Ich würde mich nicht mit dieser ehemaligen Freundin treffen. Denn damit machst du ihr Hoffnungen, die letztendlich enttäuscht werden. Wenn du dir jetzt schon nicht sicher bist und kein Interesse daran hast, wie es ihr ergangen ist, und wenn es dich schon nervt, nur weil sie mal eine nette Anekdote von früher erzählen möchte, dann wird sich daran im Zweifel auch nichts ändern. Für die ehemalige Freundin ist es aber eine viel herbere Enttäuschung, wenn der Kontakt nach einigen Treffen wieder einschläft, als wenn er von vornherein nicht wieder stattfindet.
Ich habe vor über 20 Jahren mal die Kontaktaufnahme des Vaters einer ehemaligen Schulfreundin, zu der ich zuvor rund 15 Jahre keinen Kontakt mehr gehabt hatte, in der Weise missverstanden, sie wolle wieder eine Annäherung. Der Vater hatte mich damals telefonisch von ihrer bevorstehenden Hochzeit informiert, und eine andere ehemalige Schulfreundin und ich sollten vor der Kirche Spalier stehen. Das habe ich nicht gemacht, weil dazu über 1 1/2 Stunden Anfahrt erforderlich gewesen wären und ich gerade selber mitten im Umzug war, aber ich habe als Geste eine Glückwunschkarte mit ein paar freundlichen Worten und einen Blumenstrauß zur Tagesadresse geschickt. Eine Danksagung kam erst ein halbes Jahr (!) später, als ich schon gar nicht mehr damit rechnete, erstes Treffen sogar erst drei Jahre (!) später. Auch in den Jahren danach zog sich der Kontakt eher gequält dahin, obwohl sie mit ihrem Mann jetzt nur noch 25 km von mir entfernt wohnt (maximal 25 Minuten mit dem Auto zu fahren!) und in derselben Stadt arbeitet wie ich. Wenn's hoch kam, im Durchschnitt ein Treffen pro Jahr. Vielleicht mal eine Karte oder eine Mail zu Weihnachten und zum Geburtstag. Dazwischen nichts, auch kein Telefonat, nur, um mal zu fragen, wie es geht. Anfangs schrieb ich ein- oder zweimal eine Karte aus dem Urlaub. Umgekehrt kam aber nichts Entsprechendes, obwohl sie viel reisten. Natürlich habe ich dann aus meinen Urlauben auch nicht mehr geschrieben, um ihr nur ja nicht auf den Geist zu gehen damit.
Am enttäuschendsten war für mich, dass sie mich auf einer Abiturjubiläumsfeier stundenlang links liegen ließ und sich erst am späten Abend mal zu mir gesellte, aber selbst da vor den anderen eher distanziert mir gegenüber tat. Die unter Freundinnen normalerweise auch für Außenstehende erkennbare Herzlichkeit und Nähe fehlten komplett. Ich war einigermaßen konsterniert; denn ein halbes Jahr vorher hatte sie mich an einem Samstagabend noch zu sich und ihrem Mann eingeladen. Wir hatten zu dritt einen netten Abend miteinander verbracht und uns angeregt über Gott und die Welt unterhalten.... Ich habe nicht verstanden, warum sie sich dann vor anderen nicht zu dem Kontakt bekennen konnte. Spätestens da war klar, dass das keine wirkliche Freundschaft war und von ihr offensichtlich auch nicht mehr angestrebt wurde. Sie war auch nicht daran interessiert, meinen (inzwischen verstorbenen) Partner kennen zu lernen, hat sich auch nie nach ihm erkundigt. Das Wissen, dass er beruflich nie richtig Fuß gefasst hatte, reichte ihr offenbar, um ihn von vornherein abzulehnen.
Auch bei mir wurde vorgefühlt, zu welchen Leuten ich privat Kontakt habe. Als das Ergebnis für sie unbefriedigend war, war ich nicht mehr interessant. Sie und ihr Mann verkehren nämlich vorzugsweise in gehobenen Kreisen - bekannte Lokalpolitiker, Verwandte eines bekannten Spitzenpolitikers, Verbindungsbrüder etc. Bei Einladungen, bei denen diese Leute zugegen waren, wurde ich nie berücksichtigt.
Als ich sie einmal per E-Mail über ein weiteres Klassentreffen informierte (auf Bitten der Organisatoren, die ihre Kontaktdaten nicht hatten), ließ sie sogar ihren Mann für sich antworten wie den Manager einer Künstleragentur, dessen Aufgabe es ist, lästige Fans abzuwimmeln. Damals lebte mein Partner noch. Er fand dieses Verhalten unmöglich. Im umgekehrten Fall hätte ich ihn auch nicht für mich antworten lassen.
Und was den Blumenstrauß zur Hochzeit betrifft: Später erfuhr ich, dass der Mann meiner ehemaligen Schulfreundin weder Schnittblumen noch Topfpflanzen noch Dekogegenstände jedweder Art in der Wohnung mag. Meine ehemalige Freundin fügt sich dem. Einige Male war ich ja zu ihrem Geburtstagskaffee mit ihren Eltern und Schwiegereltern eingeladen. Jedes Mal wurde ich vorher ausdrücklich gebeten, keine Blumen mitzubringen (was ich natürlich auch respektierte). D.h. mit dem Blumenstrauß zur Hochzeit habe ich es wohl auch noch falsch gemacht.
Inzwischen ist der Kontakt auch wieder eingeschlafen. Zu Schulzeiten habe ich sie jahrelang als meine beste Freundin betrachtet. Unsere Eltern hatten auch etwas mehr Kontakt zueinander, u.a., weil beide Väter in der katholischen Kirchengemeinde engagiert waren und sich über die Gremienarbeit näher kennengelernt hatten. Ab und zu besuchten sie sich auch gegenseitig. Insbesondere der Vater der Schulfreundin kam öfters zu meinen Eltern und unterhielt sich anscheinend ganz gern mal mit ihnen.
Die andere gemeinsame Schulfreundin, die damals vor nunmehr über 20 Jahren von dem Vater vor der Hochzeit angerufen worden war, hat es schlauer angestellt als ich. Sie hat von vornherein gesagt, auf den Kontakt lege sie keinen Wert mehr. Auf diese Weise brauchte sie sich wenigstens nicht taxieren und für uninteressant befinden zu lassen.
Bitte erspare deiner ehemaligen Freundin solche Enttäuschungen und triff dich von vornherein nicht mit ihr. Entweder man hat eindeutig selber Interesse oder eben nicht. Interesse kann man nicht erzwingen, aber dann bitte auch nicht zu Lasten anderer Menschen herumeiern, die sich Hoffnungen machen!