Ich habe mich lange mit der Scanner-Persönlichkeit auseinandergesetzt. Auf mich treffen alle Punkte zu, inkl. Hochsensibilität.
Ich kenne dieses unstete Eintauchen in immer neue Themen, sehr schnell Wissen aneignen, aber genauso schnell dann auch wieder weiterziehen müssen. Ganz stark auch das Gefühl von "Thema abgeschlossen, ich weiß, was ich wissen muss" und dann in eine profunde Langeweile zu kippen.
MIttlerweile befasse ich mich aber eher mit ADHS. Da gibt es wissenschaftliche Erkenntnisse nicht nur über die Wirkungsweise sondern damit auch über mögliche Lösungen. In der Ergotherapie kann man Strategien lernen, wie man mit dem Thema in seinem Leben umgeht.
Ich muss auch sagen, dass ich mich mittlerweile frage, wodurch sich Scanner-Persönlichkeit und ADHS unterscheiden sollen.
Das Problem ist eben, dass solche "Diagnosen" ein künstliches Konstrukt sind. Wenn man sich ausgiebig damit beschäftigt, geht es eher um die Ursache als um das künstliche Zusammenfassen von Symptomen zu einer Diagnose. Es gibt ja dieses Experiment, wo man mehren Psychiatern verschiedene Fälle vorlegt und die zu einem nicht unerheblichen Teil zu unterschiedlichen Diagnosen kommen.
Psychiatrische Diagnosen sind eher nach Defizit angelegt und solche - nennen wir es Coachingmodelle - wie die Scannerpersönlichkeit gehen mehr Richtung Ressourcenorientiert. Darum finde ich es ganz gut, sich mit beiden Vorstellungen zu beschäftigen. Für Menschen ist es wichtig, in eine Schublade zu gehören und für sich festzustellen, man ist mit seinen Problemen nicht allein.
Es gibt eben Menschen, die Informationen anders verarbeiten. Dazu gibt es Hirnscans. Ich kenne mich bei ADHS nicht so gut aus, bei Scanner-persönlichkeiten gibt es nach meinem Wissen noch keine wissenschaftlichen Untersuchungen, aber ich beschäftige mich mit Borderline ausführlich und da lassen sich Symptome mit Hirnaktivitäten in Verbindung bringen.
Zu wissen, dass mein Gehirn arbeitet, wie es arbeitet und ich mich nicht nur einfach anstelle, hilft mir persönlich schon mal, klar zu kommen. Ich muss mich nicht mehr rechtfertigen oder mich an die Norm anpassen. Ich kann mich auf mich konzentrieren und schauen, wie ich klar komme. - Was du hier ja auch versuchst, indem Du andere um Erfahrungen bittest.
Für mich ist wichtig, dass mein Gehirn genügend Input bekommt und Abwechslung hat. Ich sehe mich eher im Projektmanagement, als dass ich ein Projekt durchführe. Dafür kann ich dann aber zwei Dutzend Projekte gleichzeitig überwachen. Da habe ich das große Ganze im Blick. Ich verstehe viel von kreativen Prozessen, kann mich an der Stelle oft mit den Ideen einbringen, wenn Projekte stocken oder nach meiner Meinung lebendiger sein könnten.
An der Stelle werde ich so gefordert, dass ich zwischendurch ruhige Phasen brauche und dann die weniger spannenden Sachen erledigen kann. Bei ADHS arbeitet das Gehirn in Extremen. Es ist viel aktiver, braucht aber auch ausführlichere Ruhezeiten. Und da hilft tatsächlich Meditation als Ausgleich, um eine bessere Balance hinzubekommen.
Wobei Meditation für mich oft bedeutet, mich auf mehrere Dinge gleichzeitig zu konzentrieren. Darum stricke ich zum Beispiel, schaue nebenbei eine Doku und am besten lese ich noch etwas. Doku schauen und lesen sind dann nur halbherzig, aber mein Gehirn findet mal Ruhe. Das muss man wohl rausfinden, was genau man da braucht.
Gerade hier geht es für mich nicht darum, angebliche Defizite aufzufüllen und an eine Norm anzupassen. Das ist einfach nicht möglich, sondern ganz klar darum, die eigenen Stärken zu sehen und so zu fürdern, dass man in der Gesellschaft klar kommt.
Ich nehme mir viel Zeit für das Schreiben von Listen, für das Einteilen von Prioritäten, sodass keien wichtigen Arbeiten hinten runter fallen. Ich habe gelernt, mich nicht zu zwingen, sondern tatsäclhich auf den richtigen Augenblick zu warten. Mir selbst zu vertrauen, dass ich den Job schon erledige. Denn spätestens, wenn es zeitlich richtig eng wird, springt mein Gehirn an und läuft auf Hochtouren. Und dann weiß ich auch, von Zeit zu Zeit brauche ich einfach diesen Stress, auch wenn es nicht ganz so spaßig ist und mein Leben ruhiger verlaufen könnte.
Ich habe gelernt, nicht mehr ständig gegen mich selbst zu kämpfen, sondern auf meine Ressourcen stolz zu sein. Jeder Mensch, egal wie nahe er an der Norm ist, kämpft mit Defiziten, die sind nur eher akzeptiert und man fühlt sich da eher nicht so sehr als halber Mensch. Nach meiner Erfahrung.