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Angst, dass man mir Diebstahl unterstellt

A

Aljona

Gast
Hallo ihr,

ich möchte mich noch mal melden und hoffe auf ein paar Antworten von euch.

Heute hatte ich Spätdienst und als ich nach 19 Uhr nach Hause kam, habe ich erst mal ganz lange geweint. Ich kann nicht mehr! Ich habe das Gefühl, es ist alles aus und ich werde den Job bald verlieren. Den Job, der mir in den vergangenen eineinhalb Jahren so viel Halt gegeben hat!

Als ich nachmittags zum Dienst kam, wurde ich an der Tür von einer Kollegin sehr säuerlich begrüßt mit der Frage, wo ich denn heute Morgen gewesen sei. Ich sei für den Transfer zum Gottesdienst eingeplant gewesen. Ich war überrascht und sagte, dass in meinem Dienstplan Spätdienst stehe. Es gibt eine Mappe, wo Abweichungen vom Dienstplan stehen und genau die hatte ich noch am Donnerstag zusammen mit einer anderen Mitarbeiterin gesucht, um vorsichtshalber nachzusehen. Doch die Mappe war nicht aufzufinden. Wir müssen dann auch abzeichnen, dass wir die Dienständerung gelesen haben.
Gestern hatte ich eine Fortbildung und war vorher im Büro, wo ich meine Vorgesetzte antraf. Sie hat mich auch nicht darauf angesprochen. Also kann ich es auch nicht gewusst haben.

Ich hatte ja von dem Bewohner geschrieben, dem ich einige Gefälligkeiten erwiesen hatte und der dann recht fordernd wurde. Da gab es auch eine seltsame Sache, dass sein Testament verschwunden war und ich während meines Urlaubs von meiner Vorgesetzten angerufen worden bin. Ich habe diese Woche nicht nachgefragt, was daraus geworden ist, nachdem ich von der Verwaltungsmitarbeiterin am Telefon so angeschnauzt worden war.

Jedenfalls war ich gestern noch mal bemüht, für den alten Herrn eine neue Handykarte zu bekommen. Doch in dem entsprechenden Laden wurde mir gesagt, dass ich keine für ihn kaufen könne. Er war heute natürlich enttäuscht, dass er so halt nur übers Festnetz telefonieren kann. Da er eine gesetzliche Betreuerin hat, muss sie das für ihn erledigen.
Er sagte mir, dass es im Moment nichts gebe, was ich sonst für ihn tun könne. Doch er würde gern meine private Telefonnummer haben, falls ihm noch etwas einfalle. Ich antwortete, dass ich als Mitarbeiterin keinem Bewohner meine private Telefonnummer geben dürfe. Das sei ja auch nicht notwendig, da ich fast jeden Tag im Dienst bin. Was er nicht verstand und worüber er ganz offensichtlich verärgert war.

Das hat mich schon etwas traurig gemacht, aber es war eine Kleinigkeit im Vergleich zu dem, was später kam. Ich ging ins Büro vom sozialen Dienst und traf dort eine Mitarbeiterin an, die vor drei Wochen bei meiner dritten Arbeitsprobe innerhalb kurzer Zeit anwesend war und dazu eine Beurteilung geschrieben hat. Die Beurteilung war leider schlecht, da ich beim Gruppenangebot einen ungünstigen Platz gewählt hatte. Die Mitarbeiterin fragte mich, ob meine Vorgesetzte schon mit mir gesprochen habe, was ich verneinte. Ich ahnte schon, dass nichts Positives kommen konnte. Für nächste Woche ist eine vierte Arbeitsprobe vorgesehen!
Ich weiß nicht, wie das funktionieren soll, denn bei jeder weiteren Leistungskontrolle werde ich doch immer unsicherer. Man hat ja nur noch im Hinterkopf, jetzt nur keinen Fehler machen!

Zudem kommt, dass ich kaum noch in der Lage bin, die Bewohner zu besuchen, die an keinem Gruppenangebot teilnehmen. Nächste Woche habe ich jeden Tag Gruppenangebote. Ich muss insgesamt 30 Bewohner betreuen, da meine Kollegin in Urlaub ist. Bei mehr als der Hälfte ist nur Einzelbetreuung möglich, und es wird genau kontrolliert, ob auch jeder besucht und dokumentiert wurde. Einige müssen sogar zweimal besucht werden, da sie gerade erst eingezogen sind oder palliativ betreut werden.
Ich arbeite nächste Woche aber nur an vier Tagen, d.h. insgesamt 16 Stunden.

Außerdem habe ich zusätzliche Aufgaben bekommen wie in allen Wohnbereichen den Bestand in den "Sterbekästchen" zu kontrollieren und aufzufüllen, einige Bewohner zu fotografieren, etc. Diese Aufgaben soll ich bis Anfang kommender Woche erledigt haben.

Vielleicht sehe ich das Ganze übertrieben, aber ich habe den Eindruck, dass man mich rausekeln will.

Oder warum werde ich sonst so unter Druck gesetzt?

Ich habe geweint, weil ich den Grund nicht nachvollziehen kann.
Immer habe ich mein Bestes gegeben, habe alles für die Bewohner gemacht, habe ordentlich dokumentiert, bin selten pünktlich gegangen, sondern habe oft länger gemacht.

Wie soll ich mich verhalten?
Kann ich meine Vorgesetzte darauf ansprechen, dass ich überfordert bin mit der Situation?
 

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Berdine

Aktives Mitglied
Du solltest da einiges trennen.

Zu den Bewohnern solltest du freundliche Distanz wahren und nur das machen, was dir aufgetragen wird.

Wer hat dir gesagt, dass du eine sim-karte kaufen sollst? Klingt für mich tatsächlich so, als sei das Sache der Betreuerin, weil die dich sein Geld verwaltet. Hast du doch da vorher erkundigt? War das in der Dienstzeit?

Was sind das für Arbeitsproben und warum lief die letzte schlecht?

Wie umfangreich sind die Zusatzaufgaben?

Du kannst mit der Vorgesetzten sprechen, aber ohne den Verdacht des rausekelns anzusprechen. Vielleicht bist du schlecht organisiert. Auch das mit den getauschten Diensten ist schlecht geregelt und gehört abgeklärt.
 

ßßx

Aktives Mitglied
Bei Leistungskontrollen ist man generell unsicherer als sonst. Prüfungssituationen stressen fast alle. Mach dir dabei aber klar, dass Altenpfleger gesucht sind. Wenn die dich feuern, findest du woanders vielleicht ein weniger vergiftetes Umfeld.
Ich würde bei der Chefin nicht von subjektiver Überforderung sprechen.
Wenn du aber mehr Arbeit aufgebrummt bekommst als in der regulären Arbeitszeit abgeleistet werden kann, dann würde ich keine unbezahlten Überstunden machen.
Du wirst ja so oder so über deine Einsätze Buch führen. Falls nicht, mach das. Dann kannst du bei Anschuldigungen nachweisen, dass man dich objektiv überfordert und dass das so nicht weitergehen kann.
Setz dich einfach mal mental auf ein höheres Ross: Bei Pflegekräften stehen die Heime Schlange.

Und: Warum gibt dir eine Stelle mit so einem so negativen Ambiente Halt?

Außerdem finde ich, dass du vieles richtig machst. Du weißt meist ganz genau, wie weit du mit den zu Pflegenden umgehen musst, welche Vertraulichkeiten den Bogen überspannen. Lass dir diesen sicheren inneren Kompass von niemand stören.
Ich denke, du machst das schon richtig.
 

SFX

Aktives Mitglied
Hallo,

Das klingt alles sehr unschön. Aber ich habe einen guten Tipp für dich: Nimm dir das alles nicht zu Herzen. Mach du DEIN Ding und lass dich nicht beirren und verunsichern. Sei für die da, die auf dich angewiesen sind und die du bereits so liebevoll betreust. Du machst alles richtig.

Die Mappe war nicht auffindbar, die Änderungen hast du nicht gesehen. Belegbar durch die Tatsache, dass du nicht unterschreiben hast. Das ist wirklich nicht dein Problem.

Die werden dir auf gar keinen Fall kündigen können, da sie auf deine Unterstützung angewiesen sind. Wie du siehst bekommst du jede Menge Zusatzaufgaben, die ansonsten unerledigt bleiben würden.

Hab keine Angst, du machst das alles gut! Auch mit dem alten Mann, der dich so zu mögen scheint. Das gibt es und das ist etwas ganz normales. Wenn man mit Menschen zu tun hat, kommt das vor. Eben weil wir Menschen sind. Daher weiter so, wie bisher.

Viele liebe Grüße,
SFX
 

tonytomate

Aktives Mitglied
Keinen Kopf machen, die Arbeitswelt in vielen Vorzeigefirmen in D ist einfach nur noch krank.

Ich war mal als Kaufmann für die Organisation eines Filialisten tätig. Jeder Vorgang am PC ist dokumentiert mit genauer Zeitvorgabe auf die Sekunde. Und wehe, zwischendurch ruft ein Kunde an, der PC hängt, der Drucker ist leer oder etwas, was man als normal bezeichnen würde, passiert. Das System der Perfektion kommt durcheinander. Zu guter Letzt wurde der Klopapierverbrauch dokumentiert, Sensorschalter in Kantine und auf Toilette, daß man nach x Minuten im Dunkeln sitzt - Lösung - Sensor abkleben. Dummerweise kam der Chef rein, konnte aber nicht zuordnen, wer es war, lach. Im Lager die selbe verrückte Scheisse. Jeder Arbeitsvorgang Minutengenau erfasst. Ich sagte den Leuten noch, sie sollen ein 10-15 Minuten draufschlagen. Die waren natürlich naiv und gutgläubig bis blöd. Anschließend wurden einige gefeuert. Wenn einer im Lager aufs Klo will, muß die Person sich beim Schichtleiter melden, um den Schlüssel für die Toilette zu bekommen. Hin und wieder kommt ein Schlüssel nicht zurück, sodaß sich dann der ein oder andere in die Hose machen kann. Alles schon passiert. Eine Frau ist anschließend heimgefahren. Einer wußte sich nicht zu helfen und hat sich in der Dusche entledigt. Im Großraumbüro hat jeder Mitarbeiter eine Symbolkarte. Muß einer aufs Klo, hebt er die Karte hoch, sodaß jeder sehen kann, aha, kacken. Der Rollenverbrauch wird erfasst. An jedem Arbeitsplatz hängt eine Domkamera. War mal im Privatgemach des Chefs. Der hat eine Videoleinwand von der ganzen Firma mit Bild und Ton. Jeder Mitarbeiter kann gefilmt und abgehört werden. Gibt sogar eine Geheimfunktion am Telefon. Wenn man eine bestimmte Tastenkombination drückt, kann man hören, was in einem anderen Büro gesprochen wird. Die hatte ich aus Versehen ausgelöst, was für große Irritationen sorgte, da ich auf Laut gestellt hatte, lach. Das war voll der Brüller die Lästerei einiger Leute im Großraumbüro zu hören, echt. Diese kranke Mobbingscheisse ist doch mittlerweile in jedem dritten Betrieb. Kenne viele Leute, die mit Bauchweh auf die Arbeit fahren.

Die Firma wäre ein Fall für Wallraff. Einfach krank. Ich habe freiwillig gekündigt, sonst wäre ich in der Klapse gelandet. In der hiesigen Zeitung wird der Inhaber gefeiert als Held der Arbeit, um es überspitzt zu sagen. Eigentlich müßte man ihm eine Torte ins Gesicht werfen.

Ständig diese bekloppten Leistungsbeurteilungen. Ja, sowas habe ich auch schon erlebt. Da mußte ich seitenweise schreiben und erklären, was ich die Woche so getrieben habe, Umsatzlisten, was ich wert bin fürs Unternehmen, warum ich Betrag X wert bin im Verkauf als Bonuszahlung und und und. Man bekam ständig neue Aufgabenbereich und wurde bewertet. Man mußte sich dann in die Mitte von 20 Leuten stellen, jeder hat irgendeinen Mist gelabert und man hat gebetet, den Job behalten zu dürfen. Irgendeiner hat meine Nase nicht gepasst, dann hieß es Tschüss Toni, Du passt nicht ins Team.

Ja, welches Team eigentlich? Das sind keine Teams, das sind einfach nur weichgespülte Jasager und Speichellecker.
 
Zuletzt bearbeitet:

tonytomate

Aktives Mitglied
Ich denke, Du bist in dem Saftladen da fehl am Platze. Guck mal in die Zeitung, ob eine andere Einrichtung jemanden sucht und sei es an der Pforte als Wegweiser. In dem jetzigen Betrieb wirst Du krank. Man braucht einen Job, wo man hinfährt, sein Ding macht, nach Hause fährt und gut ist. Wenn man die Sache noch mit nach Hause nimmt, das ist nicht gut.
 

bertil

Aktives Mitglied
Zur Schwere des Delikts muss man wieder einmal erinnern, das Deutschland nicht in Indien liegt und so ein Tablet firmiert in unseren Breiten nicht mehr als Wertgegenstand, insb. nicht in
einem medizinischen Umfeld rotfl

Das wär ja schrecklich! Wenn ein Sch..Tablet ein Wertgegenstand sein sollte, würde es die tagtäglichen Malversationen unsrer Leistungsträger und Kapitalinhaber noch einmal in völlig irre, neue Dimensionen rücken. Ich hab was gegen die Einführung einer neuen, parallelen Untertanenmentalität, in der "die Anderen" wegen Tablets schlaflose Nächte bekommen. Könnte ev. ein Besucher da rangekommen sein? Dann wird der Fall sowieso unlösbar.

Ehrlichkeit ist eine wichtige, persönliche Lebensentscheidung und da sollte man keine Kompromisse machen. Mehr Ehrlichkeit wäre schön und wichtig, aber so wie der Fisch vom Kopf weg stinkt, braucht man keine Bauernopfer suchen gehen und das gilt allzuoft schon für die Anstaltsleitung selber. Wie gesagt geht es nicht um viel, Du solltest dieses Theater nicht an Dich heranlassen. Die Aufregung und das in Folge gestörte Verhältnis zueinander, kostet so eine Institution viel mehr als der Nachkauf. Man wird es wohl einfach nachkaufen und dann gibts für die Zukunft ein Protokoll dazu o.ä.

In der Regel ist das sogar kalkuliert. Wird der Schwund zu groß, bleiben eben die Lohnerhöhungen aus. Für den Arbeitgeber ist das sogar noch ein Gewinn, wenn er sich dabei auf solche Kleinigkeiten ausreden kann. Schon deshalb ist Diebstahl in den Unternehmen ein Schuß ins Knie. Die Generalverdächtigen (alle weniger Privilegierten in der Belegschaft) bezahlen das schuldig oder nicht höchst selber, durch mehr Knausrigkeit bei der Entlohnung. Und wie gesagt gehen die profitablen Strafmaßnahmen noch darüber hinaus.
 
Zuletzt bearbeitet:
A

Aljona

Gast
Danke für eure Antworten.
Tut mir leid, dass ich erst jetzt schreibe, aber mir geht es seit ein paar Tagen nicht gut. Am Montag habe ich eine Grippeschutzimpfung bekommen und fühle mich seitdem wie erkältet.

Ja, es ist leider so, dass in dieser Pflegeeinrichtung einiges schief läuft.
Nach den Diebstählen ist das Arbeitsklima noch schlechter als vorher. Doch zumindest frage ich mich jetzt nicht mehr, ob ich verdächtigt werde. Ich bemerke halt nach wie vor eine gewisse Feindseligkeit einiger Kolleginnen mir gegenüber.

Eines der Tablets ist übrigens wieder aufgetaucht. Es lag irgendwann letzte Woche plötzlich auf dem Schreibtisch meiner Vorgesetzten. Vielleicht hat den Dieb das schlechte Gewissen geplagt, gleich zwei Tablets entwendet zu haben. Dieses und ein weiteres, das nicht verschwunden war, wird nun in einen Schrank geschlossen und wir müssen vor Benutzung nach dem Schlüssel fragen und eine Unterschrift leisten. Sicher ist das auch nicht, da inzwischen jeder weiß, in welcher Schublade sich der Schlüssel befindet.

Die Organisation läuft auch mehr schlecht als recht. Es ist eh ein Unding, dass immer irgendwo eine Mappe mit einer Liste im Büro rumfliegt (mal liegt sie hier, mal liegt sie dort) und man nur so von Abweichungen im Dienstplan erfährt, die manchmal sehr kurzfristig erfolgen.
Jedenfalls ist die Mappe, nach der ich letzte Woche gesucht hatte, nun auch endgültig verschwunden.
Verständlich, dass meine Vorgesetzte irgendwann auch mal die Nase voll hat. Nur konnte sie mir keinen Vorwurf machen, dass ich am Samstag nicht wie eingeplant schon morgens zum Dienst erschienen bin.

Am Dienstag hatte ich meine vierte Arbeitsprobe, da bei den letzten drei Leistungskontrollen immer etwas bemängelt worden war. In den ersten beiden ging es überwiegend darum, dass ich zu leise gesprochen habe. Bei der dritten habe ich beim Gruppenangebot leider meinen Platz ungünstig gewählt, so dass ich nicht zu allen Bewohnern Blickkontakt hatte.
Daher musste ich durch eine vierte Arbeitsprobe. Die Mitarbeiterin vom sozialen Dienst war nur 5 Minuten anwesend und ging dann, was mich irritierte. Als ich nachfragte, war die Antwort, man habe sich nur davon überzeugen wollen, dass ich dieses Mal einen besseren Platz für mich auswählen würde.

Für mich ist das natürlich kein gutes Zeichen, dass man sich viermal innerhalb weniger Monate von meiner Leistung überzeugen musste. Das wird auch auf die Einrichtungsleiterin nicht positiv wirken, die schließlich ein Wort mitzureden hat, wenn es um die Entfristung eines befristeten Vertrages geht.

Hier kam die Frage, warum ich an einem Job festhalte, obwohl das Arbeitsklima schlecht ist.
Vielleicht ist es die Macht der Gewohnheit. Außerdem habe ich viele Bewohner ins Herz geschlossen, auch wenn ich weiß, dass manche von ihnen möglicherweise schon in einem Jahr nicht mehr leben werden.

Nur frage ich mich mittlerweile, ob es für mich wirklich gut ist, an diesem Job festzuhalten.
Was würde mir eine Entfristung nutzen, wenn mindestens die Hälfte meiner Kolleginnen gegen mich ist?

Ja, der alte Herr mag mich, und ich mag IHN mehr, als mir lieb ist. Zwar versuche ich immer wieder, auf Distanz zu gehen, aber es ist schwer. Er sitzt die meiste Zeit im Aufenthaltsraum und ich fühle mich ständig von ihm beobachtet, wenn ich mit anderen Bewohnern beschäftigt bin.
Wenn ich in seine Nähe komme, spricht er mich sofort an und möchte etwas erklärt bekommen oder einfach reden. Ich würde gern mehr Zeit mit ihm verbringen, kann das aber leider nicht.
Er teilt sein Zimmer mit einem leicht geistig retardierten Mann, den ich auch betreue. Dieser Bewohner ist sehr distanzlos, macht mir Komplimente, fragt nach meinem Mann. Ich nehme ihn so, wie er ist, aber der alte Herr fühlt sich gestört durch ihn und schnauzte ihn an, dass er mir doch wohl anders entgegentreten müsse. Der Andere meinte aber, dass ich seine Freundin sei. Was der alte Herr dann wohl lustig fand und augenzwinkernd meinte, dass ER eher da gewesen sei. :D

Heute hat sich der alte Herr richtig lieb verhalten. Ich hatte seinen Bettnachbarn besucht und als ich aus dem Zimmer kam, kam er mir entgegen. Er wollte nachsehen, ob ich immer noch im Zimmer sei und vielleicht nicht da wegkomme. Sein Bettnachbar habe nun mal die unmögliche Art, nach der ganzen Hand zu greifen, wenn man ihm nur einen Finger reiche. Da hat sich wohl sein Beschützerinstinkt gemeldet.

Wo ich allerdings nicht zustimmen kann, ist, dass mein Arbeitgeber auf mich angewiesen ist. Man hat sich schon von einigen Betreuungskräften getrennt und ganz schnell wieder neue eingestellt. In der Betreuung ist die Situation ja eine andere als im Pflegebereich, wo immer händeringend Arbeitskräfte gesucht werden.

In zwei Wochen muss ich mich beim Arbeitsamt arbeitsuchend melden. Mir bleibt jetzt nur abzuwarten, wie sich mein Arbeitgeber entscheiden wird. Das werde ich sicherlich erst einige Wochen vor Ablauf des befristeteten Vertrages erfahren. Bis dahin werde ich mein Bestes geben.
 
A

Aljona

Gast
Entschuldigt, dass ich hier noch mal mein Herz ausschütte. Ich habe niemanden, mit dem ich über meine Probleme am Arbeitsplatz sprechen kann. Meine Bekannten möchten eher nur das Unterhaltsame und Positive hören. Deshalb kann ich sie auch nicht als Freunde bezeichnen.

Es gibt Tage, wo ich ehrlich gesagt Zweifel habe, ob dieser Job der richtige für mich ist und ich in Zukunft noch darin arbeiten möchte.
Manchmal bin ich psychisch überfordert. Vor allem, wenn ich mir mal wieder etwas Wertschätzung wünsche, nicht nur von meiner Vorgesetzten, sondern auch von Bewohnern. Da kann es mich dann schon mal nerven, wenn der Ablauf des Bingospiels böse kritisiert wird oder ich von jemandem plötzlich nicht mehr beachtet werde.
Da ich selbst nicht so ganz stabil bin, ist es auch teilweise sehr belastend, Bewohner in Trauerphasen zu begleiten.

Von dem alten Herrn muss ich mich unbedingt distanzieren, damit mich sein Verhalten nicht mehr verletzen kann. Manchmal verstehe ich sein Verhalten auch nicht so richtig.

Gestern Abend hat er von seiner verstorbenen Frau gesprochen und ihm kamen wieder Tränen. Ich habe ihn getröstet und ihm dabei über den Arm gestreichelt.
Ich fand seine Reaktion darauf etwas merkwürdig. Nachdem er schon einige Male das Thema auf meinen Mann gelenkt hat (der ja nicht existiert), fing er gestern wieder davon an. Er fragte, wann er meinen Mann denn mal kennenlernen dürfe. Ich war perplex, denn warum interessieren sich Bewohner für die Partner vom Personal! Mich hat auch noch fast niemand auf einen Partner angesprochen. Ich habe jetzt einfach ehrlich gesagt, dass ich keinen habe, sondern allein lebe. Daraufhin wirkte er betroffen und meinte, das habe er nicht gewusst. Ich sagte, dass das doch kein Problem sei. Seine Antwort war, dass dann ja einer Freundschaft zwischen uns nichts im Wege stehen würde.

Leider habe ich die halbe Nacht schlaflos verbracht, weil es mich traurig gemacht hat. Selbst wenn er an einer Freundschaft mit mir auf Opa-Enkelin-Basis interessiert wäre, wäre es gar nicht möglich, das zu realisieren. Ich dürfte doch niemals in meiner Freizeit auch nur einen Kaffee mit ihm trinken oder etwas essen gehen, damit er mal für kurze Zeit aus dem tristen Alltag im Heim rauskäme.

Wenn ihr das so lest, glaubt ihr, dass ich mich überhaupt für den Job eigne?

Ich denke inzwischen, dass ich manche Menschen zu sehr ins Herz schließe, mich dadurch verletzbar mache und zu hohe Erwartungen auch an Vorgesetzte und Kollegen habe, was Wertschätzung und Anerkennung betrifft.
 

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