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Abitur abbrechen oder lieber doch nicht?

Fensterglas

Neues Mitglied
Hallo,
ich bin 18 Jahre alt und besuche derzeit die 11. Klasse eines Gymnasiums.
Seit Monaten versuche ich meinen immer schlechter werdenden psychischen Zustand auszublenden und den Alltag irgendwie zu meistern. Nun bin ich aber an einen angelangt, wo ich sagen kann, dass dies ein Fehler war und sich dringend was ändern muss.
Weil meine Psychologin mir keine große Hilfe ist, möchte ich einen großen Teil meiner Geschichte mit euch teilen. Ich habe sie gefragt, ob es denn möglich sei zu einem Psychiater zu wechseln, weil dieser auch körperliche Ursachen dazu zieht, aber ihre Antwort war nur: " Entweder ich oder der Psychiater, entscheide dich jetzt." .
Die Symptome meiner Depression deuten mittlerweile auf die eines Burnouts hin. Der Alltag ist zurzeit nur begrenzt zu meistern und mit meinen Lehrern habe ich noch nicht über meine Situation gesprochen. Ich habe Angst, dass sie denken, ich benutze meine Krankheit als Ausrede, auch wenn meine Noten relativ gut sind. Deswegen bin ich am Überlegen, ob ich das Abitur abbreche und mich erstmal auf meine Gesundheit konzentriere.

Um meinen Gedanken zu verstehen, muss ich etwas über meine Vergangenheit erzählen.
Ich litt unter häuslicher Gewalt meiner Mutter, in physischer und psychischer Form, seitdem ich eingeschult wurde. Vor ca. fünf Jahren schaffte ich es das Schweigen zu brechen und wurde vom Jugendamt in ein Heim gebracht. Mehrmals wurde ich in dieser Zeit für ein paar Tage in eine Psychiatrie gebracht, aufgrund von Selbstmordgedanken und Selbstverletzung. In dem Heim lebte ich aber nur einige Monate, da die Betreuer der Meinung waren, dass dies nicht die richtige Einrichtung für mich ist. Deswegen kam ich in eine andere Einrichtung, wo ich fast zwei Jahre gelebt habe, in einer anderen Stadt und einer neuen Schule. Meine Mutter zog in hinterher in diese Stadt und ich wurde erfolgreich zu ihr zurückgeführt. Mir ging es zu der Zeit relativ gut.
Der Frieden hielt aber nicht lang an, denn sie wurde wieder rückfällig, was die Gewalt anging. Wieder habe ich angefangen zu schweigen und bis vor ungefähr einem Jahr wieder angefangen darüber zu reden. Ich bin ich sofort selbst abgehauen und zum Jugendamt gegangen, welches mich zu meinem Vater als Notunterkunft gebracht hat. Diesmal aber hatte ich die Kraft meine Mutter anzuzeigen, was letztendlich nicht viel gebracht hat, weil sie freigesprochen wurde und bis heute ihre Taten verleugnet.
Da mein Vater zwei Zugstunden von meiner Schule entfernt war, kam ich in eine neue Einrichtung. Dort blieb ich aber nicht lang. Die Treiber dieser privaten Einrichtung haben meine damalige Mitbewohnerin und mich nicht unterstützt, sondern uns selbst unter erpresst und erniedrigt. Dazu wurde aus uns auch finanziell Profit geschlagen, weil wir als Minderjährige da noch einen Mietvertrag hatte, aus dem man schwer rauskam und nebenbei mehr Stunden Betreuung beim Jugendamt angerechnet wurden, als wir überhaupt miteinander zu tun hatten. Aus diesen Gründen habe ich dort die Hilfe beendet und bin zurück zu meiner Mutter. Meine Mitbewohnerin konnte einige Monate später sich auch befreien.
Wahrscheinlich fragen sich einige von euch, ob es sowas im 21.Jahrhundert in Deutschland noch geben kann? So komisch wie die Geschichte zu dieser Einrichtung klingt, es ist wahr.

All diese Erfahrungen haben mehr oder weniger mit meinem heutigen psychischen Zustand zu tun.
Ich möchte endlich mit all diesen negativen Dingen aus der Vergangenheit abschließen und gern eine Auszeit nehmen, weil ich denke, dass ich am Ende ganz zusammenbrechen werde, wenn sich nichts ändert.
Meine Überlegung nach dem Abbruch des Abiturs war für ein paar Wochen bis Monate zu meiner Oma nach Russland zu fahren, nebenbei zu arbeiten und versuchen mental wieder gesund zu werden, sodass sich auch die physischen körperlichen Probleme bessern. Die andere Idee wäre eine neue Therapie anzufangen mit einem Psychiater und nebenbei auch arbeiten zu gehen. Wenn ich es wieder auf die Beine geschafft habe, möchte ich vielleicht eine Ausbildung anfangen oder mein Abitur nachholen.

Was haltet ihr von meiner Idee und hattet ihr auch schonmal Erfahrungen mit solch einer Entscheidung?

Danke, dass ihr bis hierher gelesen habt :)
 

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_Alpha_

Aktives Mitglied
Ich habe sie gefragt, ob es denn möglich sei zu einem Psychiater zu wechseln, weil dieser auch körperliche Ursachen dazu zieht, aber ihre Antwort war nur: " Entweder ich oder der Psychiater, entscheide dich jetzt." .
Du brauchst nicht den Segen deiner Psychologin, um zu einem Psychiater zu kommen. Ich würde mal deinen Hausarzt drauf ansprechen
Deswegen bin ich am Überlegen, ob ich das Abitur abbreche und mich erstmal auf meine Gesundheit konzentriere.
Gesundheit geht immer vor. Wenn es gar nicht anders geht, ja!
Wenn ich es wieder auf die Beine geschafft habe, möchte ich vielleicht eine Ausbildung anfangen oder mein Abitur nachholen.
Und du hast ja schon einen längerfristigen Plan, sehr gut.
Weisst du, ob sie einfach nur Psychologin ist? Oder approbierte Therapeutin? Das macht einen gewaltigen Unterschied. Eine Psychologin wäre zur Diagnose und Heilung eines psychischen Krankheitsbildes gar nicht geeignet. Das sollen und dürfen nur Psychotherapeuten und Psychiater.

Mein Tipp: Versuche, zu einem Psychiater/Psychotherapeut zu kommen. Evtl. packst du mit dieser Hilfe auch noch dein Abitur. Ansonsten erstmal auf die Gesundheit achten. Übernimm dich nicht :)

Als OT Orientierung noch worauf du achten musst:
Psychologe: Jemand der einen Master Abschluss oder Diplom in Psychologie erworben hat
Psychologischer Psychotherapeut: Psychologe mit anschliessender postgradualer Ausbildung und Approbation zum Psychotherapeuten
Psychiater: Mediziner mit Facharztausbildung Psychiatrie
Psychiatrischer Psychotherapeut: Psychiater mit zusätzlicher Approbation Psychotherapie

Lediglich der Psychiater darf Medikamente verordnen. Der reine Psychologe darf keine Psychotherapie durchführen. Was du beschreibst klingt nach einer psychischen Störung, also Krankheitswert, demnach sind Psychiater und Psychotherapeut die richtigen Ansprechpartner für dich
 
Zuletzt bearbeitet:

flower55

Aktives Mitglied
Ich habe Angst, dass sie denken, ich benutze meine Krankheit als Ausrede, auch wenn meine Noten relativ gut sind. Deswegen bin ich am Überlegen, ob ich das Abitur abbreche und mich erstmal auf meine Gesundheit konzentriere.
Hallo,
da die Noten relativ gut sind, finde ich es besser, das Abitur zu machen und danach eine
Auszeit einzulegen.
Zur weiteren Behandlung macht es evtl. Sinn, sich an einen Psychologen/eine Psychologin
zu wenden; es kann durchaus sein, dass Du mit dieser Unterstützung dasAbitur bewältigst.
Probier es.

Dir alles Gute.
 

Kolya

Aktives Mitglied
Bin 54 Jahre alt und habe es nie bereut meine Abitur Prüfungen trotz PTBS abgelegt zu haben Kein guter Durchschnitt, aber Abitur war schon Gold wert. Probleme wirst Du auch in einer Ausbildung haben, vielleicht sogar mehr Ich habe die Abitur Phase und Studium eher entlastend erlebt als die Ausbildung.

Alles Gute für Dich

K
 

Sadie02

Aktives Mitglied
Hallo!


Zunächst einmal finde ich es toll, dass du in der Schule so weit gekommen bist, dass du fast vor dem Abitur stehst. Das ist gerade mit dem, was du schon erleben musstest, eine wirklich fette Leistung und dein Erfolg.

Zu deiner Frage habe ich keine ganz klare Antwort. Grundsätzlich würde ich sagen, die Gesundheit hat immer Vorrang. Andererseits hast du eher gute Noten, bist schon so weit gekommen und die Auszeit wäre natürlich nach dem Abi vermutlich weniger kompliziert zu machen.
Wie schlecht es dir seelisch geht und wie hoch der Leidensdruck ist, kannst nur du selbst sagen. Wenn alles, was mit Schule zu tun hat, nur noch ein Funktionieren ist, ohne Interesse, ohne jede Freude, dann ist es vermutlich wirklich besser, die Notbremse zu ziehen. Denn kein Abitur ist es wert, dass du dich seelisch dafür kaputt machst.
Andererseits wäre vielleicht auch eine Frage interessant: Wie schätzt du dich selbst ein? Eine längere Pause, komplett weg aus dem jetzigen Umfeld, wie leicht findest du zurück ins Lernen? Kannst du dir vorstellen, dass du auf dem aufbauen kannst, was du jetzt schon hast oder vergisst du leicht? Glaubst du, nach einer Pause könntest du Motivationsprobleme bekommen in Sachen Abi?

Und wie würdest du mit dem Fall umgehen, den ich absolut nicht hoffe – dass du in der Schule pausierst, jobbst, in einem anderen Umfeld bist, es aber nicht automatisch oder nur wenig seelisch besser geht? So nach dem Motto, man kann den Ort wechseln, die Leute und den Job, aber sich selbst und seinen Kopf nimmt man ja immer mit.
Vielleicht kannst du, wenn du magst, die Fragen für dich mal beantworten, und siehst dann klarer? Ich wünsche dir jedenfalls alles erdenklich Gute für deinen Weg, ganz egal wie du dich entscheidest!
 

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