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Dann besuchte Präsident Busch Mainz, was mit erheblichen Verkehrsbehinderungen und Autobahnsperrungen verbunden war. Auswärtigen Studenten war es absolut unverständlich, warum Klaururen gerade für diesen Tag angesetzt waren.
Auch Emo war von den verkehrstechnischen Auswirkungen betroffen. Was ein Glück, dass Tioni ihm für diesen Tag eine Übernachtungsmöglichkeit angeboten hatte. Aber was sollte er machen? Ihr Angebot annehmen, obwohl sie sich so lange nicht gesehen hatten? Obwohl er gelernt hatte, eher darauf zu schauen, wie Personen handelten, als darauf zu hören, was sie sagten?
Er Antwortete ihr: "Ich möchte mich übrigens für dein Angebot der Unterbingung bedanken und gleichzeitig mit einer Entschuldigung zurückweisen. Entschuldigen möchte ich mich dafür, dass ich einfach meine Bedürfnisse einer Übernachtungsmöglichkeit über die Werte unserer Freundschaft gestellt habe. Ich weiß nicht, als was du mich siehst. Was ich für dich bin, aber ich sehe, wie du dich mir gegenüber verhälst (dafür keinen Vorwurf, ich weiß nicht mal, ob du es bewusst oder unbewusst machst). Was ich festgestellt habe, dass dir ein Treffen mit mir schwerfällt. Wieso weiß ich nicht. Aber ich möchte es nicht auf diesem Wege erzwingen. Wenn es dir zur Zeit mehr gibt, mich als mail Freund zu haben oder du Bedenken hast, dich mir zuzumuten oder vielleicht denkst mein Bild bei dir könnte durch die Abgründe eines Treffens zerstört werden... oder noch 1000 andere Gründe - ich respektiere diese Haltung. Mir ist es sehr wichtig wie es dir geht und ich möchte so für dich da sein, wie du dich wohlfühlst!"
Tioni: "Ich scheue ein Treffen mit dir auf keinen Fall. Aber ich wollte es auf jeden Fall richtig machen und dich nicht wieder ne Stunde zwischen zwei Terminen einbuchen... du bist jederzeit willkommen. Ich werde diese Woche nicht da sein, aber du kannst bei meinem BESTEN FREUND Schnubbel übernachten. Er wohnt in Uni nähe."
So fuhr Emo die Nacht für seiner Klausur zu Schnubbel. Schubbel war etwa 1,90m groß und ein etwas kräftiger Typ mit einer Säuselstimme, nicht unsympatisch, aber er wirkte nicht unbedingt männlich und erst recht nicht direkt. Aber die beiden führten noch eine längere Unterhaltung über Männerthemen. Dann schrieb Emo die Klausur und bedankte sich gleich darauf bei Tioni und erkundigte sich nach ihrem Befinden. Tione erzählt ihm daraufhin, dass sie die Tanzschule wechseln müsse, weil sie mit einer Frau statt mit einem Mann tanze: "Tanzen gestern war eine Katastrophe, der Chef hat uns als Lesben beschimpft und uns mitgeteilt wir sollten uns eine neue Tanzschule suchen!". Emo darauf: "Es tut mir wirklich leid, solche schockierenden Vorfälle, wie in eurer Tanzschule zu lesen. Wenn mir so etwas passiert, dann wächst meine Überzeugung, mein Willer zur Revolution. Fühle ich mich ungerecht behandelt, will ich kämpfen, werde wütend. Dabei fokussiere ich nicht nur mich, sondern auch den Täter und dann bekomme ich oft genug Mitleid. In eurem Fall würde ich mich fragen: Was bringt einen so lebenserfahrenen älteren Tanzschulenleiter dazu, so kurzsichtig und verletztend zu sein? Wo hat er diese Härte gelernt? Wird er sich noch jemals für wahre Gefühle öffnen können? Was einen Menschen ausmacht, zeigt sich eben nicht daran, wie er Freunde behandelt, sondern wie er mit Untergebenen oder Fremden umgeht".
Tioni bedankte sich für herzlich für das Mitgefühl und beschloss sich mit ihrer Partnerin eine neue Tanzschule zu suchen. Außerdem wollte sie mit Emo ins Theater gehen. Aber, ob daraus etwas wird? Der Wunsch entstand im Herbst, dann wurde es langsam Winter. Termine wurden ausgemacht und abgesagt. Tioni hatte Probleme mit dem Auto, mit der Arbeit und zuletzt lag sie zwei Wochen im Bett wegen Vermutung auf Kehlkopfkrebs... nicht mal Telefonieren war möglich. Achja und das Theater? Das musste vorschoben werden...
Nachdem Tioni wieder genesen war, verabredeten sich die beiden zu einem ausführlichen Telefonat. Tioni musste Freitag abends Vorbereitungsarbeiten in der Bank überwachen (Schweißarbeiten). Emo sollte sie anrufen... er versuchte es, alle 20 Minuten, den ganzen Abend. Hatte er sich wieder falsche Hoffnungen gemacht? Inzwischen hatte er seit einigen Wochen keine Freundin mehr. Er fühlte sich einsam und hätte sich jemand zum Reden gewünscht. Anschließend begann er sich zu ärgern: Hätte sie nicht wenigstens absagen können? Eine SMS schicken? Was soll denn das???
Am nächsten Tag meldete sich Tioni: "Oje, ich schäme mich schon fast wieder "es tut mir leid" zu schreibne, aber so ist es wirklich. Diesmal stimmen deine Vermutungen allerdings nicht ganz, denn ich konnte wirklich einfach nicht telefonieren in Ermangelung eines Telefons. Vielleicht erinnerst du dich, dass ich gestern und das ganze Wochenende in der Bank arbeiten musste? Leider wurde dabei unter Einsatz von Bohrern und Schweißern der Feueralarm mit allen nachfolgenden Sicherheitsstufen ausgelöst. Das Ergebnis war, dass ich bis 23:30 Uhr nicht in mein Büre kam, wo auch mein Handy und deine Telefonnummer war. So musste ich frierend und bibbernd warten, bis die Feuerwehr uns wieder ins Haus gelassen hat."
Emo war trotzdem noch enttäuscht: "Es tut mir leid, dass ich dich zu unrecht verdächtigt habe, aber manchmal wird es einfach zuviel. Wie wenn du einem Freund mehrmals mit guter Begründung zu seiner Geburtstagsfeier absagst: Das erste mal ist kein Problem, das zweite mal ist er etwas enttäuscht und nach dreimal in Folge fragt er dich vielleicht, ob er dir noch eine Einladung schicken soll. Wir müssen nicht ins Theater gehen, wir müssen uns auch nicht sehen, nicht mal telefonieren müssen wir, wir können uns auch wunderschöne Mails schreiben. Was wir aber tun sollten ist, über das was wir tun wollen, sprechen und gegebenenfalls umsetzen. Von der Vorfreude auf Ereignisse zu zehren funktioniert eine gewisse Zeit recht gut, wenn die Hoffnung jedoch zu oft enttäuscht wird, lässt sich der Geist nicht mehr überlisten. Ich bin leider nicht in der Lage meine Erwartungen auf ein Minimum zurückzuschrauben. Ich unterhalte mich sehr gerne mit dir und es enttäuscht mich, wenn ein geplanter Kontakt nicht zustande kommt."
Nach der Enttäuschung und dieser Reaktion darauf gabe es eine kleine Pause im Kontakt. Emo dachte an seinen bevorstehenden Silversterurlaub an der Ostsee: Mit Freunden zusammen ein Ferienhaus bewohnen, fünf Tage ausspannen, abends feiern, sich austauschen, wieder die neusten Erlebnisse im Leben der anderen erfahren...
Doch dann kam das Päckchen. Emo hatte kein Päcken erwartet und dann war das Päckchen auch noch von Tioni!
Zwei Tage vor Weihnachten, ob das etwas zu bedeuten hatte? Vielleicht war es für Weihnnachten, dachte er sich. Aber es könnte auch etwas verderbliches drin sein, dann wäre es besser, es jetzt zu öffnen. So war Emo keine weitere Vorfreude vergönnt, dafür aber Freude ganz anderer Art. In dem Päckchen war eine Rote Mütze, ein Stadtplan von Frankfurt, Weihnachts Plätzchen, ein Buch (hatte Emo Tioni vor etwa einem Jahr ausgeliehen und in Ermanglung eines Treffens nie zurückbekommen) und zu guter letzt zwei Theaterkarten. Auf einer kleinen Karte war dazu geschrieben: "Die Karte soll dir zur Orientierung in Frankfurt dienen, die Plätzchen als Wegzehrung bei deiner Fahrt an die Ostsee und die Mütze soll dich warmhalten. Außerdem möchte ich dir noch etwas von dem Wertvollstens schenken was ich habe - meiner Zeit - und mit dir in eine Theatervorstellung gehen."
Emo war über glücklich, so ein überraschend schönes Geschenk hatte er noch nie bekommen. Was sollte er davon halten? Macht man das für jeden? War es eine Geste der Freundschaft oder steckte mehr dahinter?
Zuerstmal musste es sich bedanken; jetzt oder nach Weihnachten? Er entschied sich für gleich: "Klar habe ich das Päckchen schon aufgemacht. Stand da irgendwas drauf von wegen erst Weihnachten öffnen? - Habe ich nicht gesehen. Welch glücklicher Sachverhalt, bietet er nicht verschiedene Möglichkeiten?
- Habe ich eine warme rote Mütze, für Besuche auf dem Weihnachtsmarkt.
- Schmecken Plätzchen nicht wesentlich besser vor, als nach Weihnachten?
- Beginnt die Vorfreude auf einen gemeinsamen Abend dadurch nicht früher?
Wie auch immer, mir hat es nicht nur eine kleine, sondern eine große Freude bereitet. Du hast eine sehr liebvolle Art Geschenke zusammen zustellen und den passenden Humor für die zugehörigen Karten.
Manchmal reicht es, um ein Lächeln auf die Lippen zu zaubern, wo einem nicht nach Lachen zu mute ist. Und schwubs geht es dir besser!
Übrigens: Schön, dass wir das Buch nicht mehr als Kontaktobjekt brauchen, leihe es dir übrigens gerne wieder aus, wenn du mir sagst, dass du Zeit dafür hast!".
Ob aus dem gemeinsamen Theaterbesuch etwas wird? Erstmal erzählt Tioni Emo, dass sie mit ihrem besten Freund Schnubbel auch auf eine Ostseeinsel fahren und schlägt ein dort ein Treffen vor.
Emo ganz verzückt wegen des Geschenkes schöpf Hoffnung und freut sich darauf.
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