Oft hilft es an einem Tag, an dem man sich gut fühlt (wozu Deine "Freunde" leider nicht beitragen) potentielle Arbeitgeber anzurufen und genau nachzufragen, welche Qualifikationen sie sich wünschen und wo der Fokus liegt
(passiert leider selten, ist aber gut, wenn man Glück hat und den richtigen Ansprechpartner an den Apparat bekommt).
Die Stellenanzeigen verraten nämlich leider oft nicht alles. Manchmal glaubt man, dass man perfekt in eine ausgeschriebene Stelle passt, aber letzten Endes sieht dann alles doch ganz anders aus und man bekommt seine Bewerbung zurück.
Und wenn man am Telefon schon eine Art Eindruck hinterlassen konnte und einen persönlichen Ansprechpartner bei seinen Bewerbungen benennen kann, ist das ebenfalls ein Vorteil.
Sich nur um des Bewerben-willens überall und ständig zu bewerben bringt wenig.
Und ja. Email-Bewerbungen sind oft viel besser und schneller als Mappen.
Doch das Bewerbungsschreiben als solches ist nur ein Aspekt Deiner derzeitigen Situation.
Bewerbungen zu schreiben ist eine zermürbende Arbeit. Viele Leute sagen einem "Du hast doch Zeit und könntest, solltest, müsstest...nur noch Bewerbungen raushauen...denn ich arbeite ja auch jeden Tag 8/9 Stunden, und da sollten ein paar Bewerbungen ja wohl drin sein."
Was diese Leute vergessen ist, dass es einen gewaltigen Unterschied ausmacht, ob man für sein Engagement entlohnt wird in der Form von Geld sowie dem Gefühl gebraucht zu werden und manchmal sogar Anerkennung, oder ob man all das bei seinen Tätigkeiten vermisst.
Wir Menschen haben ein Bedürfnis danach gebraucht zu werden und anerkannt zu sein. Wenn dieses Bedürfnis unerfüllt bleibt aufgrund von Arbeitslosigkeit, ist es total hart soviel Engagement zu zeigen wie ein Mensch, dessen Grundbedürfnisse nach gesellschaftlicher Zugehörigkeit, Anerkennung und Gebraucht-Werden erfüllt sind.
Natürlich sollte man versuchen wieder einen Job zu finden, aber Schuldgefühle und Gewissensbisse sind mehr als fehl am Platz. Egal was uns die Politiker immer wieder einreden: auf dem Arbeitsmarkt sieht es alles andere als rosig aus. Jeden Tag Entlassungen, Outsourcing von Jobs und neue Technologien, die menschliche Arbeit überflüssig machen. Deine Freunde sollten sich darüber freuen, dass sie (noch) Glück haben und in Lohn und Brot stehen, anstatt auf Dir herum zu hacken.
Es wäre ihr Job nun für Dich da zu sein und nicht gegen Dich.
Vielleicht wäre es besser Abstand zu solchen Menschen zu halten und Dir nettere Menschen zu suchen, zum Beispiel in Vereinen, bei Selbsthilfetreffs oder vielleicht sogar hier bei Hilferuf. 🙂
Die Freunde, die Du jetzt hast... sorry, wer solche Freunde hat, braucht keine Feinde. 🙁
Und Du bist Dir selber gegenüber MEHR verpflichtet als unserer problematischen Gesellschaft, die den Wert eines Menschen nur noch über dessen Leistung und Status definiert.
Du bist Dir selber und Deiner Gesundheit gegenüber auch mehr verpflichtet als dem korrupten Wirtschaftssystem.
Also, auf jeden Fall: versuche Dir bitte schöne Momente in Deinem Leben zu verschaffen. Ein Spaziergang in der Natur, ein Kinobesuch, ins Schwimmbad gehen oder Dir mal eine Massage gönnen (falls finanziell machbar), Musik hören, Duftkerzen anzünden, Dir etwas Schönes kochen... was immer Dir Freude bereitet, solltest Du Dir und Deiner Gesundheit zuliebe auch ab und zu tun. Vielleicht auch ein Gespräch mit der Telefonseelsorge. Denn so sehr schreiben einem auch helfen kann, manchmal kann es hilfreicher sein sich seinen Kummer von der Seele zu reden.
Und bei Deinen furchtbaren Bekannten scheint das ja nicht zu funktionieren. DIE haben in ihrem Job, den sie als Freund hätten, komplett versagt.