Ich muss mich daran gewöhnen so zu schreiben, dass es wirklich auch die Leute verstehen, die 1 und 1 nicht zusammenzählen können.
Diesen Passus finde ich unangebracht. Lass "die 1 und 1 nicht zusammenzählen können" weg und der Satz stimmt wieder, ja! Man kennt dich hier nicht und macht sich ein Bild aus dem, was du preisgibst. Da ist mit der Zeit immer mehr dazugekommen und eben auch wichtige Dinge, die den Sachverhalt plötzlich wieder in ein neues, anderes Licht gerückt haben. Ein Mosaik, bei dem es an dir ist, zum Verständnis beizutragen. Völlig normal soweit in einem Forum, bei eurer komplexen Geschichte absolut wichtig.
Teilweise zeugen die Beiträge hier von unglaublicher Mühe der User, man leidet mit dir und möchte helfen. Erkenn das bitte an und sei nicht beleidigt, wenn mal etwas falsch ausgelegt wird. Und teilweise musst DU auch korrigierend eingreifen, weil du Geschehnisse unzureichend (mit Interpretationsspielräumen) oder auch missverständlich erklärt hast, so dass die gezogenen Schlüsse dann in eine falsche Richtung liefen. Und ja, es gibt User mit wirklich großer Fantasie, die dann reißerisch "Familiengeheimnisse" daraus stricken oder unterstellen, das könne ja nur Fake sein. Du dürftest aber auch gemerkt haben, dass dem keine Bedeutung beigemessen wurde und dass 99 % der User dies nicht teilen oder sich darüber sogar entrüsten. Über solche Provokationen würde ich an deiner Stelle einfach hinweglesen.
Entschuldigend könnte man anbringen, dass euer Familienkonstrukt tatsächlich nicht nur ungewöhnlich, sondern (auch wenn ich den Begriff nicht so mag) toxisch ist. Dabei steht weniger der Sachverhalt der alten, nicht mehr so belastbaren Eltern eine Rolle, was zunächst noch als das Anfangsproblem erschien, als vielmehr die ungute Entwicklung, die ihr als Familie genommen habt. Da hat sich etwas verselbstständigt, das eigentlich doch für keinen von euch dreien gut sein kann und jedem - sogar deinem Mann, auch wenn der das nicht zu merken scheint - schadet. Daher finde ich es absolut gut und richtig, dass du offenbar beschlossen hast, Hilfe zu holen. Was dir hilft, wird längerfristig auch eurem Kind helfen - und wenn dein Mann endlich mal einsieht, dass seine boykottierende Haltung völlig destruktiv ist, dann auch ihm... vielleicht auch sogar euch beiden als Paar. Dazu müssen aber alle Parteien sukzessive aufgeschlossen werden.
Es ist richtig, dass du erst einmal bei dir anfängst. Du musst klar sehen und eine Strategie entwickeln mit dem Minimalziel, dich selber zu stabilisieren, damit es dir wieder besser geht und dem Maximalziel, dass ihr alle wieder auf einem normalen, entspannten, herzlichen und fürsorglichen Niveau zusammenleben könnt.
Ich finde es daher super, dass du zum Telefonhörer gegriffen hast. Bleib dran und hartnäckig. Und vergiss bitte nicht: Den Leuten am anderen der Strippe geht es wie uns hier: Sie können sich mit den paar Sätzen, mit denen du eure Situation einleitest, zunächst kein Bild machen, dass ihr wirklich dringend Hilfe braucht. Du bringst eine eher ungewöhnliche Geschichte mit und kommst nicht aus einer klassischen Problemfamilie, die sicherlich 80-90 % des dortigen Klientels ausmachen. Ihr seid wirtschaftlich solide, vermutlich gebildet, du vermagst dich gut zu artikulieren. Da ist nichts Asoziales i. S. einer sozial schwachen Familie mit einem physischen Gewalt-, Sucht- oder ähnlichen Problem. Ihr habt lediglich eine sehr ungesunde Dynamik entwickelt, die sich verfestigt hat - leider bist ausgerechnet du als schwächstes Glied in der Kette diejenige, die den Handlungsbedarf zuerst erkannt hat. Dass du bei deinem Mann auf taube Ohren stößt macht es nicht einfacher. Mach trotzdem weiter und such externe fachlich Unterstützung. Setz dich durch, dass du zunächst allein eine Chance bekommst, so offen zu erzählen, dass man verstehen kann, wo die Probleme bei euch liegen und erkennt, dass man auch euch helfen muss. Einen Schritt nach dem anderen, mit Beharrlichkeit. Das wird!
Ich muss gerade noch einen Beitrag im Thread suchen, der m. E. hervorragend eure Situation zusammengefasst hat. Genau so sehe ich das auch. Vielleicht hilft der ja auch ein bisschen bei der Beschreibung eurer Situation, wenn du einleitend in die Gespräche gehst. Den liefere ich gleich nach. Gefunden: Es ist der Beitrag #457 von
@Violetta Valerie, der es m.E. genau auf den Punkt bringt.