Nachdem es nun mehrere Gäste gibt, die hier antworten, nicht nur mich als Themeneröffner, nenne ich mich nun mal GastTE, nicht dass es noch ein Durcheinander gibt.
Also: Ich habe meinem Freund davon erzählt, dass meine Tante sich totgetrunken hat, von meinem Vater habe ich auch erzählt, aber nur wenig. Ich wollte ihn nie schlecht machen, vor Menschen die ihn nicht kennen. Auch wenn er jahrelang getrunken hat, hat er sich immer um seine Familie gekümmert und ja letztendlich auch den Absprung geschafft. Er ist ein toller und wunderbarer Mensch - trotz allem was früher mal schief gelaufen ist. Und ich wollte nie, dass ihn "Fremde" als Alkoholiker abstempeln und er diesen Stempel nie wieder los wird.
Sorry, aber die Meinung, dass es schwer ist jemanden zu finden, der eine anderer Einstellung zum Alkohol hat, kann ich nicht teilen. Die meisten Freunde die ich habe, trinken zwar ab und zu mal gern, aber sind weit davon entfernt es als normal anzusehen, sich wöchentlich zu betrinken.
Und ob es nun in den Genen liegt oder nicht - jeder trifft die Entscheidung selbst, ob er trinkt oder nicht und wenn er trinkt, wie es dann weiter geht. Gene und Vererbung als Entschuldigung zählen da nicht. Das ist bloß raus reden.
Mein Vater hat getrunken - es gibt viele Gründe dafür - ich trinke gar nichts und mein Bruder hat nachdem er in seiner Jugend alles ausprobiert hat, eine gesunde Einstellung zum Alkohol entwickelt. Er weiß wo seine Grenzen sind, trinkt mal gern ein Bier oder auch mehr und dann ists aber auch wieder gut.
Co-Abhängigkeit ist so ein Thema. Eigentlich ein eigenes Thema für sich. Klar ist die Familie coabhängig, wenn z.b. wie bei mir, der Vater trinkt. Das geht ja gar nicht anders, da sie durch das Verhalten desjenigen beeinflusst wird, der trinkt und darauf reagiert. Und ehrlich gesagt, ich habe mich mit dem Thema beschäftigt - früher schon, als ich begriffen habe, was bei uns zu Hause eigentlich das Problem war, aber es hat mich ehrlich gesagt sehr wütend gemacht. Es heißt, Coabhängige unterstützen das Verhalten des Trinkers und die Alkoholsucht, indem sie verschiedene Dinge tun ... wie z.B. den Haushalt, das Umfeld weiter in Ordnung halten, versuchen das Trinken zu kontrollieren, teilweise sogar helfen, Alkohol zu beschaffen, die Trinkerei zu vertuschen. Es gibt tausend Berichte und Beiträge darüber. Aber mal ehrlich: hätte meine Mutter unsere Familie zerstören sollen, indem sie uns Kinder packt und geht? Ja, wenn es schlimmer gewesen wäre vielleicht. Aber wenn ich jetzt sehe, was wir für eine Familie haben: nein, es wäre niemals richtig gewesen. Aber ich bewundere sie auch dafür, wie lange sie durchhielt ohne zu wissen, ob es jemals anders wird.
Nun leben mein Freund und ich nicht zusammen. Jeder hat seinen eigenen Haushalt und hat damit auch seine eigenen Rechnungen zu zahlen. Unter der Woche trinkt er nichts und braucht auch nichts. Und ich hoffe und bete, dass er auch am Wochenende wieder weniger trinkt. Ob er das umsetzt, so wie er es versprochen hat, das wird sich wohl in den nächsten Wochen zeigen. Ich für mich habe nun beschlossen, wieder mehr mit Freundinnen zu unternehmen. Einfach um für mich einen Ausgleich zu haben. Mein Freund und ich, wir sehen uns fast täglich. Eigentlich täglich. In Gesprächen sind wir seit dem Wochenende immer wieder drauf gekommen, dass er einfach zu viel getrunken hat, das gibt er offen zu ... nun, was er daraus macht, ist seine Entscheidung. Ich wünschte, ich wüsste jetzt schon, wie es weiter geht ...
Die Partner die ich bisher hatte, haben nichts oder nur wenig getrunken, oder sind nur auf vereinzelten Festen mal abgestürzt. Damit kann ich leben. Und ich bin echt niemand, der sich auf einmal hinstellt und sagt: pass auf, entweder Du trinkst weniger oder Du wirst mich verlieren. Aber wenn er nicht weniger trinkt, wird es irgendwann darauf hinaus laufen... Irgendwann.