Anzeige(1)

  • Liebe Forenteilnehmer,

    Im Sinne einer respektvollen Forenkultur, werden die Moderatoren künftig noch stärker darauf achten, dass ein freundlicher Umgangston untereinander eingehalten wird. Unpassende Off-Topic Beiträge, Verunglimpfungen oder subtile bzw. direkte Provokationen und Unterstellungen oder abwertende Aussagen gegenüber Nutzern haben hier keinen Platz und werden nicht toleriert.

Angst vor dem Tod

Ein weiteres Mal bedanke ich mich für alle Beiträge. Meine Angst äußert sich hartnäckig in schönen Situationen. Im Freizeitpark, mit Freunden usw. Ich bekomme Schweißausbrüche, Kopfschmerzen und bin den Tränen nahe. Der einzige Vorteil dieser Angst ist es, dass ich genauere Ziele habe, mich anstrenge, Sachen mache, auf die ich Lust habe und mich nicht mehr verstelle, schlicht und ergreifend, weil ich unterm Strich echt keine Zeit dafür habe (nun ja, 75 Jahre...)

Wenn ich volljährig bin, möchte ich während des Studiums unbedingt psychologische Hilfe in Anspruch nehmen. Jetzt habe ich da echt keinen Bock drauf, dass wäre mir zu stressig, ich müsste das ja alles meiner gläubigen Mutter erklären. Ich versuche es irgendwie die 6 Jahre auszuhalten und dann hoffe ich, dass ich vollkommen gesund werde 🙂

LG Marie
 
Liebe Marie,

du wirkst sehr reflektiert für ein zwölfjähriges Mädchen. Darf ich fragen, warum du mit 10 Selbstmordgedanken hattest?
Wie du selbst erkannt hast, gibt es für deine Panik keine rationale Begründung, da du noch dein ganzes Leben vor dir hast. Ich hatte als Kind eine Phase, in der ich jeden Abend panische Angst vorm Einschlafen hatte - weil ich mir nicht sicher war, am nächsten Tag wieder zu erwachen. Zum Glück war das wirklich nur eine Phase, aber ich ahne, wie du dich fühlst.

Du schreibst, du hast Angst vor dem Zustand, nicht mehr zu existieren. Ich lese daraus, dass du nicht gläubig bist. Auch das muss nicht so bleiben, es gibt so viele Vorstellungen von dem Tod und es ist gut möglich, dass du dich irgendwann in irgendeiner dieser Vorstellungen finden kannst.

Ich selbst glaube allerdings nicht an ein Leben danach. Trotzdem habe ich keine Angst, nicht mehr zu existieren. Es ist dann weder gut noch schlecht noch sonstirgendetwas und ich werde mich immerhin nicht mehr daran stören können, wenn ich nicht mehr sein sollte. Niemand spürt seine Nichtexistenz, niemand leidet unter seiner Nichtexistenz. Leiden gehört dagegen zum Leben.

Leben ist (in meinem Weltbild) alles und wie eine bunt schillernde Seifenblase, die in der Sonne tanzt. Vergänglich und einmalig, aber doch wunderschön. Gerade weil das so ist, versuche ich, möglichst viel Positives aufzusaugen. Du hast diese Angst vor allem in schönen Situationen. Weißt du, warum? Was geht dir dann durch den Kopf? Ängstigt es dich, dass dieses Schöne begrenzt ist oder steckt da etwas anderes dahinter? Hast du auch Angst vorm alt werden? Oder bezieht sich deine Angst lediglich auf den Zustand, tot zu sein?

Wenn du bereits jetzt das Bedürfnis hast, dir einen Psychologen zu suchen, solltest du damit nicht sechs lange Jahre warten. Du hast es verdient, jetzt an deinem Glück zu arbeiten und die Panik loslassen zu können. Wie ist denn generell dein Verhältnis zu deiner Mutter? Eigentlich sollten Eltern da kein Hinderungsgrund sein, im Gegenteil. Ich gehe davon aus, dass auch deine Mutter gern eine rundum glückliche Tochter hätte. 🙂

LG
 
Bevor ich acht war, hatte ich das definitiv schönste Leben, was ein Kind haben kann. Ich hatte einen Hund, wohnte neben einem Wald und hatte nette Geschwister. Dann, zwei Tage vor meinem achten Geburtstag, trennten sich meine Eltern. Meine Geschwister waren weg, ich war alleine. Es gab sehr viel Streit, und ich genieße immer Zeit bei Freunden, bei denen ich mich immer frage, wieso mein Leben nicht so harmonisch sein kann. Leistungsdruck von innen (weil ich erkannt habe, dass es nicht unendlich viele Chancen gibt) und von außen (familiäre Gründe) machten das auch nicht besser. Mir ist das alles über den Kopf gewachsen. Ich habe mich immer mehr abgegrenzt und wollte nicht mehr existieren.



Dann hab ich nachgedacht. Wer bin ICH? Der, der handelt, fühlt, Angst hat? Klar, mein Gehirn. Wenn ich sterbe, geht das Gehirn aus, also denkt und fühlt man nicht mehr. So einfach ist das für mich. Keine Ahnung wie sich das die Gläubigen vorstellen.
Zum Glück kam diese Erkenntnis für mich, sonst wäre ich jzt. vielleicht tot. Jetzt weiß ich immerhin, wie das Leben meiner möglichen Kinder NICHT aussehen soll.

Die Angst bezieht sich tatsächlich auch aufs Altern und Angst vor Krankheiten. Deshalb möchte ich später einen medizinischen Beruf, um anderen Menschen zu helfen.

Wegen das allem habe ich keine Lust, das meiner Mutter zu erklären. Mein Vater ist eh nicht da und wenn ich ihm etwas sage müsste ich das meiner Mutter trotzdem erklären. Mal gucken, wie es weitergeht.
 
Bevor ich acht war, hatte ich das definitiv schönste Leben, was ein Kind haben kann. Ich hatte einen Hund, wohnte neben einem Wald und hatte nette Geschwister. Dann, zwei Tage vor meinem achten Geburtstag, trennten sich meine Eltern. Meine Geschwister waren weg, ich war alleine. Es gab sehr viel Streit, und ich genieße immer Zeit bei Freunden, bei denen ich mich immer frage, wieso mein Leben nicht so harmonisch sein kann. Leistungsdruck von innen (weil ich erkannt habe, dass es nicht unendlich viele Chancen gibt) und von außen (familiäre Gründe) machten das auch nicht besser. Mir ist das alles über den Kopf gewachsen. Ich habe mich immer mehr abgegrenzt und wollte nicht mehr existieren.

Sind deine Geschwister schon erwachsen oder sind sie zu deinem Vater gezogen? Wie oft siehst du ihn? Kannst du mit ihm grundsätzlich besser über Probleme reden als mit deiner Mutter?
Eine Trennungssituation ist in jedem Fall ein einschneidendes Erlebnis und kann für Kinder sogar traumatisch sein. Es tut mir leid, dass du das erleben musstest.
Du schreibst, bei deinen Freunden sei alles so harmonisch, aber das kannst du letztlich gar nicht wissen. Ab und an tun sich auch hinter der schönsten Fassade Abgründe auf 😉 Viele Ehen / Beziehungen halten nur der Kinder zuliebe und sind längst nicht so perfekt wie sie scheinen.

Bezüglich des Leistungsdrucks - ich weiß, wie übel das einem mitspielen kann. Zum einen machst du dir den Druck selbst, aber wer in deiner Familie setzt dich denn noch zusätzlich unter Druck? Auch wenn es abgedroschen klingt: Leistung ist nicht alles und nützt nichts, solange die Zufriedenheit auf der Strecke bleibt. Du hast recht, es gibt nicht unendlich viele Chancen, aber es gibt mehr als eine! Oftmals zwei oder drei oder mehr.

Ein Beispiel aus meinem Leben: Ich hatte ebenfalls keine leichte Kindheit und in meiner Jugend schwere psychische Probleme. Dadurch habe ich zwei Schuljahre "vertrödelt", war in der Psychiatrie und bin mit 16 in ein betreutes Wohnen gezogen, weil es zuhause nicht mehr funktioniert hat. Ich habe gedacht, ich bin nicht mehr in der Lage, zur Schule zu gehen, weil ich so viele Ängste hatte. Letztlich habe ich es trotz allem geschafft, habe ein sehr gutes Abitur in der Tasche und studiere heute Medizin. Wer hätte das gedacht!? 😀

Das Leben ist kein Zug, der dir wegfährt. Das Leben ist ein Weg und jede Entscheidung eine Kreuzung. Es gibt nicht den einen Weg, der dich zum Ziel führt. Man muss nur mutig sein und Umwege in Kauf nehmen, die dich meistens sogar bereichern und reifen lassen.

Dann hab ich nachgedacht. Wer bin ICH? Der, der handelt, fühlt, Angst hat? Klar, mein Gehirn. Wenn ich sterbe, geht das Gehirn aus, also denkt und fühlt man nicht mehr. So einfach ist das für mich. Keine Ahnung wie sich das die Gläubigen vorstellen.
Zum Glück kam diese Erkenntnis für mich, sonst wäre ich jzt. vielleicht tot. Jetzt weiß ich immerhin, wie das Leben meiner möglichen Kinder NICHT aussehen soll.

Die Angst bezieht sich tatsächlich auch aufs Altern und Angst vor Krankheiten. Deshalb möchte ich später einen medizinischen Beruf, um anderen Menschen zu helfen.

Wegen das allem habe ich keine Lust, das meiner Mutter zu erklären. Mein Vater ist eh nicht da und wenn ich ihm etwas sage müsste ich das meiner Mutter trotzdem erklären. Mal gucken, wie es weitergeht.


Ich finde die Erkenntnis, die du damals hattest, bereichernd. Klar, es ist einfacher, an etwas glauben zu glauben und ich würde es gern, wenn ich könnte, aber auch mir erscheint das Glauben an ein Leben danach einfach nicht logisch.
Dadurch, dass ich nicht gläubig bin, bekommt das Leben letztlich einen einzigartigen Wert! Trotzdem heißt das nicht, dass es deshalb möglichst perfekt sein muss. Trotz seiner Einzigartigkeit kann Leben auch Grausamkeit, Verlust und die gesamte Palette negativer Emotionen beinhalten - und das ist gut so. Nur der Kontrast zu Negativem ermöglicht die Wahrnehmung des Positiven! Nur wer gelitten hat, kann wissen, was Glück ist.

Medizinische Berufe sind wirklich spannend, aber auch konfrontativ. Sie verändern einen. Und natürlich macht es Angst, älter, runzliger, gebrechlicher und kränker zu werden. Ich glaube, davor fürchten sich fast alle Menschen - die meisten blenden diese Angst nur im Alltag erfolgreich aus! Ich hoffe, dass dir das auch eines Tages gelingen wird!
Angst ist nur solange nützlich, wie sie uns vor Schaden bewahrt. Und Angst vor dem Tod ist nützlich und gesund, denn ohne sie würden wir unser Leben leichtfertig verschwenden. Nur deine Angst ist so ausgeprägt, dass sie sich wie ein Schatten über alles legt und dein Sichtfeld versperrt. Du wirst diese Angst nie loswerden und das ist gut so, aber ich wünsche dir, dass du sie zähmen kannst und sie zu einem kleinen Schattenhündchen wird, das dich nicht daran hindert, glücklich zu sein!

So, wie du deine Angst beschreibst, scheint das in Richtung einer Panikattacke bei dir zu gehen.
https://www.palverlag.de/Panikattacken.html
Trifft von den dort beschriebenen Symptomen etwas zu?
Ein Entspannungsverfahren zu erlernen, könnte dir das Leben bestimmt erleichtern, wenn du mal wieder einen Schweißausbruch, Kopfschmerzen etc. bekommst. Es kann sehr helfen, in solchen Situationen deinen Fokus bewusst auf etwas anderes zu lenken.
Vielleicht bekommst du deine Angst sogar selbst in den Griff. Solltest du allerdings längere Zeit unverändert darunter leiden, kann ich dir nur empfehlen, dir professionelle Hilfe zu suchen und nicht solange zu warten, bis du volljährig bist! 😉
 
Zuletzt bearbeitet:
Danke für diesen ausführlichen Beitrag!


Prinzipiell habe ich mich verschlossen. Wenn ich nicht halbwegs anonym bin, kann ich nicht mit jemandem reden. Ich fresse Probleme in mich rein. Ich glaube, dass das meine Schuld ist. Niemand hat Lust, sich Probleme von anderen anzuhören, ich möchte niemanden belasten. Problemen zuzuhören ist anstrengend und macht negative Stimmung. Deshalb richte ich mich an ein Forum. Hier kann jeder antworten der Lust hat.
 
Zuletzt bearbeitet:
Ach Marie - es ist grad, als würdest du mein Leben beschreiben..... 😱

Seit ich denken kann, hatte ich jeden einzelnen Tag Todesangst. Wirklich jeden und es war das Grauen pur.

Und ich ahne, dass du weißt, wovon ich spreche.... Was es nicht besser macht.

Es hat so unendlich viel zerstört - Beziehungen, Möglichkeiten, Hoffnungen, im Grunde alles. Und verstanden hat es niemand - im Grunde nicht mal ich selbst.

Heute weiß ich, dass ein Nahtoderlebnis im Alter von 8 Jahren das Schlüsselerlebnis dazu war. Gabs beidir etwas Ähnliches?

Der Spuk endete erst Pfingsten 97 (ich habe hier schon desöfteren darüber geschrieben- da war ich 45 und hatte somit fast 40 Jahre Hölle hinter mir) durch ein Eingreifen Gottes.

Seitdem habe ich diese Todesangst nie wieder so erleben müssen, aber sie ist mir noch in (un)guter Erinnerung, sodass ich dich sehr gut verstehen kann.

Wie kommst du da heraus? Lass uns drüber reden - hier oder per PN. Aber es gibt Wege, denn das Dasein mit dieser Angst ist keines, es ist die Hölle auf Erden.
 
Jap, so geht's mir auch. Ich habe schon viele Nachteile dadurch verspürt. Darf ich fragen, ob du gläubig bist und wie deine Befreiung von der Angst passiert ist?
 
Hallo Marie1910. Vielleicht hilft es dir ja, wenn du dich mit Nahtoderfahrungen beschäftigst. Du bist ja noch recht jung. Aber offensichtlich beschäftigt dich das alles ja sehr.

Dann, zwei Tage vor meinem achten Geburtstag, trennten sich meine Eltern. Meine Geschwister waren weg, ich war alleine.

Fing es da mit den Ängsten an? Das war ein einschneidendes Erlebnis für dich.

Dann hab ich nachgedacht. Wer bin ICH? Der, der handelt, fühlt, Angst hat? Klar, mein Gehirn. Wenn ich sterbe, geht das Gehirn aus, also denkt und fühlt man nicht mehr. So einfach ist das für mich. Keine Ahnung wie sich das die Gläubigen vorstellen.

Das weiß ich auch nicht genau 🙂

Mein Eindruck ist jedoch, dass vor allem in der westlichen Welt gerade Verstand und Gehirn sehr viel Bedeutung beigemessen wird. Das ist nicht verkehrt. Aber einseitig vielleicht. In östlichen Lehren, so mein Eindruck, wird sich nicht so stark mit diesem Teil seiner selbst identifiziert. Das scheint mir ein eher westliches Phänomen zu sein. Insofern kann man durchaus in Frage stellen, ob das alles war.

Es gibt einen niederländischen Arzt (Pim van Lommel, lustiger Name, ich weiß 😉), der sich mit Nahtoderfahrungen beschäftigt hat. Er ist der Meinung, dass das Bewusstsein nicht im Gehirn zu finden ist. Demnach stelle das Gehirn lediglich eine Art Transformator dar. Für viele Menschen sicher schwer vorstellbar. Für mich eine Möglichkeit von vielen.

Ob er recht hat, weiß ich nicht. Aber es zeigt, dass man das alles durchaus auch ein bisschen (oder sogar völlig) anders sehen kann. Ich vermute, wir kennen nicht die ganze Wahrheit. Vielleicht brauchen wir das auch nicht. Und es offenbart sich uns immer der Teil, welcher für diesen bzw. den nächsten Lebensabschnitt gerade notwendig ist. Der Rest ist Hoffnung, Vetrauen. Und nicht selten eben auch Ungewissheit und Angst.

Die Angst bezieht sich tatsächlich auch aufs Altern und Angst vor Krankheiten. Deshalb möchte ich später einen medizinischen Beruf, um anderen Menschen zu helfen.

Ich finde es schön, dass du so klar für dich bist.

Mir kommt gerade der Gedanke, dass auch die Beschäftigung mit dem Buddhismus für dich hilfreich sein kann. Und nicht für wenige Menschen offenbart sich in der Meditation auch viel Kraft.

Ich drücke dir die Daumen und wünsche dir alles Gute für deinen weiteren Weg.

Black Blue Sky
 
Hallo, danke für die Antwort.

Das mit den Nahtoderfahrungen ist so eine Sache. Viele Menschen beschreiben ja, sie würden Lichter sehen etc. Ich sehe da trotzdem ein sehr hohes Risiko, dass das das Gehirn hinzuerfindet, wie wenn man versucht, sich an seine Geburt zu erinnern.

Das Gehirn ist ja teilweise eine Art Umwandler. Hitze in den Fingern -> Signale ans Gehirn -> Finger zurückziehen


Meine Auslebung der Meditation ist das Klarträumen. Das tue ich seit drei Jahren und ist immer entspannend.
 
Hallo, danke für die Antwort.

Das mit den Nahtoderfahrungen ist so eine Sache. Viele Menschen beschreiben ja, sie würden Lichter sehen etc. Ich sehe da trotzdem ein sehr hohes Risiko, dass das das Gehirn hinzuerfindet, wie wenn man versucht, sich an seine Geburt zu erinnern.

Das Gehirn ist ja teilweise eine Art Umwandler. Hitze in den Fingern -> Signale ans Gehirn -> Finger zurückziehen


Meine Auslebung der Meditation ist das Klarträumen. Das tue ich seit drei Jahren und ist immer entspannend.


Hallo nochmal.... gern geschehen.

Jetzt muss ich aber doch mal genau nach deinem Alter fragen, wenn ich darf. Du bist 12?
 

Anzeige (6)

Ähnliche Themen

Anzeige (6)

Anzeige(8)

Regeln Hilfe Benutzer

Du bist keinem Raum beigetreten.

      Du bist keinem Raum beigetreten.

      Anzeige (2)

      Oben