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Ich weiß nicht mehr weiter mit meinem Sohn (15)

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Mein Verlobter und ich kannten uns bereits seit Jahrzehnten, bevor unsere Beziehung entstanden ist.

Er ist aktuell auf Geschäftsreise. Mein Sohn und ich organisieren den Alltag in dieser Zeit gemeinsam. Wir bestellen Essen beim Lieferservice und mein Sohn übernimmt ein paar kleinere Aufgaben im Haushalt. Für die größeren Dinge haben wir Unterstützung durch eine Haushaltshilfe.

Ok - da geht es aber wieder lediglich um Aufgabenverteilung, Abwicklung und Organisatorisches.

Was ist mit Gefühlen, Befindlichkeiten, Wünschen und Erwartungen?

Du findest es scheinbar großartig, dass dein Sohn nicht mehr Pflichten im Haushalt hat - erwartest du dafür auch Dankbarkeit?

Ist die berufliche Abwesenheit des Verlobten der Grund für den geplanten "Mama-Sohn Abend mit Netflix Film" oder könnte sowas auch stattfinden, wenn der Verlobte nicht auf Reisen ist???

Denn - für den Sohn ist es kein 'ich stehe heute im Mittelpunkt Gefühl' wenn der Partner der Mutter was anderes vorhat und Mama daher Zeit für ihn hat.
 
Was ich immer mehr heraus höre ist, dass du in deiner eigenen Kindheit unter materieller Armut gelitten hast und deshalb stets darauf geachtet hast, über Bildung materiellen Wohlstand zu erreichen.

Du übertägst nun deine eigenen kindlichen Wünsche und Träume auf deinen Sohn und siehst nur, dass er doch im neuen Haus ein schöneres Zimmer hat als in der 'alten Wohnung', dass er eine Privatschule besuchen darf und dass doch du deinem Sohn genau das Leben ermöglichst, welches DEIN TRAUM als Kind gewesen wäre...

Daher fällt es dir so schwer, dich in deinen Sohn hinein zu versetzen. Du hast dein eigenes 'Trauma' nicht aufgearbeitet und bist immer noch ganz bei dir und deinem kindlichen ICH.

Daher: Therapie gar nicht schlecht. Aber für dich selbst. Akzeptiere dass dein Sohn eigene Träume, Prioritäten und Wünsche ans Leben hat. Es hilft ihm nicht, wenn du bestrebt bist, ihm die Kindheit/Jugend zu ermöglichen, die du dir für dich gewünscht hättest...
 
Ich finde es schön zu sehen, dass du bereit bist den ersten Schritt zu machen um euer Vertrauen wieder aufzubauen (ich sage bewusst "euer", denn du vertraust ihm auch nicht). Ohne Vertrauen geht in einer Beziehung gar nichts. Ja, genau da würde ich ansetzen. Wenn er wieder Vertrauen hat, wird er sich automatisch wieder öfter zu euch setzen, mit euch plaudern und sich irgendwann als akzeptiertes und respektiertes Familienmitglied fühlen.

Es ist wichtig offen miteinander zu reden. Ich weiss ja nicht, wie ihr vorher ernsthafte Gespräche geführt habt. Also wie du das machst musst du selber wissen. Ich denke, der körperliche Angriff deines Verlobten sollte primär zum Thema gemacht werden. Für mich wäre das DER Schockmoment meines Lebens gewesen, den ich nicht so leicht wegstecken würde. Mit einer Entschuldigung deines Verlobten ist das nicht abgetan. Aber frage ihn nicht nur aus, sondern fange von dir an zu reden. Er wird vermutlich darauf eingehen und (hoffentlich) von sich aus seine Sicht der Dinge aussprechen. Nimm ihn ernst. Geh darauf ein ohne "Ja aber du hast zuerst provoziert". Keine Schuldzuweisung. Verteidige deinen Verlobten nicht. Rechtfertige dich nicht. Hör gut zu. Redet er nicht von sich aus, frage vorsichtig wie er die Situation empfunden hat, was er gefühlt hat. War es Ärger, Wut, Enttäuschung, Angst? Was hätte er sich von dir gewünscht? Was hat das mit ihm gemacht?

Wenn er bockig bleibt und nicht reden will, zwinge ihn nicht sondern vertage das Gespräch und sage ihm das auch: "Ich sehe, es ist nicht der richtige Zeitpunkt für dich zum reden. Wollen wir am Freitag zusammen Eis essen gehen und dann reden?"

Ich würde z.B so anfangen: "Mir geht die Sache einfach nicht aus dem Kopf, als V. so wütend wurde und dich gegen die Wand gedrückt hat. Du hast richtiggehend panisch ausgesehen und ich glaube, ich habe da nicht ganz richtig reagiert. Ich hätte für dich einstehen sollen und das habe ich nicht gemacht. Dafür entschuldige ich mich. Und dann, als du abgehauen bist und angetrunken zurück kamst, da habe ich XY gemacht, anstatt froh zu sein, dass du heil wieder nach Hause gekommen bist. Wie siehst du das?..."

Ich denke, diese Sache muss unbedingt geklärt werden und du musst auch unter vier Augen mit deinem Verlobten reden und ihm Grenzen setzen. Das darf nie wieder vorkommen. Wenn diese Sache mal vom Tisch ist, könnt ihr nach und nach auch die anderen Themen ansprechen. Auch hier: Hör ihm zu und nimm ihn ernst. Er ist kein Kind mehr.
Danke für deine ausführlichen Gedanken und auch für die konkreten Vorschläge, wie ein Gespräch aussehen könnte.
Der Punkt mit dem Vertrauen beschäftigt mich tatsächlich. Ich glaube auch, dass Vertrauen in beide Richtungen funktioniert. Nicht nur mein Sohn muss mir wieder vertrauen können, sondern auch ich muss ihm zeigen, dass ich ihm zuhöre, ihn ernst nehme und seine Gefühle nicht sofort mit Erklärungen oder Lösungen beantworte.
Ich finde den Vorschlag gut, das Gespräch nicht mit Vorwürfen oder Schuldzuweisungen zu beginnen, sondern erst einmal zuzuhören. Ich werde versuchen, mehr darüber zu erfahren, wie er die Situationen erlebt hat und was sie mit ihm gemacht haben.
Das Thema mit meinem Verlobten werde ich ebenfalls ansprechen. Mir ist wichtig, dass mein Sohn weiß, dass ich seine Gefühle dazu ernst nehme. Gleichzeitig möchte ich auch hier nicht nur eine Seite betrachten, sondern verstehen, wie es zu der Eskalation kommen konnte und was wir als Erwachsene daraus lernen müssen.
Ich nehme auch den Gedanken mit, bei Gesprächen weniger in Erklärungen oder Rechtfertigungen zu gehen und mehr zuzuhören. Das ist sicherlich etwas, woran ich sehr arbeiten muss.
 
Mit „er hat es eingesehen“ meine ich nicht, dass er irgendwann aufgegeben hat, weil seine Meinung nicht gezählt hat.

Ich warte nach wie vor auf deine Rückmeldung dazu, wo genau seine Meinung gezählt hätte - also wo er Einfluss auf deine finale Entscheidung hatte.

Möchtest du da kein Beispiel nennen? Gibt es kein Thema wo seine Meinung eine Rolle gespielt hat?

Keine Antwort ist übrigens auch eine Antwort....
 
Ich warte nach wie vor auf deine Rückmeldung dazu, wo genau seine Meinung gezählt hätte - also wo er Einfluss auf deine finale Entscheidung hatte.

Möchtest du da kein Beispiel nennen? Gibt es kein Thema wo seine Meinung eine Rolle gespielt hat?

Keine Antwort ist übrigens auch eine Antwort....
Wenn ich ehrlich bin, fällt es mir schwer, ein großes Beispiel zu nennen, bei dem mein Sohn am Ende die Richtung der Entscheidung bestimmt hat. Bei Themen wie Umzug, Schule oder der Situation mit dem Kater lagen die endgültigen Entscheidungen bei uns Erwachsenen. Aber es gab auch kleinere Bereiche, in denen seine Meinung für uns eine Rolle gespielt hat. Zum Beispiel bei gemeinsamen Unternehmungen, bei der Gestaltung seiner sportlichen Freizeit oder bei der Auswahl von Aktivitäten, die ihm wichtig sind. Auch bei Alltagsentscheidungen haben wir versucht, seine Wünsche einzubeziehen.
 
Ich nehme auch den Gedanken mit, bei Gesprächen weniger in Erklärungen oder Rechtfertigungen zu gehen und mehr zuzuhören.

Guter Vorsatz - aber bitte mach dir bewußt:

„Gesagt ist noch nicht gehört,
Gehört ist noch nicht verstanden,
Verstanden ist noch nicht einverstanden,
Einverstanden ist noch nicht getan,
Getan ist noch nicht beibehalten.”
(Konrad Lorenz)

Das hat vor langer Zeit ein Kommunikationsprofi sehr treffend formuliert.

Bist du bereit auch deinem Sohn ein ECHTES Mitspracherecht einzuräumen oder willst du weiterhin nur erzwingen, dass er sich deine Sicht der Dinge zu eigen macht?

Diesen Eindruck gewinnt man aktuell.

Du überdenkst die Form der Kommunikation, hältst aber weiterhin deine Sicht für die Relevante. Solange dein Ziel die "Überzeugung" bleibt, wirst du lediglich ein "ok" ernten.

Das OK ist aber weder Zustimmung noch Konsens, sondern einfach im Ergebnis Akzeptanz und Unterordnung deines Sohnes und ein unglückliches und trauriges Kind.
 
Zum Beispiel bei gemeinsamen Unternehmungen, bei der Gestaltung seiner sportlichen Freizeit oder bei der Auswahl von Aktivitäten, die ihm wichtig sind. Auch bei Alltagsentscheidungen haben wir versucht, seine Wünsche einzubeziehen.

Eis oder Pommes durfte er also mitentscheiden 👏👏👏

Bei Alltagsentscheidungen VERSUCHT - leider nicht möglich gewesen....

Denn wo man wohnt, zur Schule geht oder welche Haustiere mit umziehen, passte ja nicht mit den Plänen der 'Erwachsenen'....
 
Eis oder Pommes durfte er also mitentscheiden 👏👏👏

Bei Alltagsentscheidungen VERSUCHT - leider nicht möglich gewesen....

Denn wo man wohnt, zur Schule geht oder welche Haustiere mit umziehen, passte ja nicht mit den Plänen der 'Erwachsenen'....
Ich glaube, wir kommen an diesem Punkt nicht weiter. Ich habe meine Sicht erklärt und nehme die unterschiedlichen Einschätzungen zur Kenntnis.
Ich bin bereit, über Kritik und Denkanstöße nachzudenken, aber ich möchte mich nicht in eine Diskussion begeben, in der meine Aussagen nur ins Lächerliche gezogen werden. Dafür ist mir der Austausch zu wichtig.
Ich wünsche dir alles Gute.
 
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