Hallo Leute,
anstatt einen Tagebucheintrag zu verfassen, gebe ich jetzt hier einfach mal meinen Senf dazu.
Prinzipiell stimme ich Matschgesicht zu und erkenne mich in seiner harten, sehr rationalen Haltung wieder.
Ironischerweise hasse ich mich selbst für meine Haltung, kann es aber einfach nicht ändern:
Ich fühle mich unattraktiv, ja in der Tat. Ich finde das Wort irgendwie besser, weil es den Leuten den Wind
aus den Segeln nimmt, die sich an dem Wort "hässlich" verbeißen. Gleichzeitig möchte ich betonen, dass ich
so wie auch Matschgesicht, mit "attraktiv" rein und gänzlich "äußerlich-attraktiv" meine, bzw. mich auf diesen
Aspekt beziehe (zumindest in dieser Diskussion).
Ich tue das deshalb, da ich mir völlig bewusst bin, dass die Gesamtattraktivität eines Menschen viele andere
Dimensionen hat, die beispielsweise für den Erfolg in einer Beziehung viel wichtiger sind.
Dennoch habe ich mit meinen 25 Jahren das Gefühl, dass gerade meine äußerliche Unattraktivität mich daran
hindert ein Leben zu führen, das ich als erfüllt bezeichnen würde. Undzwar im Sinne der Auslebung meiner Triebe und Bedürfnisse. Das ironische dabei ist: Ich zweifle eigentlich gar nicht daran, dass ich irgendwann mal die
"richtige" Partnerin finden werde, mit der ich dann auch meine Familie gründen werde. Ich habe nur Angst,
dass mich, wenn es soweit ist, das zermürbende Gefühl plagen wird, mich zuvor nicht ausgelebt zu haben.
Ständig hört man ältere Leute sagen, wie gut man es als junger Mann doch habe und was man noch alles erleben könne. Ständig sehe ich wie Freunde und Bekannte Frauen kennenlernen, flirten, daten, mit ihnen Beziehungen eingehen oder
einfach nur ins Bett gehen. Ich bin ein intelligenter, humorvoller junger Mann und habe viele Freundinnen und Freunde.
Trotzdem gleicht es bei mir einem Wunder, wenn ich eine Interaktion mit einem weiblichen Wesen habe, die über
das Ausmaß eines freundschaftlichen Gesprächs mit Freunden oder bei der Arbeit hinausgeht.
Mir bleibt einfach nur noch die logische Schlussfolgerung, dass ich auf Frauen, für die ich mich interessiere, äußerlich so unattraktiv wirke, dass sie erstmal kein Interesse an mir haben (und ich habe das leider auch hin und wieder hören dürfen). Ich will nicht ausschließen, dass ich mit viel Geduld, Überzeugungsarbeit und Glück, auch eine dieser Frauen "erobern" könnte. Aber dann ist es auch wieder eine ganz ernste Sache, auf die man doch auch nicht immer Lust hat. Manchmal möchte man doch auch einfach nur unverbindliche, unkomplizierte Bekanntschaften machen (woraus sich ja generell auch mehr entwickeln kann) und dass das zum Leben eines jungen Mannes (oder einer jungen Frau) dazugehört, wird einem doch in den Medien und sogar von meiner Elterngeneration vorgelebt (als ich so alt war wie du...).
Zum Schluss: Ja, natürlich bin auch ich nicht anspruchslos was das Äußere von Frauen angeht, im Gegenteil. Und ich hasse mich so sehr dafür, dass ich Frauen selbst im Kopf als "hübsch" und "hässlich" oder dergleichen abstempele, gerade weil ich ja selbst darunter leide. Es macht mich fertig, weil ich Frauen kennenlerne, mit denen ich mich wirklich perfekt verstehe, mit denen ich mir aber unter keinen Umständen mehr als Freundschaft vorstellen kann, da sie mir einfach nicht gefallen. Trotzdem kann ich es nicht abstellen und frage mich auch, ob mein Verhalten nicht doch ganz normal ist? Jeder Mensch bewertet doch im Kopf wenn er einen Menschen das erste mal sieht. Das kann man doch nicht mal beeinflussen, da es unterbewusst passiert. Schönheit, dieses Wort ist doch so alt wie die Menschheit selbst.
Letztendlich ist doch alles relativ: Im Vergleich zu einem Säureopfer bin ich schön und sollte glücklich sein.
Gleichzeitig gibt es aber Menschen (und die gibt es schon so lange Menschen denken können), die ständig
hören, dass sie schön/hübsch/gutaussehend sind und ich bin offensichtlich nicht eine dieser Personen.
Es gibt also ganz klar objektiv-attraktive Menschen (siehe Attraktivitätsforschung). Und die Tatsache, dass es immer auch Menschen gibt, die einen objektiv-attraktiven Menschen (z.B. ein Model) unattraktiv finden und andersrum (Menschen, die einen objektiv-unattraktiven Menschen attraktiv finden), ändert nichts an der Tatsache.