Üblicherweise entgleitet der Einfluss der Eltern doch spätestens im früheren Kindesalter, nämlich wenn die anderen Peer Groups (in Kita, Schule, Freizeit/Hobby) an Relevanz gewinnen. Ist da bei euch etwas schief gelaufen?
Wenn Eltern sich nicht kümmern, lieblos sind oder gar gewalttätig sind, dürfen die ruhig ihren Anteil sehen, wenn mit dem Kind erwas aus dem Ruder läuft. Abartig finde ich, wenn ein zu fürsorgliches oder zugewandtes Elternhaus gleichermaßen kritisiert wird.
Ich habe gestern abend lange mit meiner anderen Tochter darüber gesprochen.
Genau das hat sie auch gesagt.
Nach ihrem und auch nach meinem Empfinden haben wir beide Kinder gleich behandelt.
Der Fehler wird wohl grundsätzlich zuerst im Elternhaus gesucht und natürlich findet man immer etwas, wenn man die Gegebenheiten lange genug dreht und wendet.
Wären wir mit Konfliktsituationen "temperamentvoll" umgegangen, wäre das vielleicht als Ursache ausgelegt worden.
Und spätestens in der Kita wird ein Kind nicht nur von den Eltern und Geschwistern geprägt.
Ich würde sagen, dass die Tochter nie zu schätzen gelernt hat, dass es ruhig und harmonisch zuging.
Vielleicht hat die Therapeutin die Worte meiner Tochter auch einfach überinterpretiert und sich an Aussagen aufgehängt, die eine viel geringere Bedeutung hatten.
Es gab noch etwas, das die Therapeutin gestern angesprochen hat.
Und zwar hatte der Zahnarzt bei meiner Tochter etwa mit 4 oder 5 Jahren eine Zahnfehlstellung diagnostiziert, die möglichst früh korrigiert werden sollte.
Ihr Oberkiefer war zu eng, so dass die zweiten Zähne aufgrund von Platzmangel schief angelegt waren.
Die Behandlung sollte beginnen, sobald meine Tochter lesen gelernt habe. (Weil eine Zahnspange das Lesenlernen behindert)
Ein paar Monate vor ihrem 7. Geburtstag hatte sie dann ihren ersten Termin beim Kieferorthopäden und bekam feste eine Zahnspange.
Da sich der Oberkiefer vergrößern sollte, gab es an der Zahnspange eine Stellschraube.
Uns wurde eine Art Schlüssel mitgegeben, mit der wir diese Stellschraube einmal pro Woche, in eine bestimmte Richtung drehen sollten, damit sich der Kieferknochen streckt.
Die Prozedur war nicht angenhem für meine Tochter.
Sie hat jedesmal geweint, wenn ich mit dem Schraubenschlüssel ankam.
Es tat mir leid, dass sie Schmerzen hatte. Ich habe es aber trotzdem nach Anweisung des Kieferorthopäden durchgezogern.
Diese Episode schien bei meiner Tochter insoweit Spuren hinterlassen zu haben, dass es bei der Therapeutin Erwähnung fand.
Die Therapeutin fand es nicht korrekt, dass ich meine Tochter gegen ihren Willen mit diesem Schraubenschlüssel bearbeitet habe.
Ich denke aber, meine Tochter würde es genauso wenig korrekt von mir finden, wenn ich es nicht getan hätte und ihre Zähne heute krumm und schief wären.