Burbacher
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du bist verheiratet? ich hoffe da sind noch ein paar jahrzehnte für euch. wenn deine frau krank wird, darum keine lust mehr hat. muss sie dann gehen? suchst du die affäre? gehst du zu huren?
hat deine frau einen schlaganfall. gehst du dann? weil es schwierig wird? probleme gibt? du viele dinge nicht mehr leben kannst nach gewohnheit?
ich kenne männer die sind seit zehn, zwanzig jahren in einer beziehung da will die frau keinen sex. ist es ein problem? ja. in welcher beziehung ist sexualität kein thema? nicht manchmal ein problem? so viele ehen/beziehungen da gibt es nach jahren keinen sex mehr.
in meiner partnerschaft. ja es gibt ein massives problem. es gibt viele. das ist eins. das tut weh. beiden. ich tue ihm das nicht an. die täter haben mir dinge angetan. sie tun ihm damit schmerz an. ich habe lange gekämpft. allein. ich habe keine wahl in meiner kindheit. mein partner hat die wahl. er kämpft an meiner seite. hampelmann? er hasst das wort. für mich ist er ein held. so unglaublich mutig. alle wären weggelaufen in seiner situation.
ich weiß es geht um asexualität. ist was anderes als meine situation. trotzdem. es ist mutig so viel aufgeben für die liebe.
mein therapeut sagt. mein partner kriegt nicht den sex wo er will aber die liebe die er braucht. sonst wäre er nicht bei mir.
Hallo Nicclas,
ich entnehme deinen Zeilen eine gehörige Betroffenheit über meine Einstellung, und ich versichere dir, dass ich über viele Jahre genauso betroffen war angesichts meiner Partnerschaft und dem gemeinsamen Ringen miteinander, den gegenseitigen Verletzungen, falschen Anschuldigungen und dem schlussendlichen Scheitern.
Ich war viele Jahre verheiratet, und es winkte schon die Silberhochzeit am Horizont, als unsere Ehe zerbrach, wobei die Intimität eine entscheidende Rolle spielte. Meine Partnerin wollte oder konnte mir nicht geben, was ich - ich sage das sehr klar - gebraucht hätte und ich war nicht in der Lage und nicht bereit, darauf zu verzichten.
Wir haben übrigens über diese vielen Jahre gleichwohl vier gemeinsame Kinder in die Welt gesetzt.
Wenn Du deinen Therapeuten ansprichst, kann ich dir nur sagen, dass Du wahrscheinlich Glück mit ihm hast. Gerade bei dieser Thematik habe ich wahrhafte Eiertänze von Therapeuten/Therapeutinnen erlebt, die mich noch heute in Wallung bringen, rufe ich mir die einzelnen Begegnungen und Gespräche zurück.
Es gab da fast durchgehend die Erfahrung, dass meine Partnerin in ihrer Verweigerung gestützt, mir der Verzicht nahegelegt wurde. Verständnis und ausdrückliche Unterstützung fand ich dann ausgerechnet bei einer Therapeutin, die mich schließlich begleitete, als unsere Ehe ein Ende fand.
Du sprichst die Liebe an. Ja, dazu sage ich dann, dass wahre Liebe zu Opfern fähig ist, und wenn es gut geht, halten sich die Opfer halbwegs die Waage. Und es kann durchaus sein, dass - um im Bild zu bleiben- sich die Waage häufiger in die eine, anstatt in die andere Richtung senkt und beide Partner damit leben können.
Aber es gibt Punkte in einer Partnerschaft, die das eigene Ego, das eigene Selbstbildnis in einer Weise berühren, die es einem der Partner schier unerträglich machen. Dazu gehört für mich die Sexualität. Es ist einer guten Beziehung weder dienlich, wenn ein Partner, eine Partnerin ständig zu etwas genötigt wird, was man im Grunde nicht will, vielleicht auch nicht kann.
Genauso jedoch wird es in der Regel irgendwann zum Knackpunkt, wenn ein Partner, eine Partnerin zu dauerndem Verzicht auf Intimität genötigt wird. In diesem Zusammenhang das Wort "Liebe" zu bedienen, ist für mich der Gipfel des Zynismus.
Nicht zuletzt aber mache ich auf die gerade im Zusammenhang mit der Thematik auch in der einschlägigen Literatur dazu immer wieder angeführte Diskrepanz zwischen vorher und nachher aufmerksam. Ich weiß, dass sich gerade viele Männer darüber beklagen, dass die Flaute im Bett just in dem Moment einsetzte, nachdem sie die Ringe gewechselt hatten, der "Hahn gewissermaßen im Korb" war.
Diese Erfahrung kenne ich auch. Hier und ständig gegen den Eindruck einer bewussten Täuschung erlegen zu sein, innerlich ankämpfen zu müssen, überfordert jeden noch so wohlmeinenden und gutgläubigen Zeitgenossen.
Ich halte das Thema Intimität und Sexualität, wobei es gar nicht um die Häufigkeit geht, in einer Partnerschaft für so essenziell, dass ich heute sage, es ist besser, auf eine Partnerschaft zu verzichten, als sich diesen ständigen Kampf um derart unterschiedliche Bedürfnisse anzutun.
Vergleiche hinken immer, und dennoch: Niemand käme auf die Idee, einem Partner, einer Partnerin das Essen abgewöhnen zu wollen. Bei der Sexualität aber glauben wir, das sei möglich.
Ich weiß, dass es nicht möglich ist.
Burbacher
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