Dass du daraus aber ableitest, ich würde meinem Sohn und meiner Tochter „ganz viel verbauen“ und sie würden mir meine Erziehung irgendwann vorwerfen, ist für mich eine sehr weitgehende Prognose. Das kann heute niemand wissen.
Doch, mit ein bisschen Menschenkenntnis kann man das. Wenn man sich in andere hinein versetzen kann und sich vorstellt wie man sich an seiner Stelle fühlen würde, dann ist das kein Problem. Ich kann mich in deinen Sohn hinein versetzen, aber auch in dich. Wenn ich ein bisschen mehr über deinen Verlobten wüsste, könnte ich mich auch in ihn hinein versetzen. Was ihn anbelangt habe ich schon ein Bild vor mir, was er für ein Mensch sein könnte. Einfach nur durch die Überlegung, was für ein Mann zu dir, zu deinem Charakter, passen würde und was für einen Menschen du für die Abrundung deines Lebens brauchst.
Ich glaube es ist dir nicht gegeben die Menschen lesen zu können. Das ist jetzt nicht böse gemeint und auch nicht als Kritik. Ich habe versucht dir einen kleinen Einblick zu geben, wie dein Sohn das ganze wohl empfinden muss, was er möglicherweise denkt, um dir eine Idee zu geben wie gewisse Situationen eskalieren konnten. Du hast es theoretisch schon nachvollziehen können, aber praktisch kannst du es nicht, noch nicht mal wenn du wolltest, denn es ist dir nicht gegeben. Deine vermeintliche Sturheit ist allein dieser Tatsache geschuldet.
Als Beispiel: Du
bestrafst deinen Sohn vor Klassenarbeiten profilaktisch mit Ausgehverbot am WE. Ja, du bestrafst ihn, verbietest ihm sich zu entspannen und sich mit seinen Freunden zu treffen, obwohl das WE genau dafür gemacht ist: Zum entspannen, zu geniessen und den Kopf frei zu bekommen. Wenn er ein fauler Sack wäre, der nur 5er und 6er nach Hause bringt, könnte ich das sogar nachvollziehen. Dass dein Sohn das mit sich machen lässt zeigt, dass du seinen freien Willen schon gebrochen hast. Er ist bereits erziehungsgeschädigt. Erzähl einem Pädagogen was du machst und er wird entsetzt die Hände über dem Kopf zusammenschlagen.
Ich kann dir auch sagen warum dein Sohn abgehauen ist, warum er überhaupt wieder zurück gekommen ist und warum er angetrunken war. Als ob ich in seinen Kopf schauen könnte. So glasklar ist das für mich.
Ich glaube aber nicht, dass es mir oder meinem Sohn hilft, diese Situation jetzt im Nachhinein mit deiner Reaktion zu vergleichen.
Natürlich nicht. Aber es gäbe dir eine Idee wie man anders damit umgehen könnte und was alle Beteiligten daraus lernen könnten. Das ist nicht einfach so, aus zufällig gleichzeitig passierten Umständen entstanden Das war eine Warnung, die du als Mutter ernst nehmen solltest.