Kritisch finde ich allerdings schon, euch den Vorwurf zu machen, zu liebevoll und fürsorglich gewesen zu sein, auch wenn Überbehütung durchaus negative Folgen haben kann.
Die Therapeutin hat es nicht direkt als Vorwurf verpackt.
Meine Tochter hat uns als stets verständnisvoll, liebevoll und gütig beschrieben.
Sie hat sich aber laut Therapeutin gewünscht, dass auch mal die Fetzen fliegen.
Auch wenn ich meine persönlichen Gründe habe, sehe ich ein, dass es verkehrt war, nie zu schimpfen, selten zu kritieren und immer für alles Verständnis zu zeigen.
Ich bin in großer Angst vor den Wutausbrüchen meines Vaters aufgewachsen und kann auch heute nicht gut damit umgehen, wenn jemand seinen Gefühlen ungehmmt feien Lauf lässt.
Das soll keine Rechtfertigung sein.
Aber es ist nun mal so, dass mich meine Vergangenheit dahingehend geprägt hat, dass ich mit lauten Worten und "fliegenden Fetzen" nicht gut klarkomme.
Wie würdest du denn selber eure Erziehung beschreiben? Habt ihr der Tochter nichts zugetraut, ihr alles abgenommen, sie nicht weg gelassen? Ihr jeden Wunsch von den Lippen abgelegen, Entscheidungen über ihren Kopf hinweg getroffen?
Gäbe es das derzeitige Problem nicht, hätte ich unsere Erziehung nie infrage gestellt.
Wir haben ihr weder zu wenig zugetraut, noch alles abgenommen. Auch Entscheidungen haben wir immer zusammen getroffen.
Üblicherweise entgleitet der Einfluss der Eltern doch spätestens im früheren Kindesalter, nämlich wenn die anderen Peer Groups (in Kita, Schule, Freizeit/Hobby) an Relevanz gewinnen. Ist da bei euch etwas schief gelaufen?
Das hat die Therapeutin auch erwähnt.