Bergsteigerin
Aktives Mitglied
Lieber Andreas,
du hast ja schon recht viele Erfahrungsberichte zum Austreten und ein paar wenige zum Bleiben bekommen. Einen richtigen Rat kann man dir eh nicht geben, weil du, wie du selber erkannt hast, es im Grunde alleine Entscheiden musst. Egal ob jemand hier von negativen oder von positiven Erlebnissen berichtet, wichtig sind deine Erlebnisse und nicht die von anderen. Bevor ich mich hier einreihe und von meinen Erlebnissen berichte, möchte ich noch anmerken, dass ich es komisch fände, in der Kirche zu bleiben, obwohl mir das total zuwider ist, nur weil ja vielleicht mal mein Partner wert auf eine kirchliche Hochzeit legen könnte o. ä. Wenn es deine Überzeugung ist, dass du da nichts verloren hast, wenn du vielleicht sogar das Gefühl hast, die Zugehörigkeit, würde dir irgendwie schaden, dann sollte mein Partner und mein Umfeld das akzeptieren.
Mir persönlich ist die Zugehörigkeit zu dieser Gemeinschaft, die sich röm.-kath. Kirche nennt, sehr wichtig. Auch wenn ich viele Dinge kritisch sehe, bei weitem nicht mit allem übereinstimme und manchmal auf Menschen treffen, wo ich echt nur den Kopf schütteln kann, käme es für mich nicht in Frage, auszutreten.
Für mich hat die Kirche überhaupt keine Ähnlichkeit mit einem Verein. Klar, bei einem Verein, dessen Ziele ich nicht mehr Teile oder dessen Aktivitäten mir gleichgültig geworden sind, oder dessen Vorstandschaft mir irgendwann absolut gegen den Strich geht, bei dem hab ich keine Lust mehr, mich zu engagieren. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass ich früher oder später austrete.
Aber für mich ist die Kirche kein Verein. Sie ist Heimat. Das Dorf in dem ich aufgewachsen bin, wird für mich auch dann noch Heimat sein, wenn eine Bürgerinitiative irgendeinen Mist durch bringt, mit dem ich überhaupt nicht einverstanden bin, es wird auch dann noch Heimat sein, wenn in der Gemeinderatssitzung Punkte verabschiedet werden, die mir ganz und gar nicht gefallen und es wird auch dann noch Heimat sein, wenn ich den Eindruck habe, dass immer mehr Streit und Missgunst herrscht. Das alles kann mein Zugehörigkeitsgefühl nicht wirklich schmälern. Sicher wird es mir weh tun, sowas zu erleben und je mehr mir der Ort Heimat ist, desto mehr tut es weh. Oder umgekehrt, wenn mich mit diesem Ort nichts mehr verbindet, ist es mir ziemlich egal, was dort los ist.
Weißt du, ich hab als Kind schon gute Erfahrungen gemacht in meiner Heimatpfarrei. Ich bin gern zum Gottesdienst gegangen und das ganz ohne schwungvolle, moderne Lieder und kindgerechte Predigten, wie sie inzwischen ja häufig vorkommen. Ich hab gestaunt über die vielen unbekannten Dinge, die es da zu sehen gab, hab die seltsamen Gerüche gemocht und die geheimnisvollen Worte. Ich hab mich wohlgefühlt, dazuzugehören und ich hab die Lieder schon mitgesummt, bevor ich ein Wort verstanden hab, geschweige denn lesen konnte. Als Teenager hatte ich dann auch so eine Zeit, wo ich das alles langweilig fand und keine Lust mehr hatte. Ich hab angefangen, die Dinge kritisch zu hinterfragen und bin damit erstmal auf taube Ohren gestoßen. Trotzdem riss die Verbindung nicht ab, weil mir dann die plötzlich aufkommenden Jugengottesdienste u. ä. viel Freude machten und ich mich in der Jugendarbeit engagierte. Glaube war da gar nicht mehr wichtig. Die Aktionen machten einfach Spaß. Aber irgendwann reichte mir das nicht mehr und ich fing wieder mehr an, mich mehr mit den Inhalten zu beschäftigen. Ich stieß wieder auf dieselben Kritikpunkte, wie zuvor schon mal, aber ich fand teilweise neue interessante Antworten, mit denen ich mich identifizieren konnte. Ich stieß auf eine Weite und Vielfalt, die ich "meiner Kirche" gar nicht zugetraut hatte. Und da wo immer noch zu viel Enge herrscht, treffe ich auf Menschen, die trotzdem diese Weite leben und verbreiten und damit die Zwänge Stück für Stück aufbrechen.
Glaube und Gott ohne Kirche... Also mir würde das sehr viel schwerer fallen. Die Zugehörigkeit zur Gemeinschaft hilft mir, den Glauben auch zu leben und die Verbindung zu Gott zu halten. Und dabei ist es überhaupt kein Hindernis, dass diese Gemeinschaft sehr heterogen ist und viele Menschen ganz anders leben und glauben als ich. Im Gegenteil finde ich das sehr bereichernd. Eine Gemeinschaft, wie es wohl oft kleine freie Gemeinden sind, mit klaren Bekenntnissen und engem Zusammenhalt, wäre nichts für mich, so verlockend das für manche sein mag. Und auch wenn die kath. Kirche oft sehr rückständig und eng wirkt, spüre ich darin Bewegung, Leben, Weite...
Ich wünsch dir eine Portion Heiligen Geist für deine Entscheidung. 🙂
Liebe Grüße
M.
du hast ja schon recht viele Erfahrungsberichte zum Austreten und ein paar wenige zum Bleiben bekommen. Einen richtigen Rat kann man dir eh nicht geben, weil du, wie du selber erkannt hast, es im Grunde alleine Entscheiden musst. Egal ob jemand hier von negativen oder von positiven Erlebnissen berichtet, wichtig sind deine Erlebnisse und nicht die von anderen. Bevor ich mich hier einreihe und von meinen Erlebnissen berichte, möchte ich noch anmerken, dass ich es komisch fände, in der Kirche zu bleiben, obwohl mir das total zuwider ist, nur weil ja vielleicht mal mein Partner wert auf eine kirchliche Hochzeit legen könnte o. ä. Wenn es deine Überzeugung ist, dass du da nichts verloren hast, wenn du vielleicht sogar das Gefühl hast, die Zugehörigkeit, würde dir irgendwie schaden, dann sollte mein Partner und mein Umfeld das akzeptieren.
Mir persönlich ist die Zugehörigkeit zu dieser Gemeinschaft, die sich röm.-kath. Kirche nennt, sehr wichtig. Auch wenn ich viele Dinge kritisch sehe, bei weitem nicht mit allem übereinstimme und manchmal auf Menschen treffen, wo ich echt nur den Kopf schütteln kann, käme es für mich nicht in Frage, auszutreten.
Für mich hat die Kirche überhaupt keine Ähnlichkeit mit einem Verein. Klar, bei einem Verein, dessen Ziele ich nicht mehr Teile oder dessen Aktivitäten mir gleichgültig geworden sind, oder dessen Vorstandschaft mir irgendwann absolut gegen den Strich geht, bei dem hab ich keine Lust mehr, mich zu engagieren. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass ich früher oder später austrete.
Aber für mich ist die Kirche kein Verein. Sie ist Heimat. Das Dorf in dem ich aufgewachsen bin, wird für mich auch dann noch Heimat sein, wenn eine Bürgerinitiative irgendeinen Mist durch bringt, mit dem ich überhaupt nicht einverstanden bin, es wird auch dann noch Heimat sein, wenn in der Gemeinderatssitzung Punkte verabschiedet werden, die mir ganz und gar nicht gefallen und es wird auch dann noch Heimat sein, wenn ich den Eindruck habe, dass immer mehr Streit und Missgunst herrscht. Das alles kann mein Zugehörigkeitsgefühl nicht wirklich schmälern. Sicher wird es mir weh tun, sowas zu erleben und je mehr mir der Ort Heimat ist, desto mehr tut es weh. Oder umgekehrt, wenn mich mit diesem Ort nichts mehr verbindet, ist es mir ziemlich egal, was dort los ist.
Weißt du, ich hab als Kind schon gute Erfahrungen gemacht in meiner Heimatpfarrei. Ich bin gern zum Gottesdienst gegangen und das ganz ohne schwungvolle, moderne Lieder und kindgerechte Predigten, wie sie inzwischen ja häufig vorkommen. Ich hab gestaunt über die vielen unbekannten Dinge, die es da zu sehen gab, hab die seltsamen Gerüche gemocht und die geheimnisvollen Worte. Ich hab mich wohlgefühlt, dazuzugehören und ich hab die Lieder schon mitgesummt, bevor ich ein Wort verstanden hab, geschweige denn lesen konnte. Als Teenager hatte ich dann auch so eine Zeit, wo ich das alles langweilig fand und keine Lust mehr hatte. Ich hab angefangen, die Dinge kritisch zu hinterfragen und bin damit erstmal auf taube Ohren gestoßen. Trotzdem riss die Verbindung nicht ab, weil mir dann die plötzlich aufkommenden Jugengottesdienste u. ä. viel Freude machten und ich mich in der Jugendarbeit engagierte. Glaube war da gar nicht mehr wichtig. Die Aktionen machten einfach Spaß. Aber irgendwann reichte mir das nicht mehr und ich fing wieder mehr an, mich mehr mit den Inhalten zu beschäftigen. Ich stieß wieder auf dieselben Kritikpunkte, wie zuvor schon mal, aber ich fand teilweise neue interessante Antworten, mit denen ich mich identifizieren konnte. Ich stieß auf eine Weite und Vielfalt, die ich "meiner Kirche" gar nicht zugetraut hatte. Und da wo immer noch zu viel Enge herrscht, treffe ich auf Menschen, die trotzdem diese Weite leben und verbreiten und damit die Zwänge Stück für Stück aufbrechen.
Glaube und Gott ohne Kirche... Also mir würde das sehr viel schwerer fallen. Die Zugehörigkeit zur Gemeinschaft hilft mir, den Glauben auch zu leben und die Verbindung zu Gott zu halten. Und dabei ist es überhaupt kein Hindernis, dass diese Gemeinschaft sehr heterogen ist und viele Menschen ganz anders leben und glauben als ich. Im Gegenteil finde ich das sehr bereichernd. Eine Gemeinschaft, wie es wohl oft kleine freie Gemeinden sind, mit klaren Bekenntnissen und engem Zusammenhalt, wäre nichts für mich, so verlockend das für manche sein mag. Und auch wenn die kath. Kirche oft sehr rückständig und eng wirkt, spüre ich darin Bewegung, Leben, Weite...
Ich wünsch dir eine Portion Heiligen Geist für deine Entscheidung. 🙂
Liebe Grüße
M.