Hallo,
ich möchte hier einmal auf meine bisherigen Probleme im Alltag eingehen, um diese niedergeschrieben zu haben und eventuell ein paar Tipps und eine Entscheidungshilfe zu erhalten.
Ich war schon immer ein eher schüchterner Typ. Das hat mir in der Schulzeit aber meist keine größeren Probleme bereitet. Nur zum Abitur hin wurde es schlimmer und ich hatte im Unterricht ab und zu Angstattacken und habe durch das allgemein häufigere Auftreten einer Befürchtung von Ablehnung häufiger stark geschwitzt (Gesicht, Achseln). Das war natürlich sehr unangenehm für mich und ich habe immer mehr Angst vor Ablehnung anderer bekommen. Ich habe dann auch bei der Vorbereitung für verschiedene Veranstaltungen rund um den Schulabschluss gar nicht mitgeholfen und mich selbst ausgegrenzt. Ich habe mir währenddessen dann schon gedacht, dass es so nicht weitergeht und meine Mutter deshalb gefragt, ob wir mal zu einem Psychologen gehen können. Von dort wurde ich dann an einen Therapeuten verwiesen, mit dem ich meine soziale Phobie angehen sollte. Ich habe dort dann auch die komplette Behandlungsdauer ausgenutzt, die die Krankenkasse bezahlt. Die Ängste wurden dadurch nicht viel besser, aber das Schwitzen im Gesicht konnte ich besser akzeptieren und es ist jetzt fast nicht mehr vorhanden.
Während der Therapie habe ich angefangen zu studieren, aber habe den ersten Studiengang nach zwei Semestern abgebrochen und dann an einer FH mit Wirtschaftsinformatik angefangen. Dort habe ich immer Top-Noten bekommen, aber meinen Eltern trotzdem immer erzählt, dass ich mich nicht konzentrieren kann und das Studium nicht schaffen werde. Besonders schlimm waren für mich die zwei größeren Projekte, die wir in Gruppen gemacht haben. Da war ich fast das ganze Semester über in Dauerpanik. Im zweiten Semester des Zweitstudiums habe ich angefangen, in einem kleinen Unternehmen zu arbeiten, habe dort aber zweimal zeitweise aufgehört, weil ich wegen den Projekten im Studium in Panik war (wiederhaben wollte sie mich dann trotzdem immer). Außerdem bin ich im 4. Semester in eine eigene kleine Wohnung gezogen, was das Gruppenprojekt, welches ich vor Abschluss meines Studiums noch bestehen musste, noch schwieriger machte, da ich mich nur selten mit Kommilitonen getroffen habe und sonst alleine war. Bei den Treffen wollten die Kommilitonen häufig Gesellschaftsspiele spielen, die kannte ich jedoch nicht und konnte wegen meiner Angst in diesen Situationen mir die Regeln nicht richtig merken und nicht richtig nachdenken, weshalb ich mich gefühlt habe, als hätte ich eine geistige Behinderung. Nebenher habe ich, wie auch immer, weiter alles mit Top-Noten bestanden.
Bei dem Unternehmen, wo ich schon gearbeitet habe, habe ich dann angefragt, ob ich auch mein Pflichtpraktikum dort machen könnte, weil ich keine Energie hatte mich irgendwo anders zu bewerben. Da wurde mir dann auch direkt angeboten, meine Bachelorarbeit dort zu machen und danach dort in Vollzeit arbeiten könnte. Im letzten Semester habe ich dann also mein Pflichtpraktikum in der Softwareentwicklung dort gemacht. Währenddessen habe ich immer recht einfache Aufgaben bekommen, aber weil ich mich nicht konzentriert habe, lief das alles nicht so gut und ich habe bei all meinen Aufgaben viele Fehler gemacht. Ein Vieraugen-Gespräch mit dem Teamleiter oder ähnliches musste ich deswegen aber nicht machen. Meine Bachelorarbeit habe ich dann auch zusammen mit dem Unternehmen gemacht. Heißt, ich habe als Basis für die Arbeit eine kleine Anwendung entwickelt. Das hat einigermaßen gut geklappt. Ich hatte nur immer Angst, dass ich später Arger kriege, weil es an einigen Stellen nicht sauber programmiert ist (ich konnte es nicht besser in der vorgegeben Zeit und unser Studium war nicht so technisch und ich habe deshalb wenig Ahnung). Zum Schluss habe ich dann noch 3 Wochen damit gekämpft, meine Bachelorarbeit zu Ende zu schreiben und habe auf das Beste gehofft. Nach ein bisschen Urlaub habe ich dann am 1. Oktober dieses Jahres angefangen, fest als Softwareentwickler zu arbeiten. Dort mache ich trotz meines Praktikums in dem Unternehmen jetzt immer noch sehr einfache Tätigkeiten und es unterlaufen mir auch immer noch häufig Fehler, weil ich mich nicht richtig konzentriere. Es beschwert sich zwar noch keiner richtig, aber ich merke, dass ein Student, der in Teilzeit dort arbeitet, deutlich bessere Arbeit leistet. Letztens musste ich dann nach der täglichen Besprechung, bei der ich vor allen darauf hingewiesen wurde, dass ich etwas nur halb erledigt habe, erstmal eine 3/4-Stunde heulen. Ich habe auch das Gefühl, ich warte einfach immer nur ab, bis ich wieder nach Hause gehen kann und das Wochenende kommt. Die Zeit nach der Arbeit verbringe ich jetzt immer alleine. Manchmal fahre ich dann ein bisschen mit dem Fahrrad durch die Gegend oder gehe in die Stadt, aber meist sitze ich einfach in meiner Wohnung und schaue mir Serien an oder lese. Am Wochenende fahre ich immer nach Hause zu meinen Eltern. Meine Aktivitäten dort beschränken sich eigentlich auf Mountainbike fahren, wenn das Wetter gut ist, oder ich treffe mich mit meinem einzigen Freund, den ich noch aus der Schulzeit kenne und wir chillen einfach ein bisschen zusammen. Am Sonntag fürchte ich mich dann schon immer vor der Fahrt zurück zu meiner Wohnung.
Da mich das einsame Wohnen in der großen Stadt stört und ich mich mit meinem geringen Selbstwert natürlich mit einem geringen Gehalt habe abspeisen lassen, habe ich mich nach anderen Stellen umgeschaut. Hauptsächlich in der Nähe der Stadt, in der meine Eltern wohnen, um mich da in der Sicherheit von Hotel Mama an meine neue Stelle zu gewöhnen und dann eventuell umzuziehen. Mein Kumpel, der aktuell noch in einem Master-Studium ist, hat mir dann angeboten, dass wir ja eine WG gründen könnten.
Ich hatte dann unter anderem zwei Bewerbungsgespräche bei einem sehr kleinen Unternehmen direkt in der Stadt meiner Eltern und die wollen mich auch haben. Um die Stelle zu kriegen habe ich aber ein bisschen gelogen und die Frage, ob ich denn auch arbeiten kann, wenn die Aufgaben nicht so klar sind und für eine größere Aufgabenstellung nur das Ergebnis formuliert wurde, mit Ja beantwortet. Das werde ich wegen meiner Angst unter Leistungsdruck, aber wahrscheinlich nicht hinkriegen und mein Hirn wird einfach blockieren. Zusätzlich würde ich eigentlich auch noch gerne zu einem Vorstellungsgespräch bei einem anderen größeren Unternehmen gehen, aber das wird nur schwer möglich sein, weil das kleine Unternehmen schnell eine Zusage möchte und ich nebenher ja auch noch arbeite.
Nun weiß ich nicht genau, was ich machen soll. Die Stelle beim kleinen Unternehmen annehmen und in der 3-monatigen Kündigungsfrist eventuell noch eine Therapie starten, irgendwie versuchen bei dem größeren Unternehmen eine Zusage zu bekommen, aber zu riskieren, dass ich die andere Zusage verliere oder ich bleibe einfach da, wo ich jetzt bin? Habe auch schon überlegt, ob ich beruflich was ganz anderes mit sehr einfachen Tätigkeiten mache, wenn das mit den Ängsten nicht besser wird.
Wenn du bis hierin gelesen hast, dann bedanke ich mich schonmal dafür, dass du etwas deiner Zeit für mich geopfert hast und würde mich noch mehr freuen, wenn du einen Kommentar zur Entscheidungshilfe da lässt oder mir allgemein Tipps für meine Situation gibst.
Liebe Grüße
Willi
ich möchte hier einmal auf meine bisherigen Probleme im Alltag eingehen, um diese niedergeschrieben zu haben und eventuell ein paar Tipps und eine Entscheidungshilfe zu erhalten.
Ich war schon immer ein eher schüchterner Typ. Das hat mir in der Schulzeit aber meist keine größeren Probleme bereitet. Nur zum Abitur hin wurde es schlimmer und ich hatte im Unterricht ab und zu Angstattacken und habe durch das allgemein häufigere Auftreten einer Befürchtung von Ablehnung häufiger stark geschwitzt (Gesicht, Achseln). Das war natürlich sehr unangenehm für mich und ich habe immer mehr Angst vor Ablehnung anderer bekommen. Ich habe dann auch bei der Vorbereitung für verschiedene Veranstaltungen rund um den Schulabschluss gar nicht mitgeholfen und mich selbst ausgegrenzt. Ich habe mir währenddessen dann schon gedacht, dass es so nicht weitergeht und meine Mutter deshalb gefragt, ob wir mal zu einem Psychologen gehen können. Von dort wurde ich dann an einen Therapeuten verwiesen, mit dem ich meine soziale Phobie angehen sollte. Ich habe dort dann auch die komplette Behandlungsdauer ausgenutzt, die die Krankenkasse bezahlt. Die Ängste wurden dadurch nicht viel besser, aber das Schwitzen im Gesicht konnte ich besser akzeptieren und es ist jetzt fast nicht mehr vorhanden.
Während der Therapie habe ich angefangen zu studieren, aber habe den ersten Studiengang nach zwei Semestern abgebrochen und dann an einer FH mit Wirtschaftsinformatik angefangen. Dort habe ich immer Top-Noten bekommen, aber meinen Eltern trotzdem immer erzählt, dass ich mich nicht konzentrieren kann und das Studium nicht schaffen werde. Besonders schlimm waren für mich die zwei größeren Projekte, die wir in Gruppen gemacht haben. Da war ich fast das ganze Semester über in Dauerpanik. Im zweiten Semester des Zweitstudiums habe ich angefangen, in einem kleinen Unternehmen zu arbeiten, habe dort aber zweimal zeitweise aufgehört, weil ich wegen den Projekten im Studium in Panik war (wiederhaben wollte sie mich dann trotzdem immer). Außerdem bin ich im 4. Semester in eine eigene kleine Wohnung gezogen, was das Gruppenprojekt, welches ich vor Abschluss meines Studiums noch bestehen musste, noch schwieriger machte, da ich mich nur selten mit Kommilitonen getroffen habe und sonst alleine war. Bei den Treffen wollten die Kommilitonen häufig Gesellschaftsspiele spielen, die kannte ich jedoch nicht und konnte wegen meiner Angst in diesen Situationen mir die Regeln nicht richtig merken und nicht richtig nachdenken, weshalb ich mich gefühlt habe, als hätte ich eine geistige Behinderung. Nebenher habe ich, wie auch immer, weiter alles mit Top-Noten bestanden.
Bei dem Unternehmen, wo ich schon gearbeitet habe, habe ich dann angefragt, ob ich auch mein Pflichtpraktikum dort machen könnte, weil ich keine Energie hatte mich irgendwo anders zu bewerben. Da wurde mir dann auch direkt angeboten, meine Bachelorarbeit dort zu machen und danach dort in Vollzeit arbeiten könnte. Im letzten Semester habe ich dann also mein Pflichtpraktikum in der Softwareentwicklung dort gemacht. Währenddessen habe ich immer recht einfache Aufgaben bekommen, aber weil ich mich nicht konzentriert habe, lief das alles nicht so gut und ich habe bei all meinen Aufgaben viele Fehler gemacht. Ein Vieraugen-Gespräch mit dem Teamleiter oder ähnliches musste ich deswegen aber nicht machen. Meine Bachelorarbeit habe ich dann auch zusammen mit dem Unternehmen gemacht. Heißt, ich habe als Basis für die Arbeit eine kleine Anwendung entwickelt. Das hat einigermaßen gut geklappt. Ich hatte nur immer Angst, dass ich später Arger kriege, weil es an einigen Stellen nicht sauber programmiert ist (ich konnte es nicht besser in der vorgegeben Zeit und unser Studium war nicht so technisch und ich habe deshalb wenig Ahnung). Zum Schluss habe ich dann noch 3 Wochen damit gekämpft, meine Bachelorarbeit zu Ende zu schreiben und habe auf das Beste gehofft. Nach ein bisschen Urlaub habe ich dann am 1. Oktober dieses Jahres angefangen, fest als Softwareentwickler zu arbeiten. Dort mache ich trotz meines Praktikums in dem Unternehmen jetzt immer noch sehr einfache Tätigkeiten und es unterlaufen mir auch immer noch häufig Fehler, weil ich mich nicht richtig konzentriere. Es beschwert sich zwar noch keiner richtig, aber ich merke, dass ein Student, der in Teilzeit dort arbeitet, deutlich bessere Arbeit leistet. Letztens musste ich dann nach der täglichen Besprechung, bei der ich vor allen darauf hingewiesen wurde, dass ich etwas nur halb erledigt habe, erstmal eine 3/4-Stunde heulen. Ich habe auch das Gefühl, ich warte einfach immer nur ab, bis ich wieder nach Hause gehen kann und das Wochenende kommt. Die Zeit nach der Arbeit verbringe ich jetzt immer alleine. Manchmal fahre ich dann ein bisschen mit dem Fahrrad durch die Gegend oder gehe in die Stadt, aber meist sitze ich einfach in meiner Wohnung und schaue mir Serien an oder lese. Am Wochenende fahre ich immer nach Hause zu meinen Eltern. Meine Aktivitäten dort beschränken sich eigentlich auf Mountainbike fahren, wenn das Wetter gut ist, oder ich treffe mich mit meinem einzigen Freund, den ich noch aus der Schulzeit kenne und wir chillen einfach ein bisschen zusammen. Am Sonntag fürchte ich mich dann schon immer vor der Fahrt zurück zu meiner Wohnung.
Da mich das einsame Wohnen in der großen Stadt stört und ich mich mit meinem geringen Selbstwert natürlich mit einem geringen Gehalt habe abspeisen lassen, habe ich mich nach anderen Stellen umgeschaut. Hauptsächlich in der Nähe der Stadt, in der meine Eltern wohnen, um mich da in der Sicherheit von Hotel Mama an meine neue Stelle zu gewöhnen und dann eventuell umzuziehen. Mein Kumpel, der aktuell noch in einem Master-Studium ist, hat mir dann angeboten, dass wir ja eine WG gründen könnten.
Ich hatte dann unter anderem zwei Bewerbungsgespräche bei einem sehr kleinen Unternehmen direkt in der Stadt meiner Eltern und die wollen mich auch haben. Um die Stelle zu kriegen habe ich aber ein bisschen gelogen und die Frage, ob ich denn auch arbeiten kann, wenn die Aufgaben nicht so klar sind und für eine größere Aufgabenstellung nur das Ergebnis formuliert wurde, mit Ja beantwortet. Das werde ich wegen meiner Angst unter Leistungsdruck, aber wahrscheinlich nicht hinkriegen und mein Hirn wird einfach blockieren. Zusätzlich würde ich eigentlich auch noch gerne zu einem Vorstellungsgespräch bei einem anderen größeren Unternehmen gehen, aber das wird nur schwer möglich sein, weil das kleine Unternehmen schnell eine Zusage möchte und ich nebenher ja auch noch arbeite.
Nun weiß ich nicht genau, was ich machen soll. Die Stelle beim kleinen Unternehmen annehmen und in der 3-monatigen Kündigungsfrist eventuell noch eine Therapie starten, irgendwie versuchen bei dem größeren Unternehmen eine Zusage zu bekommen, aber zu riskieren, dass ich die andere Zusage verliere oder ich bleibe einfach da, wo ich jetzt bin? Habe auch schon überlegt, ob ich beruflich was ganz anderes mit sehr einfachen Tätigkeiten mache, wenn das mit den Ängsten nicht besser wird.
Wenn du bis hierin gelesen hast, dann bedanke ich mich schonmal dafür, dass du etwas deiner Zeit für mich geopfert hast und würde mich noch mehr freuen, wenn du einen Kommentar zur Entscheidungshilfe da lässt oder mir allgemein Tipps für meine Situation gibst.
Liebe Grüße
Willi