Ich will jetzt mal ehrlich beschreiben wie es ist:
Wir kommen relativ naiv auf die Welt, die meisten Kinder wachsen behütet auf und mit einem Gefühl der Unsterblichkeit. Dann werden wir älter, fangen an eigene Erfahrungen in und mit der Welt zu machen. Und da bröckelt unser schönes Gefühl von der Unsterblichkeit das erste Mal. Meistens passiert das in etwa so, wenn man in Deinem Alter ist, also so um die 25 bis 30, dass man in eine kritische Lebenssituation kommt. Die kann durch alles mögliche ausgelöst werden. In Deinem Fall war es eben die Beschäftigung mit Themen, die Dir Angst gemacht haben. Das löst das erste Mal extreme existentielle Ängste aus und bedeutet für einen Menschen unglaublich viel Stress.
Was passiert dann? Man kommt in einen psychotischen Zustand, weil die selbstverständliche Welt, die man als Kind kannte plötzlich nicht mehr existiert und man mit Todesangst konfrontiert wird. Und in diese neue Sichtweise der Welt versucht man eine Logik hinein zu bringen. Aber je mehr man es versucht, desto chaotischer wird alles, weil man eben noch überhaupt keine Erfahrung in dieser Welt, die sich da vor einem aufgetan hat hat.
Was Du jetzt auf gar keinen Fall übersehen darfst: Die Welt, die war schon immer so. Es gab schon immer Kriege. Es gab schlimme Krankheiten. Es gab gesellschaftliche Konflikte. Und schon immer sind Menschen in solchen Situationen zusammen gebrochen. Den Nietzsche hat es in die Klapse gebracht, weil er die Dimension des Krieges erahnt hat und ebenso erahnt hat wie verlogen die Welt ist. Er ist daran zerbrochen. Das kann aber nicht Sinn und Zweck der Sache sein!
Eventuell wirst Du in dieser neuen Sichtweise niemanden finden, der mit Dir in Deiner Meinung und Sichtweise überein stimmt. Und auch das kann zusätzlich Stress bedeuten. Stress für Dich, Stress für Dein Umfeld. Dann rennst Du zum Psychiater. Und was soll der Psychiater tun? Er wird die Symptome behandeln. Aber dadurch verändert sich ja nicht die Welt zurück.
Du hast zwei kleine Kinder, um die Du Dich als Vater zu sorgen hast. Du musst für Deine Kinder stark und funktionsfähig sein. Du musst lernen durch solche psychischen Mienenfelder hindurch zu navigieren, aus allem was Du so siehst zu lernen, innerlich agil zu werden, Dich anzupassen, Dir eine Rüstung zu zulegen, damit Du mit dem Stress schneller klar kommst und jeden Tag trotzdem für das Positive zu kämpfen, egal wie viel Leid und wie viel Elend Du siehst. Und: Du bist nicht alleine! Da draußen stehen jeden Tag Menschen auf, Menschen wie Du, die merken, dass etwas in der Welt nicht stimmt und eben nicht alles so gut und schön ist, wie wir das als Kinder geglaubt haben.
Arbeite an Dir, an Deiner Spiritualität, Deinem Glauben, Deiner inneren Kraft. Glaube ist in solchen Phasen so enorm wichtig, um für Sinn zu sorgen und Dir Kraft zu geben.
Und wenn Du magst, dann hör Dir dieses Lied an: Letzte Instanz - Sandmann