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7 Jahre... und jetzt ist alles vorbei

  • Starter*in Starter*in insomaniac
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I

insomaniac

Gast
Ich weiß, es ziehmt sich nicht unbedingt, einfach in ein Forum zu platzen und direkt loszulegen... aber ich hoffe, durch das Schreiben von meinem Schmerz und meiner Trauer abgelenkt zu werden. Und wer weiß, vielleicht weiß irgendwer Rat, wie ich versuchen kann, mit der Situation umzugehen. Und eventuell zu leben.

Alles begann vor 7 Jahren, als ich mein Mädchen kennengelernt habe... ich war nie der Typ, der Frauen anspricht, aber sie mußte ich einfach ansprechen... wir haben uns damals schon lange unterhalten, sind abends noch mit ein paar Leuten zum Hiesfelder See gefahren. Ich hab damals direkt gespürt, daß ich da einem ganz besonderen Menschen begegnet bin. Leider hatte sie zu der Zeit einen Freund. Das hat mich aber nicht davon abgehalten, mich mit Ihr zu unterhalten, ich wollte einfach nur in ihrer Nähe sein. Sie wurde ganz schnell zu meiner absoluten Traumfrau, wir konnten zusammen lachen, zusammen träumen... und wir haben viel zusammen geträumt. Ich weiß nicht, wie oft wir damals noch gemeinsam zum See gefahren sind, es wurde auf jeden Fall "unser See". Ich habe über ein Jahr um sie gekämpft, ihr immer wieder geschrieben, mit ihr gesprochen, war für sie da, wenn sie traurig war. Kurze Zeit, nachdem die Beziehung mit ihrem damaligen Freund in die Brüche gegangen ist, sind wir dann endlich zusammengekommen.

Es paßte einfach alles. Sie hat damals ihre Ausbildung zur Krankenschwester gemacht, und weil die Behausung im Schwesternwohnheim wirklich unter der Gürtellinie war, sind wir dann auch schnell zusammengezogen. Es folgten die schönsten Jahre meines Lebens, wir lebten unseren Traum. Ich hab' mich in ihrer Gegenwart immer so wohl gefühlt, ich wußte, da gab es den einen Menschen, nach dem viele Menschen auf der Welt ihr Leben lang vergeblich suchen, und ich hatte diesen Menschen gefunden. Mein Mädchen, meine Prinzessin. Ich wollte alles für sie tun, ihr zeigen, wie glücklich ich mit ihr war.

Leider gab es von Anfang an einen großen Schatten über unserer Beziehung... Alkohol. Sie hat damals regelmäßig sehr viel Alkohol getrunken, wenn sie mit Freundinnen weg war. Diese Exzesse ließen zum Glück in unserer Beziehung nach... hatte ich gedacht. Bis ich irgendwann mehrere leere Weinflaschen, in den Schränken versteckt, gefunden habe. Ich hab sie damit konfrontiert, versucht herauszufinden, warum sie den Alkohol brauchte. Sie konnte es mir nicht sagen. Es häufte sich leider auch immer mehr, daß ich ständig am Computer gesessen habe... wegen besch**** Spielen. Und sie dabei total vernachlässigt habe. Ich trage garantiert einen großen Teil der Schuld, warum sie mit dem Trinken angefangen hat, aber ich hab es damals nicht gemerkt. Wenn ich nach Hause kam und sie mal betrunken vorgefunden habe, auf die Frage, was mit ihr los sei, bekam ich immer Antworten wie "ich bin müde" oder "ich hab einfach nur Kopfschmerzen". Sie hat dann angefangen, mich zu belügen, aber immer nur, wenn es um das Thema Alkohol ging. Sonst war sie der ehrlichste, treuste Mensch, den man sich nur vorstellen kann. Aber irgendwann habe ich resigniert, ich konnte es einfach nicht ertragen, warum mein Mädchen, der Mensch, den ich über alles liebe, mich anlügt. Ich habe damals die Beziehung zum 1. Mal beendet. Aber ich habe die Trennung nicht lange durchgehalten, keine Woche später waren wir wieder zusammen. Wir waren uns jedoch einig, daß eine räumliche Trennung ihr wieder Selbstständigkeit und Stärke geben könnte. Also wohnten wir dann getrennt. Kurze Zeit später habe ich einen Job in Frankreich angenommen, und mußte dafür umziehen. Wir haben uns dann nur noch am Wochenende gesehen, oder wenn sie Urlaub hatte und extra zu mir gefahren ist. Ich hab' sie jeden einzelnen Tag damals vermißt... Aber wir haben es überstanden, knapp ein Jahr später bin ich wieder zurückgezogen, wieder aus beruflichen Gründen.

Ich wollte, daß dann alles perfekt wird... wir haben eine wunderschöne Wohnung gefunden, haben damals alles, was wir hatten in diese Wohnung gesteckt, damit sie für uns so schön wie nur möglich wird, damit meinem Mädchen an nichts fehlt, damit sie nie wieder zum Alkohol greift. Doch leider war der Alkohol stärker, und sie hat immer wieder heimlich getrunken. Erst haben wir uns immer heftig gestritten, dann versucht, mit ihr darüber zu reden, ich hab die Schuld bei mir gesucht, gedacht, daß ich nicht alles dafür getan hab, damit sie glücklich ist. Sie hat mir immer wieder versichert, ja sogar geschworen, daß das Problem nicht bei mir liegt. Dazu kommt, daß ihre Eltern immer schon recht streng mit ihr umgegangen sind. Die Eltern hatten ihre eigene Vorstellung, wie sich ihre Tochter zu verhalten habe. Es wurde ihr immer eingebleut, sie habe sich hier doppelt soviel anzustrengen, wie Deutsche, sie sein ein schlechter Mensch. Es hat sie immer sehr fertig gemacht, ich hab' versucht, sie zu unterstützen.

Aber ich hab sehr große Fehler gemacht... ich hab irgendwann einfach keinen anderen Ausweg gesehen, als ihr zu drohen, sie zu verlassen, wenn sie mich nochmal belügt oder Alkohol trinkt. Sie hat es trotzdem gemacht, aber ich bin bei ihr geblieben, weil ich einfach nicht, mit dem Gedanken leben wollte, ohne sie zu sein. Ich habe versucht, ihr zu zeigen, daß ich mit der Sache hart umgehe, daß ich nicht mehr träume und jetzt objektiv lebe. Aber anstatt etwas damit zu ändern, hab ich es nur geschafft, daß sie aus Angst immer wieder getrunken hat und mich angelogen hat. Irgendwann war ich so verzweifelt, daß ich ihr wieder gesagt habe, daß es aus zwischen uns ist. Aber ich habe es wieder nicht lange ohne sie ausgehalten. Ich bin für ein paar Tage ausgezogen, aber ich konnte nicht schlafen, nicht essen... ich hab nur an sie gedacht. Sie hat mich auch jeden Tag mehrmals angerufen, und mich angefleht, wieder zu ihr zurückzukommen. Ich hab es irgendwann nicht mehr ohne sie ausgehalten, und bin wieder zurück. Ich hab ihr damals gesagt, daß es der allerletzte Versuch sein wird. Sie sollte zu einer Selbsthilfegruppe gehen, damit sie ihr Problem vielleicht leichter in den Griff bekommen würde... ich bin nicht mitgegangen... ich hab damals gedacht, sie müsse es alleine schaffen, davon wegzukommen, weil ich nicht immer bei ihr sein kann, um auf sie aufzupassen. Ich war einfach nur zu feige, mitzukommen und mir einzugestehen, daß ich ihr nicht alleine helfen konnte.

Ich habe letztes Jahr dann angefangen, nebenbei am Wochenende in einer Diskothek zu arbeiten, um unser Kapital aufzufrischen und um einen Ausgleich zu meiner Büroarbeit zu haben. Ich war dann fast jeden Freitag & Samstag die ganze Nacht arbeiten. Ich glaube, dadurch habe ich sie zusätzlich vernachlässigt, wir haben zwar ab und zu am Wochenende noch etwas unternommen, aber ich weiß, daß es nicht genug war.

Wir haben letztes Jahr dann unseren Urlaub geplant und gebucht... immer wieder, wenn sie was getrunken hatte, hab ich ihr gedroht, alles abzublasen. Sie hat es dann über 6 Monate geschafft, keinen Alkohol zu trinken. Ich war einfach nur glücklich... wir haben den schönsten Urlaub gehabt, alles war perfekt. Kein Alkohol, kein Streit, keine Lügen.

Aber als wir wieder zu Hause waren, hat uns der Alltag wieder überrannt. Hinzu kam, daß sie sich in ihrem Beruf nicht mehr so wohl gefühlt hat, sie wollte sich gerne weiterbilden und mehr daraus machen. Ich hab ihr damals gesagt, daß ich sie auf jeden Fall dabei unterstützen würde. Trotzdem, kurze Zeit später fing alles wieder von vorne an, die Streitigkeiten wurden mit jedem Mal stärker, gemeiner. Wir haben uns gegenseitig Dinge gesagt, die uns beiden sehr wehgetan haben. Irgendwann im Oktober letzten Jahres war dann endgültig der Punkt erreicht, ich habe mich von ihr getrennt. Ich habe sehr schnell eine neue Wohnung gefunden und bin direkt ausgezogen. Sie ist dann noch bis Ende des Jahres in unserer alten Wohnung geblieben, bis auch sie ausziehen konnte.

Sie hat immer versucht, mich wieder dazu zu bewegen, zu ihr zurückzukommen... ich hab immer abgeblockt. Ich habe immer wieder geglaubt, daß ICH der Gund sei, weshalb sie trinkt, weshalb es ihr schlecht ging. Ich habe geglaubt, wenn ich ihr die kalte Schulter zeige, ihr sage, ich würde sie nicht mehr lieben, dann würde sie es schaffen, ihr Problem in den Griff zu bekommen. Sie hat dann auch endlich einen Therapieplatz bekommen, und ist dann für 3 Wochen stationär betreut worden. In der Zeit war ich trotzdem noch für sie da, hab mit ihr geredet, mich mit ihr getroffen. Ich habe ihr gesagt, daß wir zwar nicht mehr zusammen sind, ich aber trotzdem immer für sie da sein werde, wenn sie jemanden braucht. Sie hat dann aber oftmals öfter hintereinander angerufen, mir keine Ruhe gelassen. Sie hat mir immer wieder vorgworfen, daß ich nicht mit ihr zusammen zur Therapie gegangen bin. Sie hat ja auch Recht gehabt, aber ich wollte es nicht zugeben. Es ging so weit, daß sie teilweise bis 2-3 Uhr morgens angerufen hat, SMS geschrieben hat usw. Ich hab sie dann irgendwann beschimpft, ihr gedroht, ich würde eine Unterlassungsklage einholen, wenn sie nicht damit aufhört. Ich hab mich ihr gegenüber benommen wie ein Schwein... ich hab gedacht, nur so käme sie von mir ab, würde mich hassen und sich nicht mehr selber wehtun.

Aber irgendwann ist die Maske, die ich aufgesetzt habe, einfach zu schwer geworden. Ich konnte nicht mehr... ich habe ihr letzten Sonntag gestanden, daß ich sie die ganze Zeit immer noch geliebt habe. Und ich liebe sie immer noch, mehr als mein eigenes Leben. Doch jetzt ist der Spieß umgedreht... jetzt sagt sie, daß sie mich nicht mehr liebt, daß sie eine Schutzmauer um sich errichtet hat. Sie hat mir immer gesagt, sie wird irgendwann eine Mauer aufbauen, damit niemand sie verletzen kann... aber ich habe immer gehofft, daß immer noch eine Lücke für mich darin sein wird.

Ich kann seitdem nicht schlafen, nicht essen, nicht mehr normal denken. Sie weist mich ab, sagt, daß sie sich über ihre Gefühle für mich nicht mehr im Klaren ist. Sie geht demnächst für 8 Wochen in eine Langzeittherapie. Sie möchte dadurch endlich mehr über sich selbst, ihr Problem und den Grund dafür erfahren. Bis dahin will sie nicht darüber nachdenken, ob sie noch etwas für mich empfindet, weil es sie zu sehr verwirrt. Es sind jetzt 5 Monate, die wir getrennt sind... es kommt mir wie eine Ewigkeit vor... Ich bin Schuld, daß ich den einen Menschen, den man sonst vergeblich sucht, mit Füßen von mir getreten habe... ich habe unser Glück zerstört, ihr den letzten Funken Hoffnung genommen... Ich schäme mich, kann nicht mehr in den Spiegel schauen, weil ich weiß, was ich ihr angetan habe. Und was ich jetzt durchlebe, hat sie auch durchgemacht. Wochen, monatelang. Bei mir sind es erst 3 Tage, und ich kann nicht mehr.
Ich fühle mich einfach nur noch leer, ohne Sinn. Alles um mich herum ist so nutzlos geworden... ich gäbe alles dafür, wenn wir noch eine Chance bekommen, wenn ich noch eine Chance bekommen könnte. Aber alles deutet darauf hin, daß unser Glück für immer verloren ist, daß ich meine Liebe verloren habe. Daß mein Mädchen, daß ich beschützen und liebhaben wollte, mich nicht mehr liebt.
Ich kann nicht mehr, ich will sie zu nichts drängen, aber die Ungewißheit bringt mich um...

Vielleicht kann mir irgendwer raten, wie ich damit umgehen kann... ich selbst kann mir nicht mehr helfen.
 
Hallo,

puuuh, Du hast wirklich lange versucht etwas zu retten das eigentlich von vorne herein zum Scheitern verurteilt war..... Mit einem Menschen zu leben, der Alkoholiker ist (und so etwas wird niemals "geheilt", das ist man für den Rest seines Lebens!), das ist niemals leicht und eine echte Herausforderung und Verantwortung für Angehörige/Partner.

Du solltest erst mal von diesem Gedanken weg kommen der Dich offenbar ständig quält, dass DU daran "schuld" bist! Niemand ist daran "schuld", wenn ein Mensch ein Suchtverhalten annimmt und nicht mehr ablegen kann! Und niemand kann dem anderen dabei helfen, dieses Suchtverhalten wieder abzulegen, wenn der Süchtige selber es nicht will!!!! Entzug beginnt IM KOPF des Süchtigen und nur da! Nur wenn der Süchtige selber es wirklich will, dann wird er auch davon weg kommen - aber bei jeder Kleinigkeit, bei jeder Unebenheit im Lebensweg, bei jedem Problem besteht jederzeit die Gefahr des Rückfalls - immer.

Du konntest ihr von Anfang an eigentlich gar nicht helfen, denn es ist besonders für Menschen des direkten Umfeldes sehr sehr schwer den nötigen "Abstand" zum Süchtigen zu wahren, um ihm noch helfen zu können. Man steht sich sozusagen mit seinen Gefühlen für den anderen ständig selbst im Wege, er tut einem leid, man will ja helfen, fragt sich wieder selber, warum man den geliebten Menschen nicht davon abhalten kann.... aber Du KANNST es nun mal nicht, das muss Dir klar werden!!!!

Helfen kann hier wirklich nur eine gute Therapie und viel viel reden... immer wieder versuchen auszudiskutieren und auch mal die eigene Unzulänglichkeit, Angst und das Gefühl der Minderwertigkeit zugeben können. Dem Partner deutlich zu sagen, wie klein und hilflos man sich in seinen Bemühungen gefühlt hat, wie viel Angst man um ihn hatte/hat, wie schlecht man sich selber fühlt, wenn man den anderen so sieht, hoffen, dass man den anderen noch erreicht, es ihn noch berührt wie man sich gefühlt hat.... doch ob es am Ende wirklich hilft? Einen echten Alkoholiker hält nichts davon ab - sie zeigte ja deutliche Zeichen einer Abhängigkeit (verstecken der Flaschen, immer wieder das Versprechen aufzuhören, aber es nicht einhalten können). So eine Sucht entwickelt sich im Laufe der Zeit leider auch zu einer Art "Selbstläufer", man KANN einfach gar nicht mehr anders, auch wenn man noch so sehr möchte.

Trotzdem denke ich, dass noch nicht aller Tage Abend ist. Sie wird in klaren Momenten auch wissen was sie da verloren hat - vielleicht von sich aus auf Dich zu gehen - gib die Hoffnung nicht auf aber sei Dir bewusst, dass es ein lebenslanger und harter Kampf für Dich werden wird. Vielleicht wendest Du Dich mal an eine "Anonyme Alkoholiker"-Gruppe? Dort gibt es auch Treffen für Angehörige mit praktischen Tipps und Hilfestellungen. Und die Angehörigen werden von ihrem Schuldkomplex befreit! Ich denke, das würde Deiner armen geschundenen Seele auch mal gut tun!

Mit ganz lieben Grüßen
Leah
 
Hallo Insomaniac...

ich kann mich Leahs Worten nur voll und ganz anschließen!

Die Schuld ist bei NIEMANDEN zu suchen und schon garnicht bei Dir!
Wenn man Deinen Bericht so liest, erfreut es einen ersteinmal, das es wirklich doch noch Menschen gibt, die um eine anderen kämpfen und vorallem um eine Beziehung kämpfen. Das ist so selten; darauf kannst Du ersteinmal Stolz sein...

Aber ändern; ändern kann sich nur ein Mensch selber; er muß es selber wollen und vorallem es selber umsetzen! Da kann Deiner Freundin nur eine Entziehungskur und viele viele Gespräche helfen!
Hey, sie sagt doch selber, sie muß ersteinmal jetzt zu sich selber finden.
Gebe ihr die Zeit und dann sage ihr all das, was Leah schon schrieb.
Warum, weshalb etc. Du so gehandelt hast, wie Du Dich gefühlt hast
und und und
Gebe die Hoffnung nicht auf und kämpfe weiter um sie. Vielleicht vorerst mal im "verborgenen" und von weiter Ferne; aber, hör nicht auf zu kämpfen, solang der Kampf noch garnicht verloren ist!
Wende Dich selber wie auch schon geschrieben, an eine Selbsthilfegruppe; ich denke, die können Dir da vieles zu sagen...

LG
Belfine
 
Zunächst danke ich Euch erstmal, daß Ihr Euch die Zeit genommen habt, unsere Geschichte zu lesen. Ich habe bei weitem nicht alles erwähnt, es gibt zuviel, was uns noch verbunden hat, woran wir immer zusammen geglaubt haben. Erst war ich es, der ihr weismachen wollte, daß dies alles für mich nicht mehr zählt, daß ich sie aufgegeben habe. Jetzt, da sie anscheinend an dem Punkt angelangt ist, daß sie es wirklich so lebt, schmerzt es einfach, weil ich nicht mehr zugegeben habe, daß ich auch noch an uns glaube...

Hinzu kommt, daß sie seit kurzem jemanden kennengelernt hat, jemanden aus ihrem Krankenhaus, mit dem sie täglich Kontakt hat. Sie schreiben sich, sie treffen sich, was noch alles ist, weiß ich nicht... ich will es auch nicht wissen, da mich die Vorstellung, jemand anderes ist bei ihr, einfach nur auffrißt. Ich versuche krampfhaft, nicht daran zu denken, mich abzulenken mit Arbeit... aber es funktioniert nicht.

Ich sehe mein Leben einfach nur noch an mir vorbeiziehen, ich sehe, wie mich Leute ansprechen, aber ich höre sie nicht... ich sehe andere Frauen, aber sie haben kein Gesicht und keine Stimme. In meinem Kopf höre ich ständig ihre Stimme, sehe, wie sie mit jemand anderem zusammen ist.

Sie hat schon mit der Therapie angefangen, demnächst geht sie noch zusätzlich in eine 8-wöchige Therapie, fern ab von allen. Ich habe einfach nur Angst, sie für immer verloren zu haben... Die Schuldgefühle beziehe ich nicht auf den Alkohol, nicht mehr. Ich bin es Schuld, daß ihre Gefühle für mich erloschen sind, ich habe ihr die kalte Schulter gezeigt, obwohl ich sie immer noch liebe. Ich habe einfach zu lange gewartet, ich hätte vor 3-4 Wochen schon auf sie zugehen müssen, aber ich wollte nicht, daß ich sie wieder verletzen könnte. Nichts und niemand konnte sie je dazu bringen, ihre Gefühle mir gegenüber zu ändern. Ich habe es geschafft... ich habe sie gekränkt, verdrängt... ich habe die Gefühle getötet, ich bin es Schuld, daß wir vielleicht nie wieder zueinander finden.

Was das Kämpfen angeht, ich würde jederzeit wieder um sie kämpfen, selbst wenn es mich das Leben kostet, denn ohne sie sehe ich keine Erfüllung, keinen Menschen, mit dem ich mein Leben teilen möchte. Ich habe kaum noch Kraft, fühle mich einfach nur hilflos. Ich habe schon Kontakt zu einer Selbsthilfegruppe aufgenommen, um vielleicht etwas mehr zu erfahren. Ich habe nur Angst, dem Don Quichote-Syndrom zu verfallen, einen aussichtslosen Kampf anzutreten und daran zu Grunde zu gehen...
 
Hi du,


das tut mir echt leid für dich. Auch von mir ein dickes Kompliment! Da sitzt du nun da und machst dir Vorwürfe aber was besseres als du konnte ihr doch gar nicht passieren. Immerhin ist sie jetzt trocken und plant sogar Entwöhnungstherapie. Ich kenne eine, bei deren alkoholabhängigem Mann der Groschen erst gefallen ist, als sie mit Hilfe ihrer Selbsthilfegruppe zu drastischen Massnahmen griff. Sie hat ihn, als er bei minus zehn grad betrunken vor der Haustür stand, nicht rein gelassen. Das hat er ihr übel genommen, sie sind geschieden aber dadurch hatte er sein Schlüsselerlebnis. Sie hat es, genau wie du, Jahre lang mit Reden versucht, auch erfolglos. Aber erst, als ihm der Rückenhalt fehlte, ist er zum Entzug und heute noch trocken.
Sie hat heute auch noch Schuldgefühle aber mal ehrlich, was ist denn besser?
Totgesoffen in absehbarer Zeit oder ne neue Chance ohne Alkohol?

Soviel zum Thema Schuldgefühle.

Nun willst du sie ja wieder. So blöd wie das für dich ist, ich seh da wenig Erfolg für dich im Moment. Sie wird jetzt erst mal mit ihrer neuen Situation klar kommen müssen. Die Therapie wird sie verändern. Das ist jetzt allein ihr Ding und irgendwo versteh ich es, wenn sie sämtliche zusätzliche seelische Belastung von sich fern zu halten versucht.

Du kannst ihr nur weiter deine Hilfe zusichern, dich nicht aufdrängen und der Dinge harren, die da kommen. Ich wünschte, ich könnte dir was tröstlicheres sagen. Es ist eben ungerecht. Deinen Platz auf'm Olymp haste dir mit der Aktion schon mal gesichert.

Wenn es dir hilft, schreib hier weiter. Irgendwann kriegst du das, was dir zusteht. ganz sicher!
 
MannOhhMann ... da haste ja was hinter Dir.

So wie Du daran gehst, kannst Du es gar nicht bewältigen.
Klingt hart, aber ich hab Ähnliches durchgemacht ... ABER wie sacht man so schön, "Hinterher ist man immer schlauer"

Du siehst und bewertest sie in der Vergangenheit. Das solltest Du unbedingt ablegen!! Und wenn Du Dir jetzt auch noch ständig bewußt machst, daß sie einen Anderen kennengelernt hat ist das noch ein viel größerer Hammer, als es sowieso schon für Dich ist!

Es hat nicht funktioniert!!! So gern Du es auch anders sehen möchtest ... das ist FAKT! In einigen Jahren bist Du vielleicht sogar froh darüber, daß es ein Ende hatte.

Ich kann Dir nur einen Rat geben: Verbringe Deine Zeit nicht allein ... geh zu Freunden und unternehme ständig was! Und wenn Deine Freunde mal keine Zeit haben, geh in irgendeine Bar oder andere Lokalität ... nicht nur einmal! Suche Dir was, wo Du Stammgast sein kannst ... Konstanz ist das Geheimnis!
So lernst Du Leute kennen und vielleicht auch jemand Besonderen. Man muß nicht auf Frauen zugehen ... meistens entwickeln sich langfristige Geschichten von ganz allein!

Halte Dir nicht ständig Deine Gefühle für sie vor Augen, sondern das was die Gründe dafür waren, daß Du Dich nicht wohlgefühlt hast! Ich weiß, wie das ist ... es kann hunderte Dinge geben, die einen sowas von ankot... ABER ist nur ein einziger positiver Aspekt vorhanden, vergißt man den ganzen negativen Rest.

Du bist jetzt frei!!!!! Deine soziale Bindung ist weg!!!! Dir stehen jetzt Alternativen zur Verfügung ... packe es an!!! Die Welt ist so riesig ... okay, man hat viel zu wenig Zeit, aber Du "verschwendest" sie mit unproduktiven Gedanken! Nichts was Du grübelst wird es wieder gut werden lassen!

Geh raus!! Und versuche diese Freiheit zu begreifen!! Du bist!! Und Du bist nicht allein!! ... auch das ist Fakt!

MfG
 
Danke für Eure Ratschläge. Zunächst muß ich aber sagen, sie ist noch nicht "trocken"... es kommt ab und zu wieder vor, daß sie trinkt. Leider. Ich hab ihr immer angeboten, mich anzurufen, bevor sie sie zum Alkohol greift, sie hat es nicht ein einziges Mal versucht.

Ich weiß, die Vernunft sagt, ich solle das Thema für mich beenden. Aber mein Herz hört nicht auf, wie wild zu pochen. Ich versuche mich abzulenken, aber ich kann nicht immer davonlaufen. Ich hab' mich oft mit meinen Freunden getroffen, bin jedes Wochenende von Donnerstags an im Pulp (die Disco, in der ich nebenbei arbeite), aber irgendwann bin ich auch wieder zu Hause. Und dann trifft es mich immer doppelt und dreifach. Ich kann erst schlafen, wenn mein Körper resigniert, weil er keine Kraft mehr hat. Immer noch. Und es sind jetzt 5 Monate, die wir voneinander getrennt sind. Wir haben noch oft Kontakt miteinander, zunächst hat sie sich immer gemeldet, jetzt bin ich es, dem man fast die Hände abhacken muß, damit ich nicht anrufe und frage, wie es ihr geht. Sie hat in den ersten Monaten stetig versucht, mich dazu zu bewegen, wieder zu ihr zurück zu kommen, ich habe immer abgeblockt, ich wollte nicht, daß sie die Therapien und die ganze Arbeit an sich nur für mich angeht, ich wollte, daß sie es endlich einsieht, daß sie das alles für sich selbst machen muß. Ich mußte verdammt hart sowohl zu ihr als auch zu mir sein. Doch irgendwann war die Maske einfach zu schwer, um sie weiter zu tragen...

Natürlich sollte ich mich frei fühlen... aber ich fühle im Moment einfach nur eine große Leere in mir, als wenn mitten in mir ein großes Loch wäre, daß mit jedem Tag größer wird. Ich kann einfach nicht glauben, daß nur meine Gefühle die Trennung überstanden haben. Ich kann einfach nicht glauben, daß ich es war, der ihre Gefühle zerstört hat.

Ich hab sie gestern erst wieder gesehen. Mein Vater liegt derzeit in dem Krankenhaus, in dem sie arbeitet. Als ich ihn besucht habe, bin ich auch auf ihrer Station gewesen und habe mich kurz mit ihr unterhalten. Von ihrer Seite war nichts mehr von der alten Vertrautheit zu spüren. Ich hab es sonst immer in ihren Augen gesehen, so wie sie hat mich noch nie ein Mensch angesehen. Aber jetzt sehe ich kaum noch etwas in den Augen, nur noch Ablehnung. Sie geht mit mir um, wie mit einem normalen Freund. Ich weiß nur, sobald ich merke, oder sobald sie mir sagt, daß sie jemand anderen hat, bricht meine Welt endgültig auseinander.

Aber das Schlimmste daran ist, daß ich selber die Schuld dafür trage.
 
Kann mir jemand verraten, wie ich diese Schmerzen endlich betäuben, oder am besten für immer loswerden kann ?? Ich hab das Gefühl, daß ich kurz davor bin, innerlich zu zerreißen... ich sitze hier auf der Arbeit und kann mich nicht mehr konzentrieren, ich versuche, meine Gedanken in eine andere Richtung zu lenken, aber ich schaffe es nicht !
 
Nein!! Du hast keine Schuld!
Es ist ihre KRANKHEIT,die alles verändert---Dich und sie.
Weder ihr bloßer Wille noch Dein Einfluß ändert was daran.
Eine Chance hättet Ihr vielleicht gehabt,wenn Du frühzeitig (als sie RICHTIG verliebt war) den Kontakt abgebrochen hättest(dazu braucht man aber extreme Willenskraft)---mit der Begründung: eine Trinkerin will ich nicht,richte Dich allein zu Grunde--ich will nicht zusehen müssen--oder mach einen dauerhaften Entzug.
Lies mal im Forum (z.B. Luiserl hat was langes drüber geschrieben)...Du bist durch ihre Krankheit AUCH verändert worden--das "Sich-selbst-die-Schuld-geben" ist ein Symptom der Coabhängigkeit.
Als Krankenschwester hätte sie genau wissen können,wo und wie Ihr Hilfe bekommt..das ist das Bittere daran.
Solange sie nicht abstürzt...oder aufwacht...geht das Spiel bis zum bitteren Ende weiter...
An kaputter Leber zu sterben...oder im Delirium...oder an einem Baum beim Verkehrsunfall ....ist für keinen Partner ein schöner Anblick.
Welches Mit-Leiden nun einfacher ist...der Liebeskummer oder die Sterbebegleitung.... naja...das ist sooooo trostlos...
Sch....Alkoholismus!

Sei herzlich umarmt!!!

Gruß von der Micky
 
Es geht mir nicht nur um die Schuldgefühle... ich vermisse sie, und die Schmerzen hören einfach nicht auf, im Gegenteil. Ich sitze hier und fühle, wie das Pochen immer stärker wird, der Gedanke, sie nie wieder in den Arm nehmen zu können, meine Hand auf ihren Bauch zu legen, ihre Stimme zu hören, wie sie sagt, daß sie mich liebt, der Ausdruck in ihren Augen, wenn sie mich angesehen hat... alles das macht mich wahnsinnig ! Die Bilder brennen sich in meine Augen, wenn ich sie schließe wird es noch schlimmer.

Ich kann sie nicht anrufen, sie nicht besuchen. Sie hat gesagt, sie weiß nicht, welche Gefühle sie noch für mich hat, und jedesmal, wenn ich mich bei ihr melde, fühlt sie sich in die Enge getrieben. Wie kann das sein ??? Vor ein paar Wochen noch war sie es, die ständig angerufen hat, um mit mir zu reden, mir ihre Gefühle mitzuteilen...
 

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