hallo, ich bin seit november arbeitslos und habe irgendwie das gefühl, meine umwelt müsse mir deswegen zwingend ein schlechtes gewissen einreden. im schnitt schreibe ich pro tag ein bis zwei bewerbungen, je nachdem was es in den online-stellenbörsen so gibt, wenn da nichts drin ist, mache ich initiativbewerbungen. leider hatte ich bisher noch keinen erfolg und bekomme nur absagen.
Du bist unglaublich fleißig! Das ist sehr lobenswert, doch versuche bitte keinen Burnout zu bekommen. Ich habe mich während meiner Hartz IV Zeit über ein Jahr lang beworben bis ich einen Job bekam. Hätte ich jeden Tag 1 bis 2 Bewerbungen geschrieben, wäre ich zusammen gebrochen.
mein umfeld scheint das aber zu wenig zu finden. z.b. war ich letzten samstag morgens mit einigen bekannten zum brunch verabredet, da fielen dann so sprüche wie "hätte ich ja nicht gedacht dass du auch hier auftauchst, an deiner stelle würde ich den ganzen tag daheim bleiben und bewerbungen machen!"
Aua! Das tut mir Leid!
🙁 Ich würde Dich gerne in den Arm nehmen, nur ist das per Internet leider schwer möglich. Manchmal frage ich mich echt "wo ist das Mitgefühl?"
Glaubst Du, dass Du Dich gegen solche Statements wehren könntest? Also nicht in der Form von "die anderen anblaffen". Aber einfach aussprechen, dass es Dir weh tut zu hören, dass Du nun angeblich kein Recht mehr auf Lebensfreude hast, nur weil Du Deinen Job verloren hast.
Dass Du als Mensch genauso viel wert bist wie die anderen und es Dich verletzt, wenn man Dir etwas Anderes sagt.
Dass das Leben als Arbeitslose sowieso schon schwer genug ist und Du deswegen erst recht ein paar Momente Lebensfreude brauchst, um an Deiner Situation nicht zu zerbrechen.
Und ob sich Deine Freunde überhaupt vorstellen können wie zermürbend es ist, ständig etwas zu tun (Bewerbungen schreiben) ohne Erfolgserlebnisse dabei zu haben?
Dass man in einer solchen Situation auch mal eine Pause braucht, sollte doch jedem halbwegs verständnisvollen, sensiblen Menschen einleuchten. Wenn Du es kannst, dann sag' Deinen Freunden, dass Dir ihr Verhalten weh tut.
Und ganz ehrlich. Ich frage mich, ob das, was Du da hast, Freunde sind.
Nebenbei: wenn Deine Bekannten schon so erpicht auf Arbeit sind und alles so gut wissen, dann kennen sie doch vielleicht auch jemanden, der jemand kennt, der Dir zu einem Job verhelfen könnte. Oder zumindest zu einem Praktikum oder vielleicht auch einer neuen Ausbildung (ich weiß ja nicht, was Deine berufliche Richtung ist). Aber das nur wirklich nur nebenbei: das, was Deine Bekannten tun, ist gemein und hohl. Vielleicht kannst Du ihnen noch eine Chance geben, ihr Verhalten zu überdenken, indem Du ihnen sagst, wie Du Dich durch ihr Verhalten fühlst.
Falls Dir das zu schwer fällt, ist es völlig ok, diese Menschen gehen zu lassen.
ein paar freundinnen von mir haben für kommendes WE einen kurztrip geplant, ich wurde dann gefragt, ob ich auch mitmöchte und plötzlich fiel der satz "ach nee, bleib du mal lieber da, du solltest ja eher bewerbungen schreiben statt dich zu vergnügen!" ich finde solche aussagen von eigentlichen "freunden" einfach total daneben und verletztend.
Aua! Eben habe ich ja schon geschrieben, was Du vielleicht tun könntest (Bekannte konfrontieren oder/und los lassen). Eines Tages werden Deine "Freunde" diejenigen sein, die Mitgefühl brauchen. Ob ich ihnen nun wünschen soll, dass sie auf verständnisvollere Menschen treffen als die, die sie derzeit selber sind, weiß ich ehrlich gesagt nicht. Wenn ich so etwas lese, habe ich den Wunsch demjenigen etwas reinzuwürgen.
Doch nun zurück zum Thema Freunde.
In jeder größeren Stadt gibt es Selbsthilfegruppen. Unter anderem auch für Menschen ohne Job, in schweren Lebensphasen, mit Problemen mit dem Selbstwertgefühl, und und und.
Vielleicht würdest Du in einer solchen Gruppe Menschen finden, die Dich besser verstehen als Deine derzeitigen Kontakte. Einfach mal nach dem Namen Deiner Stadt und Selbsthilfegruppen googeln. Wenn dann irgendeine Telefonnummer auftaucht, dort anrufen. Dort wird man Dir bestimmt weiterhelfen.
Zweitens, als ich arbeitslos war, habe ich mich einer kleinen Sportgruppe in meinem Dorf angeschlossen. Die Frauen dort hatten teils erwachsene Kinder, die beruflich ebenfalls strauchelten. Da war meine Joblosigkeit gar kein Problem.
Manchmal hilft es einfach, einem Chor, einer Sportgruppe oder Ähnlichem beizutreten. Oder etwas Ehrenamtliches tun (wobei das auch sehr schwer sein kann, wenn man down ist).
Wichtig ist lediglich, dass Du ein Leben neben den Bewerbungen hast. Und zu einem solchen Leben gehört ein soziales Netzwerk, das Dich schätzt für den Menschen, den Du bist, und nicht die Steuern, die Du zahlst.
daher wollte ich mal fragen, was ihr als "normal" bzw ausreichend empfinden würdet (bezügl. der anzahl der bewerbungen). ich meine ich kann doch nicht ernsthaft den ganzen tag am pc kleben und nach stellen suchen, oder wird sowas tatsächlich von einer arbeitslosen erwartet?!
Das JobCenter hat damals von mir fünf Bewerbungen im Monat erwartet. Geschrieben habe ich mal sieben, mal neun. Pro Monat wohlgemerkt. In anderen JobCentern können es auch zehn Bewerbungen sein, die man fordert. Doch mehr sind es meines Wissens nie.
Denn Bewerbungen zu schreiben ist eine harte und teils auch kostspielige Arbeit. Und bis sich etwas tut (Einladung zum Vorstellungsgespräch), kann es verdammt weh tun und frustrierend sein.
Der Arbeitsmarkt ist einfach extrem umkämpft. Manchmal muss man auch ein wenig loslassen lernen und auf sein Glück vertrauen. Die Masse der Bewerbungen macht es nicht immer.
Und denke bitte an Deine Gesundheit. Du bist Deiner Gesundheit gegenüber verpflichtet, Dein Leben ab und zu zu genießen und Freude zu empfinden.