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Angst vor dem ersten Job

zahnfee97

Mitglied
Hallo ihr Lieben!

Also in der Überschrift steht es ja schon und ich vermute mal, dass es vergleichsweise vielen Menschen so geht: die Angst vor dem ersten richtigen Job.

Ich habe gerade mein Zahnmedizin- Studium beendet und werde ab Dezember als Assistenzzahnärztin in einer Praxis mit 3 anderen Behandlern arbeiten. An sich freue ich mich sehr darauf. Die Praxis habe ich mir auf Empfehlungen sehr bewusst herausgesucht, da sie und vor allem der Chef einen guten Ruf haben. Das Bewerbungsgespräch lief auch sehr entspannt ab und wir waren uns alle recht sympathisch. Auch die Bezahlung und Weiterbildungsmöglichkeiten sind gut. Das Behandlungsspektrum der Praxis passt genau auf meine Interessen. Trotzdem bleibt die Angst.

1. Die große Verantwortung. Im Studium hat man immer ein bis zwei Ärzte im Hintergrund, die bei Problemen sofort da sind und unterstützen können. Man kann immer fragen, wenn etwas nicht gut läuft. Jetzt ist das anders. Ich bin für alles selber verantwortlich. Zwar kann ich mit meinem Chef alle Fälle durchsprechen, aber in der Behandlung selber kann ich logischerweise nicht einfach immer zu ihm rennen und nach Hilfe fragen. Schließlich bezahlt er mich auch. Ich muss Umsätze generieren, für die Praxis und auch für mich selber. Die Patienten erwarten eine kompetente Behandlung und Beratung. Ich bin dann der „Chef“ im Raum und muss plötzlich alles alleine entscheiden. Das macht Angst.
2. Vor dem Studium habe bereits eine Ausbildung zur ZFA angefangen (nach der Zusage fürs Studium habe ich die Ausbildung nach 1 Jahr abgebrochen). Leider hatte ich in der Ausbildung aber mit den Kollegen einige Probleme, vorrangig mit den Schwestern der Praxis. Wieso weiß ich ehrlich gesagt auch nicht so richtig. Ich habe dort einfach nicht so richtig reingepasst und habe mich immer wie die reinste Außenseiterin gefühlt. Man hat die Ablehnung der anderen sehr gespürt.
Seitdem sind fast 6 Jahre vergangen, ich bin älter und erfahrener und bin Zahnärztin und kein Azubi mehr. Trotzdem schürt diese Erfahrung damals natürlich jetzt sehr meine Angst, dass ich vielleicht am Ende wieder alleine dastehe. Stumpf gesagt: die Angst davor, dass mich keiner mag.
3. Hinzu kommt natürlich die Gesamtsituation: neuer Job, neue Wohnung, komplett neue Stadt, noch keine Freunde oder Familie hier. Auch ein ganz neuer Alltag- jetzt hab ich feste Arbeits- und Urlaubszeiten, keine 2 Monate Semesterferien oder einfach mal einen freien Wochentag mehr. Verliere ich den Job, weil ich nicht gut genug bin, so bekomme ich einfach kein Geld mehr.

Vermutlich sind das Situationen, die viele von euch schon so erlebt haben und letztendlich wird vermutlich auch alles halb so schlimm. Trotzdem macht es mir jetzt gerade einfach eine riesige Angst vor der Zukunft.

Was habt ihr denn so für Erfahrungen im Job- Einstieg gemacht?
 

tomtom1972

Aktives Mitglied
Erstmal herzlich willkommen hier.
Naja, es ist noch keine Meisterin vom Himmel gefallen, grins, der Chef weiß ja, was du für eine Qualifikation und Erfahrung hast, und wird dich schon nicht am ersten Tag ins kalte Wasser schmeißen.
Außerdem kennst du ja schon den größten Teil des Teams, oder?
Wer weiß, was du für tolle nette neue Menschen kennenlernst.
und selbst wenn es nicht so ist wie du es dir vorgestellt hast, du hast ein abgeschlossenes Studium und kannst dir jederzeit eine andere Stelle suchen.
Ich weiß das einen das plagt, und du kannst gerne jederzeit hier schreiben wenn du nen moralischen Durchhänger hast.
 

Q-cumber

Aktives Mitglied
Liebe @zahnfee97,

Du hast mit Deinen letzten Sätzen schon recht - so geht es fast jedem, der nach dem Studium in den Job einsteigt.
Im Gesundheitssektor ist der Druck, den man sich selbst macht, natürlich nochmal höher - es geht ja schließlich um Menschen und so hat man das Gefühl, sich keinen Fehler erlauben zu dürfen.
Du wirst sehen - am Ende ist tatsächlich alles halb so schlimm.
Es ist gut, dass Du Dir jetzt solche Gedanken machst. Viel schwieriger sind die Kolleg*innen, die frisch von der Uni kommen und meinen, sie wüssten ganz genau, wo der Hase längs läuft.
Wissen sie natürlich nicht. Es IST etwas Anderes, allein verantwortlich zu sein . Es IST etwas Anderes, sich neben der Behandlung auch noch nen Kopf um Dokumentationen, Scheinzahlen, Abrechnung bis hin zu Problemen mit der EDV zu machen.
Weißt Du, was das Gute am Jobstart ist? Du wirst am Anfang so viel arbeiten, dass Du irgendwann gar keine Zeit mehr hast, Dir Sorgen zu machen ;)!
Du KANNST eine ganze Menge, vertrau Dir da ein bisschen mehr. Und -ganz wichtig!- es ist das Recht des Berufsanfängers, langsamer zu sein als die "alten Hasen" und nachzufragen, wenn Unsicherheiten bestehen.
Du wirst nicht bei jedem Patienten das Gefühl haben, eine Zweitsicht durch den Praxisinhaber zu benötigen. Ich bin mir sicher, dass Du ein gutes Bauchgefühl entwickeln wirst, wann Du den Chef brauchst und wann nicht. Und das ist übrigens wichtig: WENN Dir Dein Bauchgefühl sagt, dass etwas im Argen liegt - höre auf das Bauchgefühl! Mich persönlich hat mein "innerer Sensor" da noch nie im Stich gelassen.
Du wirst nach und nach in die Verantwortung hineinwachsen. Niemand erwartet von Dir, dass Du jetzt schon arbeitest wie jemand mit 10 Jahren Berufserfahrung. Sei ein bisschen geduldig mit Dir selbst!

In Bezug auf die Zahnarzthelferinnen kann es natürlich sein, dass Du eine ungünstige Praxis erwischt hast damals. Ich würde an Deiner Stelle am ersten Arbeitstag einfach mit entwaffnender Ehrlichkeit auftreten: sag ihnen, dass Du Dich sehr freust, jetzt im Team zu sein. Das Du aber auch tierisch aufgeregt bist. Bitte sie, Dich direkt anzusprechen, wenn Du etwas nicht so machst, wie sie es normalerweise von den Behandlern gewohnt sind.
Und dann gib Dir auch da ein wenig Zeit: sei nett und freundlich, hör den Kolleginnen zu und bring gelegentlich mal ein paar Süßigkeiten für den Pausenraum mit. Sich Kennenlernen dauert seine Zeit, die eine oder andere braucht ein wenig länger, um "warmzuwerden", beziehe Zurückhaltung nicht auf Dich.

An den Wochenenden würde ich an Deiner Stelle versuchen, die Stadt ein bisschen zu erkunden und Dich zu ERHOLEN - sei es bei Spaziergängen, Schwimmen, Sauna oder Fitness.
Wenn Du Dich ins Arbeiten ein wenig reingefuchst hast, kannst Du Pläne schmieden, wie Du außerhalb der Arbeit neue Kontakte knüpfst.

Ich wünsche Dir ganz viel Spaß beim Start ins Berufsleben.
Du packst das schon!
 

zahnfee97

Mitglied
@tomtom1972 danke für die Antwort. Du hast schon Recht- der Chef kennt meine Qualifikation und zur allergrößten Not kann ich die Stelle wechseln. Das Team kenne ich aber leider noch nicht, nur den Chef (da ich fast 1000km entfernt studiert habe konnte ich nur an einem Tag zum Vorstellungsgespräch kommen und da war leider nur noch der Chef da).
@Q-cumber danke auch dir. Ich versuche das alles zu beherzigen (vor allem im Umgang mit dem Rest des Teams). Du hast schon recht- vermutlich werde ich schnell da rein wachsen.

Eins macht mir noch Sorgen- ich bin 24, sehe aber aus wie 17-18 (wurde glaube ich rein vom Aussehen her noch NIE älter geschätzt, erst wenn ich mit Leuten rede merkt man, dass ich doch etwas älter bin). Ich habe daher etwas Angst in der Praxis nicht erst genommen zu werden, bzw. dass die meisten mich als den kleinen Azubi sehen und Angst bekommen, wenn ich mich als ihre Zahnärztin vorstelle^^. Aber naja, daran kann ich ja nicht wirklich was ändern. Das kann ich wohl nur mit Humor nehmen...
 

Q-cumber

Aktives Mitglied
Eins macht mir noch Sorgen- ich bin 24, sehe aber aus wie 17-18 (wurde glaube ich rein vom Aussehen her noch NIE älter geschätzt, erst wenn ich mit Leuten rede merkt man, dass ich doch etwas älter bin). Ich habe daher etwas Angst in der Praxis nicht erst genommen zu werden, bzw. dass die meisten mich als den kleinen Azubi sehen und Angst bekommen, wenn ich mich als ihre Zahnärztin vorstelle^^. Aber naja, daran kann ich ja nicht wirklich was ändern. Das kann ich wohl nur mit Humor nehmen..
Das kannst Du wirklich nur mit Humor nehmen! Anfangs sind Patienten vielleicht mal kurz irritiert, vor allem die Älteren, für die Frauen in Weiß grundsätzlich MFAs, Krankenschwestern und Laborschwestern sind- aber irgendwann lernen sie es dann doch.
Und immerhin - in Zeiten des Masketragens ist das halbe Gesicht ja auch verdeckt ;)!
 

zahnfee97

Mitglied
@tomtom1972 Jaaa ist nur etwas her seit dem letzten Beitrag 😅. Doktor.med.dent. bin ich leider (noch) nicht, aber zumindest könnte ich mir groß "Zahnärztin" drauf schreiben ;)

@Q-cumber ich glaube die Maske macht es eher schlimmer als besser :D. Naja, irgendwann kennen die Patienten einen dann doch hoffentlich ;)
 
G

Gelöscht 120235

Gast
Hallo,
zunächst, meinen herzlichsten Glückwunsch zum bestandenen Examen und zum erfolgreich eingeschlagenen Weg hin zur Approbation!!!
Du bist Dir unsicher, was Dich erwartet? Ob Du den Anforderungen der Praxis , weitgehend auf Dich allein gestellt, entsprechen kannst? Oje...
Ich (67) bin ja heute noch fast so unsicher wie in der Assistenzzeit! Da gibt es keine Routine. Es darf keine Routine geben! Demzufolge ist Deine Sorge nicht unbegründet, aber eigentlich einfach handhabbar. Mein Ober sagte immer: " Fragen kostet nichts, Arroganz kostet die Appro." Natürlich kann niemand von einem "Frischling" von der Uni erwarten, dass dieser sogleich eine Implantation mal so eben nebenbei vornimmt! Das dürfte noch etliche Jahre ( oder nie) dauern. Aber einfache Tätigkeiten jetzt endlich mal alleine ausführen zu dürfen, das ist doch mal was. Es ist eigentlich genau wie im Studium- und wenn ich mich recht erinnere, fangen Studenten im 1. Semester nicht mit einer Herzkatheteruntersuchung an! Es geht Stück für Stück aufwärts. Ich habe nun keine Ahnung von Stomatologie ( wie es damals bei uns hieß), aber sooo anders als in allen anderen Bereichen wird es dort auch nicht sein. Ich kam an einen Ober, der war so um die 60 Jahre alt. Gutmütig, ruhig, aber fachlich und menschlich einfach nur top. Der stand laufend hinter mir, nicht um ( wie ein Prof an der Uni), mir zu sagen, daß ich völlig verbödet sei, ( das weiß ich alleine!), sondern um mir zu zeigen, wie ich das Gelernte noch besser anwenden kann. Stück für Stück ging es vorwärts und nach ein paar Jahren, stellte ich fest, dass ich eigentlich nichts weiß, aber das bisschen, was ich wusste und heute noch weiß, das sitzt und ist unvergessen! So wird es auch Dir gehen- keine Sorge! Allein gelassen bist Du nie! Die Teambesprechungen sind unendlich lehrreich, aber auch sehr fordernd, denn es wird von Dir erwartet, daß Du Dich nun selbständig weiterbildest und mit Deinem Wissen zur Weiterbildung des Teams beiträgst. Das Rüstzeug dazu hast Du im Studium mitbekommen. das ist also kein Problem.
Ebenso für die wissenschaftliche Arbeit, welche Du nie vernachlässigen solltest. Mein Tipp: Pflege vor allem auch die Sprachen: Latein, Griechisch und Englisch. Letzteres ist heute ja fast schon wichtiger als alle anderen. Sei also unbesorgt: Solange kein Kind nach der Behandlung zur Mutter rennt und freudig ruft: " Mami, Mami, sie hat überhaupt nicht gebohrt, nur alle Zähne gezogen", ist die Welt völlig i.O. .
Fehler zu machen, ist die Natur der Sache, solange diese geringfügig, nicht schädigend und nicht vorsätzlich geschen. Aber kein Arzt ist vor Fehlern gefeit, wie kein Automechaniker ( und auch da hängen Menschenleben dran und, und, und.) Wir sind nur Menschen, keine allmächtigen Götter in Weiß! Also: Brust raus, Kopf hoch und ran an die Patienten! Wem Du zu jung aussiehst, zu unerfahren wirkst, oder sonstwas, darf ruhig seinen Zahnschmerz behalten, bis er einen Termin bei einem älteren KollegIn bekommt. Seine Entscheidung- nicht Deine!

Also: good luck! Viel Erfolg und frohes Schaffen.
Gruß Odysseus
 
Zuletzt bearbeitet von einem Moderator:

zahnfee97

Mitglied
@Odysseus Hallo und vielen lieben Dank für deine Antwort! Auch schön mal so ein paar aufmunternde Worte und Erfahrungen von jemandem aus dem medizinischen Fachgebiet zu bekommen. Ich wünsche mir auch sehr, dass mein Chef so geduldig und ruhig ist wie ein Oberst damals! Man erlebt ja gerade in der Uni auch leider genug lehrende Ärzte, die das leider gar nicht können und einem das Studium teilweise zur Hölle machen. Hoffentlich läuft das jetzt besser. Das wurde mir auch schon als Tipp für die Bwerbungen gesagt- sieh zu, dass du mit deinem Chef zu klar kommt, das ist das allerwichtigste, denn wenn es da hapert, dann macht es dir das Leben unnötig schwer! Das habe ich auch versucht zu berücksichtigen. Und du hast ja recht- wenn jemand auf Grund des Alters nicht zu mir möchte, dann ist das sein Problem und nicht meins. Weiterbildungen und sprachlich auf Kurs bleiben werde ich natürlich auch berücksichtigen ;)

@Frau Rossi dankeschön, ich freue ich darauf mal einen neuen Fleck von Deutschland kennen zu lernen! Und zumindest hab ich meinen Freund dabei, sodass ich nicht ganz alleine bin.
 

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