Mein Arzt sagt, dass ich zu fett bin und abnehmen muss. Wie, das verschweigt er mir.
Die Ärzte haben dir gesagt, wie Abnehmen geht - weniger Kalorien essen, mehr verbrennen (wobei dieser Teil eher optional ist, man kann auch ohne Sport abnehmen).
Mehr als das - rein technisch gesehen - ist es nicht. Dir wird kein großer Geheimtipp verschwiegen, mit dem es bei jedem mühelos klappt.
Ich hatte vor ein paar Jahren mal 20 kg zu viel auf den Rippen und bin die innerhalb eines Jahres losgeworden, ohne mit einem Arzt oder Ernährungsberater gesprochen zu haben. Seitdem ist mein Gewicht stabil.
Entzugserscheinungen hatte ich selbstverständlich, ich hab vorher viel zu oft Süßkram gegessen und musste meinen Körper erstmal an die neue Ernährungsform gewöhnen, die meinen Blutzucker auf einem recht niedrigen Niveau ohne zu krasse Schwankungen lässt. Ich habe z. B. regelmäßig Kakao getrunken und hielt so was wie Nougat Bits für eine klasse Option zum Frühstück. Ständig bekam ich röhrenden Hunger, bei dem mir sogar schwindelig wurde, und hab das für normal gehalten. Erst jetzt weiß ich, dass diese Sorte Hunger alles andere als natürlich ist. Es war ein Symptom, ausgelöst von falscher Ernährung!
Weiß nicht, welche Tipps ich zum Entzug geben könnte. Der Trick war halt, die früheren ungesunden Suchtmittel "einfach" nicht zu essen und den Heißhunger durchzustehen. Ich hatte die fraglichen Lebensmittel, die ich als meine persönlichen Haupt-"Fettmacher" ausgemacht hatte, zu diesem Zeitpunkt konsequent nicht im Haus. Hab mich beim Einkauf zusammengerissen und das Zeug nicht in den Wagen gelegt. Und egal wie verlockend es war, ich bin nicht nur für diese Produkte nochmal extra einkaufen gegangen, das hab ich mir verboten - weil das Suchtverhalten ist, und ich mir generell kein Suchtverhalten mehr erlauben will.
Geholfen hat mir, mich viel zu solchen Themen zu belesen und dazu, was mit meinem Körper los ist. Das menschliche Hungergefühl hängt von vielen Faktoren ab, und "mein Körper braucht gerade wirklich was" dürfte das sein, was bei uns mit unserer modernen Lebensweise tatsächlich am seltensten zum Hungergefühl führt. Wir essen wegen zu hohen Blutzuckerschwankungen, weil viele Lebensmittel als Suchtmittel designt wurden, aus Langeweile, aus Gewohnheit, weil wir gestern um die gleiche Uhrzeit vielleicht auch was gegessen hatten und der Magen sich wundert, warum es heute um diese Uhrzeit nichts gibt. Das Hungergefühl ist durch unnatürliche "Lebensmittel" derart verfälscht, dass man es nicht als Maßstab zum intuitiven Essen benutzen kann, weil "intuitiv" zu essen so bei den meisten zwangsläufig zu Übergewicht führt.
Die Mechaniken dahinter zu verstehen und das ganze Thema sehr rational zu betrachten war bei mir sehr wichtig. So haben mich die Reaktionen meines Körpers nicht gewundert und ich wusste, woher sie kommen, wie ernst ich sie nehmen muss und wie ungefähr sie verlaufen werden. Und natürlich die Erkenntnis, dass ich mit einem einzigen Griff zu meinen Übeltätern meinen gesamten Entzugs-Fortschritt wieder ruiniert hätte, und dann von vorne hätte loslegen müssen.
Ich wollte, dass es aufhört. Ich wollte wieder gesund und normalgewichtig sein und mich nicht mit Knieschmerzen nach meinem Minijob rumschlagen müssen, die ich irgendwann von meinem Übergewicht bekommen hatte. Ich wollte nicht länger in den Spiegel sehen und ein Gesicht sehen, das ich kaum noch als meines identifizieren konnte.
Ich wusste, dass es die hässlichen Gefühle beim Entzug wert sein wird, wenn ich das jetzt durchziehe und den Ballast an meinem Körper loswerde. Und hallelujah, das war es auch! Ich habe mich körperlich und sogar psychisch nie besser gefühlt als jetzt.
Wenn dein Magen an zu große Portionen gewohnt ist, ist auch das etwas, wo er wieder entwöhnt werden muss. Dann vermeldet er Hunger auch nicht, weil dein Körper was braucht, sondern weil dein Bauch gewohnt ist, mit viel zu viel Volumen ausgestopft zu sein. Auch das kann sich zurückentwickeln, braucht aber genauso Zeit wie ein Zuckerentzug. Es gibt keine Abkürzung, man muss da durch.