Bevor ich acht war, hatte ich das definitiv schönste Leben, was ein Kind haben kann. Ich hatte einen Hund, wohnte neben einem Wald und hatte nette Geschwister. Dann, zwei Tage vor meinem achten Geburtstag, trennten sich meine Eltern. Meine Geschwister waren weg, ich war alleine. Es gab sehr viel Streit, und ich genieße immer Zeit bei Freunden, bei denen ich mich immer frage, wieso mein Leben nicht so harmonisch sein kann. Leistungsdruck von innen (weil ich erkannt habe, dass es nicht unendlich viele Chancen gibt) und von außen (familiäre Gründe) machten das auch nicht besser. Mir ist das alles über den Kopf gewachsen. Ich habe mich immer mehr abgegrenzt und wollte nicht mehr existieren.
Sind deine Geschwister schon erwachsen oder sind sie zu deinem Vater gezogen? Wie oft siehst du ihn? Kannst du mit ihm grundsätzlich besser über Probleme reden als mit deiner Mutter?
Eine Trennungssituation ist in jedem Fall ein einschneidendes Erlebnis und kann für Kinder sogar traumatisch sein. Es tut mir leid, dass du das erleben musstest.
Du schreibst, bei deinen Freunden sei alles so harmonisch, aber das kannst du letztlich gar nicht wissen. Ab und an tun sich auch hinter der schönsten Fassade Abgründe auf
😉 Viele Ehen / Beziehungen halten nur der Kinder zuliebe und sind längst nicht so perfekt wie sie scheinen.
Bezüglich des Leistungsdrucks - ich weiß, wie übel das einem mitspielen kann. Zum einen machst du dir den Druck selbst, aber wer in deiner Familie setzt dich denn noch zusätzlich unter Druck? Auch wenn es abgedroschen klingt: Leistung ist nicht alles und nützt nichts, solange die Zufriedenheit auf der Strecke bleibt. Du hast recht, es gibt nicht unendlich viele Chancen, aber es gibt mehr als eine! Oftmals zwei oder drei oder mehr.
Ein Beispiel aus meinem Leben: Ich hatte ebenfalls keine leichte Kindheit und in meiner Jugend schwere psychische Probleme. Dadurch habe ich zwei Schuljahre "vertrödelt", war in der Psychiatrie und bin mit 16 in ein betreutes Wohnen gezogen, weil es zuhause nicht mehr funktioniert hat. Ich habe gedacht, ich bin nicht mehr in der Lage, zur Schule zu gehen, weil ich so viele Ängste hatte. Letztlich habe ich es trotz allem geschafft, habe ein sehr gutes Abitur in der Tasche und studiere heute Medizin. Wer hätte das gedacht!?
😀
Das Leben ist kein Zug, der dir wegfährt. Das Leben ist ein Weg und jede Entscheidung eine Kreuzung. Es gibt nicht den einen Weg, der dich zum Ziel führt. Man muss nur mutig sein und Umwege in Kauf nehmen, die dich meistens sogar bereichern und reifen lassen.
Dann hab ich nachgedacht. Wer bin ICH? Der, der handelt, fühlt, Angst hat? Klar, mein Gehirn. Wenn ich sterbe, geht das Gehirn aus, also denkt und fühlt man nicht mehr. So einfach ist das für mich. Keine Ahnung wie sich das die Gläubigen vorstellen.
Zum Glück kam diese Erkenntnis für mich, sonst wäre ich jzt. vielleicht tot. Jetzt weiß ich immerhin, wie das Leben meiner möglichen Kinder NICHT aussehen soll.
Die Angst bezieht sich tatsächlich auch aufs Altern und Angst vor Krankheiten. Deshalb möchte ich später einen medizinischen Beruf, um anderen Menschen zu helfen.
Wegen das allem habe ich keine Lust, das meiner Mutter zu erklären. Mein Vater ist eh nicht da und wenn ich ihm etwas sage müsste ich das meiner Mutter trotzdem erklären. Mal gucken, wie es weitergeht.
Ich finde die Erkenntnis, die du damals hattest, bereichernd. Klar, es ist einfacher, an etwas glauben zu glauben und ich würde es gern, wenn ich könnte, aber auch mir erscheint das Glauben an ein Leben danach einfach nicht logisch.
Dadurch, dass ich nicht gläubig bin, bekommt das Leben letztlich einen einzigartigen Wert! Trotzdem heißt das nicht, dass es deshalb möglichst perfekt sein muss. Trotz seiner Einzigartigkeit kann Leben auch Grausamkeit, Verlust und die gesamte Palette negativer Emotionen beinhalten - und das ist gut so. Nur der Kontrast zu Negativem ermöglicht die Wahrnehmung des Positiven! Nur wer gelitten hat, kann wissen, was Glück ist.
Medizinische Berufe sind wirklich spannend, aber auch konfrontativ. Sie verändern einen. Und natürlich macht es Angst, älter, runzliger, gebrechlicher und kränker zu werden. Ich glaube, davor fürchten sich fast alle Menschen - die meisten blenden diese Angst nur im Alltag erfolgreich aus! Ich hoffe, dass dir das auch eines Tages gelingen wird!
Angst ist nur solange nützlich, wie sie uns vor Schaden bewahrt. Und Angst vor dem Tod ist nützlich und gesund, denn ohne sie würden wir unser Leben leichtfertig verschwenden. Nur deine Angst ist so ausgeprägt, dass sie sich wie ein Schatten über alles legt und dein Sichtfeld versperrt. Du wirst diese Angst nie loswerden und das ist gut so, aber ich wünsche dir, dass du sie zähmen kannst und sie zu einem kleinen Schattenhündchen wird, das dich nicht daran hindert, glücklich zu sein!
So, wie du deine Angst beschreibst, scheint das in Richtung einer Panikattacke bei dir zu gehen.
https://www.palverlag.de/Panikattacken.html
Trifft von den dort beschriebenen Symptomen etwas zu?
Ein Entspannungsverfahren zu erlernen, könnte dir das Leben bestimmt erleichtern, wenn du mal wieder einen Schweißausbruch, Kopfschmerzen etc. bekommst. Es kann sehr helfen, in solchen Situationen deinen Fokus bewusst auf etwas anderes zu lenken.
Vielleicht bekommst du deine Angst sogar selbst in den Griff. Solltest du allerdings längere Zeit unverändert darunter leiden, kann ich dir nur empfehlen, dir professionelle Hilfe zu suchen und nicht solange zu warten, bis du volljährig bist!
😉