zu überrennen. Dir wird - in meinen Augen - nichts anderes übrig bleiben, als dir einen neuen Ausbildungsplatz zu suchen. Wie das funktionieren könnte, habe ich ja schon in meinem letzten Beitrag geschrieben. Anscheinend lassen sich die Schwierigkeiten und Differenzen nicht wirklich klären. Hast du schon mal WGs ins Auge gefasst? Du wirst zwar nicht auf die 170 Euro kommen, aber sicherlich mitunter auf eine günstigere Miete, als wenn du alleine lebst. Ich weiß, das ist alles ziemlicher Mist und man ist gefrustet. Ich hatte mal in meiner schlimmsten Zeit 3 Wochen nur Nudeln und Pesto zu essen. Erinnert mich noch heute an diese Zeit, wenn ich das vorgesetzt bekomme 😀.

Oder, du wirfst deine Ausbildung hin, weil sie dir nichts gibt und du dir das anders vorgestellt hast. Würden dich denn die Themeninhalte prinzipiell interessieren? Was erwartest du dir von deinem Ausbildungsberuf? Gehe da aber nicht einfach so raus, sondern suche dir vorher was anderes.

Du musst für dich die Entscheidung treffen, die sich für dich und deine Zukunft am besten bewährt. Und die du im Idealfall später nicht bereust.


Liebe Grüße

Findefuchs
 
Naja, wenn du's genau wissen willst, sind es ~840€

Davon gehen 280€ Miete ab, 30€ Internet, 36€ Regiokarte, 35€ noch laufender Handyvertrag, 50€ Mietrückzahlung, ~80-100€ Nebenkosten (Strom+Gas), 9-10€ Müll (einmal im Jahr ~110€), alle 3 Monate rund ~20-30€ Zinsen für Dispo - also ca. 10€/monat, da bleiben halt rund 300€ zum leben.. mal mehr, mal weniger, je nach Telefonrechnung/Handyrechnung/Nebenkostenabrechnung usw... die letzten 3 Monate musste ich jeden Monat noch 50€ für meinen Zahnarzt zahlen, weil Wurzelkanalbehandlungen gemacht werden mussten...

Eine WG hatte ich vorher, und da habe ich einfach so schlechte Erfahrungen gemacht, dass ich das, wenn es IRGENDWIE möglich ist, vermeiden möchte. Und wie findet man einen neuen Ausbildungsplatz wenn andere Agenturen nicht mal auf Fragen/Initiativbewerbungen oder Anrufe reagieren oder sich nur rausreden?... Telefonate habe ich zwar nur hier mit den lokalen/regionalen Agenturen geführt, und ganz bundesweit möchte ich eigentlich auch nicht gehen. Es gäbe 1-2 Regionen in denen ich auch noch bereit wäre "hinzuziehen": Richtung Köln/Frankfurt die Ecke und Hamburg. Dorthin habe ich bisher Anfragen via Mail/Post oder sogar Initiativbewerbungen hingeschickt... aber bis dato keine Antworten erhalten (ist ca. 3-4 Monate her)
 
Ganz schön verzwickte Lage. Meiner Erfahrung nach läuft im Medienbereich viel über ein Praktikum. Selbst in meiner früheren Arbeitsstelle waren die meisten Azubis frühere Praktikanten. Das hilft dir aber nicht weiter, da du im Moment arbeiten musst und in einem Ausbildungsverhältnis bist.

Ich weiß, dass die IHK Betriebe an der Hand hat, die "einspringen", wenn es mit einem Ausbildungsbetrieb mal nicht so klappt und ein Azubi wechseln möchte. Und hier ist der Knackpunkt, die IHK scheint nicht von deinem Leidensdruck überzeugt zu sein. Deswegen würde ich da nochmal Druck machen. Notfalls würde ich mich mal mit der Gewerkschaft zusammensetzen und beratschlagen, die vertreten auch Azubis und beraten sie. Ich kenne jemanden, da war es so ähnlich wie bei dir und da hat sich die Gewerkschaft die betroffene Person beraten und sich damals mit der IHK in Verbindung gesetzt.

Vielleicht könntest du auch mal mit einem Lehrer deiner Berufsschule reden, dem du vertraust. Es kommt gar nicht so selten vor, dass die auch vermitteln. Und es hat dann noch einen anderen Touch, wenn ein Lehrer mit deinem Chef redet. Viele Lehrer haben damit auch schon Erfahrung und wissen, wie man bestimmte Themen am besten anspricht. Auch kennt die Berufsschule oft auch Betriebe, die da notfalls die Ausbildung weiter fortführen, wenn es einfach nicht mehr mit dem alten Betrieb geht.

So einfach "gehen" und "hinschmeißen" würde ich nicht, wenn dir die Ausbildung an sich wichtig ist. Aus der ganzen Sache wirst du wohl nur gut herauskommen, wenn du dir noch jemanden ins Boot holst, wenn deine Versuche, mit deinem Chef vernünftig zu reden, fehlgeschlagen sind.

Was hast du denn in deine Bewerbungen reingeschrieben? Also, warum du dich bei den Betrieben bewirbst. Hast du das Thema angesprochen, dass du aktuell noch Azubi bist? Ich kann mir gut vorstellen, dass es für Betriebe ein heißes Eisen ist, weil es immer etwas schwer und kompliziert ist, einen Azubi auszubilden und zu sich zu holen, wenn er vorher noch woanders in Ausbildung ist. Die IHK/HWK steht in dem Fall trotzdem über der ganzen Angelegenheit und muss bescheid wissen und benachrichtigt werden. Wenn du also z. B. nur schreibst, dass du den Betrieb wechseln möchtest, aber das ohne die IHK als Unterstützung machst (die ja wiederum eigene Betriebe in der Hinderhand haben, die da helfen), dann kann sich das mitunter etwas seltsam anhören. Lieferst du zu deinen Bewerbungen Probearbeiten mit ab oder zumindest Dateien/Ausdrucke, die einen Einblick in dein Können gewähren? So kenne ich es eigentlich in dem Bereich.


Liebe Grüße

Findefuchs
 

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